Montag, 23. September 2013

... über "Shotgun Lovesongs" von Nickolas Butler

Nickolas Butler 
"Shotgun Lovesongs"

Freunde, Rivalen - Männer, die erwachsen werden, Männer mit gebrochenen Herzen, vereint durch die Sehnsucht nach längst vergangener Unbeschwertheit 

(c) Klett-Cotta

Zum Inhalt: 
Leland (Lee), Henry (Hank), Kip und Ronny waren die besten Freunde. Gemeinsam in einem verschlafenen Ort in Wisconsin aufgewachsen, hat sie das Leben schließlich auseinandergetrieben. Ausbildung, Karriere, neue Bindungen haben ihren neuen Weg geprägt, und doch sehen sie sich regelmäßig wieder. Hochzeiten sind der beste Anlass für ein Wiedersehen. Immer dabei ist Lee, der Berühmte unter ihnen, Lee, der mit seiner Platte "Shotgun Lovesongs" ungeahnten Erfolg hatte und nun unter dem Künstlernamen Corvus weltweit auf Tournee geht. Lee, der immer wieder von seinem Heimatlandstrich singt. Lee, auf den sie alle stolz, aber nicht neidisch sind. So reist er auch zu Kips Hochzeit an. In die alte Heimat, wo er sich zurückziehen und er selbst sein kann, auf seiner Farm, die brach liegt und in seiner Abwesenheit verwildert. Während Lee sich freut, dorthin zurückzukehren, wo er nicht im Rampenlicht steht, ist Kip zurückgekehrt, um aus seiner maroden Heimat etwas zu machen. Damit man ihm auf den Straße dankend zunickt. Um sich zu beweisen. Dageblieben waren nur Hank und seine Frau Beth, die seit jeher mit zur Männerclique dazugehörte, sie alle liebt und mit ihnen leidet. Und Ronny, der trockene Alkoholiker, der eigentlich immer wegwollte und sich auf Rodeos ein paar Dollars verdiente. Ronny, der, durch einen Unfall nun versehrt und von schlichtem Gemüt, bei Lee ehrliche Freundschaft und Schutz findet. Doch auf Kips Hochzeit mit der vielbeschäftigten Felicia, die so gar nicht ins kleinstädtische Ambiente passen will, zeigen sich die Risse im einst so fest geschweißten Männerband. Kip lädt Ronny nicht ein, Lee, der sich breitschlagen ließ, zum ersten Mal auf einer Hochzeit von Freunden zu singen, ist stinksauer, und zu allem Überfluss bringt Lee auch noch seine neue Freundin Chloe mit, den Filmstar, mit dem er sich nach zahllosen Affären endlich eine Zukunft vorstellen kann, durch die die Hochzeit zu einem Paparazziauflauf verkommt und Lee sein letztes Stückchen Freiheit verliert. Nur Beth und Henry scheinen das erstrebenswerte Vorzeigepaar zu sein, das trotz finanzieller Sorgen mit der Farm mit seinen beiden Kindern unerschütterlich glücklich ist. Doch jeder trägt Unausgesprochenes mit sich herum, weit zurückliegende Geheimnisse, aktuelle Sorgen - und so manches Mal würden sie gern die Zeit zurückdrehen und etwas Verrücktes tun, ohne nachzudenken ... 

Meine Meinung: 
"Shotgun Lovesongs" ist Nickolas Butlers Debüt. 1979 in Allentown, Pennsylvenia, geboren, wuchs er in Eau Claire, Wisconsin, auf, der Gegend, wo er auch die Handlung seines Romans spielen lässt. Wie sein Protagonist Henry ist er verheiratet und hat zwei Kinder. 
Mit "Shotgun Lovesongs" legt er einen Roman vor, der Freundschaft, Liebe und Heimat auf ganzen fünf Erzählebenen beleuchtet. 
Ein heikles Unterfangen, denn jeder der fünf Freunde, Lee, Henry, Kip, Ronny und auch Beth, die Frau in der Runde, erzählt das aktuelle Geschehen bzw. seine Erinnerungen in der Ich-Perspektive. Die Anfangsbuchstaben ihrer Namen dienen dabei als Kapitelüberschrift und grenzen die Ebenen von einander ab. Dabei gelingt es Butler sehr gut, jedem Charakter eine eigene Stimme zu verleihen und dabei seiner gesamten Erzählung dennoch einen konstanten poetischen Ton zu geben. Jeder Charakter erhält Gelegenheit, über den anderen nachzusinnen, sich an gemeinsame Augenblick zu erinnern, während die Handlung um drei Hochzeiten herum voranschreitet und die Männer - in ihren Dreißigern - an ihre persönlichen Scheidepunkte führt. Vor der weiten Kulisse Wisconsins und doch eingeengt im Mief der Kleinstadt Little Wing, in der man scbon beinahe die verrosteten Schilder verlassener Geschäfte im Wind knarren hören kann, sucht jeder nach dem Sinn in seinem Leben und kann sich nur schwer von der Zeit lösen, in der sie alle noch zusammen waren, in den Feldern liegend, mit Bierkästen auf dem Pick-up. 
Dabei ist Hank zu Beginn bereits das, was den anderen noch bevorsteht: verheiratet, Vater. Er verkörpert mit seiner kraftvollen, wettergegerbten Erscheinung das Land, mit dem sie alle auf ihre Weise verbunden sind, das, wovon Leland auf seinen Tourneen singt, ohne dieses Leben wirklich zu leben. Kip hingegen ist der Businessmann, der eigentlich genausowenig dazupasst wie seine Frau Felicia, die er aus der Großstadt mitbringt. Was für Hank Verwurzelung bedeutet, scheint bei Kip Kalkül. Mit seinem Geld will er etwas erhalten, etwas aufbauen, was längst verloren ist, und erst Verluste und Trennungen lassen ihn erkennen, dass er sich damit verhebt. 
Dazwischen steht Ronny, der eigentlich nur noch hier ist, weil er weiß, dass Lee dann und wann zurückkehrt. Nach einem Sturz in volltrunkenem Zustand ist er nicht mehr der Mann, der er einmal war. In den anderen weckt er Beschützerinstinkt, aber kein Mitleid. Doch mit seiner Ausladung zu Kips Hochzeit zeigt sich, dass er wohl zum fünften Rad am Wagen geworden ist, eine Belastung, die zumindest Kip nicht zu wollen scheint. Und doch ist es Ronny ganz allein, der sein kleines Glück findet und sich auf seine Weise verwirklichen kann. 
Neben Hank erhält Lee die meiste Erzählzeit. Er ist das Bindeglied zwischen den Freunden. Derjenige, der - auf den ersten Blick - die große Freiheit genießt, aber nur einmal, während seiner kurzen Ehe mit Chloe, beinahe seine Verknüpfung mit seiner Herkunft verliert. Er kehrt immer zurück, verbeißt sich beinahe in seiner Heimat und verleiht der Vorstellung von einem authentischen Künstler ein Gesicht. Sein Ruhm wird kaum fassbar, im von Butler erzählten Ambiente wird er zu einer entthronten Gestalt, die nichts anderes will, als sich in Normalität einfügen. Er hält das Gefüge der Freunde zusammen, auch wenn er selbst durchaus daran rüttelt. Die Sehnsüchte und Emotionen aller scheinen sich in ihm zu kanalisieren, er unterstützt hier, greift da unter die Arme, liebt und streitet leidenschaftlich. Er hat ein Auge darauf, dass Ronny nicht rückfällig wird, und doch hängt er an jenen Tagen, als er in einem notdürftig konstruierten Studio seine großen Erfolg "Shotgun Lovesongs" schrieb und einsang. 
In diesem Zusammenhang wird Beth, die einzige Frau in der Geschichte, die eigene Erzählzeit erhält, zu einem Charakter, der leicht zur Klischeegestalt einer Dreiecksgeschichte hätte verkommen können. Butlers lebensnaher Schilderung einer bodenständigen Frau, die ihren Platz im Leben gefunden hat, ist es zu verdanken, dass genau das nicht passiert. Entscheidungen sind längst getroffen, doch sorgt sie für einen - verspäteten - wesentlichen Konflikt, der die beiden Freunde Hank und Lee konfrontiert und sie schlussendlich noch mal etwas richtig Dummes tun lässt, bevor das Erwachsenenleben weitergeht. 
Ich muss gestehen, dass ich zunächst Bedenken hatte, "Shotgun Lovesongs" könne "so ein Männerbuch" sein, voller weinseliger Sauftouren mit Bedauern des Erwachsenwerdens oder irrsinniger, kindischer Aktionen. "Shotgun Lovesongs" hingegen ist erwachsen, kommt ohne übermelancholische Töne aus und wirkt unmittelbar aus einem beliebigen ländlichen Alltag entsprungen (mit Ausnahme des nicht ganz alltäglichen berühmten Freundes), erzählt von einem Mann, der der Generation seiner Protagonisten angehört und ein einfühlsames Bild zeichnet, das auch Frauen gerne lesen dürften.
Dorothee Merkel liefert eine wunderbare Übersetzung, die der insgesamt behutsamen Erzählung Butlers mit all ihren starken Bildern, die Land und Charaktere lebendig werden lassen, eine poetische Stimme verleiht. "Shotgun Lovesongs" mutet dabei fast wie ein Roadmovie an, nur, dass es ohne Schauplatzwechsel auskommt und das Leben mit seinen Bindungen, Trennungen, Konflikten und Unsicherheiten selbst zum Roadmovie macht. 

Fazit: 
Einnehmende Geschichte um Männerfreundschaften und ihre Herausforderungen - eine Geschichte, die zu singen scheint, Tränen und Lächeln ins Gesicht zaubert und als sanfter Duft von Getreide und Schnee nachhallt. Ein Roman so klangvoll und warmherzig wie der späte Sommer.

Gesamteindruck:
5 von 5 Weißdornzweigen




  • Gebundene Ausgabe: 432 Seiten
  • Verlag: Klett-Cotta; Auflage: 1., Aufl. (23. September 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3608980083
  • ISBN-13: 978-3608980080
  • Neupreis: 19,95 €

Sonntag, 8. September 2013

Liegengeblieben ...

... sind nach Beendigung ein paar (Hör)Bücher, bei denen mir einfach die Zeit oder Lust zur ausführlichen Besprechung fehlt.

Vorstellen will ich sie aber trotzdem kurz. 

(c) carl's books / der Hörverlag

"80 Days - Die Farbe der Begierde" von Vina Jackson
Band 2 der Geschichte um die Violinistin Summer und den Universitätsdozenten Dominik

Beide haben sich nun doch zu einer Beziehung entschlossen und sind in New York zusammengezogen. Lange hält das Glück nicht, denn Summer schafft den Durchbruch als Solistin und bekommt die einmalige Chance auf eine Tour. Dominik, der sein Forschungsstipendium nutzt, um einen Roman zu schreiben, bleibt zurück, und bald suchen beide neue Wege. Auch Lauralynn und Victor, die uns im ersten Teil schon begegnet sind, sind wieder mit von der Partie. Vor allem Victor kann seine Machenschaften nicht lassen. 
Bei mir ist leider die Luft raus. Ich kann mich weder mit Summer noch mit Dominik anfreunden. Nachdem ich Summer in Band 1 noch als aufgeschlossen, aber noch etwas unbedarft empfunden habe, geht mir ihre ständige Unzufriedenheit einfach nur auf die Nerven. Dominik wiederum lässt mir zu sehr den betuchten Macker raushängen, zwar spielt er mit Summer, probiert sich als Dom aus, aber sympathisch wird er mir nicht. Das Autorenpaar überzeugt sprachlich zwar immer noch, findet ein gutes Mittelmaß zwischen gewählter Sprache und Vulgärem, zieht für meine Begriffe aber die Story einfach nur in die Länge, immerhin muss für Summer und Dominik noch Band 3 her. Auch bei der Hörbuchumsetzung knickte ich langsam ein. Annina Braunmiller (Synchronstimme von Kristen Stewart) gibt Summer den passenden jugendlichen Touch, was aber leider nicht hilfreich ist, wenn man von der Handlung genervt ist. Zum Ende hin, muss ich leider sagen, konnte ich die Sprecherin kaum noch hören. Vielleicht hatte ich dadurch den Eindruck, dass Summers Passagen gegenüber Dominiks überwiegen. Burchard Dabinnus lässt Dominik wieder recht ältlich wirken, besänftigt aber mit angenehmem Timbre - auch in expliziten Szenen. 
Für mich war es das leider mit 80 Days. Band 3 habe ich mir zwar noch als Hörbuch gegönnt, aber da höre ich doch lieber erst einmal anderes. 
Stellenweise bemüht wirkende Fortsetzung, der der Charme und das Prickeln des Vorgängers fehlen und die ihre Charaktere trotz neuer Erfahrungen in der Luft hängen lässt.

(c) FISCHER Scherz / argon Hörbuch

"Gone Girl" von Gillian Flynn

Der Psychothriller, der zurzeit in aller Munde ist. 
Für Amy und Nick Dunne ist die New Yorker Blase geplatzt. Nach Jobverlust zieht das Ehepaar in Nicks Heimatstadt in Missouri. Vom hippen Leben hinein in die Metropole von Arbeitslosigkeit und Hausfrauen. Man arrangiert sich, kauft eine Bar, sattelt um, und dann, just am fünften Hochzeitstag, ist Amy verschwunden. Zunächst sieht alles nur nach der üblichen Schnitzeljagd aus, die die Enddreißigerin mit viel Sinn für Romantik für ihren Ehemann veranstaltet. Doch dann ist da Blut, das jemand zu beseitigen versuchte, Spuren eines Kampfes, und Amy bleibt verschwunden. Der Verdacht ruht bald auf Nick.
Auch wenn ich es mit Psychothriller nicht so habe, verpulverte ich dann doch mein Hörbuchguthaben für diesen Roman, weil mich die allgemeinen Stimmen neugierig machten. Wunderbar wortgewandt lässt Gillian Flynn ihre Protagonisten Nick und Amy jeweils in der Ich-Form erzählen. Christiane Paul und Matthias Koeberlin vertonen die ungleichen Ehepartner gekonnt. Koeberlin mit dem nötigen Sarkasmus, Paul gratwandernd zwischen jugendlich aufgekratzt und heimtückisch. Abwechselnd geben Nick das aktuelle Geschehen um Amys Verschwinden und Amy ihre Erinnerungen in Form von Tagebuchaufzeichnungen zum besten. Und immer wieder überrascht Gillian Flynn mit Wendungen, die ihren Roman zu einem detailreichen Psychogramm einer Ehe geraten lassen, in dem die Lesersympathien von einem Team zum nächsten und wieder zurück wechseln. Überspitzt und doch so manches Mal erschreckend realistisch seziert sie vor dem Hintergrund der Verdachtswolke eines Kriminalfalls eine Beziehung in der offenbar  nichts ist, wie es scheint. Dabei ist "Gone Girl" überraschend unspannend, hat keine Schnappatmung verursachenden Schreckensmomente, sondern schreitet analytisch ruhig voran. Die 576 Seiten, verteilt auf mehr als 17 Hörstunden, spürt man allerdings nach einer Weile, und ich war dann ehrlich froh, dass es vorbei war. 
Psychologisch detailliert ausgeklügelte Geschichte mit ausgezeichnetem sprachlichem Gespür. Leider etwas länglich. 

(c) Goldmann
"Sprichst du noch oder kommunizierst du schon" von Wiglaf Droste
Kurzbeschreibung: 
"Brillante neue Glossen von Deutschlands witzigstem Sprachkritiker. Das meist verwendete deutsche Wort heißt „Ömm“, davon bekommt man das „Burnout-Syndrom“ und zwar „absolut“ und „definitiv“. Viel „Identität“ ist den Deutschen „weggebrochen“, die ihre Erfahrungen aber auch „auf ihren Alltag runterbrechen“ müssen, während Politiker „die Menschen abholen“ oder „mitnehmen“ wollen, wohin auch immer. Wo alles „im Check“ ist, erscheint es als „zielführend“, schon „im Vorfeld“ eines „Veteranentages“ die alten „Kameraden“ zu rehabilitieren, und das selbstverständlich „zeitnah“." (Quelle: Goldmann)
Ich habe vorher noch keines der Bücher von Wiglaf Droste gelesen, aber als ich so im Buchladen herumstöberte, musste dieses gelbe Büchlein einfach mit. Hach, wie habe ich gelacht ... und beim nächsten Lektoratsjob den Rotstift gezückt. 
Die Lektüre empfehle ich all jenen, die unseren alltäglichen Sprachunsinn für das stylische Maß aller Dinge halten. Sich selber mal "aufs Maul zu schauen" ist nie verkehrt. 


Samstag, 7. September 2013

... über "Ein Fest im Sommer" von Erica Bauermeister


Was für den einen eine Kleinigkeit ist, kann das Leben des anderen verändern.

(c) Page & Turner / Bildlink zu Amazon
Zum Inhalt:
Kate hat es geschafft. Sie hat den Krebs besiegt. Tochter Robin und ihre sechs Freundinnen immer an ihrer Seite. Nun kann sie an einem Sommerabend endlich ihr Siegesfest feiern, mit den Menschen, die ihr am wichtigsten sind. Als Krönung überreicht Robin ihr ein ganz besonderes Geschenk: einen Gutschein für eine Rafting-Tour im Grand Canyon. Und Kate geht mächtig die Muffe. Deshalb ringt sie ihren Freundinnen ein Versprechen ab. Sie wird sich nur dann im kommenden Sommer mit Robin in ein Schlauchboot begeben, wenn ihre Freundinnen bis dahin ebenfalls über ihre Schatten springen und tun, wovor sie sich immer gedrückt haben. Aussuchen wird die jeweiligen Aufgaben Kate, und so liegt für Caroline, Daria, Sara, Hadley, Marion und Ava ein Jahr voller Ereignisse und Erkenntnisse ... 

Meine Meinung: 
Mit dem Umschlag von Erica Bauermeisterns "Ein Fest im Sommer" konnte ich mich eher anfreunden als mit dem Titel. Die abgebildeten Tulpen verströmen eine fröhliche Stimmung, während die Zitronen mich an typisch amerikanische Zitronenlimonade erinnern. Immerhin spielt der Roman hauptsächlich in Seattle. Über die gesamte Lektüre hinweg haderte ich allerdings mit dem deutschen Titel. Im Original heißt der Roman, der der zweite Roman der Autorin ist, "Joy for Beginners", der mir (immer noch) stimmiger erscheint. Erica Bauermeisters Roman beginnt zwar mit einem Fest, eigentlich eher einer Feier unter Freunden mit der emotionalen Konnotation eines Festes, ansonsten aber geht es im weiteren Verlauf weder festlich noch sommerlich zu. Zumindest nicht auf den ersten Blick. 
Erica Bauermeister hat sich ein schweres Thema als Rahmen für ihren Episodenroman gewählt, der aber, und darauf deuten eben Umschlag und Titel sehr schlüssig hin, das Leben zelebriert. 
Dazu stellt sie ganz unterschiedliche Frauen einander gegenüber, die beste Freundinnen sind, auch wenn sie ganz unterschiedliche Lebensinhalte und Hintergründe haben und auch unterschiedlich alt sind. Die Leserin wird somit leicht einen Charakter finden, mit dem sie sich gern identifiziert. Sei es die Mehrfachmutter, die ihre eigenen Träume immer wieder vertagt hat, oder die Karrierefrau, die es weg von der Heimat in die Glitzerwelt zog, um nicht ein Leben lang mit dem frühen Verlust der Mutter konfrontiert zu sein. 
Diese vielen Figuren erschweren es jedoch auch einigermaßen, den Roman zu rekapitulieren, ohne zu viel preiszugeben, zumal jede Figur ihre eigene Episode erhält, in den übrigen aber nicht zwangsläufig auftreten muss.
Mir persönlich waren sieben Charaktere auf 317 Seiten schon sehr viele, sodass der Eindruck zurückbleibt, jeder Charakter sei nur angerissen worden. 
Alle Charaktere sind jedoch miteinander verknüpft, sodass sich ihre jeweiligen Episoden nicht losgelöst lesen. So sind sie entweder miteinander zur Schule gegangen, miteinander verwandt oder anderweitig befreundet. Sie bilden eine bunte Mischung, die trotz aller Unterschiede zusammenhält wie Pech und Schwefel. Kates Krebserkrankung wird nur in Rückblenden und Erinnerungen thematisiert, als Vergangenes und mit dem festen Willen, nach vorn zu blicken. Dadurch wird dem Roman viel Schwere genommen, ohne jedoch die Ernsthaftigkeit des Themas auszuklammern. Mit jeder Episode zeigt sich, wie gut Kate ihre Freundinnen kennt und um ihre Ängste und Zweifel weiß, denn ganz zielstrebig wählt sie Aufgaben aus, die ihnen ein neues Leben schenken. Ganz so, wie ihr ein neues Leben geschenkt wurde. Nie schwenkt sie den erhobenen Zeigefinger, nie zwingt sie, und doch öffnet sie ihren Freundinnen die Augen, und immer wieder zeigt sich ihr freundschaftliches Band, denn auch bei der Bewältigung scheinbar noch so kleiner Aufgaben geben die Frauen einander Rückenhalt.
So gibt Kate ihrer Freundin Caroline beispielsweise die Aufgabe, endlich die Bücher ihres Ex-Mannes auszusortieren. Etwas, das vollkommen banal scheint, wird für die Frau, die beruflich tagtäglich mit Büchern zu tun hat, zu einer Aufgabe, die sie mit ihrer gescheiterten Ehe konfrontiert und an emotionale Grenzen bringt, die es zu überwinden gilt. 
Erica Bauermeister erörtet genau diese vermeintlichen Kleinigkeiten feinfühlig und klug, regt an, die eigenen Ängste zu hinterfragen. Damit legt sie ein Buch vor, das einen nicht so schnell loslässt und gerne mehrmals gelesen werden kann.

Fazit: 
Mit feinem Gespür für die kleinen Dinge im Leben erzählter Roman über Ängste, Freundschaft und Kraft, der mit lebendigen, lebensnahen Figuren punktet, aber durch episodenweise Betrachtung von zu vielen Charakteren nicht immer ganz rund wirkt. 
Ein Roman, der schmunzeln lässt, zu Tränen rührt und vor allem das Leben feiert und nachklingt. 

Gesamteindruck: 
4 von 5 Weißdornzweigen 





Buchdaten:
  • Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
  • Verlag: Page & Turner (22. April 2013)
  • Sprache: Deutsch, übersetzt von Andrea Brandl
  • ISBN-10: 3442203538
  • ISBN-13: 978-3442203536
  • Originaltitel: Joy for Beginners
  • Neupreis: 16,99 € (D) 
  • Auch als E-Book erhältlich.  

Montag, 2. September 2013

... über "Wie Sonne und Mond" von Nicole Walter

Nicole Walter

Schwestern zwischen Vergangenheit, Verzeihen und Neuanfang

(c) Droemer-Knaur /
Bildlink zu Amazon
Zum Inhalt:
Vor zwanzig Jahren kehrte Birgit ohne ihre Schwester Kira aus Ibiza zurück. Seitdem ist die Schwester nichts mehr als Postkarten - nicht Ansichtskarten - aus aller Welt, wie die Poststempel verraten. Doch nun kehrt Lebefrau Kira zurück an den Starnberger See, geflohen von ihrer Wahlheimat Ibiza. Im Gepäck hat sie nur den Ballast der Vergangenheit, aber kaum eingetroffen, sieht sie, dass das Leben weitergegangen ist. Birgit ist Mutter, hat zwei Kinder, Pippa und Henry, und sie ist verheiratet. Ausgerechnet mit Tom, in den Kira vor zwanzig Jahren selbst bis über beide Ohren verliebt war. Obwohl oder weil das längst nicht alle Nachrichten sind, mit denen Kira konfrontiert wird, beschließt sie, zu bleiben. Genau da. In ihrem Elternhaus, umgebaut von Tom und Birgit, modern und doch ein Stück Zuhause. Zwangsläufig kommen die Schwestern nicht um die Aufarbeitung ihrer Vergangenheiten herum, und während Kira sich wie ein Wirbelwind in ihrer alten Heimat einlebt, wachsen in der daheimgebliebenen Mutter Birgit Zweifel: Lebt sie wirklich das Leben, das sie sich immer erträumt hat?

Meine Meinung: 
Nicole Walters "Wie Sonne und Mond" macht äußerlich einen recht nüchternen Eindruck, mit weißem Hintergrund und exotischer Sternfrucht, Blutorange (?) im Kontrast zu einer Birne. Vielleicht Ibiza auf der einen Seite, Deutschland auf der anderen. Der Umschlag ist leise wie der Roman, verheißt aber kaum die schwer lastende Dramatik der Geschichte. 
Viel lässt sich gar nicht schreiben zu "Wie Sonne und Mond", denn überall lauern die Fettnäpfchen, dass man zu viel verrät. 
Der Inhalt des Romans ist gar nicht so nüchtern und erst recht nicht schwarz-weiß. 
Für die Moralapostel unter uns LeserInnen ist "Wie Sonne und Mond" nämlich nur bedingt geeignet. Vor allem Kira ist ein einigermaßen kontroverser Charakter. 
Zugegeben, sie ist eine Frau mit viel Gepäck, aber auch eine Frau, die für den einen oder anderen Aufreger sorgt, die man aber, geht man einmal in sich, durchaus verstehen kann und die einem, nach einem langen Weg, einen versöhnlichen Blick aufs Leben zeigt.
Der Roman startet bereits mit zwiespältigen Gefühlen, nämlich mit Kiras Weggang von Ibiza. Wir erleben eine Frau, die am Ende ihrer Kräfte ist und schlussendlich einfach davonläuft. Aber anstatt sich zu offenbaren, wirbelt sie "zuhause" erst einmal Staub auf. Ganz bewusst, und doch wirkt sie wie ein trotziges kleines Kind, das sein Eis nicht bekommt. 
Damit tat ich mich leider sehr schwer, sodass ich mich durch das erste Drittel des Buches regelmäßig durchquälen musste. Obwohl ich anfangs ein Tränchen verdrücken musste, so sehr gingen mir Kiras Verzweiflung, Geldnöte und Ängste ans Herz, kam ich mit der Art und Weise, wie sie sich bei ihrer Schwester einnistet, nicht zurecht. Diese Ressentiments, der innere Grolle, mit dem sie der Schwester unausgesprochen zum Vorwurf machte, ihr den Mann gestohlen und sie auch noch um ihr Erbe betrogen zu haben, machten sie mir schlichtweg unsympathisch. 
Dass man sich nach zwanzig Jahren und all den unausgesprochenen Ereignissen, die im Verlaufe der Geschichte zutage treten, nicht um den Hals fällt und sich bei einem netten Plausch bei einem Gläschen Rotwein alles in Wohlgefallen auflöst, ist nur verständlich, aber Nicole Walter nimmt sich in ihrem nur 346 starken Roman sehr viel Zeit, um die Charaktere misstrauisch umeinander herumtanzen zu lassen. 
So fühlt sich Birgit, die Protagonistin mit Identifikationspotential für alle Ehefrauen und Mütter, die ihren Platz im Leben gefunden zu haben meinen, Verantwortung nicht nur als Wort kennen, viel zu lange von Kira bedroht und stolpert buchstäblich in eine Identätskrise, die zusätzlich vom Alltagsgepäck geschürt wird, das die zweifache Mutter ohnehin bereits mit sich herumschleppt. Da ist einmal die demenzkranke Mutter, die über Seiten hinweg namenlos bleibt und tatsächlich  nur "Mutter" genannt wird, bevor sie endlich Namen und Substanz erhält und dem Roman sogar ein wenig Farbe verleiht. Und da ist ein noch unerklärter Knoten, den Birgit vor Kurzem in ihrer Brust ertastet hat. Vor allem letzteres sorgt für Ängste und ist nicht unwesentlich an einem Prozess des Aufwachens aller Parteien beteiligt. Dennoch hatte ich das Gefühl, dass dieser Handlungsstrang mehr den Zweck verfolgte, Nebenfigur Mia, Birgits beste Freundin, mehr Spielzeit zu geben und die Freundschaft der beiden Frauen dem Leser näher zu bringen, damit wiederum ein weiterer Kira-Plot besser unter die moralische Lupe genommen werden kann. Und doch wirkt Birgit neben Kira bis zum Schluss wie die sprichwörtliche graue Maus, zu selten darf sie mal aus der Haut fahren, zu selten sie selbst sein.
Erst im letzten Drittel seziert die Autorin schlussendlich die Beziehung der Schwestern mit besonders feinem Gespür, dröselt auf, was damals auf Ibiza geschah, rückt die Männercharaktere in ein eigenes Licht und schafft es, Kira aus der Ecke zu holen, in die ich sie längst abgeschoben zu haben glaubte. Gewissermaßen heilt sie und stimmt versöhnlich. Sie verdeutlicht, dass das Leben eben seine eigenen Wege geht und Vergangenes auch endlich mal vergangen sein darf. Für Neuanfänge ist es nie zu spät. 
Für mich aber war es leider zu spät, in pure Begeisterung auszubrechen, sodass "Wie Sonne und Mond" mir den Leseherbst trotz seiner wahren Lebenserkenntnisse eher beiläufig einleitet.

Fazit: 
Routiniert, schnörkellos erzählter Roman um zwei ungleiche Schwestern, die sehr lebensnah und kontrastreich geschildert werden, aber nicht vordergründig um Lesersympathie feilschen. Leider nimmt der dramatische Ballast stellenweise überhand und sorgt für Längen, die jedoch von einem nicht kategorisch schwarz-weißem Ausgang und scharfsinnig analysierten Figurenbindungen wieder wettgemacht werden. 
Ein durchaus tiefgründiges Buch, für das man allerdings in Stimmung sein muss. Ich war es leider nicht.  

Gesamteindruck: 
3 von 5 Weißdornzweigen





Buchdaten
  • Taschenbuch: 352 Seiten
  • Verlag: Knaur TB (2. September 2013)
  • Umschlaggestaltung: ZERO Werbeagentur, München
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426511444
  • ISBN-13: 978-3426511442
  • Neupreis: 9,99 € (D) 
  • Auch als E-Book erhältlich. 

Sonntag, 1. September 2013

... über "Lieber George Clooney, bitte heirate meine Mutter" von Susin Nielsen

Susin Nielsen

Unterhaltsamer Mädchenroman mit tiefsinniger Botschaft

(c) Carlsen / Bildlink zu Amazon
Zum Inhalt:
Violet hat die Nase voll. Inzwischen sind ihre Eltern zwei Jahre geschieden, aber während Vater Ian seine Affäre zu Ehefrau Nr. 2 machte und mit ihr in L.A. ein neues Leben begonnen hat, wandert ihre Mutter Ingrid von einem Mann zum nächsten. Nicht nur dürfen Violet und ihre fünfjährige Schwester Rosie nun zu Besuch ins Hollywood-Kleinkindparadies ihres Vaters und seiner Neufamilie einfliegen, nein, Mutters Männerwahl lässt gewaltig zu wünschen übrig. Als die Zwölfjährige herausfindet, dass ihre Mom einmal als Hairstylistin am Set eines George-Clooney-Films gearbeitet hat, kommt ihr plötzlich die zündende Idee. George Clooney ist doch tausendmal besser als Stiefvater geeignet als die seltsamen Kerle, die ihre Mutter seit der Scheidung angeschleppt hat. Vor allem der Neue, der mit Nachnamen heißt wie ein Würstchen, macht sich hartnäckig breit. Und plötzlich kann Violet gar nicht schnell genug zu ihrem Dad, der in Hollywood gerade als Regisseur einen Serienpiloten dreht, just in Nachbarschaft von Clooneys neuestem Film. Da muss es doch wohl drin sein, den Star zu treffen und ihn von ihrem Ehestiftungsvorhaben zu überzeugen. Aber erst einmal schreibt Violet ihm einen Brief.

Meine Meinung:
Obwohl ich nun wirklich nicht mehr in die anvisierte Altersgruppe von 12 bis 15 Jahren falle, bin ich froh, dass ich Gelegenheit hatte, diesen Roman zu lesen, denn er hätte mich auch im betreffenden Alter gut unterhalten. 
Die Verpackung von Susin Nielsens Roman ist erfreulich unkitschig. Das Rosa schreit nicht zu sehr, und die kleinen Schnörkel in den Ecken lassen mich an meine alten Tagebuchverzierungen denken. Die Titelschrift würde ich nun nicht unbedingt einer Zwölfjährigen in die Schuhe schieben, aber darauf kommt es weniger an. Die Idee des eingepackten Hochzeitstortenmannes mit dem (überflüssigen) Aufkleber "Zum Muttertag" ist nett, wenn auch ein bisschen zuckrig, und passt auch zu Violets Idee, ihrer Mutter quasi einen allseits vorgeformten Mann zu besorgen, dessen Vorteile jeder schon zu kennen glaubt. Die Umschlagversion der englischen Fassung, die auf der Homepage der Autorin zu sehen ist, gefällt mir im Übrigen nicht so gut, da sie mir zu jungenhaft wirkt, auch wenn die Schuhe tatsächlich im Buch vorkommen.
Die Autorin Susin Nielsen ist außerdem Drehbuchautorin und hat unter anderem für die kurzlebige, aber preisgekrönte kanadische Fernsehserie "Degrassi Junior High" geschrieben. 16 Folgen von Degrassi Junior High und Degrassi High sowie vier begleitende Bücher zu den Serien stammen aus ihrer Feder.
Mit "Lieber George Clooney, bitte heirate meine Mutter", ihrem zweiten YA-Roman nach drei Kinderbüchern, begibt sie sich auf heimisches TV-Terrain, indem sie die Eltern ihrer Protagonistin in der Branche tätig werden lässt. Besonders Vater Ian steckt als Regisseur mittendrin. Neben der Geschichte um Scheidungskinder zeichnet die Autorin auch ein interessantes Bild der kanadischen Fernsehlandschaft, in der hochgelobte Serien produziert werden, die dann aber doch nicht Fuß fassen können. Die kleinen Einblicke vom Set nehmen nicht überhand, machen aber die Fernsehwelt ein bisschen greifbarer, sodass Violets eigentlich ziemlich abstruse Clooney-Idee schon beinahe nicht mehr so abwegig wirkt. 
Mutter Ingrid hingegen verdient ihre Brötchen "nur" als Hairstylistin, inzwischen allerdings eher außerhalb der Studios.
Ich-Erzählerin Violet ist eine realistische Zwölfjährige. 
Mir gefiel, dass die Autorin sie als eher durchschnittlich zeichnet, lang und dürr, in einem Zustand, in dem die Proportionen nicht zusammenpassen, und dazu noch recht kindlich. Violets Durchschnittlichkeit wirkt hierbei aber keineswegs erzwungen (weil die Protagonistin ja immer durchschnittlich und mausgrau sein muss), sondern so, dass man sich durchaus mit ihr identifizieren kann. Violet kam mir an keiner Stelle stereotyp vor. Vielmehr ist sie eines von unzähligen Scheidungskindern, bietet aber auch ohne dieses Attribut Identifikationspotenzial für die junge Leserin. Ein neuer Junge an der Schule, Erzfeindin, Facebook (obwohl ich davon ausgegangen bin, das sei erst ab 13) und eine beste Freundin machen Violet zu einem lebendigen Charakter. Jungs sind marginal interessant, verursachen aber schon mal leichtes Erröten, und natürlich ist da auch noch eine beste Freundin, Phoebe, mit der Violet auf die verrücktesten Ideen kommt. Außerdem befindet sich Violet in einer sehr realistischen Zwickmühle auf dem Weg zum Erwachsensein. Sie trägt bereits viel Verantwortung, indem sie sich um ihre Schwester Rosie kümmert. Die wiederum trägt nachts heimlich noch Windeln, weil sie noch einnässt. Ein Geheimnis, das sie nur Violet anvertraut. Gleichzeitig zeigt sich Violet immer wieder sehr unreif. Beispielsweise zu Beginn der Geschichte, als sie ihre zweijährigen Stiefschwestern Katzenkot essen lässt, weil sie schlichtweg wütend ist, dass ihr Vater eine neue Familie mit neuem schicken Heim hat und auch noch weit weg in Hollywood lebt anstatt irgendwo um die Ecke in Vancouver. Da kann selbst die glitzernde Traumstadt (noch) nicht punkten. Auch Rosie bekommt Violets Unausgeglichenheit hin und wieder zu spüren. 
Zu Lebendigkeit der Charaktere tragen auch die Freundinnen der Mutter bei, die einfach zur Familie gehören und sich mit in die Geschichte einfügen. Im Grunde sind sie ein bunter Haufen, dem es zu verdanken ist, dass die Charaktere trotz des ernsten Hintergrundes nicht zu tragischen Gestalten verkommen, sondern absolut menschlich wirken. Einfache Verhältnisse und Figuren von "nebenan" dominieren, wodurch ein starker Kontrast zu dem (hypothekenbelasteten, kreditkartenfinanzierten) Leben von Violets Vater in L.A. entsteht.
Violets Idee, ihre Mutter mit George Clooney zu verkuppeln, ist verrückt und niedlich zugleich. Sie zieht zwei amüsante Briefe an den Hollywood-Star und eine waghalsige Aktion nach sich, die ein Schmunzeln entlocken und das ernste Thema auflockern. Man ertappt sich tatsächlich dabei, dass man es kaum erwarten kann, ob Violet Erfolg haben und vielleicht sogar George Clooney treffen wird. 
Susin Nielsen unterlässt es selbstverständlich nicht, ihre Protagonistin schlussendlich wichtige Erkenntnisse aus dieser natürlich unrealistischen Idee und den sich daraus ergebenen Ereignissen ziehen zu lassen. Natürlich auch mit Hilfe von Freunden und Familie. Showdown und Ende wirken wie aus einer TV-Serie entsprungen, hinterlassen aber ein Lächeln. Lektüre mit Botschaft, die zufriedenstellt.
Ich störte mich allerdings daran, dass die Geschichte sich über einen recht kurzen Zeitraum erstreckt und Violet naturgemäß einige Zeit braucht, um die Vorgeschichte zu erläutern, damit der Leser ein umfassendes Bild erhält. Daher erschien mir der Endspurt des 203 starken Romans etwas hastig, wie bei einer Fernsehserie, deren Schöpfer erst kurz vor der Angst erfahren haben, dass es keine neue Staffel geben wird. Dennoch hat "Lieber George Clooney, bitte heirate meine Mutter" keine echten Längen und ist ein kurzweiliges Lesevergnügen für die Ferien oder ein hausarbeitenfreies Wochenende. Und sollte das Buch je filmisch umgesetzt werden, möge George Clooney doch bitte den Cameo-Auftritt seines Lebens hinlegen :)

Fazit: 
Unterhaltsam erzählter Jugendroman mit ernsten Untertönen, gut durchdachter, authentischer Protagonistin und netten, kleinen Twists, aber auch mit einem Hauch zuviel Fernsehserien-Feeling.

Gesamteindruck:
4 von 5 Weißdornzweigen 





Buchdaten:
  • Gebundene Ausgabe: 216 Seiten
  • Verlag: Carlsen (25. Juni 2013)
  • Sprache: Deutsch, übersetzt von Brigitte Jakobeit
  • Umschlaggestaltung: Kerstin Schürmann, formlabor
  • ISBN-10: 3551583005
  • ISBN-13: 978-3551583000
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: 12 - 15 Jahre
  • Neupreis: 13,00 € (D) 
  • Auch als E-Book erhältlich.
  

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