Dienstag, 18. Oktober 2016

... über "Spiel der Hoffnung" von Heidi Rehn

Heidi Rehn

Stimmungsvolles Zeitbild der ausklingenden Goldenen Zwanziger, in denen längst nicht mehr alles glänzt


(c) Droemer Knaur, Bildlink zu amazon

Zum Inhalt:
Ende 1926 führt eine Adresse aus dem Nachlass ihrer Mutter die junge Ella Wittkamp zu dem Münchner Professor Constantin Lutz. Der stellt sie prompt dem Industriellensohn Jobst Kirchenreuth als seine Nichte vor. Ein halbes Jahr später ist auch Professor Lutz tot und Ella mit Jobst verheiratet. Lutz' Hinterlassenschaft an Ella besteht in einer ominösen Mappe mit Unterlagen, die ihre Zukunft bei den Kirchenreuths sichern soll. Doch zunächst genießen die frischgebackenen Eheleute ausschweifende Flitterwochen an den angesagtesten Locations Europas. Es wird gespielt, gekokst und ordentlich Geld zum Fenster herausgeworfen. Zurück in München folgt die Ernüchterung: Hatte Jobst bereits während des Honigmonds ab und an durch Abwesenheit geglänzt, sitzt Ella, die vor ihrem Umzug nach München berufstätig war, bald in der Familienvilla der Kirchenreuths oft nutzlos herum und darf den weiblichen Repräsentationszweck erfüllen. Während es für Schwiegermutter Isolde kaum ein wichtigeres Thema als den hoffentlich bald eintreffenden Nachwuchs gibt, ist Ella ihrer Schwägerin Viktoria ein Dorn im Auge. Sie hat es sich in den Kopf gesetzt, Ella als Hochstaplerin zu entlarven ...

Meine Meinung:
"Spiel der Hoffnung" ist der erste Roman, den ich von Autorin Heidi Rehn lesen durfte, und ich kann jetzt schon sagen, dass er trotz kleiner Abstriche bestimmt nicht der letzte war.
Heidi Rehns historischer Roman, der knapp drei Jahre im Leben seiner Protagonisten abdeckt, entführt den Leser in die vermeintlich schillernde Welt des Jetsets der 1920er Jahre und flicht gekonnt historische Fakten ein, um interessante Einblicke in diese Zeit des erneuten Umbruchs zu bieten.
Zum stimmungsvollen Gesamtbild tragen vor allem Rehns Figuren bei, die mehrschichtig gezeichnet sind und sich nicht in ein Schema pressen lassen
Allen voran steht Ella, die im Grunde ihrer Vergangenheit beraubt ist und sich im Laufe der Geschichte nach und nach kennenlernt, und dieses Kennenlernen ist wahrlich kein Zuckerschlecken. Entgegen Jobsts Auffassung, dass die Vergangenheit vergangen ist und nur das Jetzt zählt, ist es ihr wichtig, mehr über ihre Herkunft zu erfahren. Der Große Krieg liegt noch nicht lang zurück, und während Jobst die Zeit an der Front hinter sich lassen will, sind es gerade diese Jahre, die Ella entwurzelt haben. Dass sie sich in Rehns Geschichte dennoch vergleichsweise lang dem süßen Leben hingibt, bevor sie endlich der ominösen Mappe des Professors auf den Grund geht, lässt sich wohl mit ihrer Jugend entschuldigen. Da darf im ersten Teil durchaus gefeiert und geshoppt werden. Kleider und Handtaschen, Variétés und Casino sind an der Tagesordnung und werden lebendig und sehr bildhaft geschildert. 
Nach dieser cleveren, unterhaltsamen Ablenkung besticht die zweite Romanhälfte schließlich mit ordentlich Spannung und Dynamik. Nicht zuletzt sind die Hintergründe um die Mappe des Professors höchst interessant und glaubwürdig erzählt.
Wenngleich Ella, die es aufgrund ihrer einfachen Herkunft gewöhnt ist, für sich zu sorgen, unumstritten im Mittelpunkt steht, sind die übrigen Figuren längst keine Randstatisten. Während Ella sich nicht in die Ehefrau-und-Mutter-Rolle pressen lassen will und der schwiegerelterliche Erwartungsdruck schwer auf ihr lastet, hat Gegenspielerin Viktoria diese Pflicht schon mal erfüllt. Als Mutter von Zwillingen tritt sie in der Villa der Kirchenreuths und in der Öffentlichkeit gebührlich auf.
Hinter der Fassade bröckelt es aber gewaltig, wie Heidi Rehns personal erzählter Schwenk auf Viktoria zeigt. Sie versteht es ausgezeichnet, die ältere Schwägerin zugleich als durchtrieben, verzweifelt, mütterlich und sogar bemitleidenswert darzustellen.
Im Vergleich dazu bleibt Ellas Gatte Jobst in meinen Augen etwas blass. Bereits auf der Hochzeitsreise zeigt er sich mit großen Pupillen und schwankt zwischen zärtlicher Zuneigung zu Ella, wilder Begierde und stoischer Verschlossenheit. Angesichts der flotten Heirat sind Konflikte vorprogrammiert. Die jungen Eheleute kennen sich nicht wirklich. Es ist Ellas verständigem, einfühlsamen und nicht zuletzt geduldigem Charakter zu verdanken, dass der eheliche Handlungsstrang nicht mit der Rückkehr nach München beendet ist. Mit den kurzlebigen Jetset-Affären hat das Paar nichts gemein: erfreulicherweise verbinden es nämlich echte Gefühle, die - wie auch Jobst technisches Interesse und sein Geschäftssinn - im Laufe der Geschichte immer mehr Kontur annehmen dürfen. Ellas und Jobst Liebesgeschichte mit ihren Höhen und Tiefen ist angenehm zu lesen und bietet einen ausgewogenen, wohltuenden Gegenpol zu der von Ressentiments, Erpressung und Gewalt geprägten Ehe von Viktoria und Jobst Bruder Falk.
Die Darstellung der Familien- und Beziehungsgefüge gelingt Heidi Rehn besonders gut, da sie sich nicht auf soziale Zeitklischees beschränkt, sondern gekonnt die unterschiedlichen politischen Anschauungen und Lebensvorstellungen der Beteiligten aufzeigt. Diese bergen nicht nur Konfliktpotenzial, sondern auch Raum für eine Fortsetzung der Kirchenreuth-Familiensaga. Neben den Veränderungen, die durch Ellas Heirat mit Jobst in der Familie entstehen, erfährt auch der zeitliche Hintergrund ihrer Geschichte Veränderungen. 
So projiziert die Autorin ein kontrastreiches Bild der sehr verschiedenen Städte München und Berlin: Während Ellas Heimat Berlin lebendig leuchtet, weltoffen ist und dem aufstrebenden Nationalsozialismus noch die Stirn bietet, ist das München der Kirchenreuths buchstäblich dunkel (Leuchtreklame ist verboten) und konservativ. Im Hintergrund aber findet Hitler mehr und mehr Anhänger. Auch hier besteht durchaus Raum für eine Weitererzählung des Handlungsstrangs rund um die Maschinenbaufirma der Kirchenreuths. 
Rehns Nebencharaktere sind interessant, haben stringente Handlungsstränge und verschwinden nicht sang- und klanglos. Sie schreibt ihnen passende Dialoge in passender Sprache auf den Leib und macht sie damit glaubwürdig. Reale politische Persönlichkeiten erhalten ebenfalls dann und wann einen kleinen Statistenauftritt, womit das Zeitbild angenehm abgerundet wird.
Etwas schwer getan habe ich mich allerdings mit Heidi Rehns Nominalstil, den ich als geradezu bürokratisch steif empfinde. So versucht sich Ella beispielsweise "im Herausfinden der Wahrheit", Viktoria steigt "nach dem Aussteigen" (aus der Tram) unangenehmer Geruch in die Nase oder Ella unterhält sich mit Rike "während des Durchgeknetetwerdens" ... Im Gegensatz dazu nimmt das "Patsch!", mit dem jede Ohrfeige angekündigt wird (und es gibt so einige Ohrfeigen in diesem Roman), schon fast comichafte Züge an. Auch ein paar Wiederholungen  - so wird beispielsweise ständig Viktorias Haarfarbe erwähnt - führen dazu, dass ich einen Punkt vom Gesamteindruck abziehe. 
Dennoch ist "Spiel der Hoffnung" ein rundum befriedigender historischer Roman zwischen Familiensaga und europäischer Geschichte Ende der Goldenen Zwanziger und macht Lust auf mehr Lektüre über diese Epoche. 

Fazit: 
Ausgewogener historischer Roman, der mit schillernden Szenerien mitzureißen weiß, aber auch mit Schattenseiten und lauten wie auch leisen Töne überzeugt und nuancierte Figuren bietet. Empfehlenswert für Leser, die sich für die Zeit der Weimarer Republik interessieren und gleichzeitig eine glaubwürdige Familien- und Liebesgeschichte genießen möchten. 

Gesamteindruck: 
4 von 5 Weißdornzweigen






Buchdaten:
  • Taschenbuch: 512 Seiten
  • Verlag: Knaur TB (1. September 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 342651592X
  • ISBN-13: 978-3426515921
  • Neupreis: 10,99 € (D)
  • Auch als E-Book erhältlich.

Sonntag, 16. Oktober 2016

... über "Honigmilchtage" von Julia Rogasch

Julia Rogasch


Leichter Lesestoff für Tage, an denen heiße Milch mit Honig und Lesen gut tun


(c) Forever by Ullstein.
Bildlink zu amazon.

Zum Inhalt:
Mit ihrem Leben könnte Carla eigentlich zufrieden sein: Mit Ende 20 ist sie schon eine Weile in harmonischer Ehe mit ihrer großen Liebe Julius verheiratet, sie arbeitet im Außendienst eines Pharmaunternehmens und hat in ihrer jüngeren Schwester die beste Freundin, die man sich denken kann. Und doch läuft es nicht richtig rund. Der Job erfüllt sie nicht; viel zu erfolgsheischend und befremdlich erscheinen ihr ihre Kollegen, lediglich die zehn Jahre ältere Nele hat sich zur Freundin entwickelt, und als Carla den Mund auf macht, um ihre Unzufriedenheit mit dem "System" in der Firma kundzutun, muss sie um ihre Stelle fürchten. Auch Julius ist als Juniorpartner in seiner Kanzlei mächtig eingespannt und immer auf Achse, und so manches Mal fragt sich Carla, wie Familiengründung in diese Konstellation, in der jeder viel zu wenig Zeit für den anderen hat, passen soll. Als Nele ihr an einem jener Tage, die nach viel heißer Milch mit Honig verlangen, einen Glücksratgeber schenkt, beginnt Carla, ihr Leben zu hinterfragen, und beginnt eine E-Mail-Korrespondenz mit der Autorin. Als sich eine einschneidende berufliche Veränderung androht, ist Carla schließlich bereit, alles hinzuschmeißen. Doch genau an diesem Tag erleidet Julius einen schweren Zusammenbruch ...

Meine Meinung:
In Schaltjahren wie diesem gibt es genügend Tage, an denen nur noch eine mollige Erinnerung an Kindheitstage, als man noch umsorgt wurde, hilft. Frauenromane wie Julia Rogaschs "Honigmilchtage" sind da grundsätzlich eine gute Wahl. 
Zu meinem Bedauern zählt "Honigmilchtage" zu jenen Romanen, die mir sprachlich und stilistisch stark die Lesefreude getrübt haben, was sich deutlich in der Punktwertung niederschlägt. Und dabei ist die Idee gar nicht mal so schlecht und der Roman durchaus unterhaltsam.
Julia Rogasch zeichnet ihre Protagonistin Carla als eine Person, mit der sich die Leserin um die Dreißig, aber auch um die Vierzig oder eben an jedem anderen Wendepunkt im Leben wunderbar identifizieren kann. Sie ist keiner jener jammervollen Charaktere, die sich von Satz zu Satz selbst bedauern, sondern ist sich der Defizite in ihrem Leben durchaus bewusst. Sie ist gewissermaßen gefestigt und erfreut sich eines gesunden Umkreises. Es ist schon mal erfrischend, einen Charakter zu lesen, der nicht tonnenweise Familien- und Vergangenheitsgepäck mit sich herumschleppt. Auch ohne Trauma ist Carla einfach an einem Punkt, an dem eine Veränderung angezeigt ist. Wie im echten Leben braucht auch sie nur den passenden Anstoß ... oder mehrere. 
Als Ich-Erzählerin reflektiert sie im Präteritum recht scharfsinnig über ihr Leben; es steht außer Frage, dass wir es mit einer klugen Person zu tun haben, die mehr aus ihrem Leben machen will, und einer Frau, die bereit ist, Karriere und Familie unter einen Hut zu bringen. Trotzdem wirkt der Roman, der sich fast schon anspruchsvoll "Glücksroman" nennt, vergleichsweise oberflächlich. Auf unzähligen Treffen, die zwar Carlas gefestigtes soziales Umfeld verdeutlichen, wird immer wieder viel gegessen, getrunken und gefeiert, aber die Augenblicke, in denen es so menschelt, dass es ans Leserherz geht, waren mir für einen Glücksroman zu wenig. Überdies passen Carlas Handlungen gelegentlich nicht zu dem Bild, das sie von sich selbst zeichnet. So kann sie sich einerseits mit ihren erfolgsverliebten Kollegen nicht anfreunden, will das Klassentreffen nicht besuchen, weil sie mit den Schulkameraden von damals "nicht kann", vertraut sich dann aber in einem schwachen Moment einem Wildfremden auf einer Parkbank an und schließt auf Sylt erstaunlich schnell neue Freundschaften. Gleichzeitig reagiert sie wie eine beschützende Löwin, wenn ihrer Familie weh getan wird, wobei sie aber die Angelegenheit nicht genau hinterfragt, sondern erst einmal ohne Vertrauensvorschuss überemotional reagiert und dann oft der Zufall die Dinge richten darf. Hier wie auch für das gesamte Setting hätte ich mir feinere Abstufungen gewünscht. Auch die Charaktere haben vorwiegend den Stempel "lieb" - die klischeehafte Ex einmal ausgenommen -, und so hätte hinter Carla und ihrer Schwester Marie, die fast immer ein echter Fels in der Brandung ist, zwischendurch aber auch mal aus der Rolle fallen darf, vor allem Julius, dem das Schicksal einigermaßen übel mitspielt, mehr Tiefe gut getan.
Der Stil der Autorin ist geprägt von Füllseln (direkt, dann auch gleich mal, unmittelbar, ja ...) und einem Mix von Substantivierung, Relativsätzen, deren Bezug zu weit entfernt steht, und umgangssprachlichem Erzählen. Letzteres funktioniert zwar in Dialogen, die trotz einiger überzogener Einschübe englischer Aussprüche authentisch überkommen, und gibt dem Roman eher den Stil einer schnell dahin geschriebenen Mail an eine Freundin; er passt aber irgendwie nicht zu Carlas eher träumerischem Charakter, die sich bei Gelegenheit gern in eine Decke kuschelt, eine Honigmilch genießt oder am Strand spaziert. Anflüge sinnlichen Erzählens verblassen noch zu stark, und ab und an wirkt die Timeline kürzer, als sie eigentlich ist, was insbesondere den Handlungssträngen um die Nebenfiguren etwas an Glaubwürdigkeit nimmt.
Spaß machen, trotz der Vorhersehbarkeit der Geschichte, die gefestigten Freundschaften der Figuren und Carlas Wandlung von der herumgeschubsten Außendienstlerin zu einer angehenden Geschäftsfrau, die sich eben genau auf diese Freundschaften verlassen kann, wendig und optimistisch ist und schlussendlich versteht, was persönliches Glück für sie bedeutet. Typische Verwicklungen und Mißverständnisse pflastern den Weg, sorgen aber dank der schlüssigen Umsetzung der Hintergrundidee für angenehm kurzweilige Lektüre. 

Fazit: 
Frauenroman, der mit einer durchaus realistischen Glücks-Schmiede-Idee und einer Hauptfigur mit ordentlichem Identifikationspotenzial punktet, aber an Vorhersehbarkeit und noch unausgereiftem Stil krankt. Wer an trüben Tagen Kurzweil und eine kleine Portion Glück sucht, ist mit diesem E-Book dennoch nicht falsch beraten.

Gesamteindruck: 
3 von 5 Weißdornzweigen






Buchdaten:
  • Format: Kindle Edition
  • Dateigröße: 2223 KB
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe: 391 Seiten
  • Verlag: Forever (12. August 2016)
  • Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
  • Sprache: Deutsch
  • ASIN: B01J7L204Q
  • Aktueller Preis: 3,99 €

Samstag, 15. Oktober 2016

Gewinnbekanntgabe zur Blogtour "Honigmilchtage" von Julia Rogasch


Vielen Dank für Euren Besuch der Stationen zur Blogtour rund um Julia Rogaschs Glücksroman "Honigmilchtage". 

Ich freue mich, dass Ihr auch bei mir vorbeigeschaut und kommentiert habt. Sehr interessant, dass die meisten von Euch gar nichts Materielles bzw. Lukullisches als Seelenschmeichler brauchen, sondern auf die Lieben in ihrem Umfeld bauen. Das hat mir ein Lächeln ins Gesicht gemalt. Vielen Dank :)

Inzwischen wurde unter allen Teilnehmern die Gewinnerin des Überraschungspakets ausgelost. 

Einmal Trommelwirbel bitte!

Das Überraschungspaket geht an:

- Sonjas Bücherecke


Bitte schicke eine E-Mail mit Deiner Anschrift und dem Betreff: Honigmilchtage an info@cp-ideenwelt.de.

Herzlichen Glückwunsch!

Donnerstag, 13. Oktober 2016

Blogtour: "Honigmilchtage" von Julia Rogasch - Tag 4: Honigmilch



Hallihallo, hereinspaziert.

Herzlich willkommen zu Tag 4 der Honigmilchtage-Blogtour.
 

In Julia Rogaschs Roman dreht es sich um persönliches Glück, das gestern bei Michaela zentrales Thema war, und dazu gehört für ihre Protagonistin Carla auch heiße Milch mit Honig.
Als wir sie auf den ersten Seiten der Geschichte kennenlernen, plagen sie Sorgen.
Sie hat es sich nämlich mit ihren Vorgesetzten gewaltig verscherzt und bangt nun nach einer alkohollastigen Nacht voller Selbstmitleid um ihren Job, der sie eigentlich nicht erfüllt.
Da passt doch die heiße Milch mit Honig gut, um zur Ruhe zu kommen und durchzuatmen.
Als roter Faden zieht sich dieses Getränk fortan durch die Geschichte. 

Auch wenn ich schon einmal vorausschicken will, dass ich mit Julia Rogaschs Debüt nicht rundum glücklich war, so sind es doch gerade die titelgebenden Honigmilchtage mit dem zugehörigen Getränk, denen sich die Autorin von A bis Z treu bleibt und die ihrem Roman in diesen Passagen eine Portion Behaglichkeit verleihen.
Immer wieder bereitet die Protagonistin eine Tasse für sich selbst zu und kuschelt sich aufs Sofa oder findet bei einer Tasse dieses Seelengetränks auch noch ein offenes Ohr bei ihrer Schwester oder Freunden. 
Auch  in einem Restaurant/Café lässt man sich gern Honigmilch servieren, und schlussendlich steht sie auch Pate für eine überzeugende Geschäftsidee.
Apropos Restaurant: Ich würde mich im echten Leben wirklich freuen, wenn ich in einem Restaurant oder Café mal eine Honigmilch bekäme.
Leider erlebe ich es immer wieder, dass selbst ein Glas gekühlte Milch fürs Kind oft eine (buchhalterisch) unüberwindliche Hürde darstellt. Und von den Hürden, wenn der Imker auf Weihnachtsmärkten denn ein Becherchen Honigmilch ausschenken möchte, will ich gar nicht erst anfangen ...


Aber zurück zum Buch:
In "Honigmilchtage" ist das titelgebende Getränk nicht nur ein leckerer Gaumenschmeichler, sondern auch Balsam für die Seele.
Sinnbildlich steht in Julia Rogaschs Roman die heiße Milch mit Honig für positive Kindheitserinnerungen, für Erinnerungen an die Tage, an denen die Milch von der Großmutter oder der Mutter liebevoll zubereitet wurde, um Sorgen oder Krankheit zu vertreiben.
Herrlicher Duft und Süße verführen zu einer Reise in die Vergangenheit, in der man sich noch fallen und umsorgen lassen durfte, eine Reise, die einfach nur gut tut an jenen emotionalen Regentagen, an denen nichts rund zu laufen scheint.
Dann beruhigt das Getränk und hilft vielleicht sogar beim Einschlafen, und, seien wir doch ehrlich, wenn wir einen dieser "Honigmilchtage" haben, dann ist es uns herzlich egal, ob die Wirkung wissenschaftlich belegt ist oder nicht.

Nun muss ich gestehen, dass heiße Milch mit Honig für mich sehr lange ein rotes Tuch war. Probleme beim Upload haben verhindert, dass ich Euch ein Beweisfoto zeige, wie es mich bereits bei dem Gedanken daran geschüttelt hat. 

Ich habe höchstens einen schönen heißen Kakao als kindlichen Seelenwärmer in Erinnerung. Den bereitete meine Oma, wahrscheinlich aus Erinnerung an die schlechten Zeiten, in denen es keine Milch gab, immer mit Wasser zu, weshalb er geradezu würzig und weniger süß war, weil sie den Zucker wohldosierte. Hach, Omas Kakao war immer was Besonderes.
Die heiße Milch mit Honig aber, die gab es daheim traditionell nicht etwa zum Einschlafen oder Entspannen, sondern bei jeder Erkältung in meiner Kindheit, und eine Zeit lang war ich blöderweise wirklich häufig erkältet.
 

Warum es mich damals meist heftig würgte, weiß ich heute, da ich seit zwanzig Jahren mit einem Berufsimker verklebt bin: Nach aktuellem Kenntnisstand ist heiße Milch bei ohnehin bereits produktivem Husten nicht angezeigt, weil Milch Inhaltsstoffe enthält, die die Schleimproduktion zusätzlich anregen. Das lässt sich im Selbstversuch problemlos belegen.
Ist der Husten trocken, nichts wie ran an das Getränk, vorausgesetzt, man mag und verträgt sowohl Milch als auch Honig. 
Besonders der Honig trumpft hier mit seiner hustenlindernden Wirkung - und dazu muss er nicht mal in Milch gerührt werden, vom Löffel geschleckt ist er nämlich genauso wirksam. Aber Achtung: Honig gehört nicht in die Säuglingsernährung und wie bei jedem Naturprodukt kann man auch bei diesem lieblich süßen Lebensmittel nicht ausschließen, dass man es nicht verträgt oder gar allergisch reagiert.

Honig ist nicht nur ein wohltuendes, sondern auch ein empfindliches Nahrungsmittel. Neben verschiedenen Zuckerarten enthält er unter anderem auch Mineralstoffe und Proteine aus überwiegend bieneneigenen Stoffen. Die wichtigsten Proteine im Honig sind Enzyme. Sie sorgen dafür, dass im Organismus chemische Stoffe zerlegt bzw. aufgespalten und verfügbar gemacht werden, unter anderem machen sie so Honig für die Biene und den Menschen besser verdaulich. Für die Qualität von Honig ist diese Enzymaktivität entscheidend. Leider aber sind die Enzyme wärmempfindlich und denaturieren in der Regel bei Temperaturen um die 40°C. Wer also noch was vom guten Honig haben möchte, sollte aufpassen, dass die Milch nicht heißer wird. Wenn die Milch auf dem Herd blubbert und das Teeglas heftigst dampft, sollte der Honig erst einmal draußen bleiben. Ansonsten kann man, salopp gesagt, auch Kristallzucker hineinkippen.
Ja, ein bisschen gemein ist das schon, wenn man die praktische Seite betrachtet, denn schließlich löst sich cremiger Honig in lauwarmen Getränken schlechter auf als flüssige Honigsorten.  
Aber mit einem Löffelchen Honig im Mund und einer Tasse in der Hand kann man es sich genauso auf dem Sofa gemütlich machen wie unsere Protagonistin Carla. 
In diesem Sinne: Lasst es Euch schmecken! Das Wetter passt ja gerade :) 


Infos gibt es auf: 
http://www.t-online.de/ratgeber/gesundheit/krankheiten/id_67536486/so-wirkt-milch-mit-honig-als-hausmittel-gegen-husten.html
http://www.laves.niedersachsen.de/lebensmittel/lebensmittelgruppen/honig/74002.html 
http://honig-wissen.de/honig-wiki/woraus-besteht-honig/#proteine-enzyme-und-aminosaeuren
https://www.lwg.bayern.de/mam/cms06/bienen/dateien/inhaltsstoffe_von_honig.pdf
https://de.wikipedia.org/wiki/Honig
http://www.deutscherimkerbund.de/226-Echter_Deutscher_Honig
und, und, und

***

Wie bei Blogtouren üblich, gibt es auch bei Julia Rogaschs Honigmilchtagen etwas zu gewinnen. Aber das wisst Ihr natürlich längst, weil Ihr die Blogtour bis hierhin schon verfolgt habt. Die Gewinnerin oder der Gewinner darf sich über ein Überraschungspaket freuen. 
Also lasst euch überraschen. 

Aber um die Chance auf einen Gewinn zu bekommen, muss auch etwas getan werden. 
Es muss nämlich die obligatorische Gewinnspielfrage beantwortet werden, hier und/oder bei den anderen teilnehmenden Blogs.  

Und weil es hier um Milch mit Honig bzw. Wohlfühlgetränke und Co. geht, will ich heute von Euch wissen:

Was baut Euch an emotionalen Regentagen wieder auf und wärmt Euch die Seele? Schokolade? Honigmilch? Oder doch etwas ganz anderes? Und warum ist genau das Euer Seelenschmeichler?


Zum Schluss das Administrative = Teilnahmebedingungen:
  • Die Teilnahme an dem Gewinnspiel ist ab einem Alter von 18 Jahren möglich. Falls Du unter 18 Jahre alt sein solltest, ist eine Teilnahme nur mit Erlaubnis des Erziehungs-/Sorgeberichtigten möglich.
  • Der Versand der Gewinne erfolgt nur innerhalb Deutschland, Österreich und Schweiz, wobei der Rechtsweg hier ausgeschlossen ist. Für den Postversand wird keinerlei Haftung übernommen.
  • Eine Barauszahlung der Gewinne ist leider nicht möglich.
  • Als Teilnehmer erklärt man sich einverstanden, dass die Adresse an die Autorin/ an den Autor oder an den Verlag im Gewinnfall übersendet werden darf und man als Gewinner öffentlich genannt werden darf.
  • Jede teilnahmeberechtigte Person darf einmal pro Tag an dem Gewinnspiel teilnehmen. Mehrfachbewerbungen durch verschiedene Vornamen, Nachnamen, Emailadressen oder einem Pseudonym sind unzulässig und werden bei der Auslosung ausgeschlossen.
  • Das Gewinnspiel wird von CP-Ideenwelt organisiert.
  • Das Gewinnspiel wird von Facebook nicht unterstützt und steht in keiner Verbindung zu Facebook.
  • Sollte der Gewinner sich im Gewinnfall nach Bekanntgabe innerhalb von 7 Tagen nicht bei CP-Ideenwelt melden, rückt ein neuer Gewinner nach und man hat keinen Anspruch mehr auf seinen Gewinn.
  • Das Gewinnspiel endet am 14.10.2016 um 23:59 Uhr.

Blogtourfahrplan:
  • 10.10. Honigmilchtage bei Tine
  • 11.10. Außendienstler  bei Katja 
  • 12.10. Persönliches Glück bei Michaela 
  • 13.10. Honigmilch bei mir
  • 14.10. Die Autorin Julia Rogasch bei Ricky
  • 15.10. Gewinnspielauslosung auf allen Blogs

Dienstag, 11. Oktober 2016

... über "Ein Tal in Licht und Schatten" von Marie Buchinger

Marie Buchinger

Liebevoll und detailreich gemaltes Historien- und Landschaftsgemälde


(c) Droemer-Knaur, Bildlink zu amazon

Zum Inhalt:

Als jüngstes Kind und einzige Tochter der Kastlungers wächst Elisabetha (Elisa) Anfang des 20. Jahrhunderts im Gadertal relativ abgeschottet von den Entwicklungen der Welt auf. Zusammenhalt in Familie und Nachbarschaft, arbeitsintensive Viehhaltung und Frömmigkeit prägen ihren Alltag. Als der Sohn des alten Costa, ihres Nachbarn, mit seiner italienischen Ehefrau und seinen drei Kindern zu Besuch kommt, erhascht Elisa erstmals einen Blick auf die Welt jenseits der Berge. Während sich Chiara, kaum älter als Elisa, damenhaft reserviert gibt, begegnet ihr deren älterer Bruder Vito schon offener; er spricht mutig Ladinisch und interessiert sich nicht nur für die italienische Heimat seiner Mutter, sondern auch für die Welt, in die sein Vater geboren wurde. Ihre Freundschaft festigt sich, als die Italiener nach Costas Tod dauerhaft ins Gadertal übersiedeln. Sosehr sich Vito auch an das Leben in den Bergen anpasst, ist er doch im Herzen ein Forscher und Entdecker und würde gern später Ingenieur. Doch dann wird ihm ein ordentlicher Strich durch die Rechnung gemacht: Durch einen Unglücksfall hat er, kaum erwachsen, für Hof und Familie zu sorgen, und in Europa beginnt ein Krieg. Gleich drei von Elisas Brüdern werden eingezogen, und als Italien in den Krieg eintritt, hält der Konflikt auch im Gadertal Einzug. Vito muss sich entscheiden: Bleibt er als Familienoberhaupt und Landwirt auf seinem Hof oder zieht er in den Krieg? Doch ist er Österreicher oder Italiener? Und Elisa ist kein unscheinbares kleines Mädchen mehr, sondern eine anziehende Heranwachsende, und Vito muss sich eingestehen, dass er längst mehr für sie empfindet als nur Freundschaft ... 

Meine Meinung: 
"Ein Tal in Licht und Schatten" ist der erste historische Roman von Diana Menschig, die hier unter dem Pseudonym Marie Buchinger schreibt und sich gleich eines sehr umfangreichen Themas angenommen hat. 
Mit viel Liebe für Land und Leute lädt sie uns zu einer Zeitreise ein ins Val Badia, das in ihrer Geschichte eine Zeit voller Veränderungen, eben Licht- und Schattenseiten, erfährt. Der Roman ist eine gelungene Mischung als Familiensaga, Heimat- und Historienroman. 
Vor der Kulisse der Dolomiten erzählt Marie Buchinger im Grunde die Geschichte zweier Familie, die durch den ersten großen Weltkonflikt des 20. Jh.s zusammengeschweißt werden. 
Sehr auf Authentizität bedacht, flicht die Autorin dabei nicht nur die ladinische Sprache ein, sondern zeigt auch die Hierarchien innerhalb der Familie auf. So ist Elisas Vater Josef unangefochtener Herr im Haus (und muss wie auch die Mutter gesiezt werden). Geradezu erwartungsgemäß zeigt er die Zuneigung zu seinen Kindern zunächst nur selten; erst im Laufe der Geschichte, darf auch er weicher werden. Selbst Nesthäkchen Elisa ist nicht vor einer Ohrfeige gefeit, Sohn Anton wird gar des Hofes verwiesen, als Lebensvorstellungen kollidieren, und auch Mischi, der Elisa vermutlich am nächsten steht, muss hart um die Gunst seines Pere arbeiten. Dennoch hält ein starkes Familiengefüge die Kastlungers zusammen, womit Elisa bereits früh einen gefestigten Charakter zeigt und schwierige Situationen mit unvorstellbarer Größe zu meistern weiß. Trotz ihres räumlich beschränkten Horizonts ist sie ein heller Kopf, wodurch sie unweigerlich zu Vito hingezogen wird.
Vitos Familie repräsentiert wiederum jene, die sich plötzlich in einer Art Niemandsland wiederfinden. Obwohl Vitos Vater Jakob ins Gadertal gehört, sind die Costas Fremde, Jakob Costa in seiner italienischen Schwiegerfamilie ebenso wie seine Frau Lucia und die drei Kinder Vito, Chiara und Giovanni später im Gadertal. Vergeblich versucht Jakob Costa, vor seinem Schwiegervater zu bestehen, und Vito, den man in den Bergen zum Veith machen will, vermisst die Weltoffenheit seiner italienischen Heimat. Heimisch werden sie dank der Hilfe der Kastlunger-Frauen, die unaufdringlich zur Seite zu stehen wissen. Und so bringen sich auch die Costas in das Gadertaler Leben ein und bereichern es.
Ebenso unaufdringlich lässt uns die Autorin am Leben in den Bergen teilhaben, indem sie über einen langen Zeitraum ihre Geschichte behutsam entspinnt. Obwohl die Vorkriegsjahre vergleichsweise ereignisarm verlaufen, tauchen wir mühelos in Elisas Leben ein und erleben mit Interesse, wie sie zu der Frau heranwächst, die wir am Ende des Romans in ein neues Leben nach dem Krieg verabschieden. 
Wir erleben ihr Licht und ihren Schatten, denn die Kriegsjahre, die personal erzählt im Wechsel durch Vitos und Elisas Augen verdeutlicht werden, fordern ihren Tribut. Während Vito erkennen muss, dass ein Teil der Ingenieurkunst, die er so bewunderte, Menschenleben um Menschenleben vernichtet, erlebt Elisa, wie ihr eigener Mikrokosmos immer kleiner wird. Nicht alle der Personen, die die Autorin in einer Übersicht vor der eigentlichen Geschichte vorstellt, werden wir wiedersehen, und die, denen wir erneut begegnen, werden verändert sein, voller Narben, die der Krieg hinterlassen hat. 
Die einzige Konstante bleibt die Liebe. Nicht einmal "nur" die Liebe, die Elisa und Vito füreinander empfinden, sondern auch die innerhalb und zwischen den Familien. Sie zu erkennen, scheint so manches Mal eine Hürde zu sein. 
Allerdings ist es gerade Elisas und Vitos Liebesgeschichte, die mich nicht so recht überzeugen wollte. Zu sehr rückten da körperliche Begierden (im Kontrast zur frommen Erziehung Elisas) in den Vordergrund, die großen Gefühle schwebten noch zu stark an der Oberfläche, und die Verknüpfung des roten Fadens war mir dann doch etwas zu abrupt; aber vielleicht ist auch das Abrupte ein Markenzeichen des Krieges.
Herstellungstechnisch hätte ich mir für diesen Roman einen Festeinband gewünscht. Nach der halben Lektüre drohte dem Wälzer der Rücken zu brechen und die Verleimung der Seiten macht einen sehr fragilen Eindruck. 
Das ändert nichts daran, dass Marie Buchinger mit "Ein Tal in Licht und Schatten" ein lesenswerter historischer Roman gelungen ist, in dem auf jeder Seite die Liebe zu dieser vom Schicksal nicht gerade verwöhnten Region und ihren Bewohnern spürbar wird.

Fazit:
Gut recherchierter historischer Roman, der in lebendigen Bildern eine Geschichte von Familie und Liebe vor der wechselhaften Kulisse der Dolomiten im Ersten Weltkrieg erzählt. Mit authentischer Sprache und weitgehendem Verzicht auf kitschige Szenerien dürfte "Ein Tal in Licht und Schatten" bei Lesern punkten, die sich für zeitgenössische Geschichten mit regionalem Bezug interessieren und sich gern von breit angelegten Handlungsrahmen vereinnahmen lassen.

Gesamteindruck:
4 von 5 Weißdornzweigen
  





Buchdaten:
  • Broschiert (Klappenbroschur): 656 Seiten
  • Verlag: Knaur TB (1. August 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426517558
  • ISBN-13: 978-3426517550
  • Neupreis: 14,99 € (D)
  • Auch als E-Book erhältlich.







Sonntag, 9. Oktober 2016

Ankündigung Blogtour zu "Honigmilchtage" von Julia Rogasch



Wenn's um Honig geht, kann ich nicht widerstehen, und weil mir die Blogtour zu Manu Wirtz' "Die Löffel-Liste" viel Spaß gemacht hat, habe ich mich kurzerhand für die Teilnahme an einer weiteren Blogtour gemeldet. 
Ab morgen dreht es sich dann auf verschiedenen Blogs um Julia Rogaschs Glücksroman "Honigmilchtage". 
Mit dabei sind: 
http://meinbuecherparadies.blogspot.de/
http://missrosesbuecherwelt.blogspot.de/
https://buecherschmoeker.wordpress.com/
meine Wenigkeit :)
und http://naraliya.jimdo.com/

Lasst Euch also überraschen, was es mit Honigmilch und Glück auf sich hat.
Viel Spaß schon mal.
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