Montag, 7. Januar 2013

Auf Englisch lesen?

Wie viele andere Blogger auch habe ich gestern auf Yvonnes Bücherecke ein paar interessante Fragen zum Thema "fremdsprachige Bücher lesen" (hier speziell englische) gefunden und beschlossen, einfach mal mitzumachen.
 
1. Seit wann liest du englische Bücher?
Seit gut 20 Jahren (Do the math! :-)), allerdings auch mit längeren Unterbrechungen.
 

2. Wie bist du dazu gekommen englische Bücher zu lesen?
Da ich auf einer fremdsprachig orientierten Schule war, war ich - leider - erst einmal gezwungen. Wir mussten uns zunächst vor allem in Russisch und in Englisch (weil wir diese Sprachen am längsten hatten) durch die üblichen Schulheftchen quälen. Quälen deshalb, weil diese Heftchen in etwa genauso viel Spaß machten wie die übliche Schullektüre in Deutsch. 
Freiwillig gelesen habe ich ein englisches Buch erst, als wir in der Theatergruppe Shakespeares "Ein Sommernachtstraum" aufführten. Tatsächlich fand ich die Übersetzung manchmal so altertümlich kompliziert, dass ich das Bedürfnis hatte, mit dem Original zu vergleichen. Die Laienschauspielerin in mir wollte in den Originaltext eintauchen und sich davon anspornen lassen. Ha! Nicht, dass das Original super einfach gewesen wäre *hust*. 
Während des Studiums habe ich eher Fachbücher in anderen Sprachen gelesen, hauptsächlich auf Französisch, seltener auf Russisch und noch seltener auf Englisch (weil ich kein Englisch studiert habe).
Belletristik lese ich erst seit etwa 8 Jahren wieder auf Englisch, seit ich schon ein paar Jahre zuvor auf den Geschmack gekommen war, Filme und TV-Serien im englischen Original zu verschlingen (btw, thanks Buffy!)
Wieder angefangen mit dem englischen Lesen habe ich in erster Linie, weil es mir zu lange dauerte, bis die Fortsetzung von Reihen im Deutschen erschien. Meistens habe ich dann der Einheitlichkeit im Regal halber auf Englisch weitergelesen (und auch Geld bei den Taschenbüchern gespart). Dieses Phänomen verspürte ich allerdings nur bei Reihen, bei denen ich die ersten Bände in sehr schneller Folge hintereinander gelesen hatte. Mit zunehmendem Lesestoff komme ich inzwischen mit den Reihen nicht mehr nach, sodass sich langsam aber sicher auch die ungelesenen englischen Bände häufen. 
Zur Zeit lese ich aber fast nur Biografien auf Englisch, weil es die seltener in einer deutschen Übersetzung gibt. Zu Unterhaltungsliteratur greife ich auch in der Übersetzung, und das Argument, dass beim Übersetzen etwas verloren geht, ist für mich nur bedingt ein Argument, weil ich das bei Sprachen, die ich selber nicht spreche, schließlich auch nicht beurteilen kann und da auf Erfahrung und Gespür der Übersetzerkollegen vertraue und grundsätzlich der Meinung bin, dass selbst in einer globalisierten Welt nicht von allen Menschen verlangt werden kann, fremde Sprachen zu beherrschen, um ihr Kulturinteresse zu befriedigen.
Da ich selbst meinen Lebensunterhalt mit Übersetzen verdiene, bin ich in der Tat ganz froh, wenn ich im Lesealltag nicht von fremden Sprachen umgeben bin. 
Daher würde ich bei Englisch-Lesechallenges auch gnadenlos versagen. 
Auf Französisch und Russisch lese ich übrigens überhaupt nichts mehr.    
 
3. Was war dein erstes englisches Buch?
 

An die Pflichtlektüre in der Schule erinnere ich mich nicht mehr. Außer an den Ausschnitt, den wir aus "Herr der Ringe" lesen mussten, was mich bis heute so verfolgt, dass ich HdR nicht mehr angerührt habe.
Das erste freiwillige Buch war, wie oben erwähnt, "Ein Sommernachtstraum" von Shakespeare, bevor ich dann nach einer langen Pause mit Christine Feehans "Dark Prince" wieder in die englischsprachige Unterhaltungsliteratur eingestiegen bin. 
 
4. Was machst du, wenn du etwas nicht verstehst? Nachschlagen? Einfach weiterlesen?
 

Ich glaube, dass ich die Stellen, die ich potenziell nicht verstehe, sehr oft einfach überlese. 
Beim Lesen ist es sehr ähnlich wie beim Filmeschauen. 
In einer fremden Sprache verstehe ich zwangsläufig nicht jedes Wort, und meistens ist das auch nicht notwendig, weil sich vieles im Kontext erschließt.
Grundsätzlich empfinde ich Unterhaltungsliteratur nicht als übermäßig schwierig, und ich merke, dass mein Leseverständnis wächst, je mehr ich zusätzlich auch Serien im Original sehe bzw. Hörbücher höre. 
Schwierigkeiten bereiten mir eher regionale Färbungen, da tue ich mich beim Hören und Lesen gleich schwer.  
Wirklich Probleme habe ich mit britischem Englisch, was daran liegt, dass ich (als DDR-Kind) zum einen erst ab der 7. Englisch hatte und dann in der 11. und 12. Klasse die USA das große Thema waren und wir entsprechend tief in amerikanisches Englisch eintauchen mussten, der Vergleich Britisch/Amerikanisch aber zu kurz kam.
Wiederkehrende Wörter, die ich nicht verstehe, aber eine gewisse stilistische Bedeutung haben, schaue ich schon mal nach, aber prinzipiell mache ich mich nicht zum Wörterbuchsklaven. 

5. Nenne 3 englische Bücher, die dir besonders gut gefallen haben.
Sehr gerne gelesen habe ich zum Beispiel First Drop of Crimson (Night Huntress World) von Jeaniene Frost. Eine meiner Lieblingsautobiografien ist There Really Was a Hollywood von Janet Leigh, und Daphne du Mauriers "Rebecca" gefiel mir sowohl auf Englisch als auch auf Deutsch sehr gut.
 
6. Nenne 3 englische Bücher, die du einem Anfänger empfehlen würdest.

Wenn ich ehrlich bin, empfehle ich "Leseanfängern" eher kürzere Texte für den Einstieg, beispielsweise in Zeitschriften. Zusätzlich kann es nicht schaden, Filme und Serien im Original zu schauen, um sich in eine fremdsprachige Stimmung zu bringen. Mit meiner Englisch-Nachhilfeschülerin habe ich Shiver von Maggie Stiefvater gelesen. Sie mochte das Buch zwar nicht, aber sie hatte beim Lesen wider Erwarten recht wenig Verständnisprobleme. 
Natürlich kann man sich auch an Kinderbüchern versuchen, denn der Wortschatz, den man so landläufig im Lernprozess erwirbt, entspricht häufig nicht dem, den man in seiner Muttersprache hat. Je nach Spracherfahrung im Alltag wird man feststellen, dass man unter Umständen einen gewissen themenbezogenen Wortschatz pflegen, normalen Alltagsgesprächen aber vielleicht nicht folgen kann. (Es ist mir selbst schon passiert, dass ich als Studentin bei einem Aufenthalt in Frankreich den lieben langen Tag dolmetschte, unter anderem über die Gewinnung ätherischer Öle, und dann meinen Gastvater anschaute, wie die Kuh ins Uhrwerk guckt, und ihn nicht verstanden habe, als er mir vorschlug, im Falle eines nächtlichen Durstanfalls Leitungswasser zu trinken. Ich habe bis dahin das Wort "Wasserhahn" weder gehört noch benutzt :-)). 
Anyways ... speaking of Kinderbücher: Mit meinem Sohn, der noch kein Englisch hat, aber mich mit sanfter Nervigkeit immer wieder zum Vorlesen und Vom-Blatt-Übersetzen zwingt, blättere ich sehr gerne in Büchern von Nathaniel P. Jensen, von dem wir Life in the Slow Lane: A Desert Tortoise Tale, Don't Ever Cross That Road!: An Armadillo Story und Desert Night Shift: A Pack Rat Story besitzen. Aber ganz so einfach sind die auch nicht, denn die Geschichten um die possierlichen Wüstenbewohner sind in Reimform geschrieben (aber sehr informativ und wunderschön illustriert). 
  
7. Nenne 3 englische Bücher, die du nur Profis empfehlen würdest.

Na ja, Anglistikstudenten werden sicherlich Freude (und Leid) an der Weltliteratur im Original haben
Für mich ist es schwierig, zu entscheiden, was ich als laien- oder profitauglich empfinde, denn ich gehe eher den Weg des geringsten Widerstandes und lese auf Englisch Bücher, die in mein Beuteschema passen. 
Jugendbücher empfinde ich beispielsweise nicht immer als einfacher, weil sie vor allem in Dialogen eine Sprache reflektieren (können), die ich im Deutschen nicht nutze und in einer Fremdsprache ebenfalls nicht pflege.
Andererseits schafft es aber auch J.R. Ward, einen mit Abkürzungen in den Wahnsinn zu treiben (glücklicherweise sind ihre Fans aber sehr emsig und stellen ganze Abkürzungslisten online). 
Während ich beispielsweise an Tom Hollands The Vampyre: Being the True Pilgrimage of George Gordon, Sixth Lord Byron gescheitert bin, tue ich mich unter anderem mit Arthur Miller weniger schwer. 
Wichtig finde ich grundsätzlich, dass man sich, wenn man nicht gerade irgendetwas unbedingt lesen muss, weil eine Schulnote davon abhängt, nicht zwingt und liest, worauf man Lust hat, denn ansonsten macht auch Englisch-Lesen sicher keinen Spaß
Man sollte es einfach mal ausprobieren, um zu sehen, ob einem das Originallesen überhaupt liegt. Das ist heutzutage gar nicht mehr so schwierig, denn zu den meisten Büchern gibt es ja Leseproben, sodass man nicht die Katze im Sack kaufen muss und sich dann ärgert, Geld ausgegeben zu haben.
Vor Sprachen muss man keine Angst haben und manchmal reicht es, nur den inneren Schweinehund zu überwinden und loszulegen.
Man muss aber auch nicht traurig sein, wenn es nicht klappt. Vielleicht sollten die Erwartungen niedrig gehalten werden und die Sache mit Spaß in Angriff genommen werden. Man kann nicht alle Idiome kennen und sprachlichen und kulturellen Eigenheiten erspüren. Auch wenn die Leidenschaft für das geschriebene Wort noch so groß ist, muss einem noch lange kein Sprachtalent in die Wiege gelegt worden sein. 
Und für den Fall gibt es immer noch Übersetzungen. 

1 Kommentar:

Yvonne D. hat gesagt…

Hey,

ich danke dir für deine ausführlichen Antworten. Hat richtig Spaß gemacht das zu lesen.

LG Yvonne

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