Dienstag, 27. November 2012

... über "80 Days - Die Farbe der Lust" von Vina Jackson [ungekürztes Hörbuch]

LEKTÜRE AB 18! 
Vina Jackson
(Hörbuch, ungekürzte Lesung)

Deftige Sinnlichkeit mit verspielter, grenzenloser Probierlaune ohne Rückenhalt

Zum Inhalt:
Die junge Neuseeländerin Summer hat Sehnsucht nach der großen weiten Welt. Hungrig ist sie nach ihrem Geigenspiel und sie hat auch einen gesunden sexuellen Appetit. Noch nicht allzulang in London schlidderte sie jedoch zunächst in eine langweilige, unbefriedigende Beziehung, aus der sie bei jeder Gelegenheit nur allzugern entflieht und sich in die Melodien ihres Instrumentes flüchtet. Neben vereinzelten Gigs spielt sie auch in der U-Bahn auf und verdient eher schlecht als recht, auch wenn eines Tages aus heiterem Himmel eine 50-Pfund-Note in ihrem Geigenkasten liegt. Allerdings nimmt ihr ohnehin schon recht altes Instrument in einer U-Bahn-Rangelei irreparabel Schaden, und Summer ist am Boden zerstört, denn sie kann sich keine neue Geige leisten. Von ihrem gut situierten, aber nervtötenden Freund hat sie sich eben erst getrennt, also ist von ihm keine Hilfe zu erwarten. Überrascht findet sie kurz darauf auf Facebook eine Nachricht von einem unbekannten Profil mit dem Angebot, sie könne eine neue Geige erhalten, wenn sie denn mit den Bedingungen einverstanden sei. Neugierig stimmt sie einem unverfänglichen Treffen mit dem Universitätsprofessor Dominik zu und abenteuerlustig willigt sie rasch in das erste Privatkonzert ein. Peu à peu lässt sie sich, auch als sie längst im Besitz der versprochenen, sehr wertvollen Geige ist, von seinen Fantasien hinreißen und ergründet, abseits ihrer sexuellen Beziehung mit ihm, ihre neu entdeckte devote Seite in diversen Londoner Fetisch-Clubs. Aber die Dinge laufen aus dem Ruder ... 

Meine Meinung: 

Nachdem nun so reizvoll mit dem Spruch "Wenn Sie Shades of Grey mochten, werden Sie 80 Days lieben" (LOOK magazine) geworben wurde, fühlte ich mich herausgefordert. Denn ich kann nicht von mir behaupten, dass ich Shades of Grey mochte, nämlich, weil es ein Thema massentauglich weichspülte und hollywoodtauglich schwerwiegende Traumata kurierte, die ich im echten Leben niemandem an den Hals wünsche. 
Warum nur fühle ich mich bei diesem ganzen Hype-Zeug immer zu schrecklich langatmigen Ausführungen animiert? Sei's drum, hier sind sie ...
Wer Shades of Grey mochte, mochte den Roman vermutlich aufgrund der Aschenputtel-Romanze und dem Reiz des vorgeblich anrüchigen Kinks, und wer nun eine Romanze sucht, ist mit 80 Days vollkommen falsch beraten. Insbesondere dann, wenn nach Shades of Grey der Eindruck entstanden ist, genau dies sei erotische Literatur. Während Shades of Grey ein erotischer Liebesroman mit Stalkergehabe und Prügelwürze war, ist 80 Days ein Erotikroman ohne Romanze, aber dafür mit nuancenreichen sexuellen Spielarten, die allesamt nicht den Eindruck erwecken, dass sie mühsam zusammenrecherchiert wurden. 
Ohne nervtötende Wiederholungen und innere Zwiegespräche zeigt 80 Days Shades of Grey, wo der erotische Hammer hängt. 
Laut Verlagsinformation verbirgt sich hinter dem Autorennamen Vina Jackson ein Duo etablierter Autoren, die hier erstmals zusammengearbeitet haben. Der männliche Part - Lektor, Radiojournalist, Kolumnist - habe bereits neun Romane veröffentlicht hat, während die Dame im Bunde ebenfalls bereits Bücher geschrieben habe und eine feste Größe in der Londoner Fetisch-Szene sei. Letzteres merkt man dem Roman durchaus an, denn die betreffenden Szenen wirken überaus authentisch.
Ich empfand es als interessant, dass "80 Days - Die Farbe der Lust" einmal nicht aus nur einer Perspektive erzählt wird. Summer darf als Ich-Erzählerin auftreten, wohingegen die Passagen um Dominik bzw. auch Szenen, in denen andere Charaktere den dominanten Part übernehmen, von einem auktorialen Erzähler beobachtet werden. Dabei schließen die aus den beiden Blickwinkeln erzählten Szenen nicht immer unmittelbar aneinander an. Zum Teil überlappen sie sich, um einen tieferen Blick in die Gedanken der Beteiligten zuzulassen. Daneben bieten sie gelegentlich einen Rückblick, sodass man ein gemeinsames Erlebnis aus zwei Perspektiven betrachten kann. Da aber Dominiks Passagen in der dritten Person erzählt werden, entsteht eine gewisse voyeuristische Distanz nicht nur bei der Betrachtung intimer Szenen, sondern auch in Bezug auf die Charaktere selbst.
Mit ihrem feurigen Haar ist Summer ebenso leidenschaftlich und sinnlich wie ihr Geigenspiel, aber während ihre Lust und Fantasien zunächst weitestgehend unbefriedigt bleiben (so zerbirst sie unter anderem nicht an atemberaubenden Fließbandorgasmen). In ihrer Musik geht sie ganz auf, würde unter allen Bedingungen und an allen Orten spielen, nur um der Musik willen, die sie in andere Welten zu versetzen mag. Sie beschreibt sich selbst als hungrig und offen gegenüber erotischen Abenteuern. Zwar hegt sie vernünftige Zweifel, muss sich von ihrer Bekannten Charlotte jedoch nicht drei Mal bitten lassen, sie in einen Fetisch-Club zu begleiten. Auch wenn sie noch recht jung scheint, macht sie einen eigenständigen, selbstbewussten Eindruck. Immerhin stammt sie aus Neuseeland, hat einige Zeit in Australien verbracht, und lebt nun in Europa, bevor sie in diesem Auftaktband schließlich noch nach New York aufbricht. Dass sie eine devote Neigung hat und sich gern (ver)führen lässt, fiel ihr zwar schon früher auf, wird ihr aber erst von Dominik wirklich bewusst gemacht. 
Leider befindet sich der deutlich ältere eloquente Uniprofessor selbst noch in einer Erkundungsphase. Er hegt ausschweifende Fantasien und genoss es in früheren Beziehungen, seine Partnerinnen ab und an beim Verkehr zu versohlen, sadistisch veranlagt scheint er aber nicht. In vieler Hinsicht tritt er distinguiert auf und zeigt Sinn für Ästhetik, wenngleich ihn offenbar auch "Unsauberes" am Sex fasziniert. Ob er von Summer aber mehr als nur ein abenteuerliches Verhältnis will, ist ihm und dem Leser lange Zeit nicht klar. Es entspinnt sich damit weder eine Romanze noch eine echte Dominanzbeziehung. Dominic benutzt Summer für seine Fantasien, wofür er sie natürlich mit einer sündhaftteuren Geige fürstlich entlohnt. (Dass Summer Prostitution nicht zwangsläufig verteufelt, stellt sie bereits ziemlich früh in einem gedankenverlorenen Moment klar, als sie vor einem Stripclub steht und an Charlottes vorübergehende Karriere als Stripperin denkt.) Ansonsten lässt Dominik Summer aber von der Leine, sodass sie allein durch die Fetisch-Clubs tingelt und ihre Erfahrungen sammelt. In seiner Probierlaune geht er so weit, dass er Dritte in die Verwirklichung seiner Fantasien hinzuzieht, dabei aber zu spät merkt, dass er Summer nicht teilen will. Obwohl Summer wagemutig alles mitmacht, bekommt sie von Dominik nicht den notwendigen Rückenhalt. Sie begibt sich in ein Abenteuer, in dem sie nie wissen kann, ob ihre Grenzen, die sich gleichzeitig auch nicht abzustecken lernt, beachtet werden. Auf diese Weise entgleitet Summer Dominik, der einen recht szeneunerfahrenen Eindruck macht bzw. seinen dominanten Weg ebensowenig gefunden hat, wie Summer die gesamte Bandbreite ihrer Devotion ausloten konnte. Unter anderem verliert sie ihren Job, nachdem sie im Restaurant, in dem sie arbeitet, Männern begegnet, die sie als Fetisch-Club-Besucherin wiedererkennen. Als sie London verlässt, um in einem New Yorker Orchester zu spielen, gerät sie nicht ganz zufällig in Kinky-Kreise, in die sie, wie sie fast zu spät feststellt, nicht gehört. 
Neben diesen beiden Hauptpersonen werden Nebencharaktere eingeführt, die nicht minder kontrovers sind. Summers Pseudofreundin Charlotte führt sie zwar in die Szene ein und gibt sich als Kennerin, wird jedoch von Dominik später als Hedonistin enttarnt, die im Grunde nur mal jeden Trend ausprobiert haben muss. Im Gegensatz zu ihr entpuppt sich Lauralynn, die im ersten Moment wie eine Statistin wirkt, als der "real deal". Ich vermute, dass wir beiden nicht zum letzten Mal begegnet sind, und wir sicher auch Victor, den ich vom ersten Auftreten an als abstoßend empfand, wiedersehen werden. In all diesem Umfeld von Sinnlichkeit, Lust, Entdeckung und Leidenschaft, Szenen, in denen kein Blatt vor den Mund genommen wird und man sich selbst als Voyeur ertappen kann, kommen mir bodenständige Charaktere, wie Summers guter Freund Chris, und Augenblicke zum Durchatmen leider etwas zu kurz. 
Nachdem "80 Days - Die Farbe der Lust" geradezu spielerisch begonnen hatte und ein sinnliches Prickeln versprühen konnte, wozu die Sprache, die zwischen atmosphärisch und deftig direkt wechselt und sich qualitativ gegenüber dem allseits diskutierten Shades of Grey deutlich abhebt, erheblich beitrug, war das letzte Drittel dieses Auftaktromans für meinen Geschmack schon regelrecht von Entwürdigung geprägt und entpersonalisierte die Protagonistin, die zunächst freigeistig erschien, so stark, dass das Hörbuch kaum noch ein Genuss war. Nur gut, dass Autoren und Protagonistin noch rechtzeitig die Kurve bekamen, um Anreiz für die Fortsetzungen zu schaffen und in meinem doch auch eher dem Liebesroman zugeneigtem Herzen leise Hoffnung zu schüren.
"80 Days - Die Farbe der Lust" ist buchstäblich ein Mehrpersonenprojekt. Nachdem bereits zwei Autoren am Werke sind und für abwechslungsreiche Blickwinkel sorgen, zeichnen für die Übersetzung gleich drei Kollegen verantwortlich, und auch das Hörbuch wurde auf die weiblichen und männlichen Passagen abgestimmt von zwei Sprechern eingesprochen.
Summers Part wird von Annina Braunmiller gelesen, die ich überraschenderweise nicht sofort erkannt habe, obwohl ich nur wenige Tage zuvor ein anderes von ihr eingesprochenes Hörbuch gehört hatte. Die Sprecherin wirkt jung, aber nicht schrill oder überdreht, sondern überraschend gesetzt und insbesondere in Dialogen auf unterhaltsame Weise nuancenreich.  
Im Gegensatz dazu wirkt der männliche Part, der von Burchard Dabinnus gesprochen wird, manchmal sehr nüchtern, was, trotz vermehrter vulgärer Ausdrücke, zusätzlich zu der oben angesprochenen voyeuristischen Distanz beiträgt. Meines Erachtens passt der Sprecher gut zu der besonnenen, beobachtenden und distinguierten Seite des Professors, stimmlich wirkt Dominik allerdings älter, als ich ihn mir vorstellte. Durch die in Erzählperspektive und Stimmen wechselnden Passagen sind die knapp zehn Hörstunden relativ flott vorbei, wobei ich im letzten Drittel allerdings eher Ärger empfand, weil ich fürchtete, die Protagonistin könne unter die Räder kommen.
Ich bin froh, dass es das Medium Hörbuch gibt, denn so konnte ich auch diese erotische Geschichte aus meinem normalen Lesealltag zur Hausarbeitsbegleitung auslagern. Nachdem Shades of Grey ein ganz besonders langatmiges erotisches Leseabenteuer war, ist auch 80 Days deutlich umfangreicher als meine sonstige erotische Zwischendurchlektüre, sodass ich mich durch das Hören wesentlich besser unterhalten gefühlt habe, als wenn ich mich hinter das Buch hätte kleben müssen.
Mochte ich nun "80 Days - Die Farbe der Lust", nachdem mich Shades of Grey enttäuschte? 
Jein. 
Wahrscheinlich suche ich nach einer Mischung von beiden, aber nachdem "80 Days" im englischen Original bereits in die vierte Runde gegangen ist, sind noch nicht alle Messen gesungen.

Fazit: 

Verführerischer, deutlich erzählter Erotikroman, der sich der Sinnlichkeit von Musik bedient und mit Szene-Vibe überzeugt, aber viele Schattenseiten aufzeigt, die insbesondere Liebhabern von Zwischenmenschlichem und Herzklopfen nicht liegen dürften. 
Trotz unverkennbaren Prickelns nur bedingt für Romanzenfans geeignet. 
Wer vor vulgären Ausdrücken zurückschreckt, sollte ebenfalls nach seichterer erotischer Lektüre suchen. 

Gesamteindruck Story

3 von 5 Weißdornzweigen 
(weil die Liebesromanleserin in mir nicht aus ihrer Haut kann)




 

Gesamteindruck Hörbuch
4 von 5 Weißdornzweigen






Gesamtbewertung 
3 von 5 Weißdornzweigen 
(ich runde ab, da mich die Hörbuchumsetzung, anders als bei Shades of Grey, nicht so kurzweilig unterhalten konnte, dass es Störfaktoren in der Geschichte wettgemacht hätte)





Hörbuchdaten:
  • MP3 CD
  • Verlag: der Hörverlag; Auflage: ungekürzte Lesung (22. Oktober 2012)
  • Sprache: Deutsch, übersetzt von Gerlinde Schermer-Rauwolf, Barbara Steckhan, Thomas Wollermann
  • Sprecher: Annina Braunmiller, Burchard Dabinnus
  • ISBN-10: 3844510419
  • ISBN-13: 978-3844510416

Ein Teil von mir

... im Spiegel.

Montag, 26. November 2012

Derselbe Unterschied

... lautet mein Motto in dieser Woche. Da ich mir vergangene Woche mal wieder einen Blumenstrauß gegönnt habe, nutzte ich die Gelegenheit, um ein paar Fotoexperimente zu machen und diese dann in Lightroom fortzusetzen. Seit ein paar Wochen besitze ich endlich dieses wunderbare Entwicklungstool und befinde mich immer noch in der spannenden Probierphase. Willkommen also in meiner Woche, die sich einer und derselben Blüte widmet (ausgenommen mein Medienwechsel-Mittwoch, an dem es in dieser Woche fantastisch-nass wird).

Sonntag, 25. November 2012

Leerer Platz

Die Wassergeister des Harzes wollten sich nicht zeigen. So blieb der bemooste Stein leer ... Ich hoffe, Ihr habt einen trockenen Novembersonntag!

Samstag, 24. November 2012

... über "Unter dem Vampirmond - Versuchung" (Bd. 1) von Amanda Hocking [Hörbuch]

Amanda Hocking 
(Hörbuch)

Kaum spannungsgeladener, aber solider Reihenauftakt mit nettem Lokalkolorit um recht normale Vampire

Zum Inhalt: 
Die 17-jährige Alice Bonham wird in den Ferien von ihrer Freundin Jane von einer Disko zur nächsten geschleift. Da sie aber (trotz oder wegen ihrer gefälschten Ausweise) nirgends reinkommen, müssen die Mädchen sich wohl oder übel auf den Nachhauseweg begeben. Zu Fuß, in hochhackigen Schuhen, weil das Geld nicht für ein Taxi reicht. Dabei geraten sie an eine Gruppe fremder Männer. Während Jane sich noch rasch verstecken kann, steht Alice ihnen allein gegenüber, und als sie schon glaubt, ihr letztes Stündlein habe geschlagen, kommt ein Fremder zur Rettung herbeigebraust. Rasend schnell mischt er den rüden Haufen auf und befreit die Mädchen in Not. Sein Name ist Jack, und er sieht überhaupt nicht aus wie ein Superheld, so durchschnittlich groß, braungebrannt und im rosa T-Shirt. Jane schmeißt sich sofort an ihn heran, aber er hat nur Augen für Alice, die sich noch zurückhaltend fasziniert zeigt, ihn aber mit Fragen löchert. Bald schon verbringen Alice und Jack jeden Abend gemeinsam und obwohl alle um sie herum in Jacks Gegenwart zu verliebten Teenagern zu mutieren scheinen, und zwar einschließlich der Mutter und des jüngeren Bruders von Alice, empfindet Alice zunächst nur tiefe freundschaftliche Gefühle. Doch Jack öffnet sich ihr nicht vollkommen, weicht ihren Fragen aus und klärt sie auch in gefährlichen Augenblicken nicht auf, die verdeutlichen, dass er nicht "normal" sein kann. So dauert es auch nicht lang, bis Jack Alice seiner Familie vorstellt, wo sie auf seinen Bruder Peter trifft. Peter rührt Gefühle in ihr, die sie sich nicht erklären kann, und kurz darauf steckt die Jugendliche mittendrin in einer Welt, in der es Vampire und so etwas wie Vorherbestimmung wirklich gibt, und steht vor der Entscheidung, wie und mit wem sie ihr weiteres Leben verbringen will. 

Meine Meinung: 
Schon geraume Zeit habe ich keinen Vampirroman mehr gelesen, vor allem keinen, der sich an ein jüngeres Publikum richtet, und wenn ich ehrlich bin, hatte ich auch nicht wirklich Interesse an Amanda Hockings Reihe "Unter dem Vampirmond". 
Da es aber Monate gibt, in denen ich mit meinem Audible-Guthaben nichts anzufangen weiß, wanderten die ersten beiden Teile einfach mal "für später" in meine Bibliothek, und weil ich momentan mehr Hörgelegenheit habe, war nun Band 1 "Versuchung" an der Reihe. 
Das Hörbuch ist ungekürzt und wird von Annina Braunmiller gesprochen. 
Ich muss sagen, dass ich damit zunächst Schwierigkeiten hatte, denn die Sprecherin ist die deutsche Stimme von Kristen Stewart und damit auch der Bella Swan. Des Weiteren vertont sie unter anderem die Rolle der Erin Silver in 90210, die mir aktuell durch die regelmäßige TV-Ausstrahlung (ja, ich bin ein Fan und schaue die Serie) noch präsenter ist. Wenn ich an eine Stimme so stark gewöhnt bin, habe ich oft Schwierigkeiten, mich auf eine völlig andere von derselben Stimme vorgetragene Geschichte zu konzentrieren. (Bei M. J. Davidsons Betsy-Reihe hatte ich dieses Problem wiederum nicht, da ich "Buffy" seit Jahren nicht auf Deutsch gesehen hatte.) Deshalb benötigte ich auch zwei Anläufe für "Versuchung", habe im zweiten das Hörbuch sogar quasi in einem Rutsch durchgehört, nachdem es mir gelungen war, mich auf die Geschichte zu konzentrieren und Nerviges zu ignorieren.
Ich-Erzählerin Alice macht auf mich den Eindruck eines nicht untypischen Teenagers. Sie hängt ein bisschen in der Luft, die Schule ist nicht so ihr Ding, und sie ist von ihrer Freundin Jane, die gerne um die Häuser zieht, einen über den Durst trinkt und in fremden Betten aufwacht, genervt, lässt sich aber immer wieder von ihr mitschleifen. Von ihrer Mutter hat sie nicht viel, denn diese arbeitet buchstäblich rund um die Uhr, um Alice und ihren geringfügig jüngeren Bruder Milo zu ernähren. Obwohl Alice die "Große" ist, ist Milo der Verantwortungsbewusste, der ein Auge darauf hat, dass sie abends nicht zu spät nach Hause kommt und ordentliche Mahlzeiten auf den Tisch gebracht werden. 
In dieser Situation kommt Jack gerade recht. Er ist zwar bereits 24 und damit für Alice eigentlich zu alt, aber nach und nach entdecken sie Gemeinsamkeiten, sodass Alice gern in seiner Nähe ist. Während der Leser, dem Reihentitel sei Dank, natürlich längst weiß, dass Jack ein Vampir sein muss, lässt sich Amanda Hocking viel Zeit, bevor sie Alice endlich von ihrer langen Leitung schubst. Man könnte ihr zwar zugute halten, dass kein normaler Mensch auf die Idee käme, einen anderen des Vampirismus zu verdächtigen, aber angesichts der vielen Anzeichen war es schon unmöglich, sich noch Ausreden aus den Fingern zu saugen. 

Rosiger Samstag


Donnerstag, 22. November 2012

Dienstag, 20. November 2012

Im Fluss

Eine weitere Ansicht des Selkefalls. Klein, aber trotzdem ein hübsches Ausflugsziel. Das nächste Mal nehmen wir dann auch das Stativ und noch ein anderes Objektiv mit :)

Montag, 19. November 2012

Harzer Wasser

Anfang November unternahmen wir einen kleinen Ausflug zum Selkefall bei Alexisbad. An diesem Tag hatten wir buchstäblich von allen Seiten Wasser, denn es regnete heftig, während die Selke plätscherte und spritzte.

Sonntag, 18. November 2012

... über "Strange Angels: Verflucht" von Lili St. Crow

Lili St. Crow
Strange Angels: Verflucht 

Ereignisreiche Urban Fantasy für jugendliche Leser, die allerdings popkulturellen TV-Trends hinterherzueilen scheint

Zum Inhalt: 
Mit ihren sechzehn Jahren hat Dru Anderson schon einige Abenteuer hinter sich. Nach dem frühen Tod der Mutter zunächst bei der Großmutter aufgewachsen, nahm sie nach deren Tod der Vater in seine Obhut. Nur ist Drus Vater genausowenig ein normaler Vater wie Dru ein normaler Teenager. Mit ihm zieht sie von Ort zu Ort, denn er jagt all jenes, das der menschliche Verstand dem Übernatürlichen zuordnet. Während Dru zur Schule gehen muss, zieht ihr Vater aus, um dem Bösen den Garaus zu machen. Das gelingt ihm auch oft, doch eines Tages ist er nicht erfolgreich. Er wird ermordet und zurückgeschickt. Als grauenhafter Zombie verfolgt er nur ein Ziel: Dru zu töten. In letzter Not kann der Teenager den wandelnden Toten erledigen und ergreift erst einmal die Flucht. Graves, der halbasiatische, eigenbrötlerische Gothic aus Drus Schule, erweist sich in dieser Lage als Retter in der Not, ohne Fragen zu stellen. Er bietet ihr Unterschlupf und versorgt sie mit Nahrung. Doch bald schon gerät er mitten hinein, in Drus wahnwitzige Welt, in der nichts ist, wie man es zu kennen meint, und in der es jemand auf Dru abgesehen hat. Aber warum? 

Meine Meinung: 
Lili St. Crow ist das Jugendroman-Pseudonym der Autorin Lilith Saintcrow, deren Urban-Fantasy-Reihen Jill Kismet und Dante Valentine hierzulande bei Egmont Lyx erscheinen. Ich habe bis dato von der Autorin noch nichts gelesen, und ihr Jugendroman "Strange Angels: Verflucht" wanderte in mein Regal, weil ich ihn in einem Sonderangebot mit mehreren anderen PAN-Titeln erstehen konnte. 
Die Lektüre dieses Romans, der wieder einmal den Auftakt zu einer Reihe markiert, lässt mich unentschlossen zurück. Einerseits entpuppte sich "Strange Angels: Verflucht" als echter Pageturner, sodass ich die 380 Seiten in einem Tag durchgelesen hatte. Zum anderen aber hatte ich vor allem Probleme mit der auf taff getrimmten Hauptfigur Dru und mit der Tatsache, dass ich das Lesealter von 12 bis 15 Jahren angesichts der heftigen Szenen, in denen unter anderem Zombies mit all ihren Details beschrieben werden und einiges Blut verspritzt wird, als etwas niedrig angesetzt empfinde.
Lili St. Crow hat mit Dru Anderson einen Charakter geschaffen, der ganz wunderbar in Urban Fantasy passt und auch dem Wunsch des Lesers nach starken weiblichen Charakteren nachkommt. In diesem Zusammenhang ist die Umschlaggestaltung der Ausgabe im mittlerweile nicht mehr existenten PAN-Verlag, für die die Münchener Zero Werbeagentur verantwortlich zeichnete, deutlich zu romantisch. Nun kann man diese natürlich dahingehend auslegen, dass in Dru eine Gabe "schlummert", die, wie sich im Verlauf der Handlung herausstellt, mit ordentlicher Schulung zu voller Blüte gebracht werden kann. Neben dem Schnee, der im Hintergrund zu fallen scheint, hat die Abbildung aber nur wenig mit der Geschichte dieses Romans gemein. Weder Dru noch das Setting sind verträumt. Auch sind romantische Anflüge, wie es sich für Urban Fantasy auch gehört, eher mikroskopisch klein, denn hier geht es rasant und nicht zimperlich zugange. 
Ich-Erzählerin Dru ist aber auch ein Mädchen, bei dem man sich nicht des Eindrucks erwehren kann, dass es den Hass gegen alle Schicksen und Cheerleader dieser Erde in sich vereint. Denn Dru will partout anders sein als andere Mädchen, und das kommt mitunter aufgesetzt und übertrieben daher. Immer wieder lässt sie raushängen, wie gut sie doch eigentlich zurechtkommt und was sie alles über die Welt des Übernatürlichen weiß, und zwar in einem Maße, dass man sich fast freut, als sich herausstellt, wie gering ihr Wissen tatsächlich ist. Trotz ihrer Gabe, die sich immer wieder andeutet, aber noch nicht klar definiert wird, und der vermeintlichen Abgebrühtheit ist sie doch bloß ein Teenager, der in bestimmten Situationen Angst haben darf. Furcht und Unsicherheit äußern sich häufig in dem Bedürfnis, sich übergeben zu wollen (was angesichts der Ekligkeiten, mit denen das Mädchen hier manchmal konfrontiert wird, nicht verwunderlich ist), wobei die Autorin aber nicht mit expliziten Gefühlsbeschreibungen spart, die ich oft als überflüssig empfand.
Recht schnell gewinnt man den Eindruck, Dru sei eine wilde Mischung aus den Winchester-Brüdern (deren Vater ebenfalls über Jahre den dämonischen Mörder ihrer Mutter jagte) und der Einzelkämpferin Buffy (die auch gleich noch die ganze Scooby-Gang mit in sich vereinen muss, weil sie keine Freunde hat, die in der Schulbibliothek für sie recherchieren könnten). Sie hat jede Menge supernaturales (Halb)Wissen und kann durchaus mit einer Waffe umgehen, aber dennoch ist sie ein Mädchen, dem alle Wurzeln weggebrochen sind und das, nachdem es sich seitenweise eingeredet hat, wie taff es doch ist, zwangsläufig weinend dasitzen muss. Da ist zwar realistisch, täuscht aber insgesamt über die Überzeichnung von Dru nicht hinweg. 


Trauerkunst

Anlässlich des Volkstrauertages habe ich eine Aufnahme vom Leipziger Alten Johannisfriedhof als Bild des Tages aus meinem Bildfundus herausgesucht. Dieses Jugendstil-Relief gehörte zur Grabstätte der Buchhändlerfamilie Karl Franz Köhler und wurde von Joseph Kaffsack (*21.10.1850 in Regensburg; †7.9.1890) gestaltet.

Samstag, 17. November 2012

... über "Elfenkuss" von Aprilynne Pike

Aprilynne Pike

Erfrischende Geschichte, die Klassisches mit Neuem vereint. 

Zum Inhalt: 
Für Laurel stehen Veränderungen an. Nach Jahren liebevollen Privatunterrichts bei ihrer Mutter besucht die Fünfzehnjährige nach dem Umzug in ihr neues Zuhause erstmals eine öffentliche Schule. Etwas kalte Füße hat sie durchaus, denn Laurel ist "anders" und hat Bedenken, man könne sie meiden. Sie mag nicht lange in geschlossenen Räumen verweilen, fühlt sich von normaler Kleidung eingeengt und isst nur dann und wann etwas Obst und Gemüse. Ihre Bedenken werden jedoch relativ rasch zerstreut, als sie ihren neuen Schulkamerad David kennenlernt. Auch er ist vor nicht allzulanger Zeit von L. A. nach Del Norte umgezogen. Doch als Laurel gerade beginnt, sich in ihr neues Leben einzufügen, stellt sie merkwürdige Veränderungen an sich fest. Auf ihrem Rücken wächst ein "Knubbel", der immer größer wird und sich nur noch mit Mühe verbergen lässt. Laurel fürchtet, sie könne ernsthaft krank sein, und staunt nicht schlecht, als sich der "Knubbel" eines morgens als riesige Blüte entpuppt. Wie Flügel wachsen durchscheinende weiße und blaue Blütenblätter direkt aus ihrem Rücken. Fasziniert und besorgt zugleich vertraut sich Laurel David an. Mit seiner Leidenschaft für Biologie versuchen sie herauszufinden, was mit dem Mädchen geschieht. Eine weitere Überraschung erwartet Laurel jedoch auf dem Grundstück ihres Elternhauses, von dem sie vor Kurzem erst fortgezogen waren. Während ihre Eltern dort nach dem Rechten sehen und letzte Handgriffe anlegen, um das alte Haus, das sich seit Generationen in Familienbesitz befindet, für den bevorstehenden Verkauf fit zu machen, begegnet Laurel im umliegenden Wald einem grünhaarigen Mann. Er kennt sie und stellt sich als Tamani vor. Und er bestätigt nicht nur, was David und Laurel längst herausgefunden haben, sondern hält eine weitere Neuigkeit bereit: Laurel ist eine Elfe mit einer ganz besonderen Aufgabe ...

Meine Meinung: 
Um Aprilynne Pikes Debüt und Reihenauftakt "Elfenkuss" bin ich schon seit seinem Erscheinen 2010 herumgeschlichen, weil mich das wunderschöne Cover bezirzte und mich das Elfenthema grundsätzlich reizt. Allerdings war mir die gebundene Ausgabe immer zu teuer, sodass ich diesen Roman erst einmal zurückstellte und schließlich aus den Augen verlor. In der Zwischenzeit ist "Elfenkuss" als Taschenbuch erschienen, weshalb ich mir den Lesegenuss nun erlaubte. Obwohl es sich hier um eine weitere Jugendbuchreihe handelt und ich eigentlich keine neue Reihe mehr beginnen wollte, konnte mich der Auftaktband soweit überzeugen, dass ich weiterlesen werde. 
Lange habe ich kein Buch mehr so verschlungen wie "Elfenkuss". 
Das ist zum einem den Charakter der Laurel zu verdanken. Die Fünfzehnjährige ist nicht nur besonders und höchst interessant, sie ist außerdem sehr liebenswert und hebt sich erfrischend von der Vielzahl der verunsichert jammernden Protagonisten der Buchwelt ab. 
Sehr früh im Buch erfahren wir, wer und was sie ist, worin für Laurel ein großes Überraschungselement mit einer gehörigen Portion Unsicherheit mitschwingt. Aber anstatt sich zurückzuziehen und zu grübeln, geht dieser Charakter offensiv mit der neuen Situation um und sucht gezielt nach Antworten. 
Mit David, der, obwohl selbst noch vergleichsweise neu, Laurel instinktiv unter seine Fittiche nimmt und mit seiner verständnisvollen, besonnenen Art ihr Vertrauen gewinnt (und auch durchaus verdient), stellt Aprilynne Pike der äußerlich klassisch zerbrechlichen Elfe einen klugen und hilfreichen Partner zur Seite, auf dessen Freundschaft sie zählen kann. 
Es macht Spaß, die beiden Charaktere dabei zu beobachten, wie sie nach und nach Laurels Identität ermitteln. Untersuchungen und Experimente muten nach Doktorspielen an, schweißen die beiden aber unweigerlich zusammen. Dabei ist David (für einen Jungen) erstaunlich erwachsen. Auch als sie ganz sicher wissen, dass Laurel zwar wie ein Mensch aussieht, aber kein Mensch ist, lässt er sie nicht hängen, sondern ermutigt sie in ihrer weiteren Suche, nicht weil er sie als Bioprojekt sieht, sondern sie akzeptiert als das, was sie ist.

Sonniges Gemüt

Mit einer weiteren samstäglichen Sonnenerinnerung wünsche ich Euch ein schönes Novemberwochenende.

Freitag, 16. November 2012

... über "Engelsmorgen" von Lauren Kate [Hörbuch]

Lauren Kate

Größtenteils ein Klon des Vorgängers ohne ausreichende Antworten auf drängende Fragen

Zum Inhalt (da es sich um Band 2 einer Reihe handelt, sind Spoiler nicht auszuschließen): 
Luce lebt. Zum ersten Mal darf sie älter als siebzehn Jahre alt werden. Zum ersten Mal muss sie nicht wiedergeboren werden und Engel Daniel ihr nicht wieder begegnen, nur um sie im nächsten Augenblick zu verlieren. Leider ist die Gefahr nicht gebannt. Nach der großen Engelsschlacht, die den Reihenauftakt "Engelsnacht" beschloss, muss Daniel immer noch um Luces Wohl fürchten. Deshalb bringt er sie zu Beginn des achtzehntägigen Waffenstillstands, den er mit Cam ausgehandelt hat, fort von Sword & Cross nach Shoreline, ein Internat an der kalifornischen Küste. Dort darf Luce rasch feststellen, dass auch dieses keine normale Schule ist, sondern neben ganz normalen Schülern Nephilim unterrichtet werden. Für diese sind Luce und Daniel beinahe eine Legende, die Geschichte um ihre große Liebe eilt ihnen buchstäblich voraus. Während Daniel sich aus Sicherheitsgründen fernhalten muss und gar nicht, wie Luce gehofft hatte, mit ihr zusammensein kann, lernt Luce neue Freunde kennen und erkundet die Bedeutung der Schatten, die sie seit ihrer Kindheit begleiten. Sie nutzt die Gelegenheit, um mehr über ihre früheren Leben in Erfahrung zu bringen, denn Daniel gibt ihr nicht die Antworten, die sie braucht. Auch beginnen sich leichte Zweifel einzuschleichen, ob das, was sie mit Daniel verbindet, wirklich die wahre Liebe oder gar nur ein vorherbestimmter Zwang ist. Und die Zeit bis zum nächster Schlacht läuft ab ... 

Meine Meinung: 
Nachdem ich den Reihenauftakt "Engelsnacht" als Hörbuch konsumiert hatte und zu dem Schluss gekommen war, dass ich diese Reihe nicht auf Biegen und Brechen verfolgen bzw. im Regal stehen haben muss, lud ich mir in einem jener Momente, in denen man partout nicht weiß, was man für sein Audible-Guthaben erwerben soll, auch den zweiten Teil "Engelsmorgen" als Hörbuch herunter. Dieses ist, wie schon Band 1, gekürzt, allerdings glaube ich, dass das Gefühl, kaum Antworten erhalten zu haben, eher an der Geschichte selbst liegt und nicht an der Kürzung des Hörbuchs. 
"Engelsmorgen" wirkt lange Zeit wie eine Kopie seines Vorgängers, und zwar so stark, dass man sich über Story-Recycling ärgern möchte. Wieder wird Luce in ein Internat gesteckt, wieder ist es voll von Fremden, nur, dass sich dieses Mal keine Engel zwischen den Menschen befinden, sondern  Nephilim, "halbe" Engel, mit höchst unterschiedlichen Fähigkeiten, wieder muss Luce eine neue Freundin finden, die hier nun eine Nephilim ist, wieder stylt sich Luce um und während wieder ein neuer Junge ein Auge auf sie wirft, schmilzt Luce noch immer in Daniels Armen bedingungslos dahin, wenn er denn kurz hereinflattert, um nach dem Rechten zu sehen. 

Was übrig blieb ...


Donnerstag, 15. November 2012

... über "Sunday Girl" von Isabel Ashdown

Isabel Ashdown 

Erwachsen werden geht so schnell. Viel schneller, als einem manchmal lieb ist ... und hinterlässt Wunden, die sich nicht schließen wollen. Vor allem, wenn man schweigt.

Zum Inhalt: 
1986 ist Sarah Ribbons' letztes Schuljahr im englischen East Selton, und  mit einem Mal scheint alles anders. Obwohl sie einen festen Freundeskreis hat, ist sie auf der Suche nach ihrem Platz. Einerseits fühlt sie sich, in den Sommerferien 1985 süße 15 Jahre alt geworden, erwachsen, andererseits ist sie ein Kind, das von den Veränderungen in seinem Leben überwältigt wird. Da ist Dante, der sich für sie interessiert und mit dem sie erste Zärtlichkeiten austauscht, bis er mehr will. Mehr, als sie zu geben bereit ist. Zwei Minuten später liegt er in den Armen von Sarahs bester Freundin Kate. Und überhaupt: Was ist das nur mit den Freundschaften? Kate und Tina sind Sarahs beste Freundinnen, aber trotzdem machen sie sich lautstark über Sarahs alten Vater lustig, verletzen einander, tuscheln. Man liebt sich, man hasst sich, und drei Tage später verträgt man sich wieder. Zu allem Überfluss bringt Sarahs Vater, der mit seinen sechzig Jahren deutlich älter ist als die übrigen Eltern, eine Freundin ins Haus. Ein Affront für Sarah, die doch viel lieber endlich mehr über ihre Mutter erfahren möchte, die nicht lang nach Sarahs Geburt verstorben war. Nur John, der Lagerist in der Drogerie, wo auch Sarah nach der Schule jobbt, ist eine verlässliche Konstante für das Mädchen. Er ist ein paar Jahre älter und hat Sarah aufrichtig gern. Doch Sarah, die Enttäuschung über Dante hat sie abgestreift, fühlt sich längst zu einem anderen hingezogen ... und als sie vierundzwanzig Jahre später anlässlich eines Schultreffens zum ersten Mal nach East Selton zurückkehrt, wird die Vergangenheit greifbar und Sarah bekommt - vielleicht - Gelegenheit, mit alten Fehlern und Schmerzen abzuschließen.


Ufergast


Dienstag, 13. November 2012

Mein E-Reader und ich - Bestandsaufnahme nach einjähriger Beziehung

Der Pitch zu diesem Beitrag lautet: "Der kleine Kindle langweilt sich und möchte gern wieder aus dem E-Paradies angeholt werden."

Mein E-Reader und ich: die langatmige Fortsetzung von "Wie die Jungfrau ...
bzw. 
"Warum es mit mir und dem E-Book nicht so recht klappen will" 

Und nein, das ist immer noch kein Testbericht!

Das Trüffelnäschen (=mein Sohn) hat es wiedergefunden, das kleine graue Ding, das sich seit einem Jahr in unserem Besitz befindet und ein gutes Vierteljahr lang verschwunden war, wenn auch nicht vermisst wurde. Ansonsten fest in der Hand des krimilesenden Imkers war der E-Reader mit der tollen elektronischen Tinte wohl im Zuge eines schnarchigen Plots aus eben jener Hand entglitten und hatte es sich in einer Ecke des schwedischen DIY-Bettes bequem gemacht, wo ihn mein Hausfrauenputzgespür nicht vermutet hätte. Und weil das Leben immer wichtiger ist als ein schnödes Buch ganz gleich in welcher Form, geriet das kleine graue Ding mit der Schnarchhandlung im realen Lebensplot in Vergessenheit und wurde erst vor einigen Tagen von der Trüffelnase, die mit elefanteskem Erinnerungsvermögen nach einem Spielzeug fahndete, wieder aufgespürt. 
Für mich Grund genug, mein erstes Jahr mit einem E-Reader zu hinterfragen. 
Grundsätzlich bin ich sehr wohl pro Ressourcenschonung, auch wenn das Augenwischerei ist, weil für meinen Kamin auch Bäume sterben, um angesichts der horrenden Heizkosten meine Ressourcen zu schonen. Und natürlich haben wir weder unendlich Platz noch Statik (wenn ich mir überlege, dass unser Haus schon so alt ist, dass es ganz sicher normenfrei und höchstwahrscheinlich nach dem traditionellen Pi-mal-Daumen-Prinzip errichtet wurde, mag ich gar nicht erst über eine Bibliothek im Obergeschoss nachdenken). Mit einem vernünftigen Verständnis für das Medium E-Book habe ich (immer noch) den festen Willen, mich diesem zu öffnen. Und das Produkt des Monopolisten, den ich - Achtung, schon wieder Augenwischerei - einerseits nicht übermäßig zuarbeiten möchte, aber trotzdem sehr regelmäßig nutze (auch in Form dieses tollen Partnerprogramms), sagt mir tatsächlich grundsätzlich zu. Es hat einen Speicherplatz, der sowohl des Mannes Krimis und literarische Belletristik als auch meine Schnulzchen gepaart mit ein paar lehrreichen Kinderbüchern für Sohnemann beherbergt und deren sinnvolle Sortierung zulässt, damit der Mann niemals versehentlich in den Schmalz- und Schmachttopf langt. Seine E-Ink simuliert das echte Buch ganz wunderbar, und das bei absolut minimalem Stromverbrauch (in der Zwischenzeit müsste ich das multimediataugliche Apfelgerät schon wieder mehrfach an die Stromquelle hängen). Dass ich inzwischen doch eine echte Tastatur an unserem simplen Standardprodukt vermisse und meine touchscreenverwöhnten Finger immer mal wieder einen falschen Weg einschlagen, lässt sich verschmerzen. Herausforderungen braucht man schließlich ab und an und den lehrreichen Fingerzeig, dass es sich manchmal lohnt, abzuwarten, bis die nächste Gerätegeneration auf dem Markt ist, sowieso. 
Also: Im Grunde eine feine Sache für meinen großen Willen. Eigentlich. Aber. 
Hüpfen wir einmal geschwind in meinen bildschirmlastigen Arbeitstag.
Sitzt das Schulkind endlich im Schulbus, starte ich gegen Viertel nach sieben mit meinem Übersetzungsplan. Dank Digitalisierung komme ich seit ein paar Jahren ohne Fax aus und empfange mittlerweile sämtliche Texte (ausgenommen ein oder zwei Urkunden per Post) als Datei. Auch wenn ich ein Laptop-Arbeiter bin, passen zwei Dokumente hervorragend auf meinen Bildschirm, sodass ich mir meinen PDF-Text links anordne und rechts in Word mit Tippen loslege. Im Idealfall ist der Ausgangstext ohnehin ein Word-/Office-Dokument, das ich direkt überschreibe. Einfach den Ausgangstext schön mit der Übersetzung überfahren und dann nur das Speichern unter anderem Namen nicht vergessen. Auf diese Weise gelingt es mir, erst einmal vier Stunden durchzutippen, ohne nach links und rechts zu schauen (wenn ich nicht gerade den Kamin füttern muss). Nach einem mittellangen Topftanz am Herd (immerhin habe ich einen körperlich arbeitenden Landwirt zu Hause) geht es noch einmal vier Stunden weiter, und manchmal noch nach Kinderbettzeit, wenn Liefertermine drängen (dass ich zwischendurch in irgendwelchen sozialen Netzwerken herumhänge, damit man mein Autoren-Ich nicht vergisst, bzw. natürlich auch recherchieren muss, kann dabei getrost ebenfalls als Bildschirm"arbeit" verbucht werden). 
Korrekturlesen auf Papier (und meine gelegentlichen Lektoratsjobs - ebenfalls auf echtem Papier) empfinde ich deshalb als absolute Wohltat. Nicht nur, dass ich dort die Fehler sehe, für die ich am Bildschirm blind bin, nein, es ist ein kleiner Traum, den Blick von hintergrundbeleuchtetem virtuellem Papier abzuwenden und (zugunsten der Abwechslung in der Handhaltung) mit einem echten Stift meine Texte umzustülpen und für die abschließende Korrektur am Bildschirm vorzubereiten. Zwischendurch noch ein echtes Wörterbuch hergenommen, im Duden geblättert, und dann geht es wieder an den Bildschirm. The same procedure every day ... Na ja, fast. Manchmal tritt das entspannende Korrekturlesen erst nach einer Woche Bildschirmfestklebens ein. Und wenn ich Glück habe, habe ich am Abend manchmal noch Lust, etwas Anspruchsloses zu lesen. Wenn ... 
Als wenn ich denn Lust habe, werde ich direkt von meinem SuB hynotisiert, der physisch in all seiner mahnmalhaften Pracht gut in kleineren Stapeln in Büro, Wohnzimmer und Schlafzimmer verteilt nach mir ruft. Komischerweise hat der Kindle das ganze Jahr nur im Urlaub nach mir gerufen, wo er als Raumsparwunder mit großer Titelauswahl punkten konnte. Zu Hause wieder baumelte er am Rechner des Imkers, der im Alltag selten traditionelle Bücher kauft, sondern eher mal - neudeutsch - rereadet. Aber selbst wenn der Kindle gerade in seinen Händen ist, können mich Lese-Apps und Co. am Abend auch nicht an den Rechner zurücklocken. Es gibt Tage, an denen will ich nicht einmal Fotos in die Lightroom-Bibliothek einpflegen, weil ich den Computer nicht mehr sehen kann. 
Inzwischen sind Texte für mich sehr flüchtig geworden. Nach dreizehn Jahren im Job habe ich so viel Text gesehen, dass der Speicherplatz in meinem Oberstübchen erschöpft ist. Was die Übersetzungsthemen der vergangenen Woche anbelangt, bin ich geradezu dement, und das, obwohl ich den Text naturgemäß nicht zur Unterhaltung konsumiere, sondern mich mit dessen Sprache auseinandersetze und Idiome, Wörter und Inhalte sehr wohl auf eine Waagschale legen muss. Dazu kommt, dass neben dem eigentlich Text noch viele weitere Texte im Zuge von Recherchen konsumiert werden müssen, die ich dann nach Abschluss des Auftrages wieder aus meinem Zwischenspeicher entlassen muss. 
So ergab es sich, dass es mir überhaupt nicht auffiel, dass unser E-Reader schon längst eine Vermisstenanzeige verdient gehabt hätte. Als er sich wieder anfand, war ich sogar überrascht, wie viele Inhalte sich inzwischen angesammelt hatten, denn kostenlose E-Books sind schnell in den Warenkorb hineingeklickt und befinden sich nun in bester Gesellschaft mit E-Books, die ich ganz bewusst gekauft habe. Die virtuelle Bibliothek übersteigt meinem physischen SuB um ein Vielfaches, und ich wage zu bezweifeln, dass ich sie je abarbeiten werde, es sei denn, ich lese ab sofort nur noch E-Books und kaufe weder E- noch Papierbücher dazu. 
Gratis-Aktionen sind absolut verführerisch, und auch ich habe sowohl in der Weihnachtszeit als auch im Sommer immer wieder von ihnen Gebrauch gemacht, wann immer ich irgendwo in sozialen Netzwerken darauf aufmerksam gemacht wurde. 
ABER. 
Von den mittlerweile an die zweihundert elektronischen Büchern habe ich selbst bisher ganze sieben gelesen, davon zwei Kinderbücher mit meinem Sohn. Zwei der Bücher habe ich hier rezensiert, bei drei weiteren weiß ich, wenn ich den Titel sehe, dass ich sie gelesen habe, kann mich aber nicht an den Inhalt erinnern. Mehr als zweihundert Seiten hatte keines der Bücher. (Bevor Missverständnisse aufkommen: Ich habe über die Jahre - bereits vor meiner aktiven Bloggerzeit - schon mehrere Bücher in PDF-Form am Bildschirm gelesen, unter anderem aus dem breiten, preisgünstigen Angebot von Coffee Time Romance, allerdings ist der Kindle meine erste Erfahrung mit echten E-Books). Und immer wieder schaue ich auf das Inhaltsverzeichnis, mit dem bitteren Gedanken: "Oh ja, stimmt, das wollte ich auch noch lesen." Dann lege ich den E-Reader zurück auf den Schreibtisch und verschwinde mit einem traditionellen Buch auf dem Sofa oder in der Badewanne oder ... 
Im Gegensatz zu meinem papiernen Bücherstapel habe ich keine Ahnung, welche elektronischen Bücher ich besitze, und bin jedes Mal erstaunt, was ich so alles in der Bibliothek vorfinde (nur, um es dann gleich wieder zu vergessen).   
Irgendwie stimmt mich das sogar traurig. Vor allem auch im Hinblick auf die Gratis-Aktionen, deren Ergebnisse oft mit viel Stolz in den Netzwerken kundgetan werden. Ich finde nämlich, dass ein Autor es auch verdient, dass ich seinen Text lese, wenn ich ihn mir schon - in welcher Form auch immer - angeschafft habe. Was nützt dem Autor mein Zugriff auf sein kostenloses Schnäppchen, wenn er mir letzten Endes keine Unterhaltung beschert, nur weil ich meine Bibliothek so künstlich aufgebläht habe, dass ich ihn unter vielen gar nicht mehr finde (und ich selber schreibe ja im Grunde auch für die drei bis fünf Menschen, die meine Geschichten lesen wollen; volle Schubladen will ich eigentlich nicht produzieren). Immerhin habe ich bei einigen Autoren für Tantiemen gesorgt, wenngleich ich ihr Werk immer noch nicht gelesen habe. Aber genau das Nichtlesen ärgert mich, ganz gleich ob elektronisches oder traditionelles Buch. Wer schreibt denn Geschichten nur, um sie zu verkaufen? Gut, das ist (m)ein generelles Problem, das nicht e-bezogen ist. 
Nach einem (Kalender)jahr Kindle-Besitzes und extrem spärlicher Nutzung muss ich feststellen, dass ich zwar mit meinen sechsunddreißig Jahren eigentlich gut mittendrin im digitalen Zeitalter und auch noch hinreichend lernfähig bin, das Medium E-Book für mich persönlich trotz seiner vielen Vorteile, die auch für mich klar auf der Hand liegen, ein flüchtiges Medium ist, das meine Gratismentalität, die mir im Grunde zuwider ist, mächtig anstachelt und mich zum Hamstern animiert, wobei das eigentliche Lesen aber zu kurz kommt. 
Unsere heutige Zeit ermöglicht uns, die für uns passenden Unterhaltungsprodukte zu wählen. Während der Autor zwischen verschiedenen Wegen wählen kann, um seine Geschichten an den Leser heranzutragen, kann der Leser ebenso entscheiden, wie er lesen will bzw. was am besten zu seinem Leseverhalten passt. 
Obwohl ich mich keineswegs vor dem elektronischen Buch verschließen und es auch weiterhin meinem Sohn anbieten werde, weil ich denke, dass man lernen kann, elektronische Medien mit traditionellen Lernmethoden so zu kombinieren, dass man am Ende tatsächlich auch etwas lernt, muss ich nach diesem ersten Kindle-Jahr feststellen, dass ich kein E-Book-Leser bin. 
Ich arbeite in Heimarbeit, muss so gut wie nie im öffentlichen Verkehr Fahrten unternehmen, verreise kaum noch (außerdem bin ich überhaupt kein Urlaubsleser, weil ich froh bin, wenn ich im Urlaub textfrei sein kann) und neige dazu, Texte, unabhängig von der Qualität des Inhalts, schnell zu vergessen, wenn ich sie am Bildschirm lese. In Verbindung mit dieser letzten Feststellung wurde mir bewusst, dass ich E-Books deutlich schneller lese als ein traditionelles Buch. Im traditionellen Buch blättere ich langsamer bzw. blättere auch gerne und nicht selten eine Seite zurück, um etwas noch einmal zu lesen. Bei E-Books tue ich das nie, und ich weiß nicht einmal, warum. Damit verstärkt sich natürlich der Eindruck der "Flüchtigkeit". Und das, obwohl ich wirklich kein Vielleser bin, sodass Geschichten durchaus eine gewisse Zeit in mir nachhallen dürfen. In diesem Jahr werde ich es, ohne Kinderbücher, inkl. E-Books und Hörbüchern, im Schnitt auf ein Buch pro Woche bringen. Ein Experiment, das ich im nächsten Jahr nicht fortsetzen werde, weil ich anfange, den Lesegenuss zu vermissen. 
Mein eigenes E-Leseverhalten ist im Übrigen auch einer der Gründe, warum es noch kein E-Book von mir gibt. 
Lange Rede, kurzer Sinn. 
Ich fühle mich derzeit noch nicht als geeigneter E-Book-Adressat, werde dem elektronischen SuB im nächsten Jahr eine weitere Chance einräumen. 
Und wer weiß. Vielleicht geht unser Kindle-Fazit ja in eine positivere zweite Runde. Beziehungen sind Arbeit.
Ich bleibe optimistisch!      
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