Freitag, 12. Februar 2016

Ausgelesen

Momentan fehlt mir die Zeit zum Bloggen, unter anderem, weil es da ein gewisses Büchlein gibt, das fertig werden will. Dass ich über meine Lektüre nichts schreibe, heißt aber nicht, dass mein Book Seat dauerhaft leer ist. Deshalb habe ich mich entschlossen, von meinem Prinzip, ausführliche Rezensionen zu schreiben, abzuweichen und meinen Lesestoff der letzten Wochen einfach mal zusammenzufassen.

(c) Loewe,
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Kari und Tui T. Sutherland
Magic Park: Das Geheimnis der Greifen

Nach dem Verschwinden seiner Mom sind Logan und sein Dad ins verschlafene Xanadu gezogen. Als er unter seinem Bett ein golden gefiedertes Wesen findet, ist es in dem Nest dann doch nicht mehr so langweilig. Das Flügeltier ist nämlich ein Greifenbaby und dem örtlichen magischen Tierpark entflohen, der von der Familie von Logans Mitschülerin Zoe betreut wird und natürlich streng geheim ist. Weil Logan das seltsame Geplapper des Fabelwesens aber verstehen kann, ist er plötzlich mitten drin in einem unerwarteten Abenteuer. 

Ein kurzweiliger Reihenauftakt, der Lust auf mehr macht. Junge und Mädchen arbeiten trotz allerlei Stolpersteine zusammen, um die ausgebüchsten Fabelwesen wieder einzusammeln, ohne dass der magische Tierpark auffliegt. In fantastischem Setting mit eigensinnigen, amüsanten - menschlichen wie fabelhaften - Figuren wird auch die Hintergrundgeschichte um Logans Mom nicht vergessen und der Weg für weitere spannende Geschichten und Begegnungen mit Greifen, Einhörnern und Co. geebnet. Mit 312 großzügig bedruckten Seiten nicht zu lang und nicht zu kurz und für lesefaule Jungs im Alter zwischen 11 und 13 Jahren kein allzugroßer Brocken. 





(c) Bastei Lübbe,
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Rachel Hore 
Jene Jahre in Paris

Als Fay Mitte der 1950er Jahre auf Klassenfahrt nach Paris reist, ahnt sie nicht, dass diese Reise ihr Leben verändern soll. Die Glockenschläge der Notre-Dame versetzen die junge Britin in Schockzustand, überhaupt kann sie sich des Eindrucks nicht erwehren, dass sie nicht zum ersten Mal in Paris weilt. Wenige Jahre später, ihre Mutter befindet nach einem Zusammenbruch in einem Sanatorium, findet sie konkretere Anhaltspunkte: einen Kinderrucksack mit ihrem Namen und die Adresse eines Pariser Konvents. Inzwischen Violinistin, nutzt sie eine Konzertreise in die französische Hauptstadt, um mehr zu erfahren. Was sie findet, sind ein Stück verlorene Kindheit inmitten der Besatzungszeit und die Geschichte einer großen wie tragischen Liebe. 

Auf zwei Zeitebenen erzählt Rachel Hore die Geschichte ihrer Protagonistin Fay und die ihrer Eltern, letztere ist dabei größtenteils Hörensagen. So einfühlsam und mitnehmend "Jene Jahre in Paris" auch erzählt ist, so leidet der Roman doch auch unter der Tatsache, dass Fays Mutter  Kitty als zutiefst traumatisierte Gestalt selbst kaum zu Wort kommt und die Erzählungen mitunter recht unpersönlich wirken. Die aufkeimende Liebe zwischen Fay und Adam überfrachtet zudem stellenweise den Roman, insbesondere dann, wenn Adam in aktuelle Geschehnisse Anfang der 1960er Jahre verwickelt wird, die zwar als Parallele zu Fays Vater zu verstehen sind, aber unnötige Schwere mitbringen. Wer gern Kriegsschicksale liest und ein Faible für den Schauplatz Paris hat, ist mit Hores Roman sicherlich gut beraten, mich stimmte er aber eher schwermütig und ließ mich aufgrund einiger Längen öfter zu anderer Zwischenlektüre greifen.




(c) Piper,
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Nicolas Barreau
Eines Abends in Paris

Von seinem Onkel übernahm Alain Bonnard ein Programmkino in Paris. Seit einiger Zeit kommt regelmäßig eine junge Frau in rotem Mantel zu seiner Liebesfilmreihe. Immer sitzt sie auf demselben Platz. Irgendwann fasst sich Alain ein Herz und spricht sie an. Einen wunderbaren Abend verbringen sie miteinander, wollen sich in der nächsten Woche wiedersehen. Doch Mélanie taucht nicht auf. Während ein berühmter amerikanischer Regisseur und seine französische Muse aus heiterem Himmel Alains Kino als Drehort für ihren nächsten Film auswählen, macht sich der junge Mann auf die Suche nach der Frau seiner Träume. 

Mein erster Barreau hat mich nicht vom Sofa geworfen. Und dabei war der Einstieg wirklich vielversprechend. Mit lebendiger Leidenschaft stellt der Autor seinen cineastischen Hauptcharakter vor; selten habe ich mich mit einer - noch dazu männlichen - Hauptfigur so stark identifizieren können, so treffend weiß Barreau seine Sprache zu wählen. Herrlich romantisch zeichnet er auch Alains Begegnung mit Mélanie, voller Einfühlungsvermögen und Authentizität. Aber dann kam Hollywood nach Paris und die zarte Beziehung, die so abrupt abbricht und zur Suche nach Gründen und der großen Liebe wird, konnte mich nicht mitreißen. Einfach so, wie auch Mélanie so mir nichts dir nichts ohne Erklärung verschwindet. Streckenweise habe ich mich sogar gelangweilt. Glücklicherweise krankt "Eines Abends in Paris" nicht an Vorhersehbarkeit und weiß am Ende doch noch zu überraschen. Insgesamt schade, aber ich werde dem Autor gern noch einmal eine Chance geben. 

 







(c) Fischer,
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Jill Mansell 
Wer zweimal träumt

Vor achtzehn Jahren warfen ihr Vater und ihre Stiefmutter sie aus dem Haus. Doch nun ist der Griesgram, der sie offenbar nie wirklich geliebt hat, tot, und völlig überraschend erbt Lara ihr Elternhaus. Mit ihrer Tochter kehrt sie zurück nach Bath. Hier ist nicht ihre alte Freundin Evie, die ihren Verlobten im letzten Moment vor dem Altar stehen lässt, sondern auch ihre Jugendliebe Flynn. Ihn hat sie damals Hals über Kopf verlassen. Zurück in der alten Heimat geht Lara alten Geheimnissen auf die Spur und kann vor allem auch Flynn nicht aus dem Weg gehen.

"Wer zweimal träumt" ist eine vorhersehbare Liebesgeschichte, der es trotzdem nicht an Charme fehlt. Dafür sorgen neben ungekünstelten Dialogen unter anderem auch die Handlungsstränge der Nebencharaktere, die durch ihre eigenen Höhen und Tiefen gehen, ohne den Hauptstrang nachhaltig zu stören. Dessen erstes "Geheimnis" ist nämlich schon bald keines mehr, sodass die Geschichte um Lara und Flynn an sich nicht viel hergeben würde, auch wenn Mansell ihrer Protagonistin schweres Gepäck auf den Rücken schreibt. Seinen liebenswerten, verkorksten Nebenfiguren und ihren Verknüpfungen mit den Hauptfiguren verdankt der Roman schlussendlich Dynamik und Kurzweil. Ein Roman zum Schmunzeln und Seufzen, der Regentage heller macht. 



 

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