Mittwoch, 26. Juni 2013

Schmökern mit Sohnemann #15

Immer mehr Zeit geht ins Land, ohne dass ich es schaffe, meine Schmökerkategorie fortzusetzen. Wir schmökern zwar, aber zu meinem Bedauern hat sich die Lesebegeisterung meines Sohnes stark gelegt. Zum einen liegt es daran, dass er sich, nach eigenen Angaben, durch mein Leseverhalten unter Druck gesetzt fühlt, zum anderen lesen wir seit geraumer Zeit Bücher ein zweites Mal, weil ihm die Geschichten gefallen haben und er unheimlich stolz ist, wenn er in bekannten Geschichten flüssiger allein lesen kann als in neuen. Außerdem sind die Schultage lang und werden immer fordernder, sodass es auch mal ganz schön ist, sich abends aneinander zu kuscheln und Mutter vorlesen zu lassen.
Deshalb haben wir uns Anfang des Monats ein Büchlein, das wir bereits nicht lange nach dessen Erscheinen zum ersten Mal gelesen haben, erneut vorgenommen. 
Dass ich es bislang noch nicht vorgestellt habe, liegt daran, dass ich mich immer leicht scheue, Werke von Blognachbarn vorzustellen, vor allem, wenn ich sie inzwischen persönlich kennengelernt habe. 
Da es in dieser Kategorie aber vornehmlich um Sohnemanns Geschmack gehen soll, bekommt hiermit sein Urteil Vorrang. 

Die Rede ist von "Leon und Adara" von Susanne Meier. 

(c) Susanne Meier / Link zu Amazon

Worum geht's? 
Leon und Adara sind gute Freunde und verbringen sicherlich so manchen Spielnachmittag zusammen. So auch an diesem Samstag, als sie draußen spielen und eine Höhle zum perfekten Versteck einrichten. Während sie werkeln, sich Maiskolben überm Feuer rösten und dann auch noch einschlafen, vergessen sie die Zeit. Als sie aufwachen, ist es bereits so dunkel, dass sie aus dem Wald nicht mehr nach Hause finden. Völlig erschöpft geben sie irgendwann auf und schlafen an einem Baum ein. Am nächsten Morgen sieht die Welt nicht nur sprichwörtlich anders aus. Nein, Leon und Adara sind tatsächlich in einer anderen Welt, an einem fremden Strand, wo ihnen plötzlich ein Drache entgegenfliegt. Der ist aber gar nicht gefährlich, wie im ersten Moment vielleicht befürchtet, sondern nimmt die zwei Menschenkinder unter seine Fittiche, obwohl ihn das in Teufels Küche bringen könnte. Nepomuk, der Drache, findet schließlich auch eine Möglichkeit, wie Leon und Adara wieder nach Hause kommen können. Bald heißt es für die Kinder, Abschied von ihrem neuen Freund zu nehmen. Inmitten einer bunten Zirkustruppe beginnt nun eine ungewöhnliche Heimreise. 

Unsere Meinung: 
"Leon und Adara" ist, wie man auf dem Blog der Autorin nachlesen kann, quasi ein Familienprojekt. Aus einer knapp umrissenen Idee des Sohnes als Geschenk für die Tochter entstanden, fand es schließlich doch noch den Weg hinaus in die große Bücherwelt, und wir meinen, dass es da sehr wohl hinpasst. 
Das Kinderbuch ist zum Vorlesen und für Erstleser gedacht und berücksichtigt die Zielgruppe in vielerlei Hinsicht. Die Schrift ist ausreichend groß und dürfte besonders Erstlesern aus ihren Schulbüchern geläufig sein. Dazu ist die Geschichte mit unter 70 Seiten auch kurz genug für Lesemuffel und kann an wenigen Abenden gemeinsam gelesen werden. Damit sich jüngere Zuhörer nicht langweilen, wird die Geschichte von selbst gestalteten Zeichnungen untermalt. Auch wenn es vielleicht in der Absicht der Autorin lag, fragte mich mein Sohn, ob er diese ausmalen dürfte. Ich mag es ja nun überhaupt nicht, in Büchern herumzukritzeln, aber in diesem speziellen Fall habe ich es ihm erlaubt und gleich noch einen weiteren Unterhaltungsfaktor genutzt, womit wir nun ein buntstiftverziertes Spezialexemplar in unserem Besitz haben.
Kindgerecht verwendet die Autorin, die gelernte Erzieherin ist, eine einfache Sprache, die ohne Fremdwörter auskommt, und Namen, die sich leicht merken lassen. Ihre Fantasiegestalten sind vergleichsweise menschlich gezeichnet, sodass sie problemlos als Freunde der menschlichen Protagonisten akzeptiert werden können. Auch gibt es nicht zu viele Charaktere, wodurch man sich beim Lesen gut zurechtfindet. 
Da Erwachsene und Kinder Geschichten ganz unterschiedlich wahrnehmen und auf verschiedene Details achten, stellten sich die Fragen, die sich mir beim Lesen auftaten, meinem Sohn gar nicht bzw. er fand eine eigene Erklärung, die ihn voll und ganz zufriedenstellte. Beispielsweise wunderte er sich gar nicht, dass die Kinder an einem völlig anderen Ort aufwachten, ohne dass geklärt wurde, wie das geschehen konnte. Für ihn zählte lediglich das Abenteuer, das damit verbunden war. Auch interessierte es ihn nicht, wie lange die Reise wohl gedauert haben mag. Immerhin ist der Ort so fremd, dass die Kinder ihn geografisch gar nicht lokalisieren können. Und dass das Ende vergleichsweise glimpflich abläuft, ohne sorgenkranke Eltern, Sanktionen oder polizeiliche Suchmaßnahmen, interessierte ihn schon mal gar nicht. In vieler Hinsicht ließ mein Sohn auch seine eigene Fantasie spielen, assoziierte beispielsweise den Wald, in dem Leon und Adara spielen, mit den Wäldern in unserer Umgebung. Ihn stört es weniger, wenn Umgebungen oder Gestalten noch etwas vage bleiben, wobei hier die Zeichnungen die Geschichte natürlich auf nette Weise unterstützen.
Für ihn zählte in erster Linie, wie selbständig die Kinder bereits sind und dass sie ein Abenteuer erleben. Er fand es ganz toll, dass die beiden draußen spielen und eine tolle Höhle gefunden haben. Mais vom Feld nascht er auch gerne mal, und am liebsten wäre er losgeflitzt und hätte ein Lagerfeuer gemacht (was natürlich nicht geht, wenn man von Naturschutzgebieten umgeben ist). Die Vorstellung, nachts durch den Wald zu irren und nicht nach Hause zu finden, empfand er als ziemlich gruselig, und er war froh, dass die Kinder nicht alleine waren, sondern in Begleitung ihres besten Freundes. Er mochte auch, dass hier nicht zwei Jungen unterwegs sind, sondern es sich um einen Jungen und ein Mädchen handelt, wobei Adara ganz und gar kein Prinzesschen ist, sondern eigene Ideen einbringt und nicht mädchenhaft zimperlich daherkommt. Bei anderen Büchern ist es schon vorgekommen, dass er gefragt hat: "Gibt's denn da gar keine Mädchen?", denn für ihn ist es normal, auch mal mit einer Schulfreundin den Spielplatz unsicher zu machen (vielleicht lesen wir auch einfach nur die falschen Bücher :)) Die Reise in einem Zirkuswagen mit einem großen Elefanten fand er ebenfalls sehr spannend, und er bekam Lust auf einen Zirkusbesuch. 
"Leon und Adara" ist ein Kinderbuch, das uns viel Spaß gemacht hat. Wenn meinem Sohn Bücher gefallen, fühlt er sich immer animiert, darüber zu sprechen und eigene Ideen und Gedanken zu äußern. Die Lektüre von "Leon und Adara" war auf jeden Fall sehr kommunikativ (und dank ursprünglich sicher nicht vorgesehener Ausmalidee auch noch interaktiv), und das Buch wurde nachher nicht sofort im Bücherregal auf Nimmerwiedersehen dauergeparkt. 
Nachdem mein Sohn nun auch einen Begriff von Noten hat, habe ich ihn vorsichtig gefragt, welche Schulnote er wohl für "Leon und Adara" vergeben würde. 
Seine Wertung: "Na, das war doch gut. Und für gut gibt's immer 'ne Zwei!"
Und von mir gibt es zwei Daumen hoch und eine Ermutigung für noch viel mehr Geschichten aus eigener Feder!

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