Donnerstag, 17. April 2014

... über "Liebe in echt: Was du über Romantik, Küsse und Traumprinzen wissen solltest" von Mara Andeck

Mara Andeck

Fragen und Antworten rund um die Liebe - auch für die Großen

(c) Boje - Bildlink zu amazon

Inhalt und Meinung:
Wir  leben in einem aufgeklärten Zeitalter, aber was wissen wir schon über die Liebe, ein Thema, das Herzen hüpfen lässt, aber jede Menge Fragen aufwirft?
Mara Andeck, aus deren Feder unter anderem die ebenfalls bei Boje erschienenen drei Bände von Lilias Tagebüchern stammen, hat sich dieses komplexen Themas in einem Sachbuch für Mädchen zwischen 13 und 16 Jahren angenommen. Herausgekommen ist eine ausgewogene Mischung aus amüsanten Anekdoten und interessanten und hilfreichen Informationen. 
Mit Illustrationen von Constanze Guhr wirkt das Buch rein äußerlich zunächst wie ein typischer Mädchenroman. Nur der in kleinerer Schrift gehaltene Untertitel im erfrischend grünen Herz verrät, dass es sich um einen Ratgeber handelt. Bunt mit lebendigen Zeichnungen versehen ist dieser aber alles andere als bierernst, sondern bietet auch dann abwechslungsreiche Lektüre, wenn es um die ernsteren Aspekte der Liebe geht.
So thematisiert Autorin Mara Andeck eben nicht nur die verklärt-romantische Seite, die der jugendlichen Leserin aus entsprechenden Romanen bekannt sein dürfte, sondern räumt mit Vorurteilen auf und regt zum Nachdenken an. Neben Forschungsergebnissen jüngeren Datums - ja, auch in der Liebe wird geforscht - gibt sie Einblicke in historische Vorstellungen der Liebe und ihre Wandlung von Gilgamesch über Platon, mittelalterliche Minnesänger (="Berufsverliebte") und Sagengestalten bis hin zu Mark Twain. 
Dass Statistiken nicht der Weisheit letzter Schluss sind, wird ebenso angesprochen wie Flirten, Verliebtheit vs. Liebe, Bausteine der Liebe, Suche nach dem passenden Deckel, Beziehungen, Pubertät, Sex und nicht zuletzt auch Trennungen und deren Verarbeitung. Dabei spricht die Autorin ihre Leserinnen häufig direkt an, bezieht sie unmittelbar ein und gibt ihnen Gelegenheit, eigene Schlüsse zu ziehen und die Erkenntnisse auf die eigene Situation anzuwenden.
Zum Schluss runden ein Flirt-Test mit zugehöriger Auswertung, Rezepte für ein Candlelight-Dinner und "Fundstellen für Referate" Andecks erhellende Ausführungen über die Liebe, die Liebe ist, "egal, wen man liebt", ab.

Fazit: 
Liebevoll gestaltetes Sachbuch, das die Aspekte des komplexen Themas Liebe ausgewogen und abwechslungsreich näherbringt und nicht nur der Zielgruppe Interessantes und Neues bietet, sondern auch Erwachsenen Spaß machen und den Kopf zurechtrücken kann.

Gesamteindruck: 
5 von 5 Weißdornzweigen





Buchdaten
  • Taschenbuch: 192 Seiten
  • Verlag: Bastei Lübbe (Boje); Auflage: Aufl. 2014 (13. März 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3414823799
  • ISBN-13: 978-3414823793
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: 13 - 16 Jahre
  • Neupreis: 14,99 € (D) 
  • Auch als E-Book erhältlich. 

Mittwoch, 16. April 2014

... über "Die Wahrheit, wie Delly sie sieht" von Katherine Hannigan

Katherine Hannigan
Die Wahrheit, wie Delly sie sieht

Warmherzig, einfühlsam, besonders

(c) Carl Hanser Verlag - Bildlink zu amazon
Zum Inhalt:
Für die meisten bedeutet Delaware - Delly - Pattinson hauptsächlich eines: Ärger. Die Elfjährige baut sich ihre Welt zurecht, und wenn sie dabei im Polizeiauto eine Freifahrt nach Hause bekommt, ist es erst einmal auch nicht schlimm. Sie erlebt Abenteuer, erfindet eigene Wörter und ist ständig auf der Suche nach einem "Überraschenk". Als es fast schon zu spät ist und die Erwachsenen Delly beinahe aufgeben wollen, kommt eine neue Schülerin in ihre Klasse. Ferris Boyd, dünn und knabenhaft, spricht kein Wort und darf nicht berührt werden. Hungrig nach einem neuen Projekt folgt Delly neugierig der Neuen und muss nun lernen, dass sie nicht überall Türen einfach einrennen kann. Auch mit Unterstützung ihres kleinen Bruders RB lernt Delly, Fragen zu stellen und zuzuhören, selbst wenn kein einziges Wort gesprochen wird. Nach und nach entspinnt sich zwischen den drei Kindern eine besondere Freundschaft, bis Delly eine erschütternde Entdeckung macht ... 

Meine Meinung: 
Katherine Hannigan richtet sich mit ihrem zweiten Roman an LeserInnen zwischen 11 und 13 Jahren, was dem Buch rein äußerlich meiner Meinung nach nicht anzusehen ist. Das gefällt mir, denn "Die Wahrheit, wie Delly sie sieht" ist ein wunderbares Buch für die Zielgruppe, aber auch für Erwachsene. Gestalterisch unauffällig werden hier Inhalt und Äußeres treffend verknüpft. Die Protagonistin hat tatsächlich einen rötlichen Schopf und ließe sich problemlos in genau dieser Haltung am Ast eines Baumes finden. Zudem finden sich die tanzenden Buchstaben des Titels auch im Buch wieder, sodass hier eine stimmige Brücke geschlagen wird. 
Mit ihrer Hauptfigur Delaware stellt Hannigan zunächst eine komplizierte Gestalt vor. Als vorletztes von sechs Kindern, die nach Bundesstaaten bzw. Städten benannt sind, tanzt sie in der bunten Pattinson-Familie einigermaßen aus der Reihe. Anfänglich bietet Delly wenig Sympathiepotential. Sie hat sich mit ihrer Schwester in der Wolle, hat kein Problem damit, ihren Freunden mal eins auf die Mütze zu geben, ist Dauergast im Polizeiauto und darf in der Schule oft genug auf die Strafbank. Eigentlich ein Kind zum Verzweifeln. Zumindest aus Sicht eines Erwachsenen. Schnell wird aber klar, dass Delly gar keinen Ärger machen will, sondern nicht nachvollziehen kann, was sie falsch macht. Und so geht es wahrscheinlich im wahren Leben so manchem Kind. Erst als Dellys Mutter Clarice, die ihre Kinderschar zumeist allein mit bemerkenswerter Ruhe, wenn auch mit nicht unbekannten Strafmaßnahmen wie Hausarrest, managt, in aller Öffentlichkeit in Tränen ausbricht, bewegt sich etwas in der Elfjährigen. Denn genau das möchte sie nie wieder erleben müssen: die Erschöpfung und unverkennbare Enttäuschung ihrer Ma, die sie von ganzem Herzen liebt. Die Pattinsons sind keine Bilderbuchfamilie, wodurch es schlussendlich einfacher wird, die auf den ersten Blick eigenbrötlerische, Unfrieden stiftende Delly ins Herz zu schließen. Auch wenn sie in ihren ersten Begegnungen mit der Neuen, Ferris Boyd, gewiss einen nervigen Eindruck macht, so ist sie doch auf erfrischend authentische Weise gleichermaßen unbedarft wie aufgeweckt. Und eben unfertig und entwicklungsfähig, womit sie Identifikations- und schlussendlich sogar Heldenpotential bietet.
Dass mit jener Ferris etwas nicht stimmen kann, wird zwar unverblümt präsentiert, die Aufklärung aber schrittweise und behutsam geliefert. Der junge Leser darf im Verlauf der Geschichte ebenso wachsam und neugierig bleiben wie Delly. Unliebsame Details bleiben ausgespart, lassen Raum für eigene Gedanken und entbehren dennoch nicht der notwendigen Emotionalität und Tiefe. Erfreulicherweise zeichnet Hannigan das zweite Mädchen nicht ausschließlich schwarz und weiß, macht es nicht ausschließlich zu einer bedauernswerten Person, sondern stattet es mit liebenswerten Stärken aus, die sich nicht nur in Szenen mit Delly und RB, sondern auch im Kontakt mit Nebencharakteren zeigen. Dort dürfen sich dann auch die Nebenfiguren mit all ihren Schwächen - und Dummheiten - als normale Charaktere zeigen, die es nun einmal im realen Leben gibt und die oft genug Ziel von Angriffen oder Ausgrenzung sind. Obwohl wir nur wenige Dinge über das zarte Mädchen, das nicht sprechen will, aber die weltbeste Basketballspielerin ist, erfahren, gewinnt es durch Dellys Augen an lebhafter Präsenz, selbst wenn es nur zusammengekauert lesend in einer Ecke sitzt. Dellys Neugier wandelt sich zu echter Freundschaft und dem Bedürfnis, die neue Freundin beschützen zu wollen. Damit erhalten alle Figuren Gelegenheit, sich im Laufe der Geschichte weiterzuentwickeln und in sich und anderen Neues zu entdecken. Das gilt für die Kinder ebenso wie für die Erwachsenen. Dellys Wandlung hat Auswirkungen auf ihr Verhältnis mit ihrer Familie und ihrem gesamten Umfeld, wobei die Autorin ein gutes Händchen beweist, diese Veränderungen behutsam und allmählich einzuflechten, um die Glaubwürdigkeit ihrer Geschichte zu erhalten.
"Die Wahrheit, wie Delly sie sieht" ist ein Roman, der die kleinen Schritte zelebriert, ohne langatmig zu sein, und Charaktere nachvollziehbar handeln lässt, selbst wenn sie, wie Delly, auf den ersten Blick einen verschrobenen Eindruck vermitteln. Es stimmte mich lediglich traurig, dass es in dieser Geschichte trotz der vertrauensvollen Atmosphäre, die nach und nach entsteht, eines Kindes bedurfte, um die Wahrheit über ein anderes Kind zu entdecken. Erwachsenen sind offenere Augen zu wünschen!
Und nicht zuletzt hat Übersetzerin Susanne Hornfeck die Aufgabe, Dellys besondere Wortschöpfungen fantasievoll und dennoch lesbar ins Deutsche zu übertragen, bravourös gemeistert und dem ruhigen, beobachtenden Stil der Autorin, der aus personaler Erzählperspektive knappen Feststellungen vor Schnörkeln den Vorzug gibt, treffsicher Rechnung getragen. Ein Glossar mit Delly-ismen (Dellexikon) rundet Katherine Hannigans 272 Seiten starken Roman ab.  

Fazit: 
Warme und emotionale Geschichte um drei besondere Freunde, die zu Helden werden dürfen, eine Geschichte, die zu Tränen und Lächeln berührt und dabei glaubwürdig und unübertrieben ist und uns lehrt, dem Schweigen zuzuhören. Empfehlenswert nicht nur für Kinder!

Gesamteindruck: 
5 von 5 Weißdornzweigen





Buchdaten
  • Gebundene Ausgabe: 280 Seiten
  • Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG (3. Februar 2014)
  • Sprache: Deutsch, übersetzt von Susanne Hornfeck
  • ISBN-10: 3446245138
  • ISBN-13: 978-3446245136
  • Altersempfehlung: 11 - 13 Jahre
  • Neupreis: 14,90 €
  • Auch als E-Book und Hörbuch erhältlich. 

Donnerstag, 3. April 2014

... über "Antoinette kehrt zurück" von Olivia Vieweg

Olivia Vieweg

Ernstes Thema in beeindruckend bedrückenden Bildern

(c) Egmont Graphic Novel - Bildlink zu amazon
Zum Inhalt:
Antoinette hat sich ein neues Leben aufgebaut. Weit weg von ihrem Kuhkaff lebt sie nun in Los Angeles, ist als Creative Director in einer Agentur erfolgreich und hat sich einen nicht unbekannten Schauspieler geangelt. Von ihrer Vergangenheit lösen kann sie sich nicht, so sehr sie sie auch verleugnet. So beschließt sie, sich ihren Dämonen zu stellen, und kehrt zurück nach Harzberg, in die Hölle ihres alten Lebens ... 

Meine Meinung: 
"Antoinette kehrt zurück" ist eine Graphic Novel und wird der Definition des thematischen Anspruchs und erzählerischen Komplexität (siehe wikipedia) durchaus gerecht. Letzterem vielleicht nicht auf den ersten Blick. 
Die noch vergleichsweise farbenfrohe Umschlaggestaltung mit signalroten Mohnblumen und ebenso signalrotem Rücken und einem ernsten mädchenhaften Gesicht mit weit aufgerissenen Augen, durch das ein fast schon stereotypes Dorf, das jedes beliebige sein könnte, hindurchschimmert, lässt bereits erahnen, dass die Geschichte, die sich dahinter verbirgt, nicht ganz so farbenfroh sein wird. In der Tat ist sie es nicht. Entsprechend ist der Innenteil in erdigen Ocker-, Gelb- und Brauntönen gehalten, die der Geschichte um Antoinette einen tristen, beinahe schmutzigen Touch verleihen. 
Als Kind war Antoinette Opfer ihrer Mitschüler. Jemand, der verzweifelt dazugehören will, aber zeitlebens in seinem Kuhkaff einen Stempel weg hat. Und um den loszuwerden, schluckt und erträgt die Heranwachsende das Mobbing und lässt sich auf die Spiele ihrer Mitschüler ein. 
Die Konsequenzen zeigt Olivia Vieweg in ihrer Graphic Novel, in der Gegenwart und Rückblenden in schnellem Wechsel abgebildet sind. Ihre Figuren, einschließlich der Ich-Erzählerin Antoinette, wirken jung, als sei zwischen der "alten" und der "neuen" Antoinette kaum Zeit vergangen. In schnelle Bleistift-Outlines gebannt wird der Zerrissenheit der Protagonistin Rechnung getragen, sie hinein in das erdrückend miefige Ambiente des fiktiven Ortes Harzberg (obwohl es ein echtes Harzberg gibt) gebannt, das erschreckend authentisch wirkt mit seinen Fachwerkhäusern, aber auch mit den beinahe klischeehaften und doch nicht aus der Luft gegriffenen Kindern, die nicht nur triezen, sondern handfeste Traumata verursachen und als Erwachsene die Dinge kleinreden.
In Kombination mit dem wenigen, stark auf Dialoge konzentrierten Text entsteht der Eindruck einer klassischen Kurzgeschichte, die nicht alles offenlegt, nicht jeden Schritt verfolgt, dafür aber mit Wendungen überrascht, die nicht jedem gefallen müssen und unter Umständen überzeichnet und krass daherkommen können. 
Dafür aber ist trotz Bilderflut auf 84 Seiten genug Raum für Kopfkino, das sich auch nach der Lektüre längst nicht abschalten lässt. 
Am Ende des Buches bietet die Autorin und Illustratorin in einer Skizzensammlung Einblicke in die Entstehung ihrer Graphic Novel, die mich zum Nachdenken brachte und mir Lust auf mehr grafisch aufbereitete Geschichten machte. 

Fazit: 
Beklemmende Graphic Novel, die in ausdrucksstarken Bildern auf ein wichtiges Thema aufmerksam macht, sich aber auch nicht vor Extremem scheut und sicherlich so manchen Leser im Zwiespalt zurücklassen dürfte. Prädikat: empfehlenswert.

Gesamteindruck: 
4 von 5 Weißdornzweigen





Buchdaten
  • Taschenbuch: 96 Seiten
  • Verlag: Egmont Graphic Novel; Auflage: 1 (6. März 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3770455002
  • ISBN-13: 978-3770455003
  • Neupreis: 14,99 €
Mehr von und zur Autorin und Illustratorin Olivia Vieweg: 
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