Donnerstag, 6. April 2017

... über "Isabellas Plan vom Glück" von Laura J. Coleman

Isabellas Plan vom Glück
von Laura J. Coleman

(c) Droemer-Knaur, Bildlink zu amazon

Zum Inhalt:
Gabriel Dallaway McAllister gehört zu New Yorks High Society. Reich und erfolgreich ist er, aber sein Leben bestimmen Zwänge und Panikattacken. Und in genau so eine Panikattacke platzt ihm Isabella hinein, als sie für das Tierheim ihrer besten Freundin mit der Klingelbüchse unterwegs ist. Die Mitzwanziger, die - zum Leidwesen ihrer Familie - ihr Leben nimmt, wie es ist, und die Dinge auf sich zukommen lässt, passt so gar nicht zu dem gebügelten, wundgewaschenen "Kontrollfreak". Aber der hat nun mal das nötige Kleingeld, um das marode Tierheim zu retten. Also lässt Isabella nicht locker, sodass Gabriel ihr schließlich einen Deal vorschlägt: Er spendet ein erkleckliches Sümmchen, wenn es Isabella gelingt, ihm einen Tag Glück zu bescheren. Abenteuerlustig willigt sie ein, aber dann kommt alles anders ...

Meine Meinung:
Da hatte ich mal wieder so richtig Lust auf einen Liebesroman, und die Umschlaggestaltung, die so herrlich zum Inhalt passt (New Yorker Kulisse, Pärchen mit Hund), nebst Klappentext (der sich im Nachhinein als außerordentlich kreativ entpuppt) ließen mich mal wieder zu einem E-Book greifen. Lust hatte ich auf Gegensätze, vielleicht eine kleine Cinderella-Story und Seufzermomente.
Aber wo soll ich nun anfangen? Denn "Isabellas Plan vom Glück" hat - zumindest auf zwei Dritteln - wirklich Pageturner-Potenzial, ist aber auch gespickt mit jeder Menge Kopfschüttelmomenten und geballter Dramatik, dass sich keine Begeisterungsstürme einstellen wollen. 
Die ersten 10% der Story zu schaffen, war eine ordentliche Geduldsleistung. Die Autorin schleift uns hier durch Gabriels gesamtes Leiden. Seine Morgenrituale werden en détail auseinandergepflückt, um uns schon mal mit Gabriels Zwangsverhalten zu erschlagen. Die Erklärung wird auch gleich mitgeliefert: erdrückendes, überforderndes Elternhaus. 
Erst nachdem Gabriel als gequälter Held in geradezu epischer Breite eingeführt wurde, kommt Isabella ins Spiel (klar, alle Welt nennt sie natürlich Bella). Sie ist erfrischend (und gleichzeitig auch beängstigend) sorglos, hat etwas für Hunde übrig und ist nicht auf den Mund gefallen. Und damit macht Bella schon wieder richtig Spaß. Immerhin ist sie Garant für wunderbare Schlagabtäusche mit Gabriel, die für eine Dynamik sorgen, die der Roman nach seinem langatmigen Anfang dringend braucht. So ist es auch recht amüsant, zu beobachten, wie Isabella Gabriels Forderung nach einem Tag Glück auf ihre Weise umzusetzen versucht. Dem Titel entsprechend folgt sie ihrem Plan, der eigentlich eher ein "Bauchentscheidungsding" ist, denn Minenfeld Gabriel stellt für sie Neuland dar. Dabei geht - ob naiv oder bewusst ist nicht ganz klar - recht ignorant mit Gabriels Zwangsstörungen um, lockt ihn aber immer wieder aus der Reserve und findet sich schließlich, für beide einigermaßen überraschend, in seinem Bett wieder. 
Laura J. Coleman hat ein Händchen für intime Szenen, die keinem Schema F folgen, sondern angenehm unperfekt ohne Hochleistungsanspruch erzählt werden. 
Dann aber hält Hollywood Einzug. Es geschieht ein folgenschweres Ereignis, das Paar wird über lange Zeit durch technische Widrigkeiten  (und Gabriels umwerfende Sozialkompetenz - wie kann der Mann bloß eine so große Firma leiten?) und zurechtgebogene Intrigen getrennt und muss sich sein Happy End hart erarbeiten. 
Meinen Seufzermoment bekam ich dann aber doch noch, dank eines Hundes, und glücklicherweise war dieser Moment überraschend unkitschig und glaubhaft.
"Isabellas Plan vom Glück" bietet Romantik, sprühende Dialoge, nicht zu verachtende erotische Szenen und ein dramatisches Hintergrundproblem, dem der Rechercheaufwand der Autorin und ihr Respekt gegenüber Erkrankten anzumerken ist. So bleibt es denn roter Faden und löst sich nicht unrealistisch in Wohlgefallen auf. 
Anzumerken ist dem Roman allerdings auch, dass er von einer deutschen Autorin nach Amerika verortet wurde. Fixpunkte vermag ich an dieser Stelle nicht zu nennen, lediglich bestand während der gesamten Lektüre das Gefühl fort, dass die personale Erzählung einen ausländischen Blick auf New York wirft, statt einen Eindruck der Selbstverständlichkeit zu vermitteln. (Erst nach der Lektüre habe ich mich schlau gemacht und festgestellt, dass es sich um eine deutsche Autorin handelt. Wahrscheinlich aber würde ein zwangsgestörter Gabriel in der deutschen Bankenmetropole Frankfurt in den Buchhandlungsregalen verstauben.) 
Daneben zeigt "Isabellas Plan vom Glück" einen gewissen Hang zur allgemeinen Gefälligkeit und Seichtigkeit trotz aller Tragikmomente, ganz so, als seien Charaktere und Story einem Fernsehfilm entsprungen, wie wir ihn schon vielfach gesehen haben, Hütte im Schnee inklusive. Mehr Ausgewogenheit hätte dem Roman sicher gut getan.

Empfohlen sei "Isabellas Plan vom Glück" dennoch allen, die gern eine Liebesgeschichte für zwischendurch konsumieren und sich an ausgewalzten Romananfängen nicht stören (und nicht emetophobisch sind).

Gesamteindruck:
3 von 5 Weißdornzweigen






Buchdaten:
  • Taschenbuch: 344 Seiten
  • Verlag: Feelings (2. Februar 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426216124
  • ISBN-13: 978-3426216125
  • Taschenbuch: 12,99 € (D)
  • E-Book: 4,99 €

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