Montag, 23. Juni 2014

... über "Blick in den Abgrund" von Shannon McKenna


Shannon McKenna

Unausgewogene Geschichte voller Extreme
(c) Egmont Lyx - Bildlink zu amazon

Zum Inhalt:
Als Webdesignerin Mag in ihrem Bett einen schwarzen Slip findet, will sie ihrem Verlobten die Hölle heiß machen. Dazu kommt sie allerdings nicht mehr, denn sie findet ihn und seine Sekretärin bestialisch ermordet in seinem Büro. Nur einen Atemzug später findet sie sich selbst in den Fängen des Killers wieder und kann nur durch einen glücklichen Umstand fliehen. Neun Monate später heißt Mag Margot und ist noch immer auf der Flucht. Man hat ihr nicht nur den Tod ihres ehemaligen Verlobten in die Schuhe geschoben, es hat sich auch noch ein Stalker an ihre Fersen geheftet, der sie mit allerlei perfiden "Geschenken" beglückt. Unwillig, da sie ihre wahre Identität nicht preisgeben will, wendet sich Margot schließlich in letzter Not an Privatdetektiv Davy McCloud. Der hat schon seit geraumer Zeit ein Auge auf die wohlgeformte Margot, die inzwischen als Fitnesstrainerin im Studio gegenüber jobbt, geworfen und kann, obwohl er das Dasein als PI eigentlich an den Nagel hängen will, nicht widerstehen. Beider Eigensinn bringt das turbulente Paar schon bald in Schwierigkeiten ... 

Meine Meinung: 
"Blick in den Abgrund" ist der dritte Band von Shannon McKennas Reihe um die McCloud-Brüder. Nach den ersten beiden Bänden der Romantic-Thrill-Reihe, die mittlerweile zehn in deutscher Sprache erschienene Teile umfasst, habe ich mir eine ordentliche Pause gegönnt, nun aber wieder einmal ins Regal gegriffen, weil ich "Blick in den Abgrund" nicht länger ungelesen stehen sehen konnte. 
Der Wiedereinstieg fiel mir leicht, auch wenn ich den Inhalt von "Die Nacht hat viele Augen" und "In den Schatten lauert der Tod" schon weitestgehend vergessen hatte. Das liegt vor allem daran, dass beide Romane mir durch ihre unausgewogene Mischung von Romance- und Suspense-Elementen im Gedächtnis blieben, weniger aber mit inhaltlicher Tiefe. So konnte ich mich an den aktuellen Held der Stunde, Davy McCloud, gar nicht mehr erinnern. Das aber sollte kein Hindernis sein. Auch wenn McKenna den Protagonisten ihrer Vorgängerromane Gastauftritte einräumt - hier sogar einen umfangreichen und für die Wendung der Geschichte nicht gerade unwichtigen Handlungsstrang - und es für die Kontinuität immer von Vorteil ist, die Bücher in Folge zu lesen, funktionieren die Romane auch als Stand-Alone-Geschichten.
"Blick in den Abgrund" ließ sich ganz gut an.  
Mit Mag stellt die Autorin einen eigenständigen Frauencharakter vor, der zu Beginn mitten im Leben und auf eigenen Füßen steht. Sie ist eine Frau, die niemanden in ihrem Leben braucht, der sie hintergeht und nicht respektiert, und sie ist bereit, kurzen Prozess zu machen. Diesem Charakter bleibt sie im Laufe der Geschichte, bis auf eine Ausnahme, weitestgehend treu. Trotz der traumatischen Erlebnisse mutiert die resolute Frau nicht zum verhuschten Weibchen, sondern hält sich sehr aufrecht und will, selbst wenn sie in einem schwachen Moment einen starken Mann um Hilfe bittet, ihren Mann stehen. Dass sie dadurch mitunter engstirnig wirkt, lässt sich in Kauf nehmen, denn grundsätzlich ist Mag als Sympathieträger gestaltet. Und das funktioniert auch.
Ihre Engstirnigkeit kollidiert plotwirksam mit Davys. Ehemaliger Militär und quasi Familienoberhaupt wider Willen der McClouds lässt der sich nämlich ebenfalls nicht reinreden und will darüber hinaus niemanden an sich heranlassen. Natürlich liegt auch dieses Verhalten in seiner Vergangenheit begründet, über die er natürlich nicht sprechen will. Daraus ergeben sich immer wieder Reibungen zwischen den beiden Charakteren, die zunächst für das nötige Knistern sorgen. Immerhin war es bisher bei allen Romanen dieser Reihe sofort absehbar, dass die beiden Hauptcharaktere romantisch miteinander verbandelt werden. Doch Steine sollten ihnen schon in den Weg gelegt werden, um die Spannung auch in Sachen Romance zu steigern.
Leider knistert nach einer Weile nichts mehr, denn die Kabbeleien der Protagonisten ziehen die Geschichte unnötig in die Länge. Immer wieder drehen sie sich im Kreis; da will sich Mag/Margot helfen lassen, dann wieder nicht, dann weiß sie nicht, ob sie Davys Angebot unverbindlicher Intimitäten annehmen soll oder nicht, tut's dann aber doch, nur um hinterher mit ihm in ständige, ermüdende Diskussionen zu verfallen. 
Begleitet wird das Ganze von einem überaus perfiden Antagonisten, der für nicht wenige heftige Szenen mit Gänsehaut- und Ekelfaktor sorgt. Allerdings bleiben seine Beweggründe recht lange im Dunkeln, und auch die Auflösung der Geschichte kann nicht wirklich punkten. Vielmehr gewann ich den Eindruck, dass am Ende das Wortlimit bedrohlich nahte und die Machenschaften rasch zu Ende gebracht werden mussten. Auch sind mir vorgebliche Weltherrschaftsambitionen schlicht und ergreifend zu platt, als dass sie mich vom Hocker gehauen hätten. Und dabei ist der psychopathische "Stalker", der in der Lage ist, seine Opfer mit einer gezielten Berührung in einen qualvollen Tod zu schicken, so vielversprechend angelegt ... 
Zwischendurch fällt Mag/Margot wohl aus plottechnischen Gründen noch aus ihrem Charakter und verkommt für ein paar Seiten zum irritierten Dummchen, sodass ich wieder an der Ausgewogenheit von McKennas Geschichte zweifelte. 
Hatte ich am Anfang angesichts des Buchumschlags, der eine Schulter zum Anlehnen und liebevollen Schutz verspricht, noch ein "sanfteres" Buch erwartet, wurde ich enttäuscht. In "Blick in den Abgrund" ist vieles extrem: Erotische Szenen sind sehr detailliert, rasant und intensiv und häufen sich, während die eigentliche Handlung stagniert, gleichzeitig gestaltet sich der Spannungsplot überraschend brutal und schonungslos. Das Durchatmen beim Lesen fällt auch in Stagnationsphasen schwer. Selbst die Hochzeit der Protagonisten des Vorgängerbandes kann nicht so recht für sanfte Zwischentöne sorgen, sodass sich mein sehnsüchtiges Romantikerherz stark vernachlässigt fühlte. 
Lust auf eine Fortsetzung der Reihe habe ich nach "Blick in den Abgrund" nicht.

Fazit: 
Turbulente Romance, die mit intensiven Erotikszenen, heftigen Reibereien und psychopathischen Bösewichten dem englischen Originaltitel "Out of Control" zwar alle Ehre macht, ingesamt aber leider nur einen platten Eindruck hinterlässt und wenig Lust auf mehr Geschichten aus der Welt der McCloud-Brüder weckt. 

Gesamteindruck: 
3 von 5 Weißdornzweigen





Buchdaten: 
  • Taschenbuch: 480 Seiten
  • Verlag: LYX; Auflage: 1 (4. August 2011)
  • Sprache: Deutsch, übersetzt von Patricia Woitynek
  • ISBN-10: 3802583329
  • ISBN-13: 978-3802583322
  • Neupreis: 9,99 € (D) 
  • Auch als E-Book und Hörbuch erhältlich. 

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