Freitag, 11. Juli 2014

... über "SEAL-Team 12: Gebrochene Versprechen" von Marliss Melton

Marliss Melton

Toughe Charaktere weichgespült

(c) Egmont Lyx - Bildlink zu Amazon
Wichtiger Hinweis: 
Spoilergefahr! Es handelt sich um den zweiten Band von Marliss Meltons SEAL-Team-12-Reihe, in dem die Handlung aus dem Reihenauftakt wieder aufgegriffen wird. Protagonisten treten erneut auf und der Fall des ersten Bandes wird hier zu einem Abschluss geführt. 
Zum Inhalt:
Das SEAL-Team 12 setzt alles daran, den Namen seinen Vorgesetzten Gabriel Renault wiederherzustellen. Noch immer ist der Verräter in den eigenen Reihen nicht gefasst und Renault steht unter falschem Verdacht. Eine wichtige Zeugin ist Hannah Geary von der DIA. Ihr Vorgesetzter war in der Lage, wertvolle Beweise zusammenzutragen. Doch bevor die Verteidigung eine Chance hat, diese in ihre Hände zu bekommen, ereilt ihn ein tödlicher Unfall, und kurze Zeit später ist auch Hannah verschwunden. Offenbar wurde sie entführt. Lt. Luther Lindström und Chief Westy McCaffrey erhalten vom FBI den Auftrag, Hannah zu finden und zu befreien. Genau im rechten Moment entkommt die DIA-Agentin jedoch aus eigener Kraft und fällt mit perfektem Timing in Lindströms kräftige Arme. Der ist beeindruckt von der klugen jungen Frau, und bald befinden sich Luther, Westy und Hannah auf nicht ungefährlicher Spurensuche. Immer mehr fühlen sich Luther und Hannah zueinander hingezogen, doch die Zeichen stehen nicht gut. Es hat sie nicht nur das gesuchte "Individuum" ins Visier genommen, sondern beide haben auch noch konträre Lebensvorstellung, die der wahren Liebe in die Quere kommen könnten. Denn Hannah will unbedingt zurück zur CIA und ihre Traumkarriere als Nachrichtenagentin antreten ... 

Meine Meinung: 
Marliss Meltons Reihenauftakt "Aus dem Dunkel" hatte mir Lust auf mehr vom SEAL-Team 12 gemacht. Immerhin blieb der Ausgang der Hintergrundgeschichte vage, und die harten Kerle mit dem weichen Kern kamen durch die Bank so sympathisch rüber, das ich weiterlesen musste. 
Im Fortsetzungsband kann Marliss Melton die Vorschusslorbeeren leider nicht komplett verdienen. 
Zum einen liegt das daran, dass es nach meinem Empfinden etwas zu früh für Luthers Story ist. Kaum hat er sich im Reihenauftakt von seiner Verlobten getrennt, wird ihm im zweiten Buch umgehend das ultimative Love Interest in die Arme gespült. Auch wenn Luther ein sehr ansprechender Charakter ist - besonnen, stark, mit Gespür für die Gefühle und Sorgen des anderen - habe ich ihm beim Lesen unbewusst den Stempel des Verzweifelten aufgedrückt, den er bis zum Schluss nicht mehr los wurde. Immer wieder hebt die Autorin hervor, er sei "auf der Suche" nach einer Frau und Hannah sei nicht die Frau, die er suche. Dabei wird der Grund einer solchen Suche nur bedingt deutlich, und das Einsamkeitsargument schreit förmlich nach Klischee. Nichtsdestotrotz verkörpert er den typischen Helden, an den man sich nur liebend gern anlehnen möchte. In dieser Geschichte kommt ganz klar der weiche Kern noch vor der harten militärischen Hintergrundstory. 
Erfreulicherweise wird Hannah als starke - mit sechsundzwanzig Jahren noch recht junge - Frau charakterisiert, die klug handelt und das eine oder andere Ass im Ärmel hat, das einem Mann, der von Vorurteilen gegenüber dem weiblichen Geschlecht erfüllt ist, schon mal die Kinnlade herunterklappen kann. Obwohl mit einigem Vitamin B gesegnet, weiß Sie sich zu helfen und erfolgt ein ehrgeiziges Karriereziel, wird aber ein ums andere Mal von ihrer Vergangenheit, dem schmerzlichen Verlust ihrer Eltern, ausgebremst.
Die zum Scheitern verurteilten Versuche der Protagonisten, sich voneinander fernzuhalten, sind amüsant zu lesen und sorgen für das nötige Knistern. Auch verliert die Autorin nicht aus den Augen, dass es in ihrer Geschichte um mehr als nur eine Romanze geht, denn schließlich muss ein heikler Fall gelöst werden, der nicht von zu viel Anhimmeln und Erotik ausgeknipst werden darf. Die Mischung ist dementsprechend ausgewogen, und die Autorin zeigt ein gutes Gefühl für Timing. 
Leider gestaltet sich der Fall um den Vorgänger-Helden etwas platt. Ich muss gestehen, dass mich allein schon die Bezeichnung "Individuum" für den gesuchten Verräter einigermaßen amüsiert hat. Außerdem ist dieser Handlungsstrang vorhersehbar und selbst ich, die ich doch sonst immer bis zum letzten Satz den Gärtner verdächtigte, hatte den wahren Übeltäter in Handumdrehen entlarvt. 
In einer weiteren Nebenhandlung setzte Marliss Melton außerdem meinen Hoffnungen auf eine eigene Story zwischen Sebastian und Leila ein jähes Ende. Wie bereits im ersten Band erhielt dieses Paar so viel Raum, dass die Haupthandlung mitunter gestört wurde. Allerdings habe ich den Eindruck, diese Romanze könnte nun auserzählt sein, denn Sebastian hatte sich im Reihenauftakt als lesenswerter Charakter in mein Herz geschlichen. 
Für umfassende Spannung und nie langweilige Lektüre sorgen schnelle Schauplatzwechsel, die nicht selten in der Nacht angesiedelt sind und einen Hauch von Gefahr mitbringen, aber auch kleine peinliche Szenen und tiefergehendere Dialoge. 
Im Endspurt hat es die Autorin meiner Meinung nach dann etwas mit Hollywood übertrieben und zudem Hannah so stark in Kompromisse gezwängt, dass sich mir ein zu weichgespültes Gesamtbild ergab. Warum der Roman im Deutschen "Gebrochene Versprechen" heißt, will sich mir im Übrigen nicht so ganz erschließen.
Trotzdem habe ich immer noch Lust auf mehr Geschichten vom SEAL-Team 12. Und das will was heißen, denn eigentlich hatte ich mir ja zum Grundsatz gemacht, Reihen künftig zu meiden!

Fazit: 
Zweiter Band einer Military-Romance-Reihe, der inhaltlich den Vorgängerband aufgreift, mit neuem, leidenschaftlicherem Paar und großen Gefühlen aufwartet, aber insgesamt weicher und vorhersehbarer ist und die im Reihenauftakt begonnene Geschichte zu einem etwas übereilten Abschluss bringt. Trotzdem empfehlenswert.

Gesamteindruck: 
3 von 5 Weißdornzweigen 





Buchdaten:
  • Taschenbuch: 336 Seiten
  • Verlag: Egmont LYX; Auflage: 1 (12. Januar 2012)
  • Sprache: Deutsch, übersetzt von Ralf Schmitz
  • ISBN-10: 3802584635
  • ISBN-13: 978-3802584633
  • Ladenpreis: 9,99 € (D) 
  • Auch als E-Book erhältlich.

... über "If you leave - Niemals getrennt" von Courtney Cole

Courtney Cole

Viel Hollywood-Dramatik, viele Emotionen - oft ehrlich, oft zu viel

(c) Knaur - Bildlink zu amazon
Wichtiger Hinweis: 
"If you leave - Niemals getrennt" ist die Fortsetzung von "If you stay - Füreinander bestimmt". Die Geschichte der Protagonisten dieses ersten Bandes wird hier in einem nicht unwesentlichen Handlungsstrang fortgeführt. Die vorliegende Rezension enthält somit zwangsläufig Spoiler und sollte nur gelesen werden, wenn Band 1 bereits bekannt ist. 
 
Zum Inhalt:
Jacey hat schon recht: Madison braucht mal einen Tapetenwechsel. Die Verantwortung für das Familienrestaurant und ihre jüngere Schwester Mila hat sie voll im Griff. Für Spaß und Männer nimmt sich Madison keine Zeit mehr in ihrem Leben. Wenigstens lebt Mila inzwischen ihr eigenes Leben, hat einen Mann an ihrer Seite. Also lässt sich Madison von ihrer Freundin und Mitarbeiterin Jacey breitschlagen, mit ihr in Chicago auszugehen. Und prompt läuft sie einem gutaussehenden Typ über den Weg. Wagemutig wirft sie sich ihm an den Hals, doch die vielsprechende Taxifahrt mit ihm endet mit einem Unfall. Unversehrt davongekommen, aber Stimmung im Eimer. Und zu allem Übel klappt der heiße Typ auch noch zusammen und muss von Madison nach Hause gebracht werden. Als er kurze Zeit später in ihrem Restaurant auftaucht und sich als Jaceys Bruder Gabriel entpuppt, ist das Knistern trotzdem wieder da. Und es wird Madison bewusst, dass sie sich mehr wünscht als eine stürmische Nacht. Doch sie hat Angst, verletzt zu werden, und Gabriel scheint genau der Mann zu sein, der sie mit Sicherheit verletzen wird. Denn dem ehemaligen Ranger gelingt es nicht, die Dämonen seiner Vergangenheit, die ihn Nacht für Nacht heimsuchen, loszuwerden ... 

Meine Meinung: 
"If you stay - Füreinander bestimmt" hatte mich zwar nicht umwerfen, aber auf seine Weise mitreißen und berühren können. Dennoch war ich mir unschlüssig, ob mich Madisons Geschichte wirklich interessierte. Im Reihenauftakt war ihr zwar eine wichtige Nebenrolle zugekommen, doch mehr als einen überfürsorglichen Eindruck hatte ich nicht von ihr gewonnen. 
"If you leave - Niemals getrennt" beleuchtet ihren Charakter nun näher und nutzt dazu auch die Protagonisten des ersten Bandes. Nicht nur deshalb empfiehlt es sich, die beiden Romane in Folge zu lesen. Mila und Pax bilden mit eigenem Handlungsstrang einen wesentlichen Teil des Buches. Damit wird auch die enge Beziehung der Schwestern, die im ersten Roman als feststehender Fakt hinzunehmen war, noch einmal untermauert und nachvollziehbarer gestaltet. 
Strukturell und stilistisch richtet sich die Autorin nach ihrem Vorgängerroman: Wieder lässt sie die beiden Hauptcharaktere in die Ich-Perspektive schlüpfen und ihre Geschichte im Präsenz erzählen. Dabei knüpfen die Perspektivenwechsel manchmal nahtlos aneinander an,  um eine Szene aus beiden Blickwinkeln zu schildern, ein anderes Mal sind die Erzählungen räumlich und zeitlich getrennt. Auch wenn ich nicht explizit nachgezählt habe, gewann ich allerdings den Eindruck, dass Madison insgesamt mehr Aufmerksamkeit bekam. Daher wirkten die Wechsel zu Gabriel stellenweise abrupt, insbesondere, weil seine Empfindungen oft in krassem Gegensatz  zu Madisons Wahrnehmungen stehen und damit liebevolle Begegnungen nachträglich einen unangenehmen Schatten erhalten. Unter anderem auch, weil Madisons Part eine Nuance weicher mit einem Hauch von Hilfsbedürftigkeit erzählt wird, selbst wenn sie kein Blatt vor den Mund nimmt und gerade heraus spricht.
In "If you leave - Niemals getrennt" lebt die Autorin zudem einen Hang zu besonderer Dramatik aus und spart nicht an Klischees. Bereits im Vorgänger hatte sie es den Protagonisten nicht leicht gemacht, aber nach meinem Dafürhalten Pax' Drogenproblem stark entschuldigt und heruntergespielt, ihn quasi auf den letzten Seiten erkennen lassen, wo die Ursache seines Verhaltens liegt und ihn im Schnelldurchlauf kuriert. In der Fortsetzung erleben wir ihn als geläuterten Ehemann und werdenden Vater, dessen rauher maskuliner Touch gerade mal noch in Fitnessstudiobegegnungen mit Gabriel aufflackert. Im Gegensatz zu Pax nimmt sich die Autorin Zeit, Gabriels posttraumatische Belastungsstörung von Anfang bis Ende aufzuarbeiten. Daneben lastet sie aber auch Madison und dem Paar des ersten Bandes so manches Päckchen auf, sodass die 423 Seiten schlussendlich mit Ereignissen und Dramatik vollgestopft sind. Als Handlungsvehikel erfüllen sie ihre Aufgabe zwar treffsicher, sind aber in der Summe sicher zu viel, als ein Protagonist in einer so kurzen Zeit ertragen kann. Auch meine ich, dass insbesondere Pax und Mila, nachdem sie im ersten Band auf eine harte seelische Probe gestellt worden waren, nun etwas weniger Sorgen hätten vertragen können. Immerhin hat Madison, deren Schicksal so stark mit ihrer Schwester verquickt wird, auch so schon genug um die Ohren. Was mit einem Autounfall, der noch glimpflich ausgeht, beginnt, schliddert oft knapp an den Abgrund und gipfelt schließlich auch noch in einem Todesfall. Und zwischendurch muss sich noch eine Überschwemmung ereignen. Das klingt stark nach dem Stoff für eine Woche Daily Soap, lässt beim Lesen aber keine Langeweile aufkommen. Im Original heißt die Reihe, die inzwischen schon bei Buch 4 angekommen ist, wahrscheinlich nicht umsonst "Beautifully Broken" ...
Während es der Autorin gut gelingt, das unverkennbare Knistern zwischen Madison und Gabriel nicht zu überreizen und ihre intimen Momente mit gutem Instinkt zu platzieren, übertreibt sie es im letzten Drittel deutlich mit Soap-Elementen und klischeehaftem amerikanischem Pathos. Damit gelangte ich beim Lesen an einen Punkt, an dem ich mich zwischen Augenrollen und Tränchenverdrücken nicht mehr entscheiden konnte. 
Bis auf den Grundtenor der Zähmung und Kurierung des männlichen Problemcharakters hat mir die Figurenzeichnung in "If you leave - Niemals getrennt" recht gut gefallen. Besser noch als in Band 1, da es der Autorin hier gelingt, die Charaktere und ihre Entwicklung abzurunden und ihnen einen ballastfreien Neuanfang zu ermöglichen, der versöhnlich stimmt und dem Romanzenfreund gefallen dürfte. Als undankbaren Ausrutscher betrachte ich den Nebencharakter des Ethan, der buchstäblich nach der Holzhammermethode als Alibi-Love-Interest eingeführt wird und dann sang- und klanglos aus der Story purzelt. 
Ein wahres Ärgernis aber stellt für mich die sprachliche Umsetzung des Romans im Deutschen dar. Nun mag man mich für einen Sprachverfechter halten, und vor sprachlichen Fehltritten bin auch ich nicht gefeit, dennoch geht es mir gegen den Strich, dass mir neuerdings immer mehr Bücher unter die Augen kommen, deren Übersetzung tatsächlich nach Übersetzung klingt. Sicherlich wandelt sich die Sprache und schnappt fremdsprachige Einflüsse auf, aber warum sollte zumindest in der Schriftsprache nicht unsere eigene Idiomatik beibehalten werden? Nichts dagegen habe ich, dass die Protagonisten wie die Kesselflicker fluchen und alle paar Zeilen bzw. mehrmals im Satz "verdammt" geschimpft wird - das passt, wie Leseproben zeigen, zum Original, in dem das F-Wort ebenfalls sehr strapaziert wird. Ausdrücke wie "Pass auf deinen Rücken auf!" oder "Hölle, ja" und anderes, das ich inzwischen wieder vergessen habe und auch nicht notieren wollte (schließlich wollte ich ja lesen!), stoßen mir jedoch beim Lesen genauso unangenehm auf wie Anschlussfehler in Relativsätzen, wenn "dessen" und "deren" verwechselt werden. 
In Übersetzung und Lektorat mit der heißen Nadel gestrickter Lesestoff bietet mir leider nur halbes Lesevergnügen. 
Ich betrachte nach diesen beiden Bänden die Geschichte um die Familie von Mila und Madison nunmehr für mich als abgeschlossen. Weitere Fortsetzungen sind sicherlich bisherigen Nebencharakteren gewidmet, die ebenfalls dem "Beautifully-Broken"-Schema gerecht werden, sich allerdings bislang so wenig hervortun konnten, dass ich mich nach ihrer eigenen Story verzehren würde. 

Fazit: 
Klischeegespickte Fortsetzung um problembeladene, aber nicht unsympathische Charaktere. Ein Übermaß an Dramatik und Pathos sorgen für Soap-Feeling und minderne den Tiefgang, dafür können aber treffsicher platzierte erotische Szenen, authentische Anziehung zwischen den Protagonisten und ehrliche Tränen angenehm emotionale Lesemomente bescheren.

Gesamteindruck:
3 von 5 Weißdornzweigen





Buchdaten: 

  • Taschenbuch: 432 Seiten
  • Verlag: Knaur TB (1. Juli 2014)
  • Sprache: Deutsch, übersetzt von Silvia Gleißner
  • ISBN-10: 3426515288
  • ISBN-13: 978-3426515280
  • Originaltitel: If You Leave
  • Ladenpreis: 8,99 € (D) 
  • Auch als E-Book und Hörbuch erhältlich. 
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