Dienstag, 31. Dezember 2013

Guten Rutsch!

Ich wünsche Euch einen guten Rutsch!
Kommt unfallfrei hinüber ins Neue Jahr!

Leserückblick 2013

Da ich mit Interesse die Rückblicke meiner Blognachbarn lese, habe ich mich kurzfristig entschlossen, mein Lesejahr 2013 noch einmal ausführlicher Revue passieren zu lassen. 
Es hatte sich schon im letzten Jahr als gute Entscheidung herausgestellt, eine private Statistik zu führen. Ich stelle nämlich fest, dass ich mir die Büchermenge übers Jahr gar nicht mehr merken kann. 
2013 habe ich gut 20 Bücher weniger als 2012 konsumiert, und weil in diesem Jahr auch noch viele recht dünne Bücher dabei waren, fällt die Seitenzahl noch geringer aus. Drei Monate waren sogar dabei, in denen ich überhaupt kein einziges Buch gelesen oder gehört habe.
Zu wenig? Nein. Genau richtig.
Insgesamt gesehen habe ich mehr Bücher gelesen, die ich gerne aufhebe (inzwischen gebe ich viele Bücher an die Bücherei ab) und an die ich mich auch nach Monaten noch erinnern kann. 
Mein Fazit in Sachen E-Books und Hörbüchern ist ernüchternd, denn meine Konsumbilanz in diesen Medien fällt extrem spärlich aus. Obwohl ich 2013 häufig für Weiterbildungen unterwegs war, habe ich tatsächlich nur 3 E-Books gelesen, und die auch noch zu Hause. Vielmehr stelle ich fest, dass ich auf meinen Weiterbildungsfahrten auf der Hinreise gar nichts lese (früh um 8 Uhr im Zug ist mir dann doch eher nach einem Extrastündchen Schlaf) und auf der Rückreise meistens ein Buch in der Bahnhofsbuchhandlung kaufe und dann auch direkt zu lesen beginne. Unser Kindle verstaubt also immer noch. Für 2014 habe ich mir aber vorgenommen, den E-Book-Versuch für unterwegs noch einmal zu wagen, da bereits ein paar mehrtägige Schulungsreisen anstehen. 
Das Medium Hörbuch wurde mir ein wenig verhagelt. Wahrscheinlich bin ich auch noch selbst dran schuld. Ich kaufe nämlich meistens die Hörbuchversionen von Büchern, die mich interessieren, aber nicht unbedingt als Papierbuch mein Regal bevölkern müssen. In den meisten Fällen sind das aber Serien, sodass ich wochenlang in den Genuss eines und desselben Sprechers komme. Nun stelle ich fest, dass es mir eher auf die Nerven geht, immerzu einen Erzähler im Ohr zu haben und ich auch bei der abendlichen Hausarbeit, die sonst immer Anlass für Hörbücher war, lieber meine Ruhe habe. Dazu kommt meine großartige technische Begabung, denn seit dem letzten iTunes-Update passt auf meinen iPod trotz manueller Verwaltung nur noch ein Bruchteil dessen, was er vorher fasste, sodass ich jedes Mal einen Kampf mit der Software austrage, um überhaupt ein Hörbuch draufzubekommen. So habe ich mittlerweile einen Stapel ungehörter Bücher, den ich 2014 gerne in Angriff nehmen möchte, ohne mir das als echten Vorsatz festnageln zu wollen.
Außerdem nehme ich mir vor, Bücher nur noch dann zu kaufen, wenn ich sie gleich lesen möchte. Das hat 2013 schon ganz gut geklappt. Ich habe nur wenige Bücher gekauft, die noch immer ungelesen im Regal stehen. Die meisten davon sind Fortsetzungen, die ich unbedingt schon mal im Regal haben wollte. (Blödes Hamsterverhalten!) Tja, da stehen sie halt immer noch, denn plötzlich hatte ich überhaupt keine Lust mehr auf diese Geschichten. Im Nachhinein ärgert mich die Geldausgabe, deshalb werde ich mich 2014 noch mehr zusammenreißen und auch wieder das eine oder andere Mängelexemplar kaufen, anstatt zum ladenneuen Hardcover zu greifen. 
Inzwischen ist es mir ein Bedürfnis, mehr querbeet zu lesen und auch mal Genres auszuprobieren, die mir sonst nicht liegen. Für Ermittlerkrimis aber kann ich mich noch immer nicht erwärmen, weshalb ich künftig wohl doch einen Bogen darum machen werde. Trotzdem waren diese Bücher für mich kein echter Flop. Überhaupt gab es für mich 2013 kaum Leseenttäuschungen - einmal empfinde ich nach wie vor jedes Buch als Bereicherung und andererseits habe ich mich durch keines durchquälen müssen. Klar, Enttäuschungen waren dabei, aber das liegt ja oft an den hohen Erwartungen, die man sich selbst setzt, weil gerade jeder ein bestimmtes Buch zu lesen und zu bejubeln scheint. Das wird es auch im nächsten Jahr wieder geben.
Entdeckt habe ich eine Schwäche für Coming-of-Age-Romane und Geschichten, die von der Suche nach dem Ich erzählen. Marjorie Celonas "Hier könnte ich zur Welt kommen" war solch ein Roman. Auch "Morgen vielleicht" von Jessica Soffer konnte mich berühren und sogar zu Tränen rühren, und Nickolas Butlers "Shotgun Lovesongs" ist mit seinen Klängen ohnehin eines meiner Jahreshighlights. 
2013 stand sehr wenig Fantastisches und Paranormales auf meinem Leseplan. Ich gebe ganz ehrlich zu, dass ich darauf keine Lust hatte. Aber selbst wenn ich mehr in diesem Genre gelesen hätte, bliebe "Sturmherz" von Britta Strauß mein unangefochtener Favorit. Ich liebe einfach Geschichten, die mich mit ihrer poetischen Sprache verzaubern und nachhallen, wenn das Buch längst seinen Platz im Regal gefunden hat. 
Neben "Sturmherz" standen 2013 auch  noch andere Jugendbücher auf meinem Leseplan. Dabei habe ich festgestellt, dass mir das Genre Jugendthriller durchaus zusagt. 
Auch Auswandererromane konnten in diesem Jahr mein Interesse wecken. Gerne würde ich auch da mehr lesen. 
Für 2014 will ich mir aber trotzdem nur pauschal vornehmen, weiter querbeet und das zu lesen, worauf ich Lust habe, ganz gleich, ob es sich um eine Neuerscheinung oder ein älteres Buch aus meinem SuB handelt. Ich werde weiterhin meine private Statistik führen, um für mich selbst einen Leseüberblick zu behalten. Unter Druck setzen werde ich mich allerdings nicht. Und wenn ich 2014 nur drei Bücher lesen sollte, ist das auch gut. 

Montag, 30. Dezember 2013

... über "zorneskalt" von Colette McBeth

Colette McBeth

Beste Freundinnen, beste Feindinnen

(c) Blanvalet /
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Zum Inhalt: 
Kriminalreporterin Rachel Walsh findet sich plötzlich auf der anderen Seite ihres Jobs wieder. Als sie zu einer Polizeipressekonferenz nach Brighton beordert wird, muss sie feststellen, dass sie hier nicht objektiv berichten kann. Denn vermisst wird Clara O'Connor, Rachels beste Freundin seit Teenagertagen. Clara, mit der sie noch vor wenigen Tagen zu einem Treffen mit Schulkameradinnen verabredet war, zu dem Clara jedoch nie erschien. Besorgt beginnt sie nachzuforschen und wird bald selbst verstrickt in Ungereimtheiten, die Claras Verschwinden in einem neuen Licht erscheinen lassen. 

Meine Meinung: 
Am Debütroman "zorneskalt" der britischen Autorin Colette McBeth reizte mich das Thema Freundschaft, aus der abgrundtiefer Hass entsteht. Ich wollte unbedingt wissen, was geschehen muss, damit dieser Fall eintritt, denn der Begriff Hass wird ja nicht nur in der Literatur gerne einmal überstrapaziert.  Hätte ich die Kurzbeschreibung nicht gelesen, hätte ich wahrscheinlich nicht zum Buch gegriffen, da mir sein Umschlag recht nichtssagend vorkam. Natürlich ist es bei Thrillern immer schwierig, ein spannendes Cover zu gestalten, das nichts verrät. "Zorneskalt" vermittelt äußerlich eher eine ruhige, düster-kalte Stimmung, deutet aber ansonsten nicht auf Handlung oder Figuren hin. Nichts destotrotz gefällt mir die Gestaltung, nachdem ich das Buch nun ein paar Tage in den Händen gehalten und öfter angeschaut habe, doch ganz gut, wenngleich mir der Name der Autorin überdominant erscheint. 
In seiner relativ unscheinbaren, aber nicht untypischen Aufmachung verbirgt "zorneskalt" einen Thriller, der mit seiner ungewöhnlichen Erzählweise überrascht. "zorneskalt" ist nämlich ein umfangreicher Brief an die vermisste Clara. In Ich-Perspektive adressiert Rachel ihre Erzählung direkt an Clara, spricht sie mit "du" und Vornamen an und entspinnt dabei die Geschichte ihrer Freundschaft. Zunächst hatte ich damit wirklich Schwierigkeiten, da ich das Gefühl hatte, in etwas hinzustolpern, wo ich nicht hingehörte. Zudem trägt der Brief, der, wenn es um die Geschehnisse um Claras Verschwinden geht, in der Vergangenheit und in Rückblenden im Präsenz erzählt wird, zu einem gewissen Misstrauen gegenüber der Ich-Erzählerin bei. Zum Zeitpunkt des Verfassens ihrer Erzählung hatte sie offenbar zwangsläufig einen gewissen Abstand erlangt, der ihren Gefühlen Distanz verleiht, sodass es mir schwerfiel, echte Sympathie zu empfinden. Ich-Erzählerin Rachel weiß sich zwar gewählt und bildhaft auszudrücken, vermittelt aber längst nicht den Eindruck des gefestigten Menschen, der sie mit ihren siebenundzwanzig Jahren sein will, jemand, der sich seiner Vergangenheit entledigen konnte. Vielmehr kommen herablassende Charakterzüge und ein psychologisch bedenklicher Hang zu Reinlichkeit und Perfektion zum Vorschein.
In Clara hatte sie vierzehnjährig ihre Ergänzung gefunden. Übergewichtig und unattraktiv, aufgewachsen mit einer Mutter, die den Alkohol der eigenen Tochter vorzog, gewann sie in dem etwas älteren Mädchen eine Vertraute, einen Menschen, der sie vorbehaltlos annahm. Dennoch stellte sich bei  mir kein Gefühl der großen, echten Freundschaft ein. Momente, in denen die Mädchen sich gegenseitig die Handgelenke brechen, nur, um nicht am Sportunterricht teilnehmen zu müssen, muten eher pubertär-bizarr als freundschaftlich an. 
Colette McBeth flicht Rückblenden ausgewogen in das "aktuelle" Geschehen ein, wobei diese überraschenderweise im Präsenz erzählt werden, das die Jugendtage und die Freundschaft der beiden Frauen beinahe mit größerer Zuneigung ausstattet, fast so, als könne die Erzählerin nicht von der Vergangenheit lassen, als stünde sie ihr näher. 
Während das Gegenwartsgeschehen bis zu einem einschneidenden Ereignis, das die Dinge ins Rollen bringt, recht lange stagniert, wird die Neugier auf die Vergangenheit und das, was zwischen den beiden Frauen geschehen sein mag und vielleicht Ursache von Claras Verschwinden ist, durch die Rückblenden mitunter strapaziert. Auch konnte mich die Auflösung der Geschichte nicht komplett überraschen. Dennoch gelingt es, Colette McBeth in ihrem Thrillerdebüt, eine zerrüttete Freundschaft scharfsinnig zu sezieren und ihre Figuren mit zahlreichen Graustufen und manipulativen Zügen zu zeichnen, sodass der Leser immer wieder zum Mitdenken und Hinterfragen seiner Sympathien aufgefordert ist. 
Ein Roman, der Lust auf mehr von der Autorin macht, für dessen actionlosen, gefährlich leisen Verlauf man aber ein Faible haben muss.

Fazit: 
Lesenswertes Thriller-Debüt mit viel Gespür für die Abgründe von Frauenfreundschaften und Figuren ohne Schwarz-Weiß-Stempel, in dem starke Emotionen mit faszinierender, erdrückender Ruhe geschildert werden, die dem Roman einen unaufgeregten Grundton verleiht und leider ein paar Längen nach sich zieht. 

Gesamteindruck: 
4 von 5 Weißdornzweigen 



Buchdaten: 
  • Broschiert: 384 Seiten
  • Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag (25. November 2013)
  • Sprache: Deutsch, übersetzt von Wulf Bergner
  • ISBN-10: 3442382653
  • ISBN-13: 978-3442382651
  • Originaltitel: Precious Thing
  • Neupreis: 12,99 € (D) 
  • Auch erhältlich als E-Book und Hörbuch.

Samstag, 28. Dezember 2013

... über "Drowning - Tödliches Element" von Rachel Ward

Rachel Ward

Faszinierend spannend, überraschend handlungsarm

(c) Carlsen / Bildlink zu amazon

Zum Inhalt: 
Carls Bruder Rob ist tot. Ums Leben gekommen bei einem schrecklichen Badeunfall, den der fünfzehnjährige Carl selbst nur knapp überlebte und an den er sich nicht erinnern kann. Überhaupt scheint seine Erinnerung ausradiert, mühsam tastet er sich, aus dem Krankenhaus entlassen, zurück in ein desolates Leben in einer chaotischen Wohnung, mit einer Mutter, die schon vor Verlust des Kindes kräftig der Bierdose zugesprochen hat. Auch ist da noch Neisha, ein Mädchen, das ihm fremd ist und ihn zu hassen scheint.Und dann erklingt Robs Stimme. Aus jedem Tropfen Wasser droht er, zieht Carl in einen Sog von Eifersucht und Rache. Und als der Regen kommt, steht er plötzlich vor ihm ... 

Meine Meinung: 
"Drowning - Tödliches Element" ist das erste Buch, das ich von Rachel Ward gelesen habe. Mir ist ihre erfolgreiche Numbers-Trilogie natürlich nicht entgangen, doch angesprochen hat mich diese nie. Ganz anders war das schon mit "Drowning", das ich unbedingt lesen wollte, weil mich die Leseprobe und die Umschlaggestaltung lockten. Auch wenn ich Rachel Wards andere Romane nicht kenne, waren die Vorschusslorbeeren und damit die Erwartungen recht hoch. 
Bereits der Umschlag des neuen Jugendromans der britischen Autorin wirkt düster und bedrohlich. So passt es auch - und ich finde, die Autorin hat hier einen wichtigen Schritt unternommen - dass die Autorin in einem Vorwort den Leser anspricht und ihm sogar gewissermaßen von der Lektüre abrät, in dem Wissen, dass Wasser eben nicht nur faszinierend, sondern auch gefährlich ist und großes Leid zufügen kann.
Lesern, die traumatische Erfahrungen mit Wasser gemacht haben, ist tatsächlich von "Drowning" abzuraten. Rachel Wards Roman ist in Bezug auf das im deutschen Untertitel angesprochene "tödliche Element" erstaunlich intensiv, geradezu atemberaubend. Selten habe ich Romane gelesen, die ihre Spannung in den Alltag überschwappen lassen. Wir sind überall vom Wasser umgeben, in uns, um uns. Sei es in unserem täglichen Getränk oder in unseren Tränen - das Romanelement ist allgegenwärtig und greifbar. Und wenn der Leser - wie ich - plötzlich zögert, die Hände in das Abwaschbecken gleiten zu lassen, hat ein Autor schon mal einen Erfolg zu verbuchen. 
Ein weiteres Plus von "Drowning" ist der Gedächtnisverlust des 15-jährigen Protagonisten. Wenngleich kein innovativer Kunstgriff, trägt diese Tatsache dazu bei, dass der Leser sich gemeinsam mit dem Ich-Erzähler die Geschehnisse erschließen muss. Mit all ihren Lücken und Unannehmlichkeiten. So tappt man gemeinsam mit Carl durch seine Erinnerungslosigkeit, lässt sich von seinem Entsetzen angesichts seines maroden Zuhauses vereinnahmen, empfindet jeden Erinnerungsfetzen mit aller Intensität. Unterstützt wird die verstörende Stimmung des Romans durch Carls verknappte Erzählweise, die Unsicherheit und Hoffnungslosigkeit unterstreicht. Es entsteht ein soziales Bild, in dem Mittellosigkeit, Alkohol und Gewalt dominieren, das die Geschichte aber nicht erdrückt, sondern eher im Spannungsstrudel mitschwimmt. Carl sucht in dieser Geschichte, in der jeder von seinem eigenen Drama absorbiert wird, vergeblich nach einem Auffangnetz, das er offenbar in der Vergangenheit schon nicht bei seinem siebzehnjährigen Bruder fand. Rob ist geradezu stereotypisch böse, schlägt, manipuliert den jüngeren Bruder. Mehr Einblick erhalten wir aber nicht.  Auch dann nicht, als der Tote plötzlich immer dann auftaucht, wenn Wasser im Spiel ist.
Meiner Meinung nach krankt "Drowning" an losen Fäden und mangelnder Weiterentwicklung seiner wenigen Figuren. Zwar ereignen sich Geschehnisse, die nagelkauend spannend sind, und Protagonist Carl setzt auch ein sein unvollständiges Puzzle zusammen, aber zwischen Robs Tod und seiner Beerdigung finden sich doch recht wenig erhellende Erkenntnisse. Die Figuren und die Handlung kommen nicht voran. Carls Mutter bleibt nach wie vor in ihrem Unglück absorbiert, sieht den überlebenden Sohn kaum. Die jugendlichen Protagonisten waren mir zu sprunghaft, auch wenn ich natürlich bei Jugendlichen, die hier auch noch Traumatisches erlebt haben, keine Geradlinigkeit erwartet habe. So ist Neisha, wie Carl auch, traumatisiert von den Ereignissen am See und hegt tiefe Ressentiments. Im nächsten Augenblick sind sie und Carl verliebt, dann wieder nicht mehr. Und ständig hatte ich das Gefühl, etwas überlesen zu haben. Ob die Dinge nun wirklich nicht ausgesprochen wurden oder schlichtweg vor der Spannung untergingen, vermag ich nicht zu sagen, denn da war dieser Sog, weiterlesen zu wollen, der den Drang, zurückzublättern, unterdrückte. Den Gesamteindruck retten konnte aber auch der Sog nicht.
Vor allem konnte ich mich bei der Lektüre nicht des Eindrucks erwehren, dass sich die Autorin selbst auf eine Odysee begeben hat, ohne festes Ziel, welches Genre sie bedienen will. Nicht nur, dass ich mit Fragen zurückblieb, sich mir vor allem die Beweggründe der Protagonisten nicht eindeutig erschlossen, ich wusste nie, ob ich es mit einem ausgeklügelten Psychodrama oder einem geisterhaften Mysterythriller zu tun hatte. Das mag ja für manchen Leser reizvoll sein, aber ich hänge beim Lesen ungern in der Luft. Da ich irrtümlicherweise von einem Einzelband ausging, war ich am Ende umso mehr enttäuscht, dass ich mich nicht rundum aufgeklärt gefühlt habe. Inzwischen habe ich gelesen, dass es eine Fortsetzung geben wird, darauf warten will ich aber nicht. 

Fazit: 
Rachegeschwängerte, dramatische Geschichte um drei Jugendliche und das tödliche Element Wasser, die mit erstickender Spannung und bedrückender Milieuzeichnung überzeugt, ihre Figuren aber im Trüben schwimmen und Handlungen vor zu vielen geisterhaft-beängstigenden Momenten versanden lässt.

Gesamteindruck: 
3 von 5 Weißdornzweigen





Buchdaten
  • Taschenbuch: 304 Seiten
  • Verlag: Carlsen (22. November 2013)
  • Sprache: Deutsch, übersetzt von Uwe-Michael Gutzschhahn
  • ISBN-10: 3551520526
  • ISBN-13: 978-3551520524
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 - 18 Jahre
  • Neupreis: 14,99 € (D)
  • Auch als E-Book und Hörbuch erhältlich. 

Dienstag, 24. Dezember 2013

Frohe Weihnachten 2013!

Ich wünsche Euch zauberhafte Weihnachten!

Genießt die Familienzeit und lasst die Seele baumeln!

 

Montag, 16. Dezember 2013

... über "Unter dem Südseemond" von Regina Gärtner


Mitreißend bis zum Schluss 

(c) Heyne /
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Zum Inhalt: 
1899 verändert sich Almas Leben mit einem Schlag. Hatte die Neunzehnjährige bislang noch geglaubt, ihre Zukunft schon etwas vorausgeplant zu haben, muss sie nun erfahren, dass ihre Zwillingsschwester Käthe in anderen Umständen ist. Von Almas Verlobtem Hannes. Um Alma aus dem Weg zu haben, damit Käthe und Hannes schicklich verheiratet werden können, beschließt Almas gestrenger Vater die junge Frau dem erstbesten Heiratskandidaten in die Arme zu spielen. Nicht einmal von Tante Heidis inständigem Bitten lässt er sich erweichen, und überhaupt scheint im Hause Hinrichs ein Geheimnis in der Luft zu hängen, das man besonders vor Alma verbergen will. So wird sie die Frau des Faktors Hermann Stieglitz, bevor sie auch nur den Mund zum Widerspruch öffnen kann. Und die nächste Überraschung folgt auf dem Fuß: Stieglitz' Arbeitsplatz befindet sich nicht etwa im heimischen Köln oder in halbwegs familiärer Nähe. Nein, neues Zuhause des frisch gebackenen Ehepaares soll Apia auf Samoa werden. Alma muss nun die beiden jüngeren Geschwister Mathilde und Fritz und Tante Heidi, die ihr sehr am Herzen liegen, zurücklassen und ans andere Ende der Welt ziehen. Bald schon befinden sie und Hermann sich auf einem Schiff, das sie nach Monaten schließlich zunächst nach Sydney bringt, bevor sie weiter zu den Samoainseln aufbrechen. Gerade als sie das nächste Schiff besteigen, hektisch, weil Hermann in allen Dingen forsch voraneilen muss, stürzt Alma ins Meer. In letzter Sekunde kann die Nichtschwimmerin von einem der Seemänner gerettet werden. Aber die blauen Augen dieses jungen Rudergängers sollte sie ebenso wenig vergessen wie das Familiengeheimnis, das sie auch dann noch verfolgt, als sie allmählich auf der fremden Insel heimisch wird. 

Meine Meinung: 
Nachdem ich dieses Jahr schon einen Roman gelesen habe, der sich mit der deutschen Kolonialzeit befasste, hatte ich Lust auf noch eine Südseegeschichte. 
Autorin Regina Gärtner erzählt ihren Roman "Unter dem Südseemond" von Beginn an sehr intensiv und beweist ein gutes Gespür, den Leser in eine andere Zeit zu versetzen. 
Gleich am Anfang wird der Leser gemeinsam mit der Protagonistin Alma vor vollendete Tatsachen gestellt. Zimperlich geht es im Hause Hinrichs nicht zu. Es ist nichts Außergewöhnliches, dass der Hausherr und Vater seinen Kindern auch mal eine "Naht verpasst" - vermutlich keine Seltenheit. Dass Alma und ihre Zwillingsschwester nicht auf dem besten Fuß stehen, wird ebenfalls sofort deutlich und damit auch das Interesse des Lesers daran geweckt, was denn wohl in dieser Familie schief läuft. Doch bevor Alma weiterfragen kann, ist sie verheiratet und an Bord eines Schiffes. 
Regina Gärtner nutzt die Beschreibung der langen Reisezeit nach - zunächst - Australien geschickt, um ihrer Protagonistin eine Weiterentwicklung zu ermöglichen. Natürlich hatte Alma sich unmissverständlich als Sympathieträger durchgesetzt, aber auf den ersten Seiten noch etwas unbedarft gewirkt. Zwar hat sie ein gesundes Gerechtigkeitsempfinden und verabscheut Gewalt, aber dennoch erschien sie eher als die zwar talentierte, aber doch schlichte Näherin im elterlichen Geschäft. Angesichts der bevorstehenden Reise in unbekannte Gefilde reagierte sie einigermaßen panisch und befürchtete, sie käme nun zu den Wilden, den Mohren gar. Auf der Reise erweist sie sich jedoch als wissbegierige junge Frau, die durchaus willens ist, sich ihrem Schicksal zu stellen und sich auch auf die neue Lebenssituation vorzubereiten - ein Charakterzug, der sie durch ihre langjährige Geschichte hinweg begleitet, sie aber natürlich nicht davor feit, in Zweifel zu verfallen und zu straucheln. Sie schließt eine Freundschaft, die ihr über Jahre und Entfernungen hinweg erhalten bleibt, und lernt Englisch. Schon früh wird deutlich, dass sie sich gegenüber dem von hohem gesellschaftlichem Rang und Wohlstand besessenen Stieglitz behaupten und ihren eigenen Weg finden muss, um nicht untergebuttert zu werden. Geheiratet hat sie einen Mann, der sich mit ihr schmückt, seine ehelichen Rechte einfordert und sich nur allzu begeistert von der Freizügigkeit der Eingeborenen zeigt. Vom Regen kommt Alma in Traufe. Zu Hause schon nicht mit elterlicher Liebe überschüttet, hat sie nun einen Mann, den man nicht gerade als liebevoll und einfühlsam einstufen möchte. Auch wenn Alma der beschriebenen Epoche entsprechend "nur" Frau Stieglitz und vom Willen ihres Mannes abhängig ist, findet sie für ihr junges Alter recht schnell Mittel und Wege, um sich ein Stück Unabhängigkeit zu arbeiten. So pflegt sie bald Umgang mit Menschen, mit denen sie sich versteht, selbst wenn ihr Mann diese Kontakte nicht oder nur sehr widerwillig billigt. Daneben erträgt sie aber auch ihr Schicksal, dass es einem in der Seele wehtun möchte, dass die Selbstbestimmung einer Frau in jener Zeit derart untergraben wurde. Immerhin erzählt Regina Gärtner in "Unter dem Südseemond" nicht nur eine Auswanderergeschichte, sondern eben auch die Geschichte einer Liebe, die unmöglich scheint und damit besonders ans Herz geht. Denn was konnte Frau damals schon tun, wenn sie verheiratet war, ihr Herz aber nicht dem eigenen Mann gehörte? Wirrungen und Unentschlossenheit sind da vorprogrammiert, romantische Momente fürs Herz ebenso. 
Regina Gärtner beweist in ihrem 583 Seiten starken Roman ein gutes Gespür für Dialoge. Informationen über Land und politische Entwicklungen flicht sie oftmals in Gespräche ein, die so lebendig wirken, dass man buchstäblich den Gesprächspartnern an den Lippen hängt. Es entsteht auch durch Beschreibung von Kleidung, Architektur und Waren des täglichen Bedarfs ein farbiges Bild, das zu einer mitreißenden Zeitreise einlädt. Daneben verliert die Autorin ihre Figuren nicht aus dem Blick. Sie alle sind deutlich genug umrissen, um im Gedächtnis zu bleiben. Außerdem ist der Roman keineswegs überbevölkert, sodass der Leser nicht den Überblick verliert, ganz gleich, ob sie nun sympathisch sind oder nicht oder nur sporadisch auftreten. Sympathieträger und Gegenspieler halten sich angenehm die Waage und sind bis auf wenige Ausnahmen auch nicht schwarz und weiß. Besonders Almas Schwester Käthe ist ein erschreckend unbelehrbarer Mensch, von dem man lieber weniger lesen möchte, doch auch sie versteht es, im Leser sehr unterschiedliche Emotionen zu wecken.
Auch wenn nicht alle Figuren den Roman, der eine lange Zeitspanne von 1899 bis 1914 abdeckt, überleben, so geraten sie doch nicht in Vergessenheit. In Briefen und Erzählungen bleibt die Familie im fernen Deutschland allgegenwärtig, und damit auch das Familiengeheimnis, das neben der Liebesgeschichte, die nicht sein darf, einen weiteren roten Faden des Romans bildet. In beiden Handlungssträngen kommt es immer wieder zu Unsicherheiten und Rückschlägen, die jedoch so einnehmend erzählt sind, dass es an keiner Stelle des Romans langweilig wird. 
Lediglich mit den wenigen Liebesszenen konnte ich mich nicht vollkommen anfreunden. Obwohl der allwissende Erzähler intensive Einblicke in Almas Gefühlsleben und ihre Umgebung gleichermaßen gibt, so beobachtet er mir intime Momente zu detailliert. Das wollte für meine Begriffe nicht so ganz zu Almas ansonsten recht zugeknöpften Charakter passen, und meiner Meinung nach hätte es nicht unbedingt aller Details bedurft, um Almas leidenschaftliche Seite zu zeigen. 
Insgesamt betrachtet ist "Unter dem Südseemond" ein Roman, der zwar in Bezug auf das Familiengeheimnis für  mich vorhersehbar war, mich aber trotzdem bis zur letzten Seite festhielt und mich mitfiebern und Taschentuchvorräte aufbrauchen ließ. 

Fazit: 
Intensiv und einnehmend erzählte Auswanderersaga um eine junge Protagonistin, die Ende des 19. Jahrhunderts ihr Schicksal mit all seinen Wirrungen und Geheimnissen eindrucksvoll meistert und der man vor farbenfroher exotischer Kulisse von Herzen die Erfüllung ihrer Träume wünscht. 

Gesamteindruck: 
4 von 5 Weißdornzweigen






Buchdaten:
  • Taschenbuch: 592 Seiten
  • Verlag: Heyne Verlag (11. November 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3453411536
  • ISBN-13: 978-3453411531
  • Neupreis: 9,99 € (D) 
  • Auch als E-Book erhältlich. 

Donnerstag, 5. Dezember 2013

... über "Ich will vergelten" von Mari Hannah

Mari Hannah

Solider, aber detailverlorener Krimi


(c) Goldmann /
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Zum Inhalt:
Als in der Nähe des Hadrianwalls die Leiche einer jungen Frau gefunden wird, wird anderenorts eine weitere Frau vermisst. Sehr schnell liegt der Verdacht nahe, es könne sich um dieselbe Frau handeln. Wie sich herausstellt, ist die Tote jedoch nicht, wie ihre Aufmachung nahegelegt hatte, Jessica Finch, die Tochter des einflussreichen Adam Finch, der mit dem Polizeichef Golf spielt. Offenbar wurde die Medizinstudentin entführt, aber es besteht die leise Hoffnung, dass sie noch am Leben ist. Für Ermittlerin Kate Daniels und ihr Team beginnt eine fieberhafte Suche voller vager Spuren und Ungereimtheiten. Jessica hingegen rennt die Zeit davon ... 

Meine Meinung: 
Zunächst muss ich sagen, dass ich sicherlich nicht zur Zielgruppe von Mari Hannahs Roman gehöre. Thriller und Kriminalromane landen höchst selten auf meinem Nachttisch. Da muss ich schon in entsprechender Stimmung sein. Außerdem ziehe ich den Thriller, bei dem ich mir vor Spannung die Fingernägel zerbeiße, einem auf Ermittlungsarbeit fokussierten Krimi vor. Nun hat mich die Einordnung "Thriller" unter Mari Hannahs Titel doch leicht irregeführt, denn dieser Roman ist tatsächlich ein Ermittlungsthriller, in dem echte Spannungsmomente erst gegen Ende aufkommen. 
"Ich will vergelten" ist außerdem das zweite Buch um die ehrgeizige Ermittlerin Kate Daniels. Das wiederum tut der Lektüre nur wenig Abbruch, da hier eine in sich geschlossene Geschichte erzählt wird. Es kommen zwar Dinge zur Sprache, die vermutlich im ersten Band eine Rolle spielten, dennoch stören sie das Verständnis nicht. Allerdings möchte ich nicht ausschließen, dass die fehlende Kenntnis des ersten Buches einen Hemmschuh in der Annäherung gegenüber der Figur der Inspektorin Daniels bedeuten kann. 
Von Beginn an zeichnet die Autorin ein sehr detailliertes Bild der Polizeiarbeit und lässt dabei eine Atmosphäre entstehen, die mich stark an britische Kriminalfilme/-serien erinnerte. Routinen wirken sehr authentisch, worin sich gewiss die Erfahrungen der Autorin als Bewährungshelferin widerspiegeln. Mitunter entstehen durch diese augenscheinliche Aufmerksamkeit gegenüber authentischen Details und Abläufen Längen, die meine Geduld stark auf die Probe stellten. So mäanderte die Geschichte ebenso wie die erfolglosen Ermittlungen lange vor sich hin, ehe zumindest der Leser einmal ein Lebenszeichen der Entführten bekam. Hannahs Erzählweise lässt mich zwiegespalten zurück, denn zum einen verspürte ich auf drei Vierteln ihres Romans überhaupt keine Spannung, konnte noch nicht einmal für mich einen Verdächtigen ausmachen, zum anderen aber präsentiert sie mit ihrer Geschichte auch ein Stück Echtheit, das cineastischen oder literarischen hollywoodmäßigen Superhelden-/Schnelllösungen wunderbar entgegensteht. Neue Spuren, falsche Verdächtige, weitere Vermisste bieten in diesem Roman einmal Anlass zu Langeweile, zeigen aber auch die Ungeradlinigkeit der Ermittlungen mitsamt Seifenblasen und Rückschlägen. Dafür sollte der Leser aber ein gewisses Faible mitbringen. 
Nicht nur das, eine Grundkenntnis der Funktionen im Polizeidienst ist ebenfalls von Vorteil. Auch wenn wir es mit einer leitenden Ermittlerin zu tun haben, die als Protagonistin inzwischen mehrere Bücher trägt, so ist sie doch von einem sehr umfangreichen Stab umgeben, in dem es sich schwer zurechtfinden lässt. Routinierte Leser/Zuschauer des Genres dürften darüber hinweglesen. Als Quereinsteiger und Gelegenheitsgenreleser habe ich es hingegen schwer gehabt, mich zwischen all den britischen Dienstgraden und Abkürzungen zurechtzufinden. Die Autorin zeigt hier ganz klar, dass sie sich auskennt. Wer sich nicht auskennt, hat dann allerdings Pech. Bis zum Ende konnte ich mich nicht mit den zahlreichen Nebenfiguren und ihren Bezeichnungen anfreunden, habe es allerdings aufgegeben, mich darauf zu konzentrieren. Bedauerlicherweise war es dann für mich schon zu spät, mich näher auf die Figuren einzulassen. 
Ermittlungsleiterin Kate Daniels steht zwar im Fokus des allwissenden Erzählers, bleibt doch über den gesamten Fall hinweg entfernt. Nun mag es zwar für die Lektüre eines Krimis weniger erheblich sein, ob man die Ermittler mag oder nicht, ich allerdings fühle mich wohler, wenn ich eine Beziehung zu Charakteren aufbauen kann. 
Hier fiel mir dies schwer, da einmal Kate fast ausschließlich mit Nachnamen in Spiel gebracht wird und sie andererseits einen britisch-stereotypisch reservierten Eindruck vermittelt. Damit blieb dann auch ich reserviert. Ich konnte mit Daniels, die stets dienstbeflissen ihren Ausweis "durchzieht", nur nach Hause fährt, um zu duschen und in eine frische steife Bluse zu schlüpfen, mit ihrer Arbeit verheiratet ist und mit ihrer sexuellen Orientierung nicht hausieren geht, um Privates und Berufliches strikt zu trennen, lange wenig anfangen. Nie lässt sie sich in die Karten schauen. Daneben hat sie ihr Team gut im Griff, ohne übermäßig den Boss raushängen zu lassen. Allerdings klingt Menschliches nur hier und da einmal an,  Verlust, Eifersucht oder Einsamkeit blitzen lediglich auf, bevor sie zum Ende hin auftaut. Gefühlsregungen werden deutlich, und Kate zeigt, dass sie auch ganz anders kann. Zielorientierte Verbissenheit und Mut gehen bei ihr allerdings Hand in Hand.
Der Fall dieses Romans wirkte auf mich keineswegs ungewöhnlich oder innovativ. Reiche Tochter wird entführt, eine Tote in ihrer Kleidung gefunden, reicher Papa erhält zwar einen Drohbrief, aber sonst passiert erst einmal nichts. Peu à peu finden die Ermittler heraus, dass die Entführte keineswegs der Mensch ist, den ihr Vater beschreibt. Im Zuge der Ermittlungen avanciert sie zu einem Sympathieträger, damit der Leser sich natürlich wünscht, dass sie gefunden wird. Anders als in Psychothrillern wird auf eine Darstellung von Jessicas gefährlicher Lage großzügig verzichtet. Nur selten bekommen wir sie zu Gesicht, um kurz Einblick in ihre Verfassung zu erhalten. Wirklich Sorgen machte ich mir allerdings erst sehr spät. Durch zahlreiche Nebenstränge, die sich nicht alle als relevant herausstellen, werden Bekannte, Freunde, Verdächtige eingeführt, die Verwirrung stiften (sollen). Da ich ein schlechter Ermittler bin, vermutete ich lediglich anhand des sehr deutlichen Buchtitels zwar die Beweggründe, konnte aber keinen Verdächtigen ausmachen. Die Autorin schürt allerdings nicht unbedingt Erwartungen oder Verdachtsmomente, sodass mich die Auflösung durchaus überraschte. Auf den letzten einhundert Seiten wird Mari Hannahs tatsächlich richtig spannend und zum angekündigten Wettlauf mit der Zeit, um schließlich mit einem Ende, das sich nicht auf die Lösung beschränkt, sondern einen Ausblick bietet, rund geschlossen zu werden. 

Fazit: 
Mit starkem britischem Krimiflair erzählter zweiter Band der Reihe um Ermittlerin DCI Kate Daniels, der in einer in sich geschlossenen Geschichte großes Augenmerk auf detaillierte Ausführungen zur Polizeiarbeit legt und damit eingefleischten Fans klassischer Ermittlerkrimis durchaus zu empfehlen ist. Gelegenheitskrimileser können unter Umständen von detailreichtums- und routinebedingten Längen abgeschreckt werden. 

Gesamteindruck: 
3(,5) von 5 Weißdornzweigen 





Buchdaten
  • Taschenbuch: 448 Seiten
  • Verlag: Goldmann Verlag (19. August 2013)
  • Sprache: Deutsch, übersetzt von Sigrun Zühlke
  • ISBN-10: 3442474809
  • ISBN-13: 978-3442474806
  • Originaltitel: Settled Blood
  • Neupreis: 8,99 (D) 
  • Auch als E-Book erhältlich.


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