Dienstag, 24. Juni 2014

... über "SEAL-Team 12: Aus dem Dunkel" von Marliss Melton

Marliss Melton

Eine zweite Chance für einen spannenden Neuanfang

(c) Egmont Lyx - Bildlink zu amazon
Zum Inhalt:
Helen hat mit dem Verlust ihres Mannes abgeschlossen und ist bereit, ein neues Leben zu beginnen. Doch dann erhält sie einen unerwarteten Anruf: Nach einem Jahr ist Gabe, bereits für tot erklärt, wieder aufgetaucht. Der Alte ist er aber nicht. Nach Gefangenschaft und Folter in Nordkorea hat der toughe SEAL Gedächtnislücken und kann sich nicht an die vergangenen drei Jahre erinnern. Seine Frau und deren Tochter, die sie mit in die Ehe gebracht hat, kennt er nicht, die gefährliche Mission, von der er nicht zurückgekehrt war, liegt im Nebel. Auf Anraten des Psychologen holt Helen Gabe nach Hause und muss sich nun nicht nur ihren eigenen Gefühlen stellen und hinterfragen, ob sie ihre unglückliche Ehe wider ihren Absichten aufrechterhalten will. Mit dem veränderten Gabe hält aber auch Gefahr Einzug in ihr Heim, denn der Mann, der mehr mit seinem SEAL-Team als mit Helen verheiratet war, leidet unter einer schweren posttraumatischen Belastungsstörung und hat sich nicht immer unter Kontrolle. Und während da draußen jemand unbedingt verhindern will, dass Gabes Erinnerung an seinen letzten Auftrag zurückkehrt, setzt dieser alles daran, Helen für sich zu gewinnen ... 

Meine Meinung: 
Marliss Meltons Auftakt zu ihrer SEAL-Team-12-Reihe ist inzwischen beinahe schon betagt und verstaubte geraume Zeit in meinem Regal. Wahrscheinlich, weil ich nach einigen Enttäuschungen lange keine Lust auf Romantic-Thrill-Geschichten hatte. 
Aus dieser Lustlosigkeit hat mich die Autorin in Nullkommanichts herausgeholt. 
Die Konstellation "gequälter Held, der von einer starken Frau gerettet werden muss" gefiel mir gut, zumal hier auch noch alltägliche, aber für Liebesromane eher unkonventionelle Familienverhältnisse angesprochen werden. Zumindest habe ich noch nicht oft Geschichten gelesen, in denen die Protagonistin ein uneheliches Kind hat. 
Das ist nämlich bei Helen der Fall. Ihre pubertierende Tochter stammt nicht aus der Ehe mit Gabe und die Autorin nutzt diese Tatsache geschickt, um die Charakterwandlung ihres Protagonisten zu verdeutlichen. Auch sind die Beteiligten in einem für mich identifikationsfähigem Alter und gehen nicht mehr unrealistisch unentschlossen durchs Leben. In dem Jahr nach Gabes vermeintlichem Tod hat sich Helen, selbst in einer Militärfamilie aufgewachsen, ein unabhängiges Leben aufgebaut und macht einen erwachsenen, verantwortungsbewussten Eindruck. Verantwortungsbewusstsein ist es dann wohl auch, das sie über ihren Schatten springen und Gabe wieder in ihr Leben holen lässt. Nur so  lange, bis er aus dem Gröbsten heraus ist, so denkt sie sich. Aber erstens kommt es anders, und zweitens ... 
In ungekünstelten Szenen schildert Marliss Melton die Rückkehr des traumatisierten Mannes in den Alltag. Schritt für Schritt lernt er seine Familie neu kennen, versucht sich als Vater und verliebt sich in die eigene Ehefrau. Der Verlust von drei Jahren und damit auch ein Stück Verlust des Selbst wird glaubhaft vermittelt, soweit es Genre und Umfang zulassen. Melton liefert kein Psychogramm einer posttraumatischen Belastungsstörung, gestaltet Gabe aber keinesfalls als übermenschliches Wunderkind, das sich nach einem Jahr Gefangenschaft vom gefühlsarmen Elitesoldaten mir nichts dir nichts in einen familienorientierten Ehemann verwandelt. Immer wieder konfrontiert sie ihn mit Situationen, die den alten und neuen Gabe herausfordern, lässt ihn wachsen und zu einer Figur werden, die man nicht bemitleidet, der man es aber auch unkontrollierte Handlungen nachsehen kann.
Genrebedingt legt die Autorin die Romanze vorhersehbar an, stört sie aber spannungsreich durch Gabes Ausfälle, die Helen auf authentische Weise sogar in körperliche Gefahr bringen, und streut Konflikte, die sich eben nicht durch ausgewalzte Schäferstündchen lösen lassen. Auch wenn zwischen Helen und Gabe unverkennbar knistert, lässt sich Melton in Liebesdingen Zeit. Sie räumt beiden genügend Raum ein, sich (neu) kennenzulernen, womit auch der Leser Gelegenheit erhält, sich an die Charaktere und ihre Situation zu gewöhnen. So stoßen die im Prolog erwähnten Teammitglieder erst später wieder zur Story, wo sie dann zu einer Beschleunigung und Klärung der Nebenhandlung beitragen. Diese unterstützt die Liebesgeschichte, ohne sie auszuschalten, und liefert gleichzeitig unaufdringlich Hintergrundinformationen über die SEALs.
Damit bietet "Aus dem Dunkel" eine angenehm ausgewogene Lektüre, die Romanzenfreunde zufriedenstellt, aber die Leser, die an "technischeren" Aspekten interessiert sind, nicht im Regen stehen lässt. 
Einzig als störend empfand ich, dass Marliss Meltons Roman auf Biegen und Brechen als Auftaktroman konzipiert ist und das Paar  Sebastian und Leila bereits als Potentaten für einen eigenen Roman nicht nur vorgestellt werden, sondern bereits so ausufernde Szenen erhalten, dass die Haupthandlung unnötig hinausgezögert wird. 
Nach meinem Empfinden hat es dem Roman der Einsatz von zwei Übersetzern ebenfalls nicht gut getan, denn das eine ums andere Mal gab es Stolperstellen, die ich anfangs  noch notieren wollte, dann aber schlichtweg ad acta gelegt habe, weil mir der Roman und seine Charaktere insgesamt fesselnde Lesezeit beschert haben und ich am Ende sogar ein Tränchen verdrücken musste.
Band 2 - natürlich bereits  genauso betagt wie der Reihenauftakt - hat inzwischen auch Einzug in mein Regal gehalten und wird dort keinesfalls so lange ungelesen verstauben wie der erste.

Fazit:
Mitreißender Auftaktroman einer Romantic-Thrill-Reihe um das SEAL-Team 12, in dem sich emotionale Romanze und gefahrvolle, intrigante Spannungselemente erfreulich die Waage halten und die Charaktere größtenteils nachvollziehbar handeln. Trauma, Familiensorgen, Freundschaft, Verrat, heiße Liebe sorgen für eingängige Lektüre mit nur wenigen Längen.

Gesamteindruck:
4 von 5 Weißdornzweigen




Buchdaten: 
  • Taschenbuch: 416 Seiten
  • Verlag: LYX; Auflage: 1 (9. Juni 2011)
  • Sprache: Deutsch, übersetzt von Isabell Bauer und Timothy Stahl
  • ISBN-10: 3802584627
  • ISBN-13: 978-3802584626
  • Neupreis: 9,99 € (D) 
  • Auch als E-Book erhältlich.

1 Kommentar:

Norma Banzi hat gesagt…

Schöne Rezi. Das mit den lebensgefährdenden Ausfällen des Mannes finde ich in Büchern allerdings übertrieben. Ich hatte einmal überlegt, ob ich dieses Buch lese. Ich überlege immer noch - hm.

LG
Norma

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