Donnerstag, 21. März 2013

Vorösterliche Gesangeskulisse

Zu einem Bericht zur diesjährigen Leipziger Buchmesse kann ich mich bislang nicht durchringen, denn dieses Frühjahrsevent war für mich einmal ein anderes Erlebnis. Schön auf jeden Fall, aber vielleicht eher unspannend für Zuhörer/Mitleser. 
Viel mehr beschäftigt mich momentan meine kleine Welt mit all ihren kleinen Schönheiten, die mich schon immer inspirieren konnten. Momentan keimt die Inspiration in mir zwar verhalten, aber dennoch genieße ich die Präsenz von leisen und lauten Eindrücken, die den Alltag verschönern, aber auch zum Nachdenken anregen
Stausee Kelbra - ein Zugvogelparadies
Im Dorf herrscht derzeit gewaltiger Krach - nun gut, das ist eine Frage der Sichtweise: Was für den einen unterträglicher (zeitlich begrenzter) Krach ist, ist für den anderen schon wieder der wohlklingendste Gesang der Natur überhaupt. 
Seit mittlerweile drei Wochen ist unser Dorf nämlich bevorzugter Aufenthaltsort Hunderter Kraniche.  
Jeden Morgen kommen sie in Scharen singend herbeigeflogen, lassen sich auf dem Acker nieder, picken unter der Schneedecke etwas hervor und singen ununterbrochen weiter. 
Ein Kommunikationsspektakel zwischen menschenscheuen Tieren, das sich dem menschlichen Zuhörer nicht so recht erschließen will.
Zugegeben, das ist ein etwas ungewohntes Bild. 
Obwohl die Region Nist- und Rastplatz für unterschiedlichste Zugvögel ist, kann ich mich nicht erinnern, in den Jahren, in denen wir hier leben, so nah in der Nachbarschaft Kraniche gesehen zu haben und wenn, dann erst recht nicht für einen so langen Zeitraum. Im letzten Jahr sahen wir vereinzelte Grüppchen fünf Kilometer entfernt, vor die Linse bekamen wir sie jedoch nicht. 
Wie ich unserer Regionalzeitung MZ, die ich - eine Ladung Asche auf mein Haupt, bitte - in der Regel maximal auf Facebook verfolge, entnehme (Ausgabe vom 16.3.2013), sind in nächster Zeit gut siebzigtausend Tiere in nächster Zeit im Deutschlandanflug. Ich werde das Gefühl nicht los, dass alle Zigtausend bei uns vorbeikommen. 
Dabei gehe es den Kranichen aber noch gut, heißt es unter Berufung auf die Deutsche Wildtier-Stiftung. Der kapriziöse Winter mache ihnen nicht allzuviel aus. Nahrung finden sie, weil es glücklicherweise nicht ganz so knackend kalt und dementsprechend die Gewässer weitestgehend frei seien und sich auch auf den Feldern etwas finden ließe.  
Andere gefiederte Zeitgenossen hingegen haben es schwerer. Sogar von Rückkehrern aus dem Norden ist die Rede.  
Nach Hause reisen und zwischendurch wieder umkehren in den Urlaub, weil das Zuhause noch nicht bewohnbar ist, da kommt es schon mal zum Stau. 
Auch beim Vogelfutter - das hierzulande langsam knapp wird.
Rosinen, Äpfel, Birnen und Haferflocken können - im Gegensatz zu Brot - dem hungrigen Kleinvogel helfen. 
Bleibt zu hoffen, dass der Winter den Gesang der Kraniche erhört und dem Frühling in den nördlichen Brutgebieten bald den Vortritt lässt und damit dem Stau ein Ende bereitet. Schließlich wollen unsere Kinder auch noch in den nächsten Jahren den Zugvögeln zuwinken. 
Bis dahin sitze ich aber möglichst mäuschenstill, den Atem anhaltend, mit Teleobjektiv am Feldrand, lasse mich von seltsamem Märzschnee einschneien und knipse was das Zeug hält. Damit ich sie nicht vergesse, die kleine Geschichte, die da schwelt. Über Heimat und das kleine große Glück, das nicht fortfliegen darf.

Bilder ausnahmsweise mal größer, damit man vom Kranich auch etwas sieht. 
(c) Sinje Blumenstein, 2013
 
 

1 Kommentar:

Claudia und Joachim (Groschi) hat gesagt…

Hübsch, die Flugfotos der Vögel lassen direkt Musik im Kopf erklingen.

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