Samstag, 5. November 2016

... über "Hasta La Pista - Wo die Liebe hinfährt" von Sophia Monti

Sophia Monti


Amüsante Auswanderer-Schrägstrich-Love-Story für zwischendurch


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Zum Inhalt:
Dass es für Anja Rembrand ohne T rund laufen würde, kann man nun wirklich nicht behaupten: In der Redaktion wird sie gemobbt und Freund Andy hat sich ein duftendes Mangagirly aus der Drogerie angelacht. Als ihr Ex und inzwischen platonischer Freund Jan ankündigt, er werde sich eine einjährige Auszeit von Stadt- und Businessleben nehmen und mit einem Bully nach und durch Spanien tuckern, lässt sich Anja anstecken. Weg mit Andy, weg mit dem Job, weg mit der Wohnung. Ganz und gar auswandern will Anja in ihr heißgeliebtes Spanien und springt ohne zu fackeln in Jans platonischen Bully ...

Meine Meinung:
Da ich immer noch kein großer E-Book-Leser bin, aber ab und an gerne mal typische Frauenunterhaltung lese, sie aber nicht immer als Baum in der Handtasche mit mir herumschleppen will, kommen mir Romane wie Sophia Montis "Hasta La Pista" gerade recht. 
Locker stolpern wir mit Ich-Erzählerin Anja durch die aktuellen Unwegsamkeiten ihres Lebens. Und Anja ist weder auf den Kopf noch auf den Mund gefallen und präsentiert Gedanken und Dialoge, die größtenteils richtig Spaß machen und für einen Lacher gut sind. 
Montis Charaktere sind an sich und in ihren Paarungen vermutlich nicht allzu ernst zu nehmen, denn natürlich passen Anja und ihr fremdgehender Musikus Andy auf den ersten Leserblick schon nicht zusammen. Die spionierenden Nachbarn, Jans italienisch-furienhaft eifersüchtige Freundin Marcella, Anjas mobbende Kolleginnen und Ausgleichspol=beste Freundin Tine passen perfekt ins Chick-Lit-Genre, das hier routiniert und sprachlich angemessen bedient wird. 
Während Anja zu Beginn noch amüsant schnippisch-sarkastisch daherkommt, wurde mir ihre Art besonders im Spanien-Part des Romans dann doch etwas zu viel. So wurde uns die junge Dame als Spanienliebhaberin mit ordentlichen Spanischkenntnissen präsentiert, als jemand - und das ist der gebührende ernste Handlungsstrang des Romans -, der weiß, worauf er sich einlässt und Land und Leute zu schätzen und zu respektieren weiß. Neben Anjas Liebesdilemma (leider wird da im Klappentext schon viel zu viel gespoilert) tut sich da nämlich ein großer Konflikt auf, als sie ausgerechnet in eine Hochburg deutscher Einwanderer gerät, die alle deutschen Klischees weidlich pflegen. Auch wenn sie den eigenen Landsleuten durchaus kritisch gegenübersteht, bekommt ihr eigener Ton plötzlich eine Note von Respektlosigkeit, die mir so gar nicht gefallen wollte. So amüsant ihre Vergleiche auch sein mögen, in meinen Ohren schießt die gute Anja so manches Mal zu scharf und macht einen tüchtig verbitterten Eindruck, wo sie doch eigentlich voller Optimismus losgezogen ist. Einerseits wünscht sie sich mehr Offenheit gegenüber den Spaniern, blickt aber selbst nicht weiter über den Tellerrand ihrer Mitmenschen, die sich hier, das gebe ich zu, hinter einer ziemlich unsympathisch schillernden, sonnengebräunten Fassaden verstecken. Gern hätte ich mir auch mehr spanischen Zugang zu den Spaniern gewünscht - ein "fragte ich auf Spanisch" hätte mir da schon genügt, seitenweise spanische Dialoge wären schließlich kontraproduktiv. Stattdessen bekommen die spanischen Charaktere Gelegenheit, sich mit seltsamem Deutsch abzumühen.
Nicht ganz glücklich war ich mit der im Klappentext bereits angedeuteten Dreiecksgeschichte, besonders weil wir keine Chance bekommen, den Andy kennenzulernen, in den sich Anja irgendwann mal verliebt hat, um nachvollziehen zu können, was sie miteinander verbindet. Denn so schlecht sie ihn in ihrer anfänglichen Nichtraucher-Ausräucher-Orgie mit Freundin Tina zeichnet, kann er ja fast gar nicht sein.
Dennoch ist es Sophia Monti gelungen, eine runde Geschichte zu erzählen und ihren Handlungssträngen ein würdiges Ende zu setzen und dabei gleichzeitig neue Türchen zu öffnen. Freche Metaphern treffen auf Ally-McBeal-Kopfkino und sorgen für kurzweilige Lektüre, der man schlussendlich auch die Macken verzeiht. Dass ich mir trotz Chick-Lit auch mal einen ganz unerwarteten Ausgang gewünscht hätte, kann die Autorin ja nicht ahnen.

Fazit: 
Turbulenter Roadtrip mit flotten Dialogen, schnippischen Innenansichten, Liebesdilemma und durchaus kritischem Blick auf das Auswanderungsthema. Alles in allem routinierte Chick-Lit für Fans.

Gesamteindruck:
4 von 5 Weißdornzweigen






Buchdaten:
  • Format: Kindle Edition
  • Dateigröße: 892 KB
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe: 239 Seiten
  • Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS (5. Oktober 2016)
  • Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
  • Sprache: Deutsch
  • Preis: 2,99 € (Stand: 4.11.2016)

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