Montag, 24. März 2014

... über "Töchter des Mondes - Sternenfluch" von Jessica Spotswood

Jessica Spotswood

Farbenfrohe, magische Fortsetzung

(c) Egmont Ink - Bildlink zu amazon

Zum Inhalt:
(Es handelt sich um den zweiten Band von Jessica Spotswoods Reihe "Töchter des Mondes", sodass Spoiler nicht vollständig zu vermeiden sind.)
Mit fast siebzehn hat Cate Cahill eine schwere, wichtige Entscheidung gefällt. Um ihre Schwestern Maura und Tess und auch die Liebe ihres Lebens, Finn, zu schützen, ist sie der Schwesternschaft beigetreten, selbst wenn es auf der ganzen Welt keinen Ort zu geben scheint, an dem Cate und ihre Schwestern je sicher sein können. Unter dem Deckmantel einer religiösen Gemeinschaft lernt die junge Hexe nun, ihre Magie zu beherrschen, erlebt aber, selbst aus privilegiertem Hause, als barmherzige Schwester nunmehr auch hautnah die Schattenseiten der Herrschaft der unerbittlichen Bruderschaft. Nicht nur potenzielle Hexen werden unerbittlich verfolgt und bestraft, Frauen generell werden gnadenlos unterdrückt. Ein weiterer Umstand, der der gebildeten, aufgeschlossenen Cate zu schaffen macht, und die Lage spitzt sich zu: Neue Gesetze verbieten den Frauen, außerhalb zu arbeiten, die Armut im Neuengland kurz vor der Jahrhundertwende wird zunehmend geschürt. Bildung für Frauen wird verboten, Bücher öffentlich verbrannt. Immer mehr - vermeintlichen - Hexen wird der Prozess gemacht. Hunger und Unmut bringen das Land gefährlich zum Schwelen. Doch auch in der Schwesterschaft, in der sich Cate zunächst nur schwer einleben kann, herrscht Unsicherheit. Während die aktuelle Führung der Schwesternschaft einen vorsichtigen Kurs fährt, so manches Mal auch Hexen opfert, um die Schule und die Schwestern  nicht zu gefährden, will die nächste Generation an die Spitze und aktiv werden. Einem Aufstand wird der Weg bereitet. Noch ist aber unklar, wer von den drei Cahill-Schwestern die in der Prophezeiung angekündigte Hexe ist, die entweder die Welt retten oder düsteres Unheil senden soll. Um ihre Schwestern in Sicherheit zu wissen, lässt Cate sie schließlich ebenfalls nach New London kommen. Maura, die Mittlere, aber hadert mit Cates abwartender, vorsichtiger Haltung. Sie hält sich für die Angekündigte und will die Hexen mit allen Mitteln an die Macht bringen ... 

Meine Meinung: 
Den ersten Band von Jessica Spotswoods Reihe um die Töchter des Mondes habe ich schon vor einiger Zeit gelesen, sodass sein Inhalt nicht mehr ganz so präsent war, als ich endlich Gelegenheit fand, die Fortsetzung zu lesen. In ebenso schöner Aufmachung wie der Vorgänger durfte "Sternenfluch" nämlich auf keinen Fall in meinem Regal fehlen. Wie sich herausstellte, war der lange Leseabstand aber kein Hindernis, denn, obwohl "Sternenfluch" einige Wochen nach den Ereignissen des Auftaktromans einsetzt, fiel es mir nicht schwer, mich wieder in die Handlung einzufinden. 
Da die Geschichten aufeinander aufbauen, sollten die Bände auf jeden Fall in Folge gelesen werden.
Wie bereits in "Cate" ist auch in "Sternenfluch" Cate Cahill, die älteste der Cahill-Schwestern, Hauptcharakter und führt als Ich-Erzählerin durch ihre Geschichte. Sie ist weiterhin eine sehr reflektierte Person, die zu Beginn des Buches aber ziemlich überfordert ist. Die Arbeit bei den Schwestern ist ihr wichtig, sie hilft Bedürftigen gern, quält sich aber gleichzeitig mit einem schlechten Gewissen aufgrund ihrer eigenen guten Herkunft und ihrem stark ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Sorgen um ihre Schwestern, vor allem um die Jüngste, Tess, lassen sie nicht los, und sie vermisst Finn, den sie so liebt und der ihretwegen in die Bruderschaft eingetreten ist, um ihres Standes würdig zu sein. Nur mit Mühe lebt sie sich bei den Schwestern ein, und nachdem sie im ersten Band quasi eine Mutterrolle innehatte, wird hier immer wieder deutlich, dass Cate trotz aller Besonnenheit und reifen Charakterzüge eben doch erst sechzehn Jahre alt ist und von der Situation einigermaßen überfordert wird. Angst, Erwartungen nicht gerecht zu werden, und Angst vor zu viel Verantwortung werden da deutlich. So ist das erste Romandrittel von abwartender Haltung geprägt, gleichzeitig erhalten wir aber auch Einblicke in Cates Magie. Bereits im ersten Band war es der Autorin wunderbar gelungen, magische Vorgänge anschaulich zu schildern. Wenngleich die Magie auch hier wieder etwas zu selbstverständlich erscheint, eher aus dem Inneren entspringt und keine ausschweifenden Zaubersprüche benötigt, so zeigt sich in "Sternenfluch" häufig auch deren Kehrseite. Magie ist eben doch Arbeit, nicht jede ihrer Formen fällt Cate leicht, und eins ums andere Mal verausgabt sie sich. In dieser Hinsicht bekommt Spotswoods Fortsetzung eine angenehme realistische Nuance, die "Sternenfluch" vielschichtiger macht. Cate lernt, entwickelt sich weiter und erschließt sich die Magie, die ihr am besten liegt. Mit allem Schmerz, der damit verbunden sein mag. Natürlich ist Magie weiterhin gefährlich und muss vor den Augen der Öffentlichkeit verborgen werden. Mit dieser Thematik spielt die Autorin auch in ihrer Fortsetzung, bedient sich ihrer, um ihre Handlung mit Wendepunkten voranzutreiben.
Gleichzeitig versorgt die Autorin ihre vierzehn- bis siebzehnjährigen Leser mit zielgruppengerechten Themen. Durch farbenfrohe Beschreibung von Kleidung und Ausstattung und vergleichsweise moderne Charakterzeichnung ist auch "Sternenfluch" nicht so angestaubt, wie das Setting kurz vor der Wende zum 20. Jahrhundert vielleicht den einen oder anderen befürchten lassen mag. Für einen anschaulichen Erzählstil in nunmehr sommerlicher Färbung hat sich die Autorin entschieden und bleibt sich nach dem herbstlich angehauchten ersten Band treu. Die Übersetzung des zweiten Bandes lag erneut in den Händen von Stefanie Lemke, die im Deutschen eine leicht zu lesende, zielgruppenangemessene Sprache findet. Einzig das gehäuft auftretende Adverb "eh" erschien mir etwas deplatziert, fiel jedoch angesichts vielfältiger Szenen, in denen Cate mit bildhaften, lebendigen Beschreibungen die Magie in sich heraufbeschwört oder von ihren Gefühlen für Finn erzählt, kaum ins Gewicht.
Mehr ins Gewicht als im Auftaktroman fällt nun auch eben dieser junge Mann. Hatte in "Cate" noch ein angedeutetes Liebesdreieck dominiert, ist nun Cates Entscheidung klar, ihre Gefühle in Anbetracht der kurzen Zeit zwischen den beiden Romanen überraschend gereifter, erwachsener. Mit Finn hat ihr die Autorin einen Partner für die Zukunft zur Seite gestellt, jemanden, der keine Fragen stellt, wenn es nicht nötig ist, jemanden, der eigenständig denkt und handelt und Cate akzeptiert und unterstützt.  Er bekommt mehr Kontur und sticht unter den übrigen Männern, die mehr oder minder schwarz gezeichnet sind, positiv heraus. Da "Sternenfluch" nur ein Übergangsband ist, sind jedoch Verwicklungen an der Tagesordnung, die die Wartezeit bis zur Fortsetzung nicht gerade einfach machen. 
Jessica Spotswood lässt mehrere Figuren aus "Cate" auch im zweiten Band auftauchen, etwa Sachi und Rory, aber auch Paul, der einen kleinen, hilfreichen Auftritt bekommt, und Elena, Brenna und Patentante Zara, die wir nun persönlich kennenlernen dürfen. Hinzu kommt allerdings auch eine Vielzahl neuer Personen, die meines Erachtens dem Roman nicht immer gut tun und ihn stellenweise erheblich überbevölkern, aber für den zentralen Plan dieses Fortsetzungsbandes von Bedeutung sind. 
Und für dessen Umsetzung bietet die Autorin dann auch Einiges auf, lässt intrigieren, baut ordentlich Spannung auf und fordert unerwartete Opfer.
Auf die Fortsetzung freue ich mich jedenfalls.

Fazit: 
Zweiter Band um die Cahill-Hexen, der sich behutsam den Facetten seiner Figuren widmet, liebe- und schmerzvoll von der ersten großen Liebe erzählt, gefährliche Geschwisterrivalität streut und mit deutlichem Statement für Gleichberechtigung und Selbstbestimmung ein heftiges Aufbegehren gegen eine von Männern dominierte Welt vorbereitet. Unentschlossenheit und Figurenfülle dämpfen jedoch stellenweise die Magie.

Gesamteindruck: 
4 von 5 Weißdornzweigen
 




Buchdaten
  • Gebundene Ausgabe: 384 Seiten
  • Verlag: Egmont INK; Auflage: 1 (9. August 2013)
  • Sprache: Deutsch, übersetzt von Stefanie Lemke
  • ISBN-10: 3863960254
  • ISBN-13: 978-3863960254
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren
  • Neupreis: 17,99 € (D) 
  • Auch erhältlich als E-Book. 

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