Montag, 18. August 2014

... über "Der eiserne Sommer" von Angelika Felenda

Angelika Felenda 

Lebendiges Krimidebüt mit historischem Flair 

(c) Suhrkamp nova - Bildlink zu amazon

Zum Inhalt: 

Am Vorabend des Ersten Weltkrieges wird am Isarufer die Leiche eines jungen Mannes geborgen. Was auf den ersten Blick nach einem unglücklichen Trunkenheitsunfall aussieht, mündet für Kommissär Sebastian Reitmeyer in komplizierten Ermittlungen. Bald führen ihn die Spuren in die homosexuellen Kreise Münchens und schließlich auch in die höhere Gesellschaft, in der er sich ein selbst bewegte. Bei einem Toten bleibt es nicht, und als es Reitmeyer endlich gelingt, die losen Fäden zu verknüpfen, sind ihm die Türen verschlossen ... 

Meine Meinung:

Der Kriminalroman „Der eiserne Sommer“ ist nicht nur der Auftakt einer Serie um Kommissär Reitmeyer, sondern auch der erste Roman der Autorin Angelika Felenda, die Geschichte und Germanistik studierte und als Literaturübersetzerin arbeitet.
Mit „Der eiserne Sommer“ ist der Autorin ein solides Krimidebüt gelungen, das in erster Linie mit lebendigen Figuren und lesenswertem historischem Flair überzeugen kann.
Ihren Kommissär legt sie weniger als brillanten mechanischen Ermittler denn als Menschen mit Vergangenheit und nachvollziehbarer Gegenwart an. So entsteht eine Figur, der man gerne über die Schulter sieht. Unaufdringlich verflechtet Felenda den Alltag des Ermittlers mit seinen beruflichen Wegen und zeichnet somit ein rundes Bild ihres Protagonisten, der beruflich und privat einigen Wirrungen ausgesetzt wird, die zeitgemäß allerdings leise und beinahe unter Wahrung der Etikette erzählt werden. Obwohl Reitmeyers Vorgeschichte bereits stark beleuchtet wird, bleibt er dennoch hinreichend verschlossen, um Lust auf mehr zu machen. Ermittler ohne Geschichte und Makel sind mir ohnehin ein Dorn im Auge.
Reitmeyers erster literarischer Fall verdeutlicht Moralvorstellungen und Lebensweisen seiner Zeit und nährt seinen Spannungsfaden aus der Grenzen, an die der junge Ermittler immer wieder stößt. Vor dem Hintergrund des aufkeimenden Krieges rückt die Geschichte in besonders prekäres Licht und bietet interessante Erkenntnisse, ohne jedoch besonders wendungsreich zu sein.
Dass es dennoch nicht langweilig wird, ist auch der Figur der Caroline zu verdanken. Als Aushilfsgerichtsmedizinerin eingeführt, stellt sich heraus, dass sie Reitmeyers Jugendschwarm war. Aber anstatt klischeehaft auf eine Welle der Wiederbelebung alter Schwärmerei zu reiten, wird die Medizinerin Caroline zu einer wichtigen, hilfreichen Figur, die nicht frei von Fehl und Tadel ist.
Geschickt führt die Autorin moralische, rechtliche und technische/wissenschaftliche Grenzen zueinander, um ein authentisches Bild der Polizeiarbeit vor hundert Jahren zu zeichnen, ohne sich in drögen Detaildarstellungen zu verlieren.
Ich empfand es sogar als höchst erfrischend, in diese etwas entschleunigte, ältliche Szenerie einzutauchen, in der sich Polizei und Verdächtige keine wilden Verfolgungsjagden liefern konnten und der Ermittler lediglich ein Fahrrad als fahrbaren Untersatz sein Eigen nennt. Unterstützt wird das historische Flair durch Dialoge, die glaubwürdig gestaltet sind, aber keineswegs verstaubt oder aufgesetzt daherkommen.   
Alles in allem erzählt Felenda eine runde Geschichte, die deutliches Interesse an ihrem Protagonisten Reitmeyer weckt und ihm, auch angesichts des historischen Settings, das ihn zwangsläufig nicht in München verharren lassen kann, Entwicklungsmöglichkeiten für weitere Geschichten bietet. Neugierig auf mehr bin ich nun allemal. 

Fazit:
Ruhig erzählter Kriminalroman, der vor interessanter, glaubwürdiger historischer  Kulisse zwar nicht mit klassischer Raffinesse besticht, aber Figuren mit Sympathiepotenzial bietet, die im Handlungsverlauf für Leben sorgen und kleinere Längen spielend überbrücken. Ein menschelnder, stilvoller Ermittlerkrimi, der auch ohne atemberaubende Wendungen und Action spannend und lesenswert ist. 

Gesamteindruck: 
4 von 5 Weißdornzweigen




Buchdaten: 
  • Taschenbuch: 435 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: Originalausgabe (18. August 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518465422
  • ISBN-13: 978-3518465424
  • Neupreis: 14,99 € (D) 
  • Auch als E-Book und Hörbuch erhältlich.  
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