Donnerstag, 5. November 2015

... über "Kräuter der Provinz" von Petra Durst-Benning

Petra Durst-Benning
Köstliche Lektüre 
(c) Blanvalet, Bildlink zu Amazon

Zum Inhalt:
Therese ist Wirtin der Goldenen Rose und Bürgermeisterin von Maierhofen. Beschaulich eingebettet in eine Wohlfühllandschaft liegt das Dorf im schwäbischen Allgäu, aber wie so manch anderer kleiner Ort leidet auch Maierhofen unter der Abwanderung der Jungen, und dem lokalen Gewerbe droht das Aus. Sorgenvoll blickt Therese auch in ihre eigene Zukunft - erst kürzlich erhielt sie die Diagnose: Krebs. Doch bevor sie sich um sich selbst kümmern kann, will sie das Schicksal Ihres Dorfes in die richtigen Bahnen gelenkt wissen. Als sie im Fernsehen sieht, dass ihre Cousine Greta Roth einen Werbepreis gewinnt, kommt ihr eine Idee: Maierhofen soll eine Imagekampagne bekommen. Nur hatte Therese zuletzt als Kind Kontakt zu Greta und die Gemeindekassen sind sowie leer. Also entsinnt Therese einen Plan, um die Städterin Greta wieder in die Provinz zu locken. Aber wird sie damit Erfolg haben?

Meine Meinung:
Zahlreiche Romane sind bereits aus Petra Durst-Bennings Feder geflossen, „Kräuter der Provinz“ ist jedoch das erste Buch, das ich von der Autorin gelesen habe. Angesichts des recht aufgeräumten Covers mit seinem ländlichen Kochbuchlook war ich noch nicht überzeugt. Nach dem zweiten Blick hat sich der Griff zur Lektüre allerdings gelohnt.
Mit „Kräuter der Provinz“ legt Petra Durst-Benning nämlich einen warmherzigen Roman vor, der heimelige Herbstlesestunden beschert und stellenweise ganz schön für Magenknurren sorgt.
Dass ich mich mit den Kräutern der Provinz so zu Hause gefühlt habe, ist vor allem den Protagonistinnen zu verdanken. Wir haben es hier nicht mit gekünstelten jungen Hüpfern zu tun, sondern mit Frauen, die in ihren Vierzigern an einem Wendepunkt in ihrem Leben angekommen sind.
Da ist zum einen Therese, die als Herz des Romans und des Handlungsortes Maierhofens eingeführt wird. Obwohl sie krankheitsbedingt über weite Strecken der Handlung nicht einmal anwesend ist, hält sie doch alles zusammen. Sie ist die Initiatorin der Geschichte, und der Autorin gelingt es ausgezeichnet, Therese präsent zu halten, selbst wenn sie keine eigenen Szenen bekommt. So entkommt der Roman auch übermäßiger Trübsal und konzentriert sich auf Wünsche und Träume und deren Umsetzung.
Dafür soll nun Thereses Cousine Greta zuständig sein. 
Werbefrau Greta Roth - die Rot zu ihrem Markenzeichen gemacht hat und bislang zu den ganz Großen in ihrer Werbeagentur zählte - hat sich nun aber ganz und gar nicht auf Landlust und dörfliches Image spezialisiert. Deshalb muss sie erst einmal überzeugt werden. So wird zunächst Hausmütterchen Christine nägelkauend auf die Reise nach Frankfurt geschickt. Mit Laugenbrezeln als Gruß stolpert die Hausfrau und von ihren Töchter wenig geschätzte Mutter in Gretas Wohnung und Leben, um sie nach Maierhofen zu locken. Mit Erfolg: Wenig später reist Greta im schicken Auto mit Navi - weil es im Reisebüro kein Pauschalangebot gab - an und bekommt einen Kulturschock.
Ohne dass die Lektüre langweilig wird, erleben wir denselben Ort, den wir bereits auf den ersten Seiten kennenlernen durften, noch einmal - durch Gretas Augen. Und das ist ebenso ernüchternd wie amüsant.
Wir begleiten Greta, um das Dorf und seine Bewohner kennenzulernen. Kartoffelbäuerin Roswitha, die schon zeitig vorgestellt wird, Metzgermeister Edy, der ein tierisches Problem mit seinem Beruf hat, Jessy, die Likör-Frau, Aussteigerin und Sennerin Madara, Sam, der mürrische Koch in der Goldenen Rose … sie alle haben Träume und Ideen, die im Laufe der Geschichte herausgekitzelt werden. Und sie alle haben besonderen Sinn für ursprünglichen Genuss - etwas, das der Städterin Greta abhanden gekommen ist.
Neben den urwüchsigen, aber auch kreativen Köstlichkeiten lockt in Maierhofen auch noch eine ganz andere Versuchung, auf die Greta in ihrem „Alter“ beinahe nicht mehr zu hoffen gewagt hätte …
Petra Durst-Benning zeichnet ein lebendiges Bild des Landlebens mit seinen Sorgen, aber auch den bunten Festen, die den ländlichen Raum so manches Mal zusammenhalten. Allerdings ist der Maierhofen vergleichsweise groß und nach meinem Verständnis eher eine Kleinstadt, sodass ich mein persönliches Dorferleben nicht unbedingt darin wiederfinden kann. Aber die Vorstellungen von einem Dorf dürften wohl genauso bunt sein wie die Dörfer selbst … sodass Maierhofen durchaus all jene kleinen Orte repräsentieren darf, in denen vor allem die Menschen in mittlerem Alter dafür kämpfen, dass den Jungen eine Lebensgrundlage erhalten bleibt und die Orte nicht von der Bildfläche verschwinden. Von Ambiente allein lässt es sich schließlich nicht leben. Dass das nicht einfach ist, klingt in „Kräuter der Provinz“ ebenso an wie der Appell, dass es darauf ankommt, Träume wirklich in die Hand zu nehmen und Ideen gemeinsam umzusetzen. In sich hineinhören und genießen können - Fähigkeiten, die es wert sind, zurückerlangt zu werden.
Trotz des ernsteren Handlungsstrangs um Thereses Krankheit ist „Kräuter der Provinz“ ein vornehmlich heimeliger Roman, in dem zwar Stolpersteine auf dem Weg liegen, aber ansonsten alles ziemlich glatt läuft. Gerade in Bezug auf kulinarische Neuerungen und den Verkauf selbst zu bereiteter Lebensmittel stelle ich mir gewisses Konfliktpotential vor (Besuche von der Lebensmittelkontrolle sind durchaus Realität).
Da das Wagen von Träumen aber im Mittelpunkt steht, ist es wohl eher folgerichtig, die Hürden zu minimieren und die Freude am Genießen zu vermitteln. Und das gelingt Petra Durst-Benning sehr gut mit untrüglichem Gespür für authentische Dialoge, die stets zur Situation und zu ihren Protagonisten passen, kleine Seufzermomente inklusive. 
„Kräuter der Provinz“ ist ein Wohlfühlbuch, das anregt, Lebensgewohnheiten zu hinterfragen, und Mut macht, neue Wege zu beschreiten. Vielleicht hat es auch genau deshalb ein offenes Ende …

Wer sich am Ende nicht nur in Maierhofen und seine kochenden, backenden, kreativen Bewohner verliebt, sondern auch Lust bekommen hat, die angesprochenen Köstlichkeiten selbst auszuprobieren, wird auch in diesem Buch fündig. Abgeschlossen wird der Roman mit einer Reihe von „Genießertipps“, die den eigenen Küchenalltag aufpeppen.

Fazit:
Ein Wohlfühlroman mit authentischen Charakteren, die ihr Leben in die Hand nehmen und (wieder) lernen zu genießen.

Gesamteindruck:
4 von 5 Weißdornzweigen






Buchdaten:
  • Taschenbuch: 512 Seiten
  • Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag (14. September 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3734100119
  • ISBN-13: 978-3734100116
  • Ladenpreis: 9,99 € (D) 
  • Auch als E-Book erhältlich.

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