Dienstag, 23. Mai 2017

... über "Das Haus der schönen Dinge" von Heidi Rehn

Das Haus der schönen Dinge

von 
Heidi Rehn

Ein breit angelegter historischer Roman, der ein Kaufhaus zum wahren Protagonisten macht und in lebendigen Bildern das Schicksal seiner Inhaber schildert. Aufschwingend bunt bis betrüblich karg - "Das Haus der schönen Dinge" ist so wechselhaft wie die deutsche Geschichte, in die der Roman eingebettet ist. Mitunter sorgen erzwungene Zeitsprünge und beobachtende Beschreibungen für eine Distanz, die nicht jedem Leser gefallen dürfte.


(c) Droemer-Knaur, Bildlink zu Amazon
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Zum Inhalt:
Kurz vor der Jahrhundertwende zum 20. Jh. eröffnet der jüdische Kaufmann Jacob Hirschvogl, frisch zum Königlich-Bayerischen Hoflieferanten ernannt, ein Kaufhaus am Münchner Rindermarkt. Dank der innovativen Ideen seiner Frau Thea und Jacobs Sinn fürs Geschäftliche wird es bald zur ersten Adresse für die betuchtere Gesellschaft. Die mittlere Tochter Lily wuselt bereits als Halbwüchsige mit großer Leidenschaft im Geschäft herum, während ihrem großen Bruder Benno so gar nichts daran gelegen ist, in des Vaters Fußstapfen zu treten, und Nesthäkchen Sepp eher kränkelt und später eigenen Interessen folgt. So gern man sich aber auch bei Hirschvogls mit den neuesten Kreationen aus den Modemetropolen einkleiden lässt und sich bei Theas beliebten Veranstaltungen sehen lässt, so kann doch nichts darüber hinwegtäuschen, dass jüdische Kaufleute missgünstig beäugt werden. Und so kommt der Tag, an dem die Kaufhausfamilie vor einer schweren Entscheidung steht ...

Meine Meinung: 
Heidi Rehns historischer Roman rund um ein fiktives Kaufhaus, das symbolhaft all jene jüdisch geführten Kaufhäuser verkörpert, die den Schrecken der Geschichte zum Opfer gefallen und für immer verloren sind, ist ambitioniert angelegt und anders, als ich ihn erwartet hätte. Denn sein unangefochtener Protagonist ist tatsächlich das Hirschvogl am Rindermarkt, das Haus der schönen Dinge. Heidi Rehn erzählt seine Geschichte, verknüpft mit der Geschichte seiner Inhaber, die eng mit ihm verwoben und dennoch fast nur ein Accessoire sind. Wir begegnen einer Vielzahl von Personen, angefangen beim engeren Kreis der Münchner Hirschvogl-Familie, der um sporadisch auftretende Verwandte aus In- und Ausland und langjährige und neue Freunde, aber auch authentische, zeitgenössische Persönlichkeiten ergänzt wird. Die Handlung nimmt 1897 ihren Anfang und endet 1952. Von Anfang an dabei bleiben Lily und ihre Freundin Cäcilie, zwangsläufig müssen wir von Figuren Abschied nehmen, andere neu kennenlernen und mit den Veränderungen der Figuren und des Kaufhauses vor dem realen Zeitgeschehen mithalten.
Mit "großen Erwartungen" beginnt der Roman bereits in einer Zeit des Umbruchs - die Jahrhundertwende steht bevor, das Leben wird moderner, und die Frauen der Hirschvogl-Familie sind erstaunlich ideenreich und geschäftstüchtig, was nicht überall Anklang findet. Besonders Thea zeigt sich kühn und schwingt sich in modischen Bloomers aufs Velociped ungeachtet des Spotts und der Kritik. Tochter Lily eifert ihr nach. Obwohl ihre Figur neben dem Kaufhaus eine Konstante des gesamten Romans ist, steht ihre Darstellung der ihrer Mutter nach. So faszinierend und interessant "Das Haus der schönen Dinge" auch zu lesen ist, so leidet der Roman doch an seiner Breite. Seine etwas mehr als 600 Seiten decken einen geschichtlich ereignisreichen Zeitraum, der zu Abstrichen in der Handlung und Figurenzeichnung führt. Als "opulent, dramatisch und emotional" angekündigt, bleiben gerade die Emotionen besonders auf drei Vierteln des Romans mitunter auf der Strecke. 
Während diese Zeit des Aufbaus und Aufschwungs noch recht ausführlich geschildert wird, sind immer wieder Zeitsprünge erforderlich, um den enormen Handlungszeitraum zwischen zwei Buchdeckel zu bannen. Zeitangaben in der Kapitelüberschrift und Rückblenden auf erzähltes und nicht erzähltes Geschehen helfen, sich zurechtzufinden. Allerdings fällt es nicht immer leicht, sich für Figuren zu erwärmen, Sympathien oder Antipathien zu entwickeln. Einige von ihnen erleben wir als Randfiguren buchstäblich zu marginal und nur durch die Augen der Hauptfiguren, ganz gleich, in welchem Maße sie zu deren Entwicklung beitragen müssen. Feinheiten, wie Jacobs unproblematischer Umgang mit Schweinebraten, den er gern in Begleitung seines Freundes Alois genießt, Lilys unaufgeregter Umgang mit Kunden und ihre Loyalität gegenüber dem großen Bruder, der sich nichts aus ihrer Freundin Cäcilie macht, Theas aufrechte Haltung gegenüber offenen Anfeindungen, und, und, und machen sie jedoch nahbarer. Dennoch liest sich "Das Haus der schönen Dinge" teilweise wie ein Bericht. Geschuldet ist dies Heidi Rehns Vorliebe zur Substantivierung, die trotz lebendiger Dialoge mit dialektischen Einfärbungen eine Distanz entstehen lässt, die ich als ungewöhnlich, aber keineswegs störend empfinde. 
Im Gegenteil: Die Rolle des Beobachters gefiel mir ausgenommen gut. Gern streifte ich durch das Kaufhaus, das wahrlich opulent dargestellt ist und eine Einkaufswelt lebendig macht, die uns heute nur aus alten Filmen bekannt sein dürfte. Auch genoss ich Heidi Rehns subtile und kluge Analyse des Zeitgeschehens, mit der sie erinnert und unaufdringlich mahnt. Mit den" großen Enttäuschungen" endet die Geschichte schließlich dicht erzählt und spart weder an Dramatik noch Emotionalität, jedoch stets in ausgewogenem Maße, ohne zu dick aufzutragen.
Neben einem Familienstammbaum im Umschlag (mit einem kleinen Zahlenfehler, der sich in einer nächsten Auflage flugs korrigieren lässt) und einer Werbeanzeige des Hirschvogl noch vor Beginn des eigentlichen Romans rundet ein Glossar am Ende mit zeitgenössischen Ausdrücken, Dialektbegriffen und Persönlichkeiten von Rang und Namen dieses insgesamt gelungenen historischen Romans. 

Leseempfehlung für alle, die sich für die erste Hälfte des 20. Jh.s. interessieren. 

4 von 5 Weißdornzweigen





Buchdaten: 


  • Taschenbuch: 656 Seiten
  • Verlag: Knaur TB (2. Mai 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426519372
  • ISBN-13: 978-3426519370
  • Neupreis: 9,99 € (D)
  • E-Book: 9,99 €

Donnerstag, 11. Mai 2017

... über "Aimées geheimer Wunsch" von Kelly Doust

Kelly Doust
"Aimées geheimer Wunsch" 
Ohne Stickmuster - abwechslungsreich, wechselhaft, nicht immer gelungen 

(c) KiWi, Bildlink zu Amazon
(Affiliate-Link, Werbung)

Zum Inhalt: 

1891 steht die 27-jährige Aimée kurz vor der Zweckheirat mit dem deutlich älteren, ihr so gut wie unbekannten Bernard. All ihr Gefühlschaos legt sie in die Gestaltung eines kostbaren Kragens, der sie im einstigen Hochzeitskleid ihrer verstorbenen Mutter künstlich zum Strahlen bringen soll. Über 120 Jahre später findet Maggie das opulente Accessoire in einer Kiste mit Stücken, die sie bei einer Auktion in dem Auktionshaus, für das sie arbeitet, für sich selbst ersteigert hat. Frisch befördert, bekommt sie bei einer Fernsehsendung Gelegenheit, ihre Begeisterung für alte Kostbarkeiten mit der Öffentlichkeit zu teilen ... und ruft dabei eine ältere Dame auf den Plan. Diese meint nämlich, das Schmuckstück, das auch Maggie für eine Art Kopfbedeckung hält, habe einst ihr gehört. Nun will sie mehr darüber erfahren, und die junge Auktionatorin begibt sich auf Spurensuche ... 

Meine Meinung: 
"Aimées geheimer Wunsch" ist Kelly Dousts Debütroman. Von Mode und Kreativem begeistert, verpackt sie darin ihr eigenes Interesse an alten Dingen - mit der im Originaltitel "Precious things" angedeuteten Botschaft, dass die wirklichen Kostbarkeiten nicht immer die sind, die unmittelbar ins Auge fallen. Gewiss trifft sie thematisch einen Nerv, denn Sendungen zwischen Kitsch, Krempel und echten Raritäten sind im Trend.
Der deutsche Titel "Aimées geheimer Wunsch" leitet gewissermaßen fehl, da er uns besagte Aimée als DIE Hauptfigur suggeriert, sie aber "nur" ein Teil einer Episode ist. Quasi einer der Spannringe des Romanstickrahmens - ob nun der äußere oder innere sei dabei dem subjektiven Leserempfinden überlassen. Das Stickbild jedenfalls erscheint vor unseren Augen unvollendet.
Dousts Roman umfasst mehrere Episoden, die den jeweiligen BesitzerInnen des von Aimée reich bestickten Kragens gewidmet sind. Angefangen bei Aimée in der Normandie reist das modische Detail sogar bis nach Asien, gelangt ans Mittelmeer und entfernt sich wieder ein Stück, bevor es am Boden einer Kiste im England der Gegenwart der Auktionatorin Maggie in die Hände fällt. Maggies Geschichte bildet nun den zweiten Ring des Stickrahmens. Dazwischen: episodische Rückblenden, die mal personal, mal in Ich-Perspektive erzählt und eben mal mehr, mal weniger interessant sind.
Als Kontrastprogramm zu Aimée, die wir quasi als "alte Jungfer", kleingehalten, fast schon eingesperrt in ihrem maroden Schloss mit gutem Namen, kurz vor dem Altar kennenlernen, bevor sie erst am Ende des Romans noch einmal zu Wort kommt, ist Maggie eine moderne Frau mit typischen modernen Frauenproblemen. Auf den ersten Blick scheint alles ganz heimelig. Guter, verständnisvoller Mann (sogar mit kleinem Bäuchlein), süße fünfjährige Tochter, nettes Häuschen, ein Job, der Spaß macht. Nicht übertrieben idyllisch, sondern sehr menschlich und nachvollziehbar. Aber da sind auch noch eine Stieftochter aus einer früheren Beziehung des Mannes und der unvermeidliche Spagat zwischen Job und Familie. Wir erleben mit, wie Maggie morgens zur U-Bahn hastet, sich mit ihrem Kindergartenkind reibt, weil sie zu wenig Zeit mit ihm verbringt, sehen sie hilflos im Umgang mit der pubertierenden Stieftochter und gleichzeitig vor Leidenschaft sprühend, wenn es um alte Dinge geht. Und über allem schwebt noch ein schweres Päckchen Vergangenheit (voller Missverständnisse), das es zu bewältigen gilt.
So einfühlsam Kelly Doust sich ihrer Protagonistin Maggie auch nähert, so sehr misslingt es ihr doch auch, ihre Geschichte trotz ihres Unterhaltungswertes durchgehend mitreißend zu erzählen. Immer wieder lässt sie Maggie in Gedanken verharren und über Vergangenes reflektieren, sobald ein alte Gegenstand ins Blickfeld rückt, über den dann philosophiert wird, ohne dass die Handlung nennenswert vorangetrieben würde. Trotz ausgewogener Länge von Rahmenhandlung und Rückblicken wird es stellenweise so langatmig, dass die Episoden rund um den Kragen herbeigesehnt werden. Der Schmuckkragen, der von den meisten Damen in der Vergangenheit zu einem Kopfschmuck - von einem Diadem ist die Rede - umfunktioniert wurde, sorgt allerdings überwiegend für Tragik, die ordentlich schwer wiegt. Da haben wir eine Trapezkünstlerin, eine Tänzerin, die Muse eines Malers, ein Model und eine Hausiererin, allesamt vereint durch ein perlen- und paillettenbesetztes Stück Leinen, das trotz seines verführerischen Schimmers nicht über Schattenseiten hinwegtäuschen kann. Sie müssen einander nicht kennen, keine Beziehung zueinander haben und letztendlich ist es auch nicht notwendig, dass Maggie den Weg des Kragens lückenlos entschlüsselt. Der Leser erfährt immer mehr als Maggie, aber eben auch nicht alles. Das ist so realistisch wie ernüchternd und unbefriedigend. Die Botschaft ist allerdings immer klar: Es ist nicht das Materielle, das wirklich zählt.
Kelly Doust hat zweifellos einen einfallsreichen Episodenroman gestickt, dessen hoher Anspruch schon von der nüchternen Umschlaggestaltung reflektiert wird. Allerdings greift sie hin und wieder auf blasses Garn und farblose Perlen zurück. Manches Mal ist ihr Faden zu kurz, sodass er am Ende nicht mehr verstochen werden kann. 
Wunderbare Beobachtungsgabe zeigt sich bereits zu Beginn in der starken Symbolik des Kragens und einnehmenden Szenerien im weiteren Verlauf. Allerdings kollidiert sie immer wieder mit Figuren, die geradezu irrelevant erscheinen (und man sich angesichts des ihnen z. T. auf den Leib geschriebenen Schicksals geradezu schämen möchte, dass man sie als überflüssig empfindet), oder aufgesetzten Ereignissen und Verhaltensweisen, die nicht zum Charakter passen wollen. Oft stellt sich die Frage, ob Kelly Doust nun über starke, durchsetzungsfähige und -willige Frauen schreiben oder doch lieber ein klassisches Bild bedienen will, einschließlich klischeehafter Konflikte. 
Dennoch funktioniert und unterhält "Aimées geheimer Wunsch" mit all seiner Wechselhaftigkeit und dürfte Lesern gefallen, die gern im Mottenkugelgeruch nach alten Geschichten graben. 

Gesamteindruck: 
3 von 5 Weißdornzweigen





Buchdaten:
  • Taschenbuch: 416 Seiten
  • Verlag: KiWi-Taschenbuch (11. Mai 2017)
  • Sprache: Deutsch, übersetzt von Cornelia Röser
  • ISBN-10: 3462049879
  • ISBN-13: 978-3462049879
  • Taschenbuch: 9,99 € (D)
  • E-Book: 6,99 €

 

Freitag, 5. Mai 2017

... über "Die Zutaten zum Glück" von Louise Miller

Louise Miller
Die Zutaten zum Glück


Süß duftendes Wohlfühlbuch mit kitschigen Abstrichen


(c) Insel Verlag, Bildlink zu Amazon
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Zum Inhalt:
Patissière Olivia Rawlings passiert ein gewaltiges Missgeschick: Bei einer Veranstaltung in einem Bostoner Club entgleitet ihr eine spektakuläre flambierte Eistorte und verursacht einen Brand. Der ist zwar nicht ganz so folgenschwer, veranlasst die blamierte Anfangdreißigerin aber zur Flucht nach Vermont aufs Land zu ihrer alten Freundin Hannah. Die verschafft ihr prompt einen Job in einem Landgasthof, der so gar nicht zu Olivias bisherigen Arbeitsplätzen passen will. Genauso wenig wie das Leben in einem Ort, in dem jeder jeden kennt und jeder über jeden tratscht und mit jedem wetteifert. So ist Olivia bald mittendrin im großen Wettbewerb um den besten Apfelkuchen und fremden und eigenen Herzensangelegenheiten ...

Meine Meinung:
Auf dem Umschlag wird das RealSimple Magazine zitiert: "Ein Roman, der wie eine riesige Portion Seelenfutter wirkt! [...]". 
Eine durchaus treffende Zusammenfassung, denn Patissière Louise Miller gelingt es in ihrem Debüt, für heimeliges Ambiente zu sorgen. Im Herbst beginnend, entführt sie den Leser in das Indian-Summer-Flair Vermonts, das mit Backofenwärme und Dessert- und Kuchendüften zu Leseabenden vor dem Kamin einlädt und, auch wenn sich die Geschichte bis zum darauffolgenden Sommer erstreckt, sich nur bedingt als Strandlektüre eignet. Dies sei jedoch lediglich angesichts des Erscheinungstermins des Romans im Frühjahrsprogramm erwähnt und soll dem Lesevergnügen keinen Abbruch tun.
Mit Olivia stellt die Autorin eine recht zwiespältige Figur vor. Mit 32 Jahren hat sie keine Modelmaße und gibt sich mit interessanten Haarfarben eine stark individuelle Note. Obwohl sie in Backstube bzw. Küche brilliert, läuft es in ihrem Leben nicht unbedingt rund. Affäre, Schulden, außerhalb des Jobs keine Sozialkontakte ... Im Laufe der Geschichte zeigt sich jedoch, dass diese Hauptfigur alles andere als gut durchdacht ist. Ihre Hintergründe bleiben angedeutet und Olivia verhält sich immer wieder kaum altersgerecht, was sich nicht immer mit ihrer Vergangenheit entschuldigen lässt. Schade, dass die äußerlich so bunt dargestellte Protagonistin schlussendlich blass bleibt und sich einer aufgesetzten, kitschigen Liebesgeschichte beugen muss und nicht zuletzt auch damit an Sympathiepunkten verliert. Auch die Beziehungsgefüge zwischen den Figuren sind so manches Mal konstruiert, weil sie sich "richtig anfühlen". Dabei bieten die Figuren Potenzial. Allen voran Hannah, aber auch ihre Freundin Hannah, die im Zuge der Geschichte leider zu Beiwerk verkommt. Und da sind noch Love Interest Martin, seine Familie, in deren Arme man sich mit einem Schrei nach Adoption werfen möchte, und natürlich Margaret, die ruppige, unnahbare, fordernde Gastwirtin, die als Nebenfigur fast schon mehr punkten kann als die Hauptfigur des Romans. Hätte Louise Miller ihren Figuren ebenso viel Beachtung geschenkt wie den unzähligen Köstlichkeiten, mit denen Olivia dem Leser imaginäres Hüftgold beschert, wäre ihr Debütroman eine wirklich runde Sache.
Wem Frauenunterhaltung mit sehr traditionellen Denkweisen nichts ausmacht, wird sich mit "Die Zutaten zum Glück" jedoch wohlfühlen. Zwar bietet die Geschichte nichts Neues, aber gerade das Flair und die emotionalen Momente, die uns aus unzähligen US-amerikanischen Unterhaltungsromanen und Fernsehfilmen/-serien oder Herzkino so vertraut sind - man denke da an Nora Roberts' oder Danielle Steels Werke der 1990er -, sorgen für ein wunderbar wohliges Lesegefühl, das lange über die Schwächen des Romans hinwegtäuschen kann. 
Gehe ich kritisch mit mir ins Gericht, stelle ich allerdings fest, dass es aber eben solche Vertrautheiten sind, die beim Lesen zu unverhohlenem Schnäuzen und Seufzern führen. Und dann hat ein Roman sein Unterhaltungsziel gewiss nicht verfehlt. 
"Die Zutaten zum Glück" ist trotz aller Kritikpunkte keineswegs ein krude zusammengestümpertes Debüt, wenn auch nicht in so hohem Maße anspruchsvoll wie sein schlichter Umschlag und die hochtrabend angekündigte Suche nach einem Zuhause andeuten mögen. Trotzdem zieht er in seinen Bann und sorgt für behagliche Lesemomente - das Seelenfutter wird lesbar. Zwar schwirren viele Personen in dieser Geschichte herum, dass einem schon mal ganz schwindelig werden kann, doch es sind jene kleinen menschelnden Szenen - sei es voller Zuneigung oder Abneigung -, die den Leser zurückholen und genauso ankommen lassen wie Olivia. 
Trotz konstruierter Liebesgeschichte, die nach Teenagerfantasie riecht. 
Trotz merkwürdiger Verhaltensweisen. 
Und auch trotz des kitschigen Endes, das ich der Autorin wirklich übel nehme. 
Beim nächsten Mal macht sie es hoffentlich besser.

Leseempfehlung? Na klar. Wer kann schon duftendem Apfelkuchen und hausgemachter Musik vorm Kamin widerstehen?

Gesamteindruck:
4 von 5 Weißdornzweigen






Buchdaten:

  • Broschiert: 408 Seiten
  • Verlag: Insel Verlag; Auflage: Deutsche Erstausgabe (10. April 2017)
  • Sprache: Deutsch, übersetzt von Katja Bendels
  • ISBN-10: 3458362649
  • ISBN-13: 978-3458362647
  • Originaltitel: The City Baker's Guide to Country Living
  • Taschenbuch: 14,95 € (D)
  • E-Book: 12,99 €



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