Mittwoch, 25. Juni 2014

... über "Drei Wünsche hast du frei" von Jackson Pearce

Jackson Pearce

Vorhersehbarer Paranormal für Jugendliche

(c) Knaur - Bildlink zu amazon
Zum Inhalt:
Als Viola noch mit Lawrence ging, war die Welt in Ordnung. Sie gehörte dazu. Doch seit er sich geoutet hat und sich das Paar trennte, hat das Mädchen das Gefühl, unsichtbar zu sein. In ihrer Sehnsucht nach Zugehörigkeit beschwört Viola versehentlich einen Dschinn. Für ihn ist sie ein Job, den er so schnell wie möglich hinter sich bringen will, denn jeder Tag, den er zu lange in der Menschenwelt verbringt, lässt ihn nicht nur langsam altern, sondern geht ihm auch gehörig auf den Geist. Doch Viola hat es so gar nicht eilig mit den drei Wünschen, die er ihr gewähren muss. Also hat Viola den gutaussehenden Dschinn fortan an der Backe. Und bald schon stellt dieser fest, dass es in Violas Gesellschaft in der Menschenwelt gar nicht mal so schlecht ist, und bricht eine Dschinn-Regel nach der anderen ... 

Meine Meinung: 
Wenn ich ehrlich bin, reizte mich Jackson Pearces Geschichte nicht sonderlich. Die mythologische Figur der Dschinn und ihre Fähigkeit bzw. Pflicht, demjenigen, der sie herbeiruft, drei Wünsche zu gewähren, sind kein brandneues Thema der Literatur und werden auch im Fernsehen nicht ausgespart. Damit sind sie von vornherein kein Thema, nachdem ich mir von vornherein die Finger lecken würde. Interessanter allerdings war die Frage, welche Wünsche wohl die Schülerin haben könnte. 
"Drei Wünsche hast du frei" ist ein recht kurzer Roman, der seine Geschichte schnell und locker erzählt, dabei auf unnötige Schnörkel verzichtet, allerdings auch nur zwischendurch unterhält und wohl eher für den schnellen Konsum gedacht ist. 
Hauptcharakter Viola ist auf den ersten und zweiten Blick kein besonders interessanter Charakter. Sie zeichnet sich zwar durch eine gesunde Portion Gerechtigkeitssinn aus und dürfte mit ihrer Leidenschaft für die Malerei eine gute Beobachterin sind, ansonsten aber tut sie sich nicht besonders hervor, sondern nervt mitunter mit ihrem Gejammer, dass sie ja ach so unsichtbar ist. Damit spricht die Autorin durchaus ein Problem an, dass der jugendlichen Zielgruppe nicht fremd sein dürfte. Dass Viola eine gewisse Ausweglosigkeit empfindet und sich nicht aus eigener Kraft sichtbar machen kann, ist sogar nachvollziehbar. Und genau da tritt der Dschinn als paranormales Element auf den Plan, denn ansonsten scheint es in Violas Leben keinen ordentlichen Halt zu geben. Ausgenommen Ex-Freund Lawrence, der, obwohl Nebenfigur, überraschend vielschichtiger als das Mädchen. Und das nicht nur aufgrund seiner Homosexualität, zu der er sich inzwischen offen bekennt. 
In Szenen, die er sich mit Viola oder, später, mit dem Dschinn teilt, zeigt er sich als besonnener, nachdenklicher Analysator und versteht so manche Situation und manches Gefühl viel besser als Viola, die in ihrem berechtigten, aber arg lang ausgewalzten Schmerz oft oberflächlich verharrt. 
Der namenlose Dschinn wird leider dem Klischee gerecht und bezirzt das Mädchen mit exotischem Aussehen, güldener Haut und einem Hauch von betörender Weltfremdheit. Erwartungsgemäß wandelt er sich vom grummeligen Fremdling zum einem Wesen, das nachdenkt und sich nicht mehr nur oberflächlich Gedanken um sein Alter macht. Für einen kurzen Moment nur kann man sogar dem Irrtum aufsitzen, dass der Dschinn, nachdem er eine weitere Regel bricht und sich Violas Ex, aber trotzdem bestem Freund Lawrence zeigt, gar nicht für das Mädchen bestimmt sein könnte. 
Nach und nach werden Violas Wünsche gar nicht mehr so wichtig, sondern Mensch und Dschinn genießen die Gegenwart des anderen, und während der Dschinn eigentlich zu viel von seiner Heimat Caliban preisgibt, versucht er sogar, Viola an weiteren Wünschen zu hindern. Was Viola allerdings für ihn so bunt und interessant macht, dass der wertfreie, emotionslose Dschinn, der nur nach Befehlen handelt, plötzlich zu Eifersucht in der Lage ist, erschloss sich mir nicht.
Solcherlei Entwicklung konnte die Autorin natürlich nicht ohne Konsequenzen belassen ... doch diese kommen spät, mischen die Geschichte aber noch einmal ordentlich auf, und das tat ihr auch richtig gut. Gut gefiel mir in diesem Zusammenhang auch, dass Viola so in die Bredouille geriet und sich nicht naiv irgendwelchen Blödsinn wünschen konnte, sondern gezwungen war, nachzudenken und schlussendlich nicht selbstsüchtig zu handeln.
Dass "Drei Wünsche hast du frei" einen schweren Stand bei mir hatte, lag sicherlich auch an der Sprache. Viola und der Dschinn werden als gleichberechtigte Protagonisten vorgestellt und dürfen ihre Parts aus der Ich-Perspektive erzählen, jeweils durch die Überschrift "Viola" und "Dschinn" kenntlich gemacht. Die Perspektiven wechseln dabei innerhalb einer Szene, unterscheiden sich sprachlich aber kaum, was wohl daran liegt, dass die Dschinn sich immer perfekt an ihre Aufträge anpassen können. Insgesamt allerdings wirkte die Sprache auf mich zu stark auf jugendlich getrimmt. Das Wort "Ja" gibt es offenbar in Violas Highschool-Welt offenbar nicht. Immer wieder "yeah"-en sich die Protagonisten an, sodass meine Toleranzgrenze recht schnell erreicht war. In Pearces Kontext kam mir das trotz Partyszenen und Highschool-Flair zu aufgesetzt und zu rockig vor. 
Alles in allem ist "Drei Wünsche hast du frei" ein netter Roman für Jugendliche und dürfte mit seinen Themen die Zielgruppe auch ansprechen. Mich hat er für ein paar Stunden recht gut unterhalten - nicht mehr und nicht weniger. 

Fazit: 
Märchenhaft inspirierte paranormale Romanze, die jugendliche Problemthemen wie Ausgrenzung, sexuelle Identitätssuche und erste Liebe anreißt, aber an der Oberfläche stecken bleibt und keine romantische Stimmung aus 1001 Nacht zu erzeugen weiß. Trotzdem eine nette, unterhaltsame Leseempfehlung für zwischendurch.

Gesamteindruck: 
3 von 5 Weißdornzweigen





Buchdaten:
  • Taschenbuch: 288 Seiten
  • Verlag: Knaur TB (1. Februar 2013)
  • Sprache: Deutsch, übersetzt von Christine Gaspard
  • ISBN-10: 3426507331
  • ISBN-13: 978-3426507339
  • Neupreis: 8,99 € (D) 
  • Auch als E-Book erhältlich.

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