Samstag, 7. September 2013

... über "Ein Fest im Sommer" von Erica Bauermeister


Was für den einen eine Kleinigkeit ist, kann das Leben des anderen verändern.

(c) Page & Turner / Bildlink zu Amazon
Zum Inhalt:
Kate hat es geschafft. Sie hat den Krebs besiegt. Tochter Robin und ihre sechs Freundinnen immer an ihrer Seite. Nun kann sie an einem Sommerabend endlich ihr Siegesfest feiern, mit den Menschen, die ihr am wichtigsten sind. Als Krönung überreicht Robin ihr ein ganz besonderes Geschenk: einen Gutschein für eine Rafting-Tour im Grand Canyon. Und Kate geht mächtig die Muffe. Deshalb ringt sie ihren Freundinnen ein Versprechen ab. Sie wird sich nur dann im kommenden Sommer mit Robin in ein Schlauchboot begeben, wenn ihre Freundinnen bis dahin ebenfalls über ihre Schatten springen und tun, wovor sie sich immer gedrückt haben. Aussuchen wird die jeweiligen Aufgaben Kate, und so liegt für Caroline, Daria, Sara, Hadley, Marion und Ava ein Jahr voller Ereignisse und Erkenntnisse ... 

Meine Meinung: 
Mit dem Umschlag von Erica Bauermeisterns "Ein Fest im Sommer" konnte ich mich eher anfreunden als mit dem Titel. Die abgebildeten Tulpen verströmen eine fröhliche Stimmung, während die Zitronen mich an typisch amerikanische Zitronenlimonade erinnern. Immerhin spielt der Roman hauptsächlich in Seattle. Über die gesamte Lektüre hinweg haderte ich allerdings mit dem deutschen Titel. Im Original heißt der Roman, der der zweite Roman der Autorin ist, "Joy for Beginners", der mir (immer noch) stimmiger erscheint. Erica Bauermeisters Roman beginnt zwar mit einem Fest, eigentlich eher einer Feier unter Freunden mit der emotionalen Konnotation eines Festes, ansonsten aber geht es im weiteren Verlauf weder festlich noch sommerlich zu. Zumindest nicht auf den ersten Blick. 
Erica Bauermeister hat sich ein schweres Thema als Rahmen für ihren Episodenroman gewählt, der aber, und darauf deuten eben Umschlag und Titel sehr schlüssig hin, das Leben zelebriert. 
Dazu stellt sie ganz unterschiedliche Frauen einander gegenüber, die beste Freundinnen sind, auch wenn sie ganz unterschiedliche Lebensinhalte und Hintergründe haben und auch unterschiedlich alt sind. Die Leserin wird somit leicht einen Charakter finden, mit dem sie sich gern identifiziert. Sei es die Mehrfachmutter, die ihre eigenen Träume immer wieder vertagt hat, oder die Karrierefrau, die es weg von der Heimat in die Glitzerwelt zog, um nicht ein Leben lang mit dem frühen Verlust der Mutter konfrontiert zu sein. 
Diese vielen Figuren erschweren es jedoch auch einigermaßen, den Roman zu rekapitulieren, ohne zu viel preiszugeben, zumal jede Figur ihre eigene Episode erhält, in den übrigen aber nicht zwangsläufig auftreten muss.
Mir persönlich waren sieben Charaktere auf 317 Seiten schon sehr viele, sodass der Eindruck zurückbleibt, jeder Charakter sei nur angerissen worden. 
Alle Charaktere sind jedoch miteinander verknüpft, sodass sich ihre jeweiligen Episoden nicht losgelöst lesen. So sind sie entweder miteinander zur Schule gegangen, miteinander verwandt oder anderweitig befreundet. Sie bilden eine bunte Mischung, die trotz aller Unterschiede zusammenhält wie Pech und Schwefel. Kates Krebserkrankung wird nur in Rückblenden und Erinnerungen thematisiert, als Vergangenes und mit dem festen Willen, nach vorn zu blicken. Dadurch wird dem Roman viel Schwere genommen, ohne jedoch die Ernsthaftigkeit des Themas auszuklammern. Mit jeder Episode zeigt sich, wie gut Kate ihre Freundinnen kennt und um ihre Ängste und Zweifel weiß, denn ganz zielstrebig wählt sie Aufgaben aus, die ihnen ein neues Leben schenken. Ganz so, wie ihr ein neues Leben geschenkt wurde. Nie schwenkt sie den erhobenen Zeigefinger, nie zwingt sie, und doch öffnet sie ihren Freundinnen die Augen, und immer wieder zeigt sich ihr freundschaftliches Band, denn auch bei der Bewältigung scheinbar noch so kleiner Aufgaben geben die Frauen einander Rückenhalt.
So gibt Kate ihrer Freundin Caroline beispielsweise die Aufgabe, endlich die Bücher ihres Ex-Mannes auszusortieren. Etwas, das vollkommen banal scheint, wird für die Frau, die beruflich tagtäglich mit Büchern zu tun hat, zu einer Aufgabe, die sie mit ihrer gescheiterten Ehe konfrontiert und an emotionale Grenzen bringt, die es zu überwinden gilt. 
Erica Bauermeister erörtet genau diese vermeintlichen Kleinigkeiten feinfühlig und klug, regt an, die eigenen Ängste zu hinterfragen. Damit legt sie ein Buch vor, das einen nicht so schnell loslässt und gerne mehrmals gelesen werden kann.

Fazit: 
Mit feinem Gespür für die kleinen Dinge im Leben erzählter Roman über Ängste, Freundschaft und Kraft, der mit lebendigen, lebensnahen Figuren punktet, aber durch episodenweise Betrachtung von zu vielen Charakteren nicht immer ganz rund wirkt. 
Ein Roman, der schmunzeln lässt, zu Tränen rührt und vor allem das Leben feiert und nachklingt. 

Gesamteindruck: 
4 von 5 Weißdornzweigen 





Buchdaten:
  • Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
  • Verlag: Page & Turner (22. April 2013)
  • Sprache: Deutsch, übersetzt von Andrea Brandl
  • ISBN-10: 3442203538
  • ISBN-13: 978-3442203536
  • Originaltitel: Joy for Beginners
  • Neupreis: 16,99 € (D) 
  • Auch als E-Book erhältlich.  

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