Freitag, 31. August 2012

Ausklang

Mit dieser Impression, die zwar kein Augustbild, aber immerhin ein Sommerfoto dieses Jahres ist, verabschiede ich den Ferienmonat und wünsche Euch ein schönes erstes Septemberwochenende!

Mittwoch, 29. August 2012

Dienstag, 28. August 2012

Himmelsformationen über Südharz

Dieses Bild stammt vom selben Sonntagsausflug wie das gestrige und wurde fast an selber Stelle aufgenommen. Unweit von dort befindet sich eine Höhle, die meine Fantasie verrückt spielen lässt (wenn nun noch Zeit und Hände mitmachten, wäre ich glücklich).

Montag, 27. August 2012

Gemächlicher Wolkenzug

Mit diesem Bild von einem Sonntagsausflug starte ich in meine Landschaftsversuchswoche und wünsche Euch einen gemütlichen Start für die letzten Augusttage!

Samstag, 25. August 2012

Im Aquarium

Da schleifte mich mein Sohn nun ins Aquarium, das auch ich als Kind schon geliebt habe. Nur habe ich damals niemandem befohlen, Fische zu fotografieren ... Sofort wurde ich von traumatischen Erinnerungen aus dem Übersetzungsunterricht heimgesucht. Damals, vor ??? Jahren, mussten wir nämlich einen russischen Text über das Fotografieren von Fischen in Aquarien übersetzen. Tja, damals fand ich den Text doof und das Thema erst recht. Ich und Fische! Na klar. Fotos machte ich im Urlaub und befasste mich sonst nie damit. Hätte ich doch mal besser aufgepasst ... denn herausgekommen sind nur ein paar schummerige Bildchen mit verkratzten Scheiben. Memo an mich (das hundertste!): ISO-Theorie studieren! :-)

Freitag, 24. August 2012

Auf dem Weg nach unten

Wie unschwer zu erkennen, haben wir einen etwas trüben Tag erwischt, als wir uns für den Zoo entschieden haben :-)

Mittwoch, 22. August 2012

Im Visier

Ich habe leider vergessen, um welche Art Kröte es sich handelt. Jedenfalls quetschte sich das arme Tierchen zwischen Terrariumscheibe und Stein und konnte sich doch nicht verstecken, weil es viel zu groß war, um im Zoo übersehen zu werden.

Montag, 20. August 2012

Mahlzeit!

Obwohl ich eine neue Spielerei entdeckt habe, deren Ergebnisse ich euch nicht vorenthalten möchte, setze ich erst einmal meine spärlichen Impressionen aus dem Zoo Leipzig fort. Ich wünsche euch einen guten Wochenstart!

Donnerstag, 16. August 2012

... über "Töchter des Mondes, Band 01: Cate" von Jessica Spotswood

Jessica Spotswood

Eigenständigkeit und selbstgewählte Liebe mit oder trotz Magie?


Zum Inhalt: 
Die Cahill-Schwestern leben im Neuengland am Vorabend des 20. Jahrhunderts. Ihre Welt wird von der Bruderschaft reglementiert, die den Menschen Gottbefohlenheit vorschreibt, Bücher zensiert und Frauen in Kinderdienst und Küche verbannt. Mit glühendem Eifer verfolgt die Bruderschaft vor allem Hexen, die genau das Frauenbild repräsentieren, dass man in dieser Gesellschaft nicht haben will. Die fast siebzehnjährige Cate und ihre Schwestern Maura und Tess sind jedoch Hexen, weshalb sie tagtäglich ihre Kräfte im Zaum halten müssen. Cate, die nach dem Tod der Mutter wie versprochen die Mutterrolle übernommen hat, kümmert sich hingebungsvoll um ihre jüngeren Schwestern und sieht deren Entwicklung mit Stolz, Sorge und einer gesunden Portion Neid. Bislang ist es den Schwestern gelungen, ihre Fähigkeiten - auch vor dem eigenen Vater - zu verbergen, doch je näher Cates Geburtstag rückt, rückt sie auch stärker in öffentliches Interesse. Cate und auch die unwesentlich jüngere Maura können sich nicht länger im väterlichen Haus und Garten verstecken. Für die Älteste ist es an der Zeit, einen Ehemann zu nehmen. In ihrem Alter ist jede Heranwachsende gezwungen, öffentlich eine Absichtsbekundung abzugeben und zu erklären, ob ihr eine Verlobung bevorsteht oder ob sie sich für den Dienst vor dem Herren innerhalb der sogenannten Schwesternschaft entscheidet. Für Cates Vater, der gesundheitlich stets leicht angeschlagen ist und sich häufig auf langen Reisen befindet, ist der Zeitpunkt gekommen, eine Gouvernante für seine klugen, aber durchaus eigensinnigen Töchter einzustellen, die sie gesellschaftlich fitmachen soll. Als die selbst gerade achtzehnjährige Elena die Stellung antritt, bleibt Cate misstrauisch. Wenngleich sie ihre magischen Fähigkeiten akzeptiert und meistens unter Kontrolle hat, wächst die Angst, aufzufliegen, Tag um Tag. Denn eines Tages erhält sie einen Brief von ihrer ihr bislang unbekannten Patentante, die sie auffordert, die Tagebücher ihrer Mutter zu lesen. Mit Entsetzen erfährt die junge Hexe auf diese Weise von einer gefährlichen Prophezeiung, die zahlreiche Ereignisse der jüngsten Vergangenheit in neues Licht taucht. Die Furcht, bald zu jenen Frauen zu gehören, die von der Bruderschaft vom Fleck weg verhaftet und weggesperrt wurden, sitzt tief, und Cate versteht, dass mehr denn je jeder Schritt überdacht werden muss. Und als hätte sie damit nicht genug Sorgen, wirbeln auch noch zwei junge Männer ihre Gefühlswelt durcheinander. Paul, ihr Kinderfreund, der beinahe passend, kurz bevor sie ihre Absichtsbekundung abgeben muss, von seinen Studien zurückkehrt und sie umwirbt. Paul, ihr bester Freund, den sie kennt und schätzt, der aber ihr Herz nicht höher schlagen lässt. Und da ist noch Finn, der Sohn der Buchhändlerin, der sich als Gärtner bei den Cahills ein Zubrot verdient. Finn, mit seinem Kupferhaar und den kecken Sonnensprossen, ein kluger junger Mann der nicht standesgemäß ist, dessen Kuss unwissend dafür sorgt, dass Cates Magie überbordet. So naht denn der Termin, der über ihre Zukunft entscheiden soll, und zwingt Cate zu einer folgenschweren Entscheidung ... denn sicher sind die Schwestern nirgends. Nicht vor der Bruderschaft. Nicht in der Schwesternschaft. Nicht einmal im eigenen Haus und voreinander.


Meine Meinung: 

Ich gebe zu, ich war skeptisch. Nach acht Fernsehstaffeln Charmed bin ich Hexengeschichten gegenüber ziemlich voreingenommen, und wenn dann auch noch gleich drei Schwestern ins Spiel kommen, schrillen die Alarmglocken. 
Die der englischen Ausgabe nachempfundene Umschlaggestaltung der aktuellen Ink-Neuerscheinung war jedoch viel zu verführerisch, als dass ich den Roman in der Buchhandlung stehen lassen konnte. 
Rein optisch wird "Töchter des Mondes, Band 01: Cate" zu einem Blickfang und zählt gewiss zu den schönsten Büchern in meinem Regal. 
Wie immer ist auch dieser Roman in Festeinband eingeschlagen, wobei die junge Dame lediglich auf dem Schutzumschlag zu sehen ist. Nimmt man diesen ab, tut sich eine nicht minder schöne Abbildung auf, denn der Festeinband zeigt nur noch die Wiese, auf der das Mädchen lag, seinen Rosenhaarschmuck, der eine inhaltliche Verbindung herstellt, und eine geheimnisvoll blau leuchtende Libelle, die wiederum keine besondere Bedeutung zu haben scheint. Die nackten Beine des Titelmädchen passen zwar nicht in die Zeit der Handlung, wo die junge Dame mit Korsett und Tornüre in S-Form gezwängt wurde, widerspiegeln aber durchaus den Freigeist der Protagonistinnen, die innerlich sehr wohl gegen die patriarchalische Unterdrückung durch die Bruderschaft aufbegehren und ihr Leben selbst bestimmen wollen. 
Nach der Lektüre frage ich mich allerdings immer noch, woher der deutsche Titel der Reihe stammt. Eine Verbindung zum Mond an sich konnte ich nicht feststellen, aber eventuell steht hier tatsächlich der Mythos um Persephone Pate, die in dieser Geschichte Teil der befreienden oder verhängnisvollen Prophezeiung ist und mythologisch in Verbindung mit ihrer Mutter Demeter wohl für Fruchtbarkeit und Jahreszeiten steht. 
Jahreszeiten, die immerhin mit dem Mond zusammenhängen, gehen den drei Schwestern nämlich locker von der Hand, sodass es der gerade zwölfjährigen Tess, ohne den Finger zu rühren oder gar einen Zauberspruch laut auszusprechen, gelingt, den Herbst zurück in den Sommer zu verwandeln. Dennoch empfinde ich den Reihentitel als etwas verwirrend, weil ich immer an die Schwestern des Mondes denken muss, die ja nun aus Yasemine Galenorns Feder stammen und gar nichts mit den Cahills gemein haben. Der Untertitel "Cate" deutet an, dass sich weitere Bücher mit den anderen zwei Schwestern befassen könnten. An dieser Stelle muss allerdings bereits gesagt werden, dass Cates Geschichte mit diesem Auftaktband längst nicht zu Ende erzählt ist. 
Cate Cahill tritt in Jessica Spotswoods Debüt als Ich-Erzählerin auf und lässt den Leser ihren Erlebnissen im Präsenz beiwohnen. Obwohl ich kein ausgemachter Präsenzleser bin, gefällt mir dies in "Töchter des Mondes: Cate" recht gut, weil man dadurch hervorragend in die Gefühlwelt der Erzählerin eindringen und zudem keine lästige Historienbarriere aufkommen kann. 
Tatsächlich gelingt es Jessica Spotswood, trotz des historischen Ambientes keine künstliche Steifheit zu schaffen und so zu erzählen, dass sich die jugendliche Zielgruppe zwischen 14 und 17 Jahren weder langweilt noch veralbert vorkommt. Die zeitgemäße Mode spielt mädchentypisch eine Rolle, wird aber, nicht wie in anderen Genreromanen für dieselbe Altersgruppe, in den Vordergrund gedrängt. Die Autorin bietet damit eine vergleichsweise ausgewogene Mischung von fiktiv-historischem Ambiente, Teenagerproblemen, verstaubten Konventionen und Zwängen und Hexerei.
Letztere überzeugt mich allerdings noch nicht vollends, weshalb "Töchter des Mondes: Cate" bei mir auch nicht volle Punktzahl erzielen kann. Die Magie, die sich in verschiedenen Formen als roter Faden durch den paranormal angehauchten Roman zieht, ist mir zu simpel und zu glatt. Sie ist ab einem gewissen Alter einfach da wie der erste Pickel. Zwar wachsen die Fähigkeiten, aber sie wohnen den Charakteren sozusagen inne und bedürfen kaum Hilfsmittel, auch wenn sie gewissermaßen trainiert werden müssen. Ein lateinischer Infinitiv genügt als Befehl, um Dinge geschehen zu lassen, wobei die jüngste Schwester Tess diesen nicht einmal laut aussprechen muss. Es gibt keine Zauberbücher im herkömmlichen Sinne, die verdächtig machen könnten, keine Zaubersprüche, die aufwändig zusammengereimt werden müssen. Die Magie, die den Schwestern zum Verhängnis werden kann, war mir persönlich einen Tick zu selbstverständlich. Andererseits ist die magische Komponente des Buches dadurch wiederum sehr natürlich, wirkt nicht altbacken oder klischeehaft und bildet eine Metapher für den Wunsch nach Selbstbestimmung der Frau.
Wie so oft in einem Auftaktband sind die Protagonisten noch nicht "ganz fertig", machen aber Lust auf mehr, denn keine der Schwestern ist so, wie sie zunächst scheint. Noch ist es dank kleiner Überraschungen unklar, welches der drei ungleichen Mädchen die mächtige Hexe ist, die die Prophezeiung erfüllen wird. Die kleine Tess, die mit ihren zwölf Jahren schon einige Fähigkeiten hat, an denen ihre Schwestern längere Zeit üben mussten? Maura, die bücherversessene mittlere Schwester, die ihre Magie gerne einmal trotzig gegen ihre Schwester wendet und in Elena mehr sieht als nur die Gouvernante? Oder doch Cate, die Vernünftige, die Mütterliche, die immer so vorsichtig ist, sich dann doch unerwartet anvertraut und vermutlich mehr Kräfte besitzt, als sie sich selbst zutrauen würde? Vielleicht sind wir auch gänzlich auf dem Holzweg ... 
Alle drei Schwestern sind, so unterschiedlich sie auch dargestellt werden, sehr sympathisch, sodass man gern mehr von ihnen lesen und sie bei ihrem weiteren Weg begleiten möchte. Alle drei sind für ihr junges Alter recht reif und verständig, wenngleich Maura mit ihrer gewissen Störigkeit immer mal wieder über die Stränge schlägt und noch für netten Konfliktstoff sorgen dürfte.
Auch die jungen Männer, zwischen denen Cate steht, sind auf eine ansprechend sympathische Weise gezeichnet, dass sich auch der Leser nicht entscheiden könnte. Paul, der Studierte, der Gesellschaftsfähige, der ein Leben voller Unternehmungen zu bieten hätte, ein Leben, das nicht langweilig wäre und in dem Cate einen Freund hätte (bis wahrscheinlich die sprichwörtliche "Luft raus wäre"). Finn, der nicht minder intelligent ist, aber nicht zu Studien in die Stadt aufbrechen kann. Weil er entgeltlich fremder Leute Unkraut rupfen muss, um Mutter und Schwester zu ernähren, da der geerbte Buchladen unter strenger Zensur steht und kaum etwas abwirft. Finn, der jedes Buch kennt, das Cate je gelesen hat. 
Außer diesen beiden Verlobungsanwärtern kommen die übrigen Männer in Jessica Spotswoods Geschichte nicht so gut weg. Selbst der Vater der Cahill-Schwestern glänzt trotz guter Absichten, seinen Töchtern ein gutes Leben und eine gute Ausbildung zu gewährleisten, mehr durch Abwesenheit, Unkenntnis seiner Töchter und seltsame Kränklichkeit als echte väterliche Wärme. 
Als Unsympath wird Bruder Ishida eingeführt, denn dieser ist für die regelrechte Hexenjagd, die in letzter Zeit noch zunimmt verantwortlich, und er hat die Cahills sehr wohl im Visier. Ich bin schon sehr gespannt, was geschieht, wenn er in seinem eigenen Haus einmal näher hinschaut.
Ein Reihenauftakt, der nach Fortsetzung schreit, die aber leider, so lässt die Autorin auf ihrer Website vernehmen, erst für Juni 2013 anberaumt ist. 

Fazit: 
Zauberhafte Geschichte um besondere Hexenschwestern, die nicht nach Dämonen jagen, aber auf ihre Weise die Welt retten und ihr Leben selbst bestimmen könnten. 
Trotz historischen, herbstlichen Flairs sommerlich leicht zu lesende Lektüre, mit aufkeimender Liebesgeschichte, die Lust auf mehr macht.  

Gesamteindruck: 
4 von 5 Weißdornzweigen




  • Gebundene Ausgabe: 363 Seiten (mit Schutzumschlag, aber ohne Lesebändchen)
  • Verlag: Ink; Auflage: 1 (9. August 2012)
  • Sprache: Deutsch, übersetzt von Stefanie Lemke
  • ISBN-10: 3863960246
  • ISBN-13: 978-3863960247
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 - 17 Jahre
  • Neupreis: 17,99 €
Erhältlich als: 
-> Gebundene Ausgabe in deutscher Sprache
-> Kindle E-Book in deutscher Sprache
-> Hörbuch, gelesen von Nana Spier
-> Gebundene Ausgabe in englischer Sprache
-> Taschenbuch in englischer Sprache (ab Januar 2013)
-> Kindle E-Book in englischer Sprache

Buchtrailer:

Diebisches Grinsen?

Also ich finde ja, dass Erdmännchen immer ein gewisses Grinsen im Gesicht haben :-)

Dienstag, 14. August 2012

... über "In den Schatten lauert der Tod" von Shannon McKenna

Shannon McKenna 


Intriganter Romantic Thrill, der seine Protagonisten leider zu lange im Schlafzimmer einsperrt


Zum Inhalt: 
Connor McClouds Leben ist zerstört, und ein einziger Mann ist schuld daran. Verbrecher Kurt Novak hat nicht nur Connors ehemaligen FBI-Partner Jesse auf dem Gewissen, sondern erpresste und korrumpierte erfolgreich seinen Kollegen Ed Riggs. Connors letzter Einsatz brachte ihn um alles, was ihm wichtig war. Jesse ist tot, er selbst kam gerade so davon. Aus dem Koma erwacht, gibt es für ihn nichts Wichtigeres als die Verantwortlichen hinter Gitter zu bringen. Dank seiner Aussage wandert Ed Riggs in den Knast, aber Connor verliert den Job und die Chance auf die Frau, auf die er schon immer ein Auge geworfen hatte. Erin, Eds Tochter, wendet sich, so glaubt er, enttäuscht von ihm ab. 
Inzwischen hilft Connor in der Detektei seines Bruder Davy als privater Ermittler aus. Die ganze Klischeepalette der Seitensprünge und Co. ist besser als nichts.
Finanzsorgen plagen Connor nicht, dafür quält er sich mit tiefsitzender Enttäuschung vom Leben, jeder Menge emotionaler Selbstgeißelung und versehrtem Bein als Erinnerung an das große Drama seines Daseins durch den Tag. Aber wenigstens sitzen Novak und seine Handlanger im Gefängnis. Sollten sie jedenfalls ... 
Denn Novak gelingt es, mit seiner mörderischen rechten Hand Georg Luksch aus der Haft zu fliehen, und als Connor davon erfährt, schrillen sofort die Alarmglocken. War Erin Riggs dem sadistischen Mörder Luksch vor dessen Inhaftierung noch gerade so entronnen, dürfte sie nun umso mehr Mittelpunkt seines perfiden Interesses stehen. 
Connors Bedenken, Novaks Ausbruch könne Erin in Gefahr bringen, werden jedoch allseits in den Wind geschlagen. Man geht davon aus, dass sich Novak nach Europa abgesetzt hat und von ihm vor Ort keine Gefahr droht.
Doch Connor traut dem Frieden nicht und beschließt, die Sache selbst in die Hand zu nehmen und Erin um jeden Preis zu beschützen. Dafür muss er in ihre Nähe gelangen, doch die junge Kunstexpertin ist zunächst nicht bereit, ihm zu trauen. Aber sie traut auch sich selbst nicht. Denn sie liebt Connor seit langem, hat sogar, was Connor nicht weiß, an seinem Bett gesessen und mit ihm gesprochen, als er, schwer verletzt, im Koma lag. Als sie Connor notgedrungen bei einem Auftrag für einen Kunstsammler als Bodyguard im Schlepptau hat, weiß sie, dass nun ihre Gelegenheit gekommen ist, Connor zu verführen. Während beide ihre jahrelang aufgestauten Gefühle endlich ausleben, sehen sie in ihrem neu gefundenen Glück nicht, dass sie sich längst in einem geschickt verknüpften Netz der Rache befinden ... 

Meine Meinung: 
"In den Schatten lauert der Tod" ist der zweite Band von Shannon McKennas Reihe um die McCloud-Brüder. Connor hatte bereits im Auftaktband "Die Nacht hat viele Augen", der sich um seinen Kumpel Seth drehte, einen Gastauftritt, die Brüder Davy und Sean folgen in weiteren Bänden. Nachdem mir "Die Nacht hat viele Augen" nur mäßig gefallen hat, ich aber die Fortsetzung schon im Schrank hatte, wollte ich sie doch noch lesen. 
Positiv fällt zunächst auf, dass Lyx die Thematik von Shannon McKennas Reihe optisch zwar recht generalisierend, aber doch treffend einfängt. Negativ ist jedoch, dass das Romantic-Thrill-Programm recht ähnliche Umschlaggestaltungen in Motiv und Farbgestaltung bietet, sodass man sich optisch nur noch schlecht zurecht findet. Im Falle von "In den Schatten lauert der Tod" nimmt nach dem Vorbild des Reihenauftaktes ein Paar in inniger Umarmung etwa zwei Drittel des Covers ein und verdeutlicht, dass wir es hier vornehmlich mit einem Liebesroman zu tun haben. Die mit gefährlichem Rot hinterlegte Titelschrift und das leicht nebelige Ambiente im unteren Drittel, in dem ein Mann einer Frau folgt, repräsentieren den Suspense-Part, der auch in "In den Schatten lauert der Tod" bedauerlicherweise recht klein ist. 
Wie im Auftaktband folgt der auktoriale Erzähler in erster Linie dem männlichen Protagonisten, wechselt, wenn auch nicht oft, aber ebenfalls die Perspektive zu Erin, ihrer Familie und den Kriminellen des Parts. "In den Schatten lauert der Tod" ist damit vor allem Connors Buch und hat einen leicht maskulinen Touch. 
Auf 560 Seiten versucht Shannon McKenna, eine gefährliche Geschichte zu entspinnen, in der eine nicht ganz so zarte, aber sehr sinnliche Romanze Halt und Gelegenheit zum Durchatmen bieten soll. Leider gerät das Ganze wie in "Die Nacht hat viele Augen" wieder stark zu einer Darstellung erotischer Begegnungen, die den Thrill-Faktor in den Hintergrund drängen. 
Dabei lässt sich der Roman vergleichsweise gut an. 
Gestartet wird mit einem kursiv gedruckten Prolog, der eine Krankenhausszene erzählt, bevor wir im ersten Kapitel direkt Connor bei seiner Arbeit begegnen. Und diese Arbeit behagt ihm nicht. Über Seiten hinweg sind sein Unbehagen und sein Frust spürbar. Er versinkt auf eine Weise in Erinnerungen und Selbstmitleid, die einerseits für einen Romanbeginn recht langatmig ist, aber den Leser schon zu Beginn über die Hintergründe der Figur aufklärt und Connor mit einem Schlag sympathisch macht, als klar wird, dass der Grund für seine emotionale Misere weniger im Verlust des Partners und Freundes oder im Verpfeifen eines Polizeikollegen, sondern tatsächlich in der Unerreichbarkeit einer Frau liegt. Unerreichbar war Erin unabhängig von den Ereignissen aber immer, und das ist eine Geschichte voller Missverständnisse und unterdrückter Gefühle. Genau solche Konstellationen lese ich nämlich sehr gerne, und Shannon McKenna scheint ein Händchen dafür zu haben, ihre Charaktere in Dilemmas zu verstricken, denen man bereitwillig beiwohnen würde, wären sie nur nicht um der körperlichen Nähe willen so in die Länge gezogen.
Während Connor sich an seinem Gläschen Selbstmitleid festklammert, hat Erin Riggs ebenfalls mächtig Sorgen. Ihre Mutter Barbara verfällt zunehmend, einerseits in Selbstmitleid, andererseits in Sorge um das Wohlergehen ihrer Töchter, insbesondere der jüngeren Cindy, die ihr Stipendium zu verlieren droht und einen höchst besorgniserregenden Umgang mit einem nicht sonderlich mustergültigen jungen Mann pflegt. Erin wird aus ihrer Sicht als unspektakulär dargestellt, als jemand, dessen Selbstwahrnehmung in der Vergangenheit mit Füßen getreten wurde, dem es trotzdem aber nicht an Selbstbewusstsein und Eigenständigkeit mangelt. Ihre anfängliche Zerrissenheit und spätere Entschlossenheit, Connor zu verführen, lesen sich überraschend authentisch und amüsant kurzweilig. 
Zudem hat Erin ihre Anstellung in einem Museum verloren, sich aber in einem Anflug von Courage selbständig gemacht und schlägt sich nun, mehr schlecht als recht, mit einem einzigen Kunden durch. Und an dieser Stelle ist der Plot vorhersehbar, denn der Leser weiß sofort, dass mit diesem superreichen ausländischen Kunden, der sich Erins Faible für keltische Artefakte zunutze macht, etwas faul sein muss. Natürlich kommt Erin, deren Klugheit erst im Endspurt zum Tragen kommt, nicht auf diese Idee und bekundet damit mangelndes Vertrauen in Connors Instinkte, sodass man den Eindruck gewinnt, ihr Vertrauen bliebe zwischen den Laken. Anderenfalls wäre das Buch vermutlich kürzer, aber schade ist das trotzdem. 
Grundsätzlich gefiel mir die Paarung Connor/Erin besser als Seth/Raine in "Die Nacht hat viele Augen". Connor und Erin haben eine emotionale Vergangenheit, wenngleich sie sich auch nur aus gebührendem Abstand "anhimmelten", und sie gehen - bis auf eine Szene im letzten Teil des Buches - deutlich gefühlvoller miteinander um, was mehr Leserinnen ansprechen dürfte als die zum Teil recht deftigen, teilweise rohen Begegnungen im ersten Teil. Dadurch wird die sich entwickelnde Beziehung (immerhin ist "In den Schatten lauert der Tod" trotz allem ein Liebesroman) besser nachvollziehbar und man möchte die hormonverklärte Brille als Vorwand akzeptieren, um die mangelnde Weitsicht der Protagonisten in Bezug auf die gefährlichen Vorgänge um sie herum zu verzeihen.
Die Bösewichte der Stunde spielen ein vergleichsweise durchschaubares Versteckspiel, der von ihnen verfolgte Racheplan hingegen ist geschickt zusammengesponnen, sogar von langer Hand - sozusagen für den Fall X - geplant, was auf den letzten hundert Seiten verdichtet. Leider lässt der langgezogene Mittelteil, der besonders Connors Standhaftigkeit unter Beweis stellt, vergessen bzw. überlesen, warum denn die Bösen eigentlich böse waren und welche Leichen sie ursprünglich im Keller hatten. Da hilft es kaum, dass Shannon McKenna es gut versteht, intime Szenen explizit, aber sinnlich und ansprechend zu gestalten, und sprachlich höchst selten entgleist (was unter Umständen an der Übersetzung liegen kann). 
Auch die Tatsache, dass die zuständigen Behörden so gar nicht hören wollen, was ein langjähriger, verdienter FBI-Agent zu sagen hat, wirkt ziemlich konstruiert. 
Das Finish mit all seinen Verletzungen, Enttäuschungen, Erklärungen und dem zugehörigen Happy End kann nur bedingt entschädigen. 
"In den Schatten lauert der Tod" ist in sich geschlossen und lässt die übrigen McCloud-Brüder nur als Nebenfiguren in Erscheinung treten. Dabei bleiben diese recht blass, auch wenn man durch Connor schon Einiges über die Vergangenheit der Familie erfährt, und drängen sich nicht zwingend für eine Fortsetzung auf. Für mich ist an dieser Stelle die Bekanntschaft mit der Familie McCloud vorerst beendet. 


Mein Fazit:
Zweiter Band einer Romantic-Thrill-Reihe, der durch gefährliche Intrigen Charaktere zusammenführt, die schon längst füreinander bestimmt sind, in dem jedoch das gefährliche Ambiente durch zu viele, langatmige Intimitäten an Spannung und Dynamik verliert. 

Gesamteindruck: 
3 von 5 Weißdornzweigen 




  • Broschiert: 559 Seiten
  • Verlag: Lyx (8. April 2011)
  • Sprache: Deutsch, übersetzt von Patricia Woitynek
  • ISBN-10: 3802583310
  • ISBN-13: 978-3802583315
  • Originaltitel: Standing in the Shadows
  • Größe und/oder Gewicht: 18 x 11,8 x 4,8 cm
  • Neupreis: 9,99 €
Erhältlich als:
und Hörbuch bei audible.de

Dickhäuter


Montag, 13. August 2012

Murmeliger Montagsschnuffel

Wie unschwer zu erkennen waren wir im Zoo. Auch wenn sich an diesem Tag viele Tiere extrem fotoscheu gaben und ich weitaus weniger Fotos mit nach Hause gebracht habe, als erhofft, habe ich doch ein paar Schnappschüsse schießen können, die ich diese Woche unter dem Motto "Zoo" zeigen werde.

Sonntag, 12. August 2012

Wolkenland

Habt einen unbewölkten, fluffigen Sonntag! :-)

So, nun hab ich euch genug mit schwarzweißen Impressionen genervt. Das Thema für nächste Woche steht noch nicht eindeutig fest. Dafür muss ich nämlich erst einmal das aktuelle Material sichten. Ich werde also ganz spontan entscheiden, ob die nächste Augustwoche auf meinem Blog animalisch, floral oder landschaftlich wird. Die Aussichten stehen allerdings gut für "animalisch".

Samstag, 11. August 2012

... über "Jasmyn" von Alex Bell

Alex Bell 

Eine magisch-spannende Suche nach einer verlorenen Liebe 

TB-Ausgabe

Zum Inhalt: 
Liam ist tot. Liam, Jasmyns Freund, Geliebter und Ehemann, starb von einer Minute zur nächsten an einem rupturierten Aneurysma. Zurück lässt er Jasmyn unglücklich, verzweifelt und allein. Als die junge Geigenlehrerin Liam zu Grabe trägt, erscheint nicht nur sein älterer Bruder Ben, mit dem er eine höchst gespannte Bruderbeziehung hatte und der Jasmyn nicht sonderlich freundlich begegnet, sondern es fallen auch fünf schwarze Schwäne tot vom Himmel. Beide Ereignisse erschüttern Jasmyn einigermaßen. Doch nicht genug. Ein ihr fremder Mann, der sich als Jaxon Thorpe vorstellt, sucht sie in ihrem Haus auf, stürmt es regelrecht, sucht nach Liam und etwas, das er ihr nicht verraten will. Als Jasmyn sich später verstört an Ben wenden will, um mehr über diesen Mann zu erfahren, schlägt ihr vonseiten ihrer Schwiegerfamilie nur Verachtung entgegen. Sie fühlt sich mutterseelenallein, fürchtet sich im eigenen Haus und stellt zu allem Überfluss fest, dass mit ihren Hochzeitsfotos etwas nicht stimmt. Dort, wo sie lächeln sollte, sich sicher ist, dass sie am glücklichsten Tag ihres Lebens nichts anderes getan hat, als zu lächeln, ist ihr Gesicht zu einer unnatürlich grinsenden Fratze mutiert. Um abzuschalten, fährt sie auf das Gestüt ihrer Großeltern. Doch auch da begegnet sie einem weiteren Fremden, der sich als Stallbursche ausgibt, aber niemandem bekannt ist. Erst eine Reise nach Kalifornien zu ihrer Freundin Laura und hin und wieder das Spiel auf ihrer ständigen Begleiterin, einer Violectra, helfen Jasmyn kurz wieder auf die Beine. Dennoch ist ihr ihre Andersartigkeit präsenter als je zuvor. Mit Liam hat Jasmyn, die ein Albino ist und mit ihrer bleichen, fast durchschimmernden Haut und dem weißen Haar aussieht wie ein Wesen aus einer anderen Welt, ihren Halt und ihr Selbstvertrauen verloren. Und die merkwürdigen Ereignisse wollen sie nicht loslassen. Auch Ben reist nach Kalifornien, denn auch er sucht nach etwas, das Liam verborgen haben soll, und als dann aus dem Nichts schwarze Rosen und Knochen auftauchen, die unter Jasmyns Berührung zu Staub verfallen, beginnt sich die junge Britin zu fragen, wie gut sie ihren Mann, der Bücher über allerlei Mystisches und Übernatürliches schrieb, wirklich kannte. Um mehr zu erfahren, schließt sie sich Ben bei seiner Suche an, und es beginnt eine Reise, die nach Neuschwanstein, Paris bis hinauf nach Schweden in ein Eishotel führt und Jasmyn märchenhaft-magische Welten entdecken lässt, die dunkel und gefährlich sind und eine überraschende, traurige Wahrheit offenbaren. 
HC-Ausgabe


Meine Meinung: 

"Jasmyn" ist das zweite Buch der britischen Autorin Alex Bell, allerdings bislang das einzige ihrer vier Bücher, das in Deutschland erschienen ist. Erfreulicherweise handelt es sich um einen Einzelroman, sodass man nicht fürchten muss, wieder eine Reihe verfolgen zu müssen.
Obwohl dieser Urban-Fantasy-Roman bereits Anfang 2011 bei Rowohlt Polaris in gebundener Ausgabe erschienen ist, war er mir bislang nicht aufgefallen. Erst im Buchladen lief mir die kürzlich erschienene Taschenbuchausgabe über den Weg und dank Cover und Kurzbeschreibung auch gleich mit zur Kasse. Nach der Lektüre muss ich allerdings sagen, dass der Umschlag der gebundenen Ausgabe, der ohne Gesicht auskommt, wesentlich stimmiger ist und das Urban-Fantasy-Thema besser widerspiegelt als das Taschenbuch. Da die Protagonistin Jasmyn, wie sich beim Lesen nach und nach erschließt, ein Albino ist und aussieht wie eine Schneeprinzessin, passt hier das Frauengesicht überhaupt nicht, zumal in der Geschichte auch keine weiteren Frauen vorkommen, die eine wesentliche Rolle spielen und sich als repräsentatives Covergesicht eignen würden. Die einzelne schwarze Feder auf einem Untergrund, von dem ich nicht sagen kann, ob er eher Haut oder die Oberfläche eines Knochens darstellen will/soll, ist hingegen gut gewählt und steht gewissermaßen für das Alleinsein der Protagonistin.
Diese hat es aber auch wirklich nicht einfach. Als Mensch mit Albinismus war sie immer eine Außenseiterin, fühlte sich stets unwohl in ihrer Haut, bekam von Kindheit an zu spüren, dass sie anders war. Nur Liam war damals bereit, mit ihr zu spielen. Er wurde ihr Freund, ihr Halt und schließlich ihr Ehemann. Kaum ein Jahr waren sie verheiratet, bevor er plötzlich starb und Jasmyn in ein tiefes Loch stürzte. Genau da beginnt der Roman der 1986 geborenen Autorin. Traurig, düster und voller Schmerz. Die Bestürzung und Verwirrung der Protagonistin und Ich-Erzählerin ist präsent und greifbar. Man taucht ein in Jasmyns Trauer, meint ihr letztes Geigenspiel für Liam selbst zu hören, und man verspürt gewisse Angst, in einen Strudel von Herzschmerz gezogen zu werden. Aber Alex Bell gelingt es, die besonderen Ereignisse, wie das Herabfallen der toten schwarzen Schwäne, Jaxon Thorpes Eindringen in Jasmyns Privatsphäre, Bens unerklärliche Feindseligkeit und Geheimniskrämerei oder die Erinnerung an eine weit zurückliegende Begegnung mit einem Feenwesen, so geschickt einzuarbeiten, dass bald Neugier und Spannung den Grundtenor der Trauer überdecken und das Buch nicht in Weinerlichkeit versinkt. So sehr man mit Jasmyn mitfühlt, so skeptisch wird man auch gegenüber Ben, der immer neue Geschichten zum Besten zu geben scheint, aber Jasmyn keinen reinen Wein einschenkt. 
Wenn man mit den beiden aufbricht, um nach dem zunächst Unbekannten zu suchen, das Liam, wie sich zeigen soll, nicht rechtmäßig an sich gebracht und bewusst gut verborgen hat, ist man mittendrin. Auf sehr anschauliche Weise führte mich die britische Autorin zu deutschen Sehenswürdigkeiten, die ich bislang nicht kenne. Durch ihre Hauptfigur erschließt sie, ohne zu schulmeistern, geschichtliche Fakten um Ludwig II und entspinnt aus Mythen eine märchenhafte Geschichte um dessen Lieblingstier: den Schwan. So begegnen wir rund um Neuschwanstein nicht etwa einer Neufassung von Schwanensee, sondern Schwanrittern, Feenpferden und dem Mythos des Schwanengesangs. 
Dabei wird Jasmyn ihrem Schwager Ben gegenüber immer misstrauischer, bis sie sich schließlich von ihm löst und ihren eigenen Schlussfolgerungen nach Paris folgt. In einem Entwicklungssprung, der, bedenkt man, dass die Abreise von Kalifornien gerade einmal eine Woche zurückliegt, etwas überstürzt wirkt, gelingt es ihr, über ihren Schatten zu springen und Nachforschungen anzustellen, die sie nachts auf Friedhöfe und in die berühmten Pariser Katakomben führen. Dort findet sie, wonach alle suchen, doch was mit diesem Fund verbunden ist, ist eine ziemliche Überraschung und wirft das Gefühlsleben der Protagonistin ziemlich über den Haufen. 
Bedauerlicherweise hat die Autorin das ungleiche Brüderpaar Liam und Ben durch Jasmyns Augen bislang in einem recht nuancenlosen Licht erscheinen lassen. Während alle Welt Jasmyn zu überzeugen versucht, dass ihr Liam nicht der makellose liebende Ehemann war, für den sie ihn hielt, hält sie (und mit ihr auch der Leser) an ihm fest. Ben hingegen bleibt der Mysteriöse, der Lügner gar, der, dem man nicht trauen will. 
Als die Protagonisten nach dem Pariser Fund in ein schwedisches Eishotel flüchten, bleibt der Autorin auf dem Rest ihres nur 398 Seiten starken Romans kaum noch Zeit, um den Leser mit der veränderten Lage auszusöhnen. Dafür legt sie einen dramatischen schwarzmagischen Endspurt hin, der nicht ohne Verluste auskommt und ziemlich atemlos macht.
Die deutsche Übersetzung von Alexandra Hinrichsen reflektiert eine relativ junge Sprache, die neben der recht dichten Erzählung zahlreicher Ereignisse auf kleinem Raum dazu beiträgt, dass sich der Roman recht flott lesen lässt. Ab und an will dies stilistisch nicht ganz zu der eher versonnenen, grüblerischen Ich-Erzählerin passen, und erweckt stellenweise den Eindruck, es handele sich eher um einen Jugendroman, was "Jasmyn" aber aufgrund des Erwachsenenalters der Protagonisten (siebenundzwanzig, wenn ich mich recht erinnere) nicht ist.  
Daneben leidet die Figurenzeichnung leicht unter der Vielfalt der Schauplätze und der touristischen Entdeckerleidenschaft der Autorin. Im Nachhinein erscheint so Jasmyns Reise nach Los Angeles vergleichsweise überflüssig, und auch Jasmyns Geigenspiel ist von wesentlich geringerer Bedeutung, als man zunächst annehmen möchte. Zudem wird der verstorbene Ehemann Liam in dieser Geschichte, in der niemand das ist, was er zunächst zu sein scheint, recht wenig beleuchtet bzw. bleibt stark zurück, sodass man nicht wirklich weiß, mit wem man es zu tun hat, obwohl man es, auch wenn der Charakter körperlich gar nicht mehr anwesend ist, gerne wissen möchte.
Trotz allem aber bietet "Jasmyn" unterhaltsame Leseaugenblicke, die überraschend flott vergehen, und macht Lust auf mehr von Alex Bell. 

Fazit: 
Urban Fantasy mit bezauberndem europäischem Setting, die unter anderem deutsche Märchenmythen mit zeitloser Habgier, Bruderhass, Rache und einer Liebe verbindet, die alles verknüpft, ohne zu dominieren. 
Eine in sich geschlossene Geschichte, die trotz kleiner Figurenschwächen, touristischer Detailverliebtheit und manch ungeklärter Frage auf jeden Fall lesenswert ist und mit ihrem winterlichem Ambiente sommerlich erfrischenden und spannenden Unterhaltungswert bietet.

Gesamteindruck:
4 von 5 Weißdornzweigen 




  • Taschenbuch: 398 Seiten
  • Verlag: rororo (2. Juli 2012)
  • Sprache: Deutsch, übersetzt von Alexandra Hinrichsen
  • ISBN-10: 3499255014
  • ISBN-13: 978-3499255014
  • Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 12,4 x 3 cm 
  • Neupreis (TB): 9,99 €

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Federleicht

Ich wünsche euch ein federleichtes, entspanntes Wochenende!

Donnerstag, 9. August 2012

Sympathischer Rotschopf treffsicher auf großer Leinwand

Wenn man schon einmal Gelegenheit hat, nur in die Straßenbahn hüpfen zu müssen, um entspannt ein Lichtspieltheater zu erreichen, bietet es sich an, diese ordentlich beim Schopfe zu packen. Das haben Sohnemann und ich in dieser Woche getan und sofort einen Kinomarathon absolviert. 


Los ging es im Rahmen eines Family Events direkt mit Pixars aktueller Rotschopfanimation „Merida - Legende der Highlands“, einer detailverliebt computeranimierten Produktion ab 6 Jahren, die - und das ist ja schon nichts neues mehr - "normal" oder in 3D genossen werden darf. Wir entschieden uns aus Timing-Gründen - und weil Mutters Gleichgewichtssinn mit 3D auf Kriegsfuß steht - für die Standardvariante.
Standard ist „Merida“ aber nicht unbedingt, auch wenn ich mich, wie schon bei den jüngsten Disney-Animationsproduktionen, gefragt habe, welche Zielgruppe hier anvisiert wird.
6-Jährige bestimmt nicht und 6-jährige Rosaträumchenliebhaberinnen erst recht nicht, ganz gleich wie konventionell man hier auch Familienkino zusammengestrickt hat.
Pixar führt uns mit seiner ersten weiblichen Hauptfigur Merida und seinem insgesamt dreizehnten, aber ersten märchenhaften Spielfilm in die schottischen Highlands und damit in eine legendäre Landschaft, die dunkler als bisher daherkommt und deutlich macht, dass Pixars Rotschopf nichts mit schmusigen Disney-Prinzessinnen zu tun hat, auch wenn man firmentechnisch unter einem Dach sitzt.
Kleine Mädchen zu enttäuschen, nimmt man bereitwillig in Kauf.

Wachstumsschmerzen vor mittelalterlich düsterer Kulisse 

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Merida ist zwar eine Prinzessin, aber vom klassischen Prinzessinnendasein hält sie wenig.
Von Kind an erzählt ihr die Mutter, der stolz-perfekte Inbegriff einer Bilderbuchkönigin, geschickt mit Nadel und Faden und politisch weise die starke Frau hinter dem klischeehaft breiten, kämpferischen König, die alten Legenden, die der Heranwachsenden ziemlich zum Hals heraushängen.
Glücklicherweise muss Prinzessin nicht dauerhaft den Hofknicks proben, sondern hat auch mal einen freien Tag.
Dann reitet das Mädchen mit der ungebändigten Lockenpracht, die aus der kaum noch von der Realität zu unterscheidenden animierten Kulisse heraussticht wie ein Waldbrand, in wilder Hatz durch Wald und Flur, klettert auf Felsen und übt sich im Bogenschießen.
Der Vater findet's toll.
Immerhin hat er einst dem gefährlichen, legendären Bären Mor’du die Stirn geboten und im Kampf "nur" ein Bein, nicht aber Ansehen und Kampfgeist verloren.
Er strotzt vor Kampfwillen und ist sich sicher, dass er ihn eines Tages besiegen wird.
Diese engstirnige Entschlossenheit hat unweigerlich auf die Tochter abgefärbt und lässt die Mutter in ihren Erziehungsbemühungen mehr als einmal verzweifelt aufstöhnen.
Die drei Nachzügler-Jungen, ebenso wild rotschöpfig, gehen in der Zwischenzeit über Tisch und Bänke und amüsieren den Zuschauer mit typischen, aber auflockernden Streichen.
Bald aber ist es vorbei mit Meridas Freiheit, denn die Clanoberhäupter sind geladen, ihre Erstgeborenen vorzustellen, die um Meridas Gunst buhlen sollen. 

Konventionen über Kinderköpfe hinweg, damit sich bloß die Legenden nicht wiederholen 

Um den Zusammenhalt der Clans zu gewährleisten und das Land vor Zerfall und Krieg zu schützen (immerhin lehren die Legenden, dass dies schon einmal geschehen war), soll der Wildfang verlobt werden.
Wie zu erwarten, ist Merida damit überhaupt nicht einverstanden, denn, nach eigenen Aussagen, ist sie noch nicht soweit, und wie zu erwarten, sind die drei Eheanwärter der Clans MacGuffin, Macintosh und Dingwall alles andere als helle oder ansehnlich.
Gar nicht dumm, versucht Merida, den Spieß umzudrehen, und entscheidet, die Bewerber sollen sich im Bogenschießen messen.
Da darin natürlich niemand besser ist als sie selbst, hält sie kurzerhand - als Erstgeborene des vierten Clans des Landes - um ihre eigene Hand an, um ihre Freiheit zu behalten. Selbstverständlich trifft ihr Pfeil ins Schwarze, aber auf niemandes Bewunderung und ganz besonders auf den Zorn der Königin. 
Aufgewühlt und enttäuscht reitet Merida nach einem handfesten Streit davon und landet zunächst in hohem Bogen in einem Steinkreis und anschließend, geführt von Irrlichtern, in der Hüte einer Hexe, die ihr einen Zauber verkauft. 

Mutter-Tochter-Konflikt mit und ohne Bärenfell 

Ändern soll sich nämlich die Königin, die Tochter verstehen und schlussendlich von ihrem Verheiratungsvorhaben abkommen. 
Dumm nur, dass die als Holzschnitzerin getarnte Hexe vergisst, Merida den Beipackzettel mitzugeben, denn die Königin verändert sich sehr wohl. 
Nur nicht so, wie Merida erwartet ...  und es beginnt eine rasante Jagd gegen Zeit und Vergangenheit.

Sympathisch, treffsicher, ohne Überraschungen

Was rasant daherkommt, ist erfreulicherweise kein knallbuntes Bonbonkino, sondern besticht mit farblich gedecktem Ambiente, in dem die Hauptfigur optisch zum Knaller wird, und mit technischer Aufbereitung, die insbesondere die Umgebung und Kleidung detailliert und real wirken lässt. 
Die Story konzentriert sich auf die Sorgen einer Heranwachsenden, die dem modernen Mädchen trotz des Mittelalterplots nicht fremd sein dürften. 
Sympathisch sind dabei interessanterweise sowohl das widerstrebende Mädchen als auch die gutmeinende Mutter.
Während kontinuierlich die Mutter-Tochter-Beziehung vom spielerischen Miteinander im Kindesalter zur Vorbereitung aufs Königindasein beleuchtet wird und unverkennbar im Mittelpunkt steht, kommen die männlichen Charaktere zu kurz und durchweg schlecht weg. 
Die Bandbreite reicht da von putzig über rachebesessen und angeberisch bis hin zu einfältig, ach was, auf die drei heiratsfähigen Clansprösslinge, von denen einer nicht mal zu verstehen ist, passen durchaus Attribute wie grenzdebil. 
Breit grinsen möchte man, vor sich hin gackern, aber irgendwie traut man sich nicht, drauflos zu lachen. 
War man aus anderen Pixar-Produktionen noch subtilen Witz und offenes Lachen gewöhnt, so wirkt so mancher Gag in Meridas Welt leicht deplatziert, wie beispielsweise die Hexenkesselszene, die eigentlich ziemlich pfiffig eine Telefonhotline nachahmt, wobei der Witz beim kindlichen Zuschauer von vornherein verpuffen muss. 
Unvorhersehbares gibt es, so tiefgründig man auch sein will, kaum. Dass nicht nur Meridas Mutter vom Zauber nascht, ist genauso sicher wie die Ergründung der wahren Geschichte um den grausigen Bären. Und die besonders aufmüpfigen, mit feuriger Haarpracht gesegneten Minigeschwistermonster warten mit ihren Streichen immer genau dann auf, wenn man sie braucht und sogar erwartet. Zu gut getimete Auflockerung, die nicht immer ankommen will, wenn man (vornehmlich vielleicht der erwachsene Zuschauer) bereits in tiefsinniges Grübeln versinkt.
Merida, vertont mit frisch-frechem Klang von Nora Tschirner, kämpft nämlich nicht nur gegen den konventionellen Willen ihrer Mutter, sondern letztendlich auch um ihre Mutter -und macht damit dem Originaltitel „Brave“ alle Ehre - während im Hintergrund das Land noch immer vom riesigen Bären Mor'du bedroht wird, der tragischerweise ebenfalls das Resultat eines faulen Zaubers war. Ein Kampf, dem ordentlich Dramatik anhaftet, über die weder wilder Haarpracht noch ungelenke, unförmige Clanoberhäupter im Schottenrock hinwegtäuschen können. 
So kommt es insbesondere im Finish zu schnell geschnittenen Szenen, die man sehr wohl als gruselig bezeichnen kann und so manchen kleinen Kinobesucher unter den Sitz rutschen lassen können.  

Alles in allem aber ist Merida - Legende der Highlands technisch großartiges All-Age-Animationskino, das mit düsterem Touch für Selbstbestimmung, Familienzusammenhalt und Mut eintritt, aber mit frechem Esprit gerade noch mal die Kurve kriegt und hundert Minuten lang gut unterhält.
Prinzessinnen-Glitter- und Liebes-Verbandelungs-Erwartungen und die Angst vor großen schwarzen Bären mit langen Zähnen und Klauen bitte verbuddeln, ab ins Kino und den Irrlichtern der schottischen Highlands folgen!
Sehenswert auch der klassische Pixar-Vorfilm "La Luna", der ohne Worte beinahe mehr Zauber versprüht als der Hauptfilm. 
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