Mittwoch, 27. Februar 2013

... über "Spiel der Herzen" von Sabrina Jeffries

Sabrina Jeffries

Charmante Regency Romance

Zum Inhalt:
(Es handelt sich hierbei um den zweiten Band von Sabrina Jeffries' Reihe um die Sharpes. Eine Kenntnis des Vorgängerbandes ist jedoch nicht zwingend erforderlich.)
Lord Jarret Sharpe ist ein Spieler und hat schon gar keine Lust, sich zu binden. Deshalb ist er auch heilfroh, dass er dem Ultimatum seiner Großmutter Hester, die all ihre Enkel, unter Androhung, sie zu enterben, binnen Jahresfrist unter der Haube wissen will, entgehen kann. Als sie erkrankt und einen Vertreter in der Brauerei benötigt, macht Jarret einen Handel mit ihr. Sie nimmt ihn von ihrem Ultimatum aus, und er leitet die Brauerei für ein Jahr. So ist es dann auch nicht Hester Plumtree, die Annabel Lake antrifft, als sie mit einer Geschäftsidee nach London reist. Die Familienbrauerei Lake in Burton steckt in großen Schwierigkeiten, und Annabel hat es sich in den Kopf gesetzt, Hilfe bei der Brauerei Plumtree zu suchen. Immerhin wird diese von einer Frau geleitet, was Annabel auf Verständnis hoffen lässt. Nun sitzt da aber ein schneidiger Lord, der mitnichten einen lupenreinen Ruf hat und sich von Annabels Idee wenig angetan zeigt. Aber so leicht lässt sich Annabel nicht abwimmeln. Sie heftet sich an Jarrets Fersen und lässt sich auf ein Kartenspiel ein, das nicht nur Hoffnung für die Rettung der Lake-Brauerei versprechen könnte, sondern auch die Gefühle des eisernen Junggesellen durcheinanderwirbelt. Doch eine marode Brauerei ist längst nicht alles, mit dem Annabel Jarret überrascht ...

Meine Meinung:
"Spiel der Herzen" zählt zu den zahlreichen historischen Liebesromanen der erfolgreichen US-amerikanischen Autorin Sabrina Jeffries. Die Geschichte um Lord Jarret Sharpe gilt als Regency Romance, auch wenn der Plot im Jahr 1825 angesiedelt ist. 
Modisch kann man die Dame auf dem Umschlag somit gelten lassen, auch wenn sie mir etwas zu offenherzig ist, wobei dieser Eindruck noch verstärkt wird, da auch die Innenseiten der Klappenbroschur dekolletélastig sind. Neben der behandschuhten Dame, die einen sinnlich-noblen Eindruck vermittelt, ohne weidwund in die Kamera zu schmachten (immerhin sehen wir keine Augen), lassen die Blatttexturen an eine edle Webarbeit denken, die für die Verhältnisse der Geschichte vielleicht etwas zu edel wirkt, sich aber harmonisch in das Gesamtbild der bei Lyx unter dem Label "Historical Romance" erscheinenden Romanzen einfügt. Die Spielkarten in ihrer Hand bilden ein dezentes Band zum Inhalt des Romans.
Als Hintergrund für ihre Liebesgeschichte hat sich die Autorin das englische Braugeschäft ausgesucht, das sie mit historischen Details einfließen lässt, ohne den Roman mit zu viel Bier oder zu viel Histo-Wissen zu überfrachten. So ist die Brauerei denn auch der eigentliche Lebensinhalt des Protagonisten, der, wie wir bereits im Prolog erfahren, zu einer anderen Karriere gezwungen werden sollte (frei mach dem Motto: "Junge, wir haben uns da was anderes für dich vorgestellt") und sich schließlich in ein Spielerdasein hineinmanövrierte. Als Spieler und Frauenheld hält sich sein Sympathiepotenzial natürlich zunächst in Grenzen, aber Sabrina Jeffries gelingt es im Laufe ihrer Geschichte sehr gut, Jarret in die Leserherzen zu schreiben. Er ist mitnichten ein Spieler, der alles aufs Spiel setzen würde, und erst recht nicht ist er ein Snob. Als zweitältester Sharpe hat er durchaus ordentlichen Familiensinn und will seine Geschwister versorgt wissen, falls diese an Großmutter Hesters Ultimatum scheitern. Genau dieses Ultimatum bildet den Rahmen der Gesamtgeschichte und gilt bereits für den ersten Band, der dem ältesten der Sharpe-Kinder, Oliver, gewidmet war. Ingesamt gibt es nämlich fünf Enkel - sie alle haben den tragischen Tod ihrer Eltern zu verarbeiten - und Großmutter Hester, die sie alle aufgezogen hat, will nun, dass alle binnen Jahresfrist verheiratet sind. Ansonsten droht Enterbung. 
Auch wenn sich Jarret gleich zu Beginn aus dem Deal herausmogelt, darf man bei einem Liebesroman zwangsläufig damit rechnen, dass über kurz oder lang eine Herzdame ins Spiel kommt. Und mit Annabel Lake führt Sabrina Jeffries sehr flott eine Herzdame ein, die erfrischend anders ist. Sie ist keineswegs ein junges Hüpferchen Anfang Zwanzig, sondern mit beinahe dreißig Jahres steht sie mit beiden Beinen fest im Leben und hat mehr als nur Geschäftssinn. Weil ihr Bruder eher früher als später mit seiner Misswirtschaft die Brauerei in den Ruin treiben könnte, nimmt sie das Schicksal selbst in die Hand. Nur zeigt sich Lord Jarret ihr gegenüber zunächst höchst altmodisch, misstraut ihren Instinkten und lässt dabei außer Acht, dass seine Großmutter ja selbst die Geschicke einer Brauerei lenkt. 
Es treffen buchstäblich zwei Kampfhähne aufeinander, bei denen man das Gefühl hat, sie wollten sich gegenseitig immer von Gegenteil überzeugen. Beide sind sehr hartnäckig, und so entscheidet zunächst ein Kartenspiel über den weiteren Fortgang der (Liebes)Geschichte. Während Jarret vermutlich noch spekuliert, ob Annabel kneifen wird, gibt sie sich gerade heraus und lässt sich auf das Spiel ein, bei dem sie, hat sie das schlechtere Blatt, das Bett mit Jarret teilen soll. 
Zu diesem recht frühen Zeitpunkt der Geschichte ist der Leser Jarret aber bereits voraus und weiß, dass Annabel nicht die schockierte Jungfrau ist. Sie mag zwar unverheiratet sein, aber sie hat nicht nur ein Geheimnis, das Jarret nicht erfahren soll. 
Was bei besagtem Kartenspiel als neckischer Schlagabtausch beginnt, zieht sich durch den gesamten Roman. Annabel und Jarret sind kein typisches Paar, das sich mit rosaroter Brille anschmachtet, und obwohl eine knisternde Grundstimmung besteht, dauert es eine ganze Weile, bis der echte Liebesgroschen fällt. Man tänzelt aber auch nicht lüstern umeinander herum, sondern Jarret macht mitunter recht forsche Avancen, die aber seinem Naturell durchaus entsprechen. Er spielt nun mal gerne mit dem Feuer. Nur rechnet er ganz und gar nicht damit, dass Annabel eine Frau (mit weit zurückliegender Erfahrung und) mit Bedürfnissen ist. Es ist erfrischend zu lesen, dass eine Protagonistin nicht verstohlen beiseite schaut, wenn es um Intimes geht. Nein, Annabel zeigt Interesse und übernimmt in einschlägigen Szenen keinen passiven Part. 
Selbstverständlich wirft Sabrina Jeffries ihrem Liebespaar der Woche, das amüsant flirtet, aber nicht nervtötend turtelt, so einige Steinchen in den Weg und ermöglicht vor allem dem männlichen Part, sich weiterzuentwickeln, menschlich zu reifen und Traumata aufzuarbeiten. Auch wenn Annabel ebenfalls nicht vor Fehlern gefeit ist, zählt vor allem Jarret zu jenen Charakteren, die der Leser gerne mal am Kragen packen und ordentlich durchschütteln möchte. 
Obwohl natürlich der Fokus in dieser Liebesgeschichte auf dem vorherbestimmten Paar liegt, hätte ich mir eine detaillierter Ausarbeitung der Nebencharaktere gewünscht. Diese sind auch in diesem Roman nicht unwichtig und hier maßgeblich an der Lebenssituation der Protagonistin beteiligt, daher empfand ich die Auflösung/schickliche Klärung der Lage gegen Ende des Romans leicht übereilt. Dort hätte ich mich über etwas mehr Tiefe gefreut, insbesondere da ein Kind in diese Geschichte involviert ist. Ansonsten versteht es die Autorin ausgezeichnet, die Entwicklung aller Beteiligter mit kleinen liebevollen Details zu begleiten, die der aufmerksame Leser sicherlich zu schätzen weiß. 
"Spiel der Herzen" macht auf jeden Fall neugierig, welche(r) Sharpe als Nächste(r) unter die Haube kommt. Einem Wiedersehen mit Jarret und Annabel wäre ich ebenfalls nicht abgeneigt. 

Fazit:
Sympathisch erzählte historische Romanze, die nicht ganz so leichtfüßig beginnt, sich aber zu einem erquicklichen Spiel um Bier und Liebe entwickelt, in dem gesellschaftliche Konventionen und Entscheidungen nicht immer auf Zustimmung beim Leser finden müssen, aber vor allem die Hauptcharaktere mit neckischer Dynamik für vergnügliche Lesestunden mit Schmunzeln und Seufzern sorgen. 

Gesamteindruck:
4 von 5 Weißdornzweigen






Buchdaten:
  • Taschenbuch: 400 Seiten
  • Verlag: LYX; Auflage: 1 (13. Dezember 2012)
  • Sprache: Deutsch, übersetzt von Antje Görnig
  • Umschlaggestaltung: Guter Punkt, Münschen, Umschlagmotiv: @Richard Jenkins
  • ISBN-10: 3802586832
  • ISBN-13: 978-3802586835
  • Originaltitel: A Hellion in her Bed
  • Neupreis: 9,99 €
 
    

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