Sonntag, 8. September 2013

Liegengeblieben ...

... sind nach Beendigung ein paar (Hör)Bücher, bei denen mir einfach die Zeit oder Lust zur ausführlichen Besprechung fehlt.

Vorstellen will ich sie aber trotzdem kurz. 

(c) carl's books / der Hörverlag

"80 Days - Die Farbe der Begierde" von Vina Jackson
Band 2 der Geschichte um die Violinistin Summer und den Universitätsdozenten Dominik

Beide haben sich nun doch zu einer Beziehung entschlossen und sind in New York zusammengezogen. Lange hält das Glück nicht, denn Summer schafft den Durchbruch als Solistin und bekommt die einmalige Chance auf eine Tour. Dominik, der sein Forschungsstipendium nutzt, um einen Roman zu schreiben, bleibt zurück, und bald suchen beide neue Wege. Auch Lauralynn und Victor, die uns im ersten Teil schon begegnet sind, sind wieder mit von der Partie. Vor allem Victor kann seine Machenschaften nicht lassen. 
Bei mir ist leider die Luft raus. Ich kann mich weder mit Summer noch mit Dominik anfreunden. Nachdem ich Summer in Band 1 noch als aufgeschlossen, aber noch etwas unbedarft empfunden habe, geht mir ihre ständige Unzufriedenheit einfach nur auf die Nerven. Dominik wiederum lässt mir zu sehr den betuchten Macker raushängen, zwar spielt er mit Summer, probiert sich als Dom aus, aber sympathisch wird er mir nicht. Das Autorenpaar überzeugt sprachlich zwar immer noch, findet ein gutes Mittelmaß zwischen gewählter Sprache und Vulgärem, zieht für meine Begriffe aber die Story einfach nur in die Länge, immerhin muss für Summer und Dominik noch Band 3 her. Auch bei der Hörbuchumsetzung knickte ich langsam ein. Annina Braunmiller (Synchronstimme von Kristen Stewart) gibt Summer den passenden jugendlichen Touch, was aber leider nicht hilfreich ist, wenn man von der Handlung genervt ist. Zum Ende hin, muss ich leider sagen, konnte ich die Sprecherin kaum noch hören. Vielleicht hatte ich dadurch den Eindruck, dass Summers Passagen gegenüber Dominiks überwiegen. Burchard Dabinnus lässt Dominik wieder recht ältlich wirken, besänftigt aber mit angenehmem Timbre - auch in expliziten Szenen. 
Für mich war es das leider mit 80 Days. Band 3 habe ich mir zwar noch als Hörbuch gegönnt, aber da höre ich doch lieber erst einmal anderes. 
Stellenweise bemüht wirkende Fortsetzung, der der Charme und das Prickeln des Vorgängers fehlen und die ihre Charaktere trotz neuer Erfahrungen in der Luft hängen lässt.

(c) FISCHER Scherz / argon Hörbuch

"Gone Girl" von Gillian Flynn

Der Psychothriller, der zurzeit in aller Munde ist. 
Für Amy und Nick Dunne ist die New Yorker Blase geplatzt. Nach Jobverlust zieht das Ehepaar in Nicks Heimatstadt in Missouri. Vom hippen Leben hinein in die Metropole von Arbeitslosigkeit und Hausfrauen. Man arrangiert sich, kauft eine Bar, sattelt um, und dann, just am fünften Hochzeitstag, ist Amy verschwunden. Zunächst sieht alles nur nach der üblichen Schnitzeljagd aus, die die Enddreißigerin mit viel Sinn für Romantik für ihren Ehemann veranstaltet. Doch dann ist da Blut, das jemand zu beseitigen versuchte, Spuren eines Kampfes, und Amy bleibt verschwunden. Der Verdacht ruht bald auf Nick.
Auch wenn ich es mit Psychothriller nicht so habe, verpulverte ich dann doch mein Hörbuchguthaben für diesen Roman, weil mich die allgemeinen Stimmen neugierig machten. Wunderbar wortgewandt lässt Gillian Flynn ihre Protagonisten Nick und Amy jeweils in der Ich-Form erzählen. Christiane Paul und Matthias Koeberlin vertonen die ungleichen Ehepartner gekonnt. Koeberlin mit dem nötigen Sarkasmus, Paul gratwandernd zwischen jugendlich aufgekratzt und heimtückisch. Abwechselnd geben Nick das aktuelle Geschehen um Amys Verschwinden und Amy ihre Erinnerungen in Form von Tagebuchaufzeichnungen zum besten. Und immer wieder überrascht Gillian Flynn mit Wendungen, die ihren Roman zu einem detailreichen Psychogramm einer Ehe geraten lassen, in dem die Lesersympathien von einem Team zum nächsten und wieder zurück wechseln. Überspitzt und doch so manches Mal erschreckend realistisch seziert sie vor dem Hintergrund der Verdachtswolke eines Kriminalfalls eine Beziehung in der offenbar  nichts ist, wie es scheint. Dabei ist "Gone Girl" überraschend unspannend, hat keine Schnappatmung verursachenden Schreckensmomente, sondern schreitet analytisch ruhig voran. Die 576 Seiten, verteilt auf mehr als 17 Hörstunden, spürt man allerdings nach einer Weile, und ich war dann ehrlich froh, dass es vorbei war. 
Psychologisch detailliert ausgeklügelte Geschichte mit ausgezeichnetem sprachlichem Gespür. Leider etwas länglich. 

(c) Goldmann
"Sprichst du noch oder kommunizierst du schon" von Wiglaf Droste
Kurzbeschreibung: 
"Brillante neue Glossen von Deutschlands witzigstem Sprachkritiker. Das meist verwendete deutsche Wort heißt „Ömm“, davon bekommt man das „Burnout-Syndrom“ und zwar „absolut“ und „definitiv“. Viel „Identität“ ist den Deutschen „weggebrochen“, die ihre Erfahrungen aber auch „auf ihren Alltag runterbrechen“ müssen, während Politiker „die Menschen abholen“ oder „mitnehmen“ wollen, wohin auch immer. Wo alles „im Check“ ist, erscheint es als „zielführend“, schon „im Vorfeld“ eines „Veteranentages“ die alten „Kameraden“ zu rehabilitieren, und das selbstverständlich „zeitnah“." (Quelle: Goldmann)
Ich habe vorher noch keines der Bücher von Wiglaf Droste gelesen, aber als ich so im Buchladen herumstöberte, musste dieses gelbe Büchlein einfach mit. Hach, wie habe ich gelacht ... und beim nächsten Lektoratsjob den Rotstift gezückt. 
Die Lektüre empfehle ich all jenen, die unseren alltäglichen Sprachunsinn für das stylische Maß aller Dinge halten. Sich selber mal "aufs Maul zu schauen" ist nie verkehrt. 


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