Samstag, 22. März 2014

... über "Whisper Island - Wetterleuchten" von Elizabeth George

Elizabeth George

Whisper Island - Wetterleuchten


Langatmig vor sich hin plätschernde Geschichte mit paranormalem Touch


(c) Egmont Ink - Bildlink zu amazon

Zum Inhalt:
(Es handelt sich um den Folgeband nach Sturmwarnung: Whisper Island - Spoiler sind daher nicht ganz zu vermeiden.)
Becca - ehemals Hannah - bleibt auf der Flucht. Obwohl Ihr Stiefvater den Weg nach Whidbey Island, wo sie sicher sein sollte, gefunden hatte, konnte sie ihm entgehen, sodass er unverrichteter Dinge wieder abreisen musste. Doch Ruhe kehrt längst nicht bei der Jugendlichen ein. Allein lebt sie in den dichten Wäldern, versteckt in einem Baumhaus, das dem Großvater ihres Freundes Seth gehört. Recht erfolgreich gelingt es ihr, ihre Spuren zu verwischen und dennoch am normalen Inselleben teilzunehmen. Nach - vom Bruch mit ihrem Freund Derric einmal abgesehen - ereignislosen Monaten steht ein besonderer Tag bevor: Wie jedes Jahr wird die schwarze Robbe Nera vor der Küste erwartet, was alljährlich gefeiert wird. Diese Ereignis ruft natürlich Fremde auf den Plan. Meeresbiologin Annie installiert sich auf der Insel, begierig auf die große Entdeckung. Bald zeigt sich, dass der ehrgeizigen Forscherin nicht zu trauen ist, und nach und nach kommen Becca und ihre Erzfeindin Jenn einem langjährigen Geheimnis auf die Spur ... 

Meine Meinung: 
Band 1 von Elizabeth Georges Geschichte um die paranormal begabte Becca King konnte mich kaum überzeugen, dennoch blieb eine gewisse Neugier erhalten, wie die Autorin ihre Protagonistin denn aus der Bredouille holt und ob sie die Kurve bekommt. 
Dazu legt George den Folgeband ihrer für Leser ab 14 Jahren ausgelegten Reihe, die in Folge gelesen werden sollte, recht komplex an. Auf mehreren Erzählebenen werden verschiedene Handlungsstränge entwickelt. So folgt sie abwechselnd der tragenden Protagonistin Becca, dann wieder Jenn, die man beim besten Willen nicht als Freundin bezeichnen kann, dann Derric und schlussendlich einer geheimnisvollen Ich-Erzählerin Cilla, die sich in sehr kurzen, verwirrenden Einschüben zu Wort meldet. Dabei dauert es sehr lange, bis die Figuren zueinander finden und die Geschichte an Fahrt gewinnt. 
Nach mehreren Leseanläufen blieben die Attribute uninspiriert, unentschlossen, langatmig haften. Wie bereits beim Reihenauftakt "Sturmwarnung" hielt sich der Eindruck, die Autorin wolle sich schlicht und ergreifend einmal am Jugendgenre versuchen, wofür sie alle greifbaren Themen in eine Geschichte quetscht. Da ist die erste Liebe bzw. ein Anflug davon, der zunichte gemacht wird, weil der Angebetete eine andere toll findet. Da ist die Mitschülerin, zu der eine so tiefe Feindschaft besteht, dass man eigentlich nur noch schwarz sehen möchte, was eine mögliche Annäherung anbelangt. Daneben klingen erster Sex, aber auch das Finden der eigenen Sexualität an und allgemeine Schulsorgen werden ebenfalls thematisiert. Dazu müssen aber auch die Konsequenzen einer lange Jahre zurückliegenden Ölpest genauso verpackt werden wie Beccas Fähigkeiten und ihre Angst, vom Stiefvater gefunden zu werden. Gepimpt wird "Wetterleuchten" zusätzlich mit einer weiteren Prise paranormaler Würze. Da ich nach Band 1 vom paranormalen Gehalt von Georges Geschichte arg enttäuscht war, habe ich den Hinweisfaden erst sehr spät zusammengesponnen, sodass es George tatsächlich gelungen ist, mich in dieser Hinsicht zu überraschen. Dafür, dass die Auflösung von sehr langer Hand vorbereitet wurde, war mir der magische Höhepunkt dann doch etwas zu kurz. So kommt mir auch in "Wetterleuchten" Paranormales wieder nur als Ausrede vor, "um irgendwie ins Schema der aktuell so beliebten paranormalen YA-Geschichten zu passen".
Positiv anzumerken ist, dass die Autorin der Charakterisierung ihrer Protagonistin treu bleibt. Becca begegnet uns somit auch im Fortsetzungsband als besonnene, abwägende Person, die aufmerksam gegenüber ihrer Umgebung ist, auch wenn sie sie mit ihrer AUD-Box oft genug ausblenden muss, um von den vielen fremden Gedanken nicht überwältigt zu werden. Auch lässt sie sich nicht vom offensichtlichen Hass, den ihr Jenn entgegenbringt abschrecken, sondern nähert sich ihr an und gewinnt sie schließlich auch als Verbündete. Becca hinterfragt und lässt nicht locker und wirkt damit älter, als sie ist. Waren die verwirrenden Gedankenfetzen, die sie dank ihrer Fähigkeit wahrnimmt, im ersten Band noch etwas ausgewalzt worden, so spielen sie in der Fortsetzung nur eine untergeordnete Rolle, kommen erst im letzten Drittel wieder stärker zum Tragen. Überhaupt dominiert Becca "Wetterleuchten" nicht in dem Maße, wie man es von einem Hauptcharakter erwarten würde. Auch die drohende Gefahr durch den Stiefvater, der zwar weg von der Insel, aber nicht aus der Welt ist, sowie die ungeklärte Abwesenheit und Stille der Mutter bleiben weitestgehend außen vor. Viel Raum erhält Jenn, die sich in unschönem Ton über Becca äußern darf. Fettarsch, Fettkuh sind Spitznamen der ersten Wahl und verleihen Jenns Passagen einen derart aufgesetzten, missgünstigen Klang, den ich nach einer Weile nicht mehr hören wollte, ganz gleich, wie authentisch er auch Jenns Ressentiments widerspiegeln mag. Ein weiterer Handlungsstrang ist Derric gewidmet, der das neue Schuljahr mit neuer Freundin und neuen Erfahrungen erleben darf. Für den Fortgang der Geschichte tut er allerdings nichts. Hatte er in "Sturmwarnung" noch ein Geheimnis mit Becca geteilt, das beide zusammengeschweißt hatte, erscheint er hier beinahe als Beiwerk. Eines, das man nicht vergessen soll, das aber auch keine sonderliche Funktion hat. 
Unruhe bringen die Meeresbiologin Annie, die als "Gaststar" des Romans mit den Gefühlen der Inselbewohner spielen und sich in ihren Zielen ebenso ehrgeizig wie undurchsichtig zeigen darf, und Cilla, die Orientierungslose, die Stumme, die ebensowenig auf die Insel zu gehören scheint wie Becca. Eine Unruhe, die "Wetterleuchten" mit der nötigen Weiterentwicklung gegenüber dem Auftaktband ausstattet und bessere Einblicke in die Köpfe der Inselbewohner ermöglicht. Als Folgeband hilft "Wetterleuchten" zu verstehen, dass Whidbey Island tatsächlich ein sicherer Ort für Becca ist, auch wenn sie weiterhin auf der Suche nach ihrem Platz auf der Insel und inmitten ihrer Bewohner befindet. Nichtsdestotrotz störe ich mich weiterhin daran, wie leicht es für Becca ist, eben diese Menschen an der Nase herumzuführen und zu belügen. Es kommt schlichtweg - vorerst - niemand dahinter, dass dort ein Mädchen allein im Wald lebt und von seiner Mutter weit und breit keine Spur ist. Allein die Vorstellung, den Winter in einem Baumhaus zu verbringen, erscheint mir doch reichlich weit hergeholt - aber natürlich ist es beinahe schon ein Luxusbaumhaus mit Holzofen. Auch fehlt es "Wetterleuchten" an Flair. "Sturmwarnung" habe ich noch als Geschichte mit lokaler Färbung in Erinnerung, mit einer Becca, die mit dem Rad über die bewaldete Insel fährt, die man beim Lesen beinahe mit allen Sinnen spüren kann. Der Folgeband, der sich nun dem Wasser widmet, hat zwar immer noch die radelnde Becca - und wirft ihre schmelzenden Pfunde ins Feld - kann aber trotz Robbe und nicht ganz ungefährlichen Tauchgängen noch lange nicht den Atem rauben.
Insgesamt krankt "Wetterleuchten" am undankbaren Dasein eines Übergangsbandes und kann neben dem Cliffhanger von "Sturmwarnung" kaum Fragen auflösen, sondern bleibt in Bezug auf seine Hauptfigur weiterhin vage. Genauso vage ist aber auch mein Interesse an einer Fortsetzung. 

Fazit: 
Zweiter Band einer paranormal angelegten Reihe für jugendliche Leser, der seiner gedankenhörenden Protagonistin treu bleibt, aber mit typischen Jugendthemen, Umweltproblematik und paranormalen Überraschungen zu viel erzählen will und mit unwichtigen Nebenhandlungen vor sich hin mäandert, sodass die Spannung erheblich gemindert und die reihenüberspannende Handlung aus den Augen verloren wird.





Buchdaten:
  • Gebundene Ausgabe: 448 Seiten
  • Verlag: Egmont INK; Auflage: 1 (17. Oktober 2013)
  • Sprache: Deutsch, übersetzt von Bettina Arlt und Ann Lecker
  • ISBN-10: 3863960025
  • ISBN-13: 978-3863960025
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren
  • Neupreis: 19,99 € (D)
  • Auch als Hörbuch erhältlich. 

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