Mittwoch, 24. April 2013

... über "Pyromantische Affäre" von Laura Lay

Laura Lay

Zwei subtil-erotische Geschichten in einer - mit viel Raum für Fantasien

(c) Laura Lay / Bildlink zu Amazon

Zum Inhalt: 
Lila ist spät dran. Mit fliegenden Zöpfen, die nicht so recht halten wollen, eilt sie zum Flughafen, denn Joe kommt. Joe, der sie in tadellosem Aufzug erwartet und sie nun wahrscheinlich bestrafen wird.  Joe, den sie liebt. 
Die fragenden Blicke, die die anderen auf sie werfen, kann sie förmlich spüren. Ein seltsames Bild bietet Lila, und keiner weiß, dass sie und Joe ein erotisches Rollenspiel spielen, das bereits begonnen hat, noch bevor sie Joe am Flughafen gegenübersteht
Während Lila und Joe ihr Spiel in den eigenen vier Wänden fortsetzen, gibt sich Berit an einem anderen Schauplatz der Schaffenskraft hin. 
Auf einem Vierseithof auf dem Lande nimmt die Malerin an einem Künstlercamp teil und genießt es, die stickige Großstadt einmal hinter sich zu lassen. Nur Yui, die Kunst mit Feuerwerken kreiert, grenzt sich von der kleinen Künstlergruppe ab und erregt Berits Aufmerksamkeit. Auf sanft-dominante Art umgarnt und elektrisiert sie Berit. Aber wird die sich auf das Spiel mit dem Feuer einlassen? 

Meine Meinung: 
Laura Lay hat nun nach "Das Geheimnis der Flamingofrau" eine weitere Geschichte in einer Geschichte als E-Book veröffentlicht. 
"Pyromantische Affäre" folgt ganz der - wenn man es schon so nennen kann - Tradition von Laura Lays Reihe erotischer Erzählungen und verbindet geschickt Romantik, BDSM, Rollenspiel und hetero- und homosexuelle Liebe. 
Ich muss sagen, dass ich momentan an chronischer Übersättigung in Sachen sogenannter erotischer Literatur leide. Nach den gehypten Machwerken der letzten Monate, die mich fieser Weise in ihren Sog hineingezogen haben, habe ich keine Lust mehr auf ausgewalzte Beschreibungen aller erdenklichen Liebesspielarten in einem einzigen Roman.
Laura Lays "Pyromantische Affäre" bildet hingegen eine willkommene Abwechslung und macht Lust auf mehr.  
Auf ca. vierzig Seiten gelingt es der Autorin, in 14 Kapiteln so viel Atmosphäre zu erschaffen, wofür andere vierhundert Seiten benötigen.
Ihre Geschichten zeugen von viel Erzählerfahrung und beweisen, dass nicht immer alles bis zum bitteren Ende erzählt werden muss, um Wirkung zu erzielen. 
Laura Lay versteht es, zu zeigen, ohne den Leser mit der Nase auf die Dinge zu stoßen. Szenerien und Gesichter entstehen nach und nach vor dem geistigen Auge und bilden ein subtiles Geflecht, das von einer sehr gepflegten Sprache zusammengehalten wird und die Leserfantasien nicht unterdrückt, sondern durchaus über die Geschichten hinaus entfacht. 
Als Leser findet man sich auf ganz unterschiedlichen Seiten wieder, man beobachtet Lila genauso verstohlen, wie es die Menschen im Flughafen-Shuttle tun, blickt Yui interessiert nach wie Berit, nur, um im nächsten Augenblick in eine dominantere Rolle zu schlüpfen und mit ihnen zu spielen. 
Laura Lay hat unverkennbar Spaß am Erzählen, weshalb mich bereits "Das Geheimnis der Flamingofrau" (als E-Book erschienen 2012) überzeugen konnte, denn ihre Freude am Erzählen verwandelt sich rasch in Freude am Lesen.  
Sie spielt mit den vielen Facetten der Erotik, die nicht zwangsläufig offensichtlich und explizit sein muss. Natürlich gefällt das nicht jedem Leser gleichermaßen, ich aber liebe Geschichten, die nicht um der Erotik willen erotisch sind, Figuren lebendig machen, anstatt sie in aneinandergereihten Liebesakten zu entpersonalisieren, und auf Überflüssiges verzichten, um Empfindungen und Wahrnehmungen in den Vordergrund zu stellen. 
Besonders gut gefallen hat mir, dass die 2-in-1-Geschichte in "Pyromantische Affäre" nicht ganz so offensichtlich war. Beide Handlungsstränge werden von einem auktorialen Erzähler präsentiert und stehen in recht großem Kontrast. Bei Lila und Joe herrscht eine sauber-sterile, urban-moderne Atmosphäre, die von Lilas Schulmädchenlook und Joes leicht androgynem Vibe zusätzlich unterstützt wird. Bei Berit und Yui, deren Körperlichkeiten bewusst reduziert werden, dominiert romantisch-ländliches Ambiente mit Blicken und dem berühmten Prickeln, das in der Luft liegt. Beide Schauplätze wechseln sich ab, und erst im Nachhinein erhalten geschickt eingeflochtene Hinweise mit einen gewissen Aha-Effekt, der für großen Unterhaltungswert steht.
Als Bonus bietet dieses E-Book mit "Mister Wonderful" eine weitere erotische Erzählung über einen Mann, der sich mit einer nagenden Sorge an eine Therapeutin wendet: Er wird die Frauen einfach nicht los. 
Auch hier spielt die Autorin gekonnt mit Fantasie und Realität und präsentiert damit ein gelungenes Extra für alle, die gern zwischen den Zeilen lesen.
Ein E-Book, das die Wartezeit wert war.  

Mein Fazit ist beschämend unkreativ, denn ich kann nur mein Urteil zu Laura Lays "Das Geheimnis der Flamingofrau" unverändert wiederholen
Geschickt erzählte 2-in-1-Geschichte mit gut dosierter Erotik und ungekünstelten Charakteren.
Ideal für Liebhaber erotischer Erzählungen, die ohne Plattitüden und laut-explizite Handlungen Sinnlichkeit entfalten. 
Wer Wert auf Stil, natürliche, unübertriebene Figuren und sanfte Erzählweise legt, ist hier genau richtig. 

Gesamteindruck 
5 von 5 Weißdornzweigen

 




Buchdaten:
  • Format: Kindle Edition
  • Dateigröße: 145 KB
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe: 42 Seiten
  • Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
  • Sprache: Deutsch
  • ASIN: B00BISD3YI
 

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