Freitag, 27. Juli 2012

... über "Shades of Grey - Geheimes Verlangen" von E. L. James [ungekürztes Hörbuch]

Lektüre ab 18!
E. L. James

Wenn die innere Göttin durch die rosarote Brille therapieren will

Zum Inhalt:
Anastasia Steele, zarte 21, Studentin kurz vor dem Uniabschluss, tut ihrer besten Freundin und Mitbewohnerin Kate Kavanagh einen Gefallen. Letztere ist Redakteurin bei der Unizeit und so verschnupft, dass sie das lang geplante, nicht mehr aufschiebbare Interview mit dem schwer fassbaren, schwerreichen Unternehmer Christian Grey nicht wahrnehmen kann. Damit der Unizeitung nicht ein wertvoller Artikel verloren geht, fasst sich Ana(stasia) ein Herz und macht sich völlig unvorbereitet auf den Weg zum Imperium des Christian Grey. Aufgeregt und tolpatschig schafft sie es vorbei an seinen unzähligen blondgelockten Assistentinnen und fällt dem Interviewziel dann prompt vor die Füße. Siehe da, Christian Grey, ist gar nicht, wie Ana erwartet hätte, ein grauer Wolf, sondern ein "atemberaubender" junger Mann mit kupfernem Haar und grauen Augen, der sie glatt noch mal aus den Latschen kippen würde, wenn sie nicht schon den Kniefall vor ihm hingelegt hätte. Sie hangelt sich durch das Interview und lässt dabei nicht wenige Fettnäpfchen aus. Christian Grey aber ist die Ruhe selbst und findet Gefallen an der jungen Frau, die ein wirres Gemisch von orientierungslosem Häschen und schlagfertigem Girlie präsentiert. Ein wenig beschämt und mit seltsamem Klopfen in Regionen weit unter dem Herzen kehrt Ana nach Portland zurück. Dort schlägt kurze Zeit später auch Christian auf, der zur Abschlusszeremonie geladen ist, aber erst einmal im Baumarkt vorbeischneit, in dem Ana neben dem Studium jobbt und ihm sehr beflissentlich, in der Annahme, er wolle renovieren, Klebeband und Co. verkauft. Wie es sich so ergibt, stimmt der sonst eher wenig öffentliche Christian Grey einen Fototermin zur Bebilderung des Interviews bei, wonach Ana prompt von ihm zu einem Teechen eingeladen und kurz darauf vor einem unheilvollen Zusammenstoß mit einem Fahrrad bewahrt wird. Und auch wenn Christian ihr einschärft, er sei nichts für sie, ist Ana längst Hals über Kopf verschossen und ruft ihn während ihrer Abschlussparty sturzbetrunken an. Es dauert nicht lange, bis er heldenhaft herbeigeeilt kommt, um die berauschte Ana aus den Armen eines betütelten Freundes zu befreien und ihr noch heldenhafter das Haar zurückzuhalten, als sie sich die Margaritas durch den Kopf gehen lässt. Die durchzechte Partynacht bringt sie ganz züchtig in Christians Hotelbett und ihn zu dem Entschluss, dass er das Wagnis mit ihr eingehen will. Zu verführerisch ist ihre linkisch-unschuldige und gleichzeitig entwaffnend freche Art. Beim ersten Besuch im Greyschen Domizil erwarten Ana eine Verschwiegenheitsvereinbarung, eine Kammer der Qualen und kurz darauf Hard Limits und Soft Limits. Was Christian von Ana will, ist mitnichten die romantische Beziehung, die sie sich in ihren Träumen ausmalt, sondern eine Dom-/Sub-Beziehung mit ordentlichem Vertrag. Christian Grey macht keine Liebe, Christian Grey f***t. Tja, und als der potente/patente (man suche es sich aus) 27-Jährige Ana seine sexuellen Vorstellungen unterbreitet, platzt sie mit der Überraschung heraus, dass sie noch Jungfrau ist. Da kommt selbst der leidgeprüfte Christian kurz ins Straucheln, behebt den störenden Umstand aber noch in selber Nacht und sorgt dafür, dass Ana künftig auch ja nicht genug bekommen kann. Aber Ana will mehr sein als eine Sub, und um Christians Herz zu gewinnen, ist sie bereit, die Kammer der Qualen zu betreten ...

Meine Meinung:
Hilfe! 
Ein Hype! 
Bitte zieh an mir vorüber! 
Das waren wohl meine ersten Gedanken. 
Aber eigentlich lese ich doch gerne Erotik. 
Was nun? 
Erst einmal standhaft bleiben ... 
Das hielt nicht lange, aber leider hatten mich zu dem Zeitpunkt, als ich mich zur Entlastung des Bücherregals für das Hörbuch entschied, die vielen Nebenwirkungen der allgemeinen (positiven wie negativen) Hysterie bereits ereilt. 
"Shades of Grey" ist eines jener Bücher, über die man schon viel zu viel weiß (zu wissen glaubt), bevor man überhaupt nur eine Zeile gelesen hat. Plötzlich widmen sich "seriöse" Medien, denen das Erotik-Genre in der Regel am ernsthaften Kuli vorbeigeht, in nach Sommerloch schreienden Artikeln einem Roman, der, so liest man, ursprünglich Twilight-Fanfiction war. Von Porno liest man da, von Liebesgeschichte mit sexueller Würze dort, jeder hat plötzlich eine Meinung zu etwas, worüber sonst keiner spricht. 
Da steht man da, als Leser/Hörer, der ganz gerne mal seine Buchmeinung online kundgibt, und bibbert irgendwie schon vor dem Aufschlagen des Buches/Drücken des Abspielknopfes, dass man schon gar nicht mehr in der Lage ist, unbeleckt eine Meinung zu entwickeln. Man fürchtet sich fast, begeistert zu sein, aber auch, ein Buch, salopp gesagt, doof zu finden, denn dann droht der Vorwurf, man fände es "extra doof". 
Ich lese gern Erotik, und ich bin fürchterlich kritisch mit erotischer Literatur, aber ich fürchte mich auch nicht vor Klischees und ausgenuddelten Bildern, Hollywood-Herzschmerz kann mich sehr wohl zum Schmelzen bringen, während mich die Erotik, die mit "Shades of Grey" nun angeblich salonfähig gemacht wird (muss sie das überhaupt?), beim Lesen eher zurückhaltend in Begeisterung versetzt. Was will ich mehr? Die Liebesgeschichte mit sexueller Würze - ob mit oder ohne die Peitsche schwingenden Milliardär - scheint doch genau das Richtige für mich zu sein, wünsche ich mir doch immer erotische Lektüre, die nicht nur um der Erotik willen funktionieren will.
Und so drückte ich denn auf "Play" und ließ die Sprecherin Merete Brettschneider einen Roman vorlesen, der mich zu nachfolgenden ausufernden Gedanken veranlasst.

Durchhalten!


Donnerstag, 26. Juli 2012

... über "Rotkäppchen muss weinen" von Beate Teresa Hanika

Beate Teresa Hanika 

Bedrückend leise und realistisch aufwühlend


Zum Inhalt: 
Es sind Osterferien, Malvina ist noch dreizehn Jahre alt, der vierzehnte Geburtstag steht kurz bevor. Ihre beste Freundin Lizzy ist mit ihrer Mutter in den Skiurlaub verreist, sodass Malvina Ferien allein bevorstehen. Ihr Bruder Paul kommt vom Studium gerade mal am Wochenende für ein Gastspiel nach Hause, die ältere Schwester, noch keine achtzehn, scheint mit dem Spiegel und ihrem iPod verwachsen, während Malvinas Mutter tagein, tagaus von Migräne gequält das Bett hütet oder mit Tigerbalsam bewaffnet durch die Wohnung schleicht und der Vater frustriert den Rasenmäher durch den Garten schiebt, um die Eigenheimidylle aufrecht zu erhalten. Anstatt jeden Tag die Seele baumeln zu lassen, muss Malvina ihren Opa in seinem Wohnblock besuchen. Das muss sie immer. Denn der ist einsam, weil die Oma noch nicht allzu lange tot ist. Unwillig radelt sie also zu ihm, im Korb Tupperdosen mit Essen und Wein für den schöngeistigen Opa. Nur hat sie dieses Mal nicht wie sonst nach dem Klavierunterricht, nach dem sie seit eh und je zu den Großeltern gehen muss, Lizzy an ihrer Seite, Blutsschwester Lizzy, die immer sagt, was sie denkt und Malvina den Rücken stärkt. In diesen Ferien muss Malvina sich, weil es sich so gehört, um den Opa kümmern, der nicht nur einsam ist, sondern zu allem Überfluss auch noch gestürzt ist. In seiner Wohnung, die nach altem Mann riecht und in der der Opa die Lieblingsenkelin schon seit Jahren viel zu lieb hat ... 

Meine Meinung: 
Beate Teresa Hanikas preisgekrönter Jugendroman erschien bereits 2009 bei Fischer Schatzinsel. Aufmerksam darauf wurde ich darauf erst vor kurzem, als die Autorin auf Facebook einen Link zu einer russischen Besprechung postete. Aufgrund dieser feindseligen (ein anderes Attribut will mir gerade nicht einfallen) Rezension habe ich mir das Buch gekauft. Normalerweise beeinflussen mich Rezensionen wenig bis gar nicht in meinem Kaufverhalten, können aber durchaus zu dem einen oder anderen wertvollen Fund führen. Und im Falle von "Rotkäppchen muss weinen" wollte ich unbedingt wissen, wie die Rezensentin denn zu ihrem vernichtenden Urteil gekommen sein mag, das sogar so weit geht, dass sie mit der Bemerkung schließt, die Autorin solle den Mund halten, wenn sie nichts zu sagen habe. 
"Rotkäppchen muss weinen" ist nicht etwa, wie der Titel unfreiwillig glauben macht, ein Märchen, sondern die ernste Geschichte eines Mädchens, das in einer Familie gefangen ist, in der das Wichtigste zu sein scheint, sich an Konventionen zu halten und immer den guten Schein zu wahren, einer Familie, in der jeder so mit sich selbst beschäftigt ist, dass er nicht wahrnimmt, was in der eigenen Familie vor sich geht. Es ist eine Geschichte von familiärem Kindesmissbrauch, den keiner sehen will.
Aus der Ich-Perspektive lässt Beate Teresa Hanika auf nur 223 Seiten ihre Protagonistin Malvina die Ereignisse der Osterferien erzählen und flicht Vergangenes mit ein. Ein Ausschnitt aus Malvinas Leben, der deshalb von Bedeutung ist, weil er von einer Verkettung ungünstiger Umstände geprägt ist, die dazu führen, dass die Protagonistin erkennt, welches Unrecht ihr widerfahren ist und widerfährt, und den Mund aufmacht. Dabei erzählt die Autorin so leise, subtil und dicht, dass man einerseits versucht ist, das Buch wegzulegen, weil man den Schmerz nicht ertragen will, andererseits aber weiterlesen muss. Malvina spricht die Sprache einer nachdenklichen Dreizehnjährigen, schildert normale Erlebnisse, die der jugendliche Leser gut nachvollziehen kann, zieht sich wiederum in sich zurück, wenn es um den eigentlichen Missbrauch geht, schildert, was sie empfindet, wie sie empfindet und so, wie sie es sich gerade erklären kann. Zum Teil treffen Aussagen, durch Kommata getrennt, in einem Satz aufeinander, obwohl sie eigenständigen Satzcharakter hätten. Damit wird Malvinas Gefühlschaos noch deutlicher. Wörtliche Rede ist im Text vorhanden, aber nicht durch die üblichen Anführungsstriche gekennzeichnet, wodurch der Text zusätzlich an Dichte gewinnt.

Käfriger Donnerstag


Mittwoch, 25. Juli 2012

Blautänzer

Auch eine Makroaufnahme, wenn auch aus etwas weiterer Entfernung und mit leichter Nachbearbeitung mit einem Filter in PSE.

Irgendwie war ich wohl in nostalgisch-schmusiger Stimmung, denn beim Fotografieren spukten mir wieder einmal Fred Astaire und Ginger Rogers durch den Kopf :-)

Montag, 23. Juli 2012

Geflügelter Wochenstart



Auf der Suche nach einer weiteren Themenwoche habe ich beschlossen, eine Übungswoche in Angriff zu nehmen. 
Ich bin ein glühender Verfechter des Stativs und inzwischen so an das Fotografieren mit festem Standbein gewöhnt, dass ich ohne zittere wie ein Lämmerschwanz :-)
Seit ich neuerdings aber abends mit dem Fahrrad losschleiche und alle fünf Meter anhalte, um ein Foto zu schießen, erweist sich unser großes Stativ als nerviger Ballast - zumal ich fahrradtechnisch aus der Übung bin und ohnehin schon aufpassen muss, dass ich mich nicht überwürfele. 
Natürlich brauche ich nicht für jedes Foto ein Stativ, insbesondere das Weitwinkelobjektiv kann ich prima ohne Hilfsmittel bedienen und trotzdem scharfe Fotos machen. 
Probleme machen aber die Makroobjektive, und gerade Makroaufnahmen haben es mir angetan. Es ist einfach zu spannend, die Welt im Kleinen zu beobachten und im Bild festzuhalten.
Deshalb starte ich eine Übungswoche und fokussiere mir manuell einen Wolf mit dem Makroobjektiv. 
Und damit die Herausforderung auch richtig hart wird, schließe ich an meine Woche mit Festbrennweite 50 mm eine Woche mit unserem Sigma 105mm 1:2,8 EX DG Macro (mit dem schon viele hier gezeigte Fotos entstanden) an. 

Also, schön tief durchatmen und Ruhe in die Hand legen ...


Donnerstag, 19. Juli 2012

Eine Herausforderung kursiert :)

Wie das Online-Leben so spielt, kann man abends, wenn man denn mal sein unprofessionelles unwichtiges Ausweichpostfach prüft, durchaus von Facebook-Benachrichtigungen erschlagen werden. 
Dort kursiert wieder eines dieser netten kleinen Pingpong-Spielchen, die wir Blogger in Form von Stöckchen ja auch gerne einmal spielen. 

Dieses Mal wurden Autoren mit Herausforderung Nr. 777 heraus-/aufgefordert, von Seite 7 ihres aktuellen Projektes 7 Sätze auf Facebook oder auf dem eigenen Blog zu posten (und im Anschluss 7 weitere Autoren herauszufordern). 

Inzwischen hat es mich tatsächlich schon sieben Mal erwischt, weshalb ich den Spaß nun einfach auch hier poste. Ha - da hab ich doch glatt mal wieder einen Beitrag zur Kategorie "Aus der Schreibstube". 

Aus privaten und beruflichen Gründen sieht es in der Schreibstube dieses Jahr mächtig verstaubt aus, aber ich habe zumindest drei Projekte "immer mal wieder" in Arbeit, sodass sie das Attribut "aktuell" halbwegs verdienen.

Da ich, auch wenn's kein Mensch nachprüfen kann, immer viel zu ehrlich bin, bin ich natürlich auf Seite 7 gegangen und habe geschaut, mit welchen Sätzen ich denn nun aufwarten kann. Und da fiel der Gesichtsausdruck auch schon in sich zusammen. Irgendwie sind diese Sätze ja auch alle noch so "roh" - natürlich nicht diamantenmäßig wertvoll, aber eben schrecklich unbearbeitet und dahingeklatscht. 

Na gut, wieder viel zu viel geplappert ... 

Dann wollen wir mal: 

Projekt 1, mein Fortsetzungsbaby, das ich komplett auf den Kopf gestellt habe: 

"Gern hätte ich dir, euch, Blumen gebracht. Ich weiß, wie sehr ihr Blumen liebt. Verzeih, George. Leider hat es wieder geschneit, wenn auch nicht gefroren. Du wirst verstehen, dass ich keine zarte Blume in eurer Eiseskälte töten möchte. Es wird der Tag kommen, dass ich zurückkehren darf. Dann, George, werde ich euch Blumen bringen." 

Projekt 2, eine Kurzgeschichte, wofür auch immer die mal gut sein wird: 
"Mein eigenes Herz weckte mich auf. Sein holpernder Schlag verwirrte mich, und es dauerte einen Moment, bis ich realisierte, dass es noch immer Nacht war und ich kaum geschlafen haben konnte.
Ein unerwarteter Luftzug strich über meinen warmen Körper, tanzte durch mein Haar und ließ mich wieder frösteln.
Ich bewegte mich vorsichtig, um seinen Ursprung zu erforschen, hob den Kopf und spähte durch mein Zimmer.
Dann erfror ich.
Die Jalousie verschloss nicht länger mein Fenster. Es war weit geöffnet, sodass die Sommernacht hereinschwappte wie eine riesige Eiswelle, die über die Möbel kroch und sie mit einer funkelnden Eisschicht überzog."
 

Projekt 3, das mich seit der Buchmesse verfolgt:  

„Ich schlage vor, wir fangen von vorne an!“ Denn ich habe nichts zu verlieren, wollte sie hinzufügen. Bis ich wieder nach Paris komme, hast du mich längst vergessen. Stattdessen streckte sie ihm die Hand entgegen. „Ich bin Rose.“
Er ergriff die Hand nicht, sondern ließ seinen Blick auffällig über Rose wandern. Von ihrem ungezwungen zusammengebundenem Haar, das dem neu auffrischenden Wind auf der Butte nicht mehr lange standhalten würde, über ihr Gesicht, das ihm offen begegnete, ihre hellblaue Baumwollbluse, die so weit aufgeknöpft war, dass ihre Lieblingskette, ein Geflecht aus frühlingsbunten Perlen, gut zu erkennen war, das Knuddelwerk ihrer um die Taille gebundenen Jacke, das verbarg, wie locker ihr die Jeans auf der Hüfte saß, bis hinunter zu ihren bequemen, inzwischen staubigen Halbschuhen."

So, das war's. Macht was draus :) 

Schokoladensamt


Montag, 16. Juli 2012

Regengelb

Blumen gibt es bei mir oft zu sehen, deshalb widme ich ihnen auch eine ganze Woche. 
Um daraus aber auch eine ordentliche Themenwoche zu machen, zeige ich ausschließlich Aufnahmen, die ich mit unserem Makroobjektiv mit Festbrennweite 50 mm und Abbildungsverhältnis 1:2.0 angefertigt habe. 

Deshalb lautet mein Motto diese Woche "Blütennah", und zu sehen gibt es Blumiges aus Garten und freier Natur. Wiederholungen sind nicht ausgeschlossen, da mich so manche Blüte mehr als einmal lockte. 

Ich starte mit einer der regenbenetzten Ringelblumen unserer Nachbarin.




Mittwoch, 11. Juli 2012

In eigener Sache

Ja, ja, die Anthologien ... 
Da gibt es welche, da freut sich das Autorenherz wie verrückt, dass die eigene Geschichte dabei sein darf, und erblasst angesichts der vielen tollen Beiträge, die sie umgeben. 
Dann gibt es natürlich auch welche, bei denen man sich hinterher ärgert und denkt, dass man an der Geschichte noch das eine oder andere hätte ändern können (ja, das kann schon mal vorkommen). 
Andere wiederum versetzen einen in Trauer, wenn man in liebloser Aufmachung und Werbungslosigkeit versauert, und wiederum andere liebt man heiß und innig, sodass sie zum Dauerbegleiter auf dem Nachttisch werden. 
Gerade um diese ist es besonders schade, wenn sie nicht die verdiente Beachtung erhalten. 
Eine dieser Anthologien ist Mystische Helden, Wald ohne Wiederkehr, die 2010 im Wunderwald-Verlag erschienen war, mit dabei meine bisher letzte Vampirgeschichte "Irrruf".
Diese wunderbare Kurzgeschichtensammlung gibt es nun - in Überarbeitung unter dem Label Lit.Limbus - glücklicherweise auch als E-Book für den Kindle. 

Ich kopiere mal ganz frech die Kurzbeschreibung: 
"Wer in dieser Anthologie nur von schwitzenden Kämpfern und finsteren Unterholzwesen ausgeht, sollte sich warm anziehen, denn es geht gruselig - spannend - lustig - derb - und romantisch zu. Nicht alles, wo Fantasy draufsteht, bedient die gängigen Klischees!
Mit Beiträgen von Andrea Bannert, Sinje Blumenstein, Dieter Bohn, Kilian Braun, Angelika Diem, Bettina Ferbus, Jürgen Heimlich, Daniela Herbst, Manfred Lafrentz, Mara Lang, Sven Lenhardt, Eberhard Leucht, Michael Mühlehner, Lisa Papic, Kai Radtke, Michael Rapp, Kristina Ruprecht, Sabine Völkel, Andreas Zwengel."



Wer noch eine kleine Abendlektüre sucht und Kurzgeschichten mag, ist mit Mystische Helden, Wald ohne Wiederkehr in der E-Version auf jeden Fall gut beraten. 


Und hier - ebenso frech - der Einkaufslink: 






Während wir auf Lovelybooks noch fleißig Mittendrin: Der Laubkönig erzählt lesen, habe ich heute Büchernachschub erhalten.
Noch jemand ohne Laubkönig? Ja? Ich bin wieder auslieferungsfähig. Mail an mich genügt :-)

So, nun aber Schluss mit der nervigen Werbung und wieder zurück in den Alltag, der mir derzeit leider überhaupt keine Schreibzeit übrig lässt. 

Ich wünsch euch einen schönen Abend!

Nach dem Regen


Dienstag, 10. Juli 2012

... über "Vision: Das Zeichen der Liebenden" von Ana Alonso und Javier Pelegrin

Ana Alonso und Javier Pelegrin

Relativ gesichtslose Urban Fantasy für Jugendliche, die aber ordentliches Fortsetzungspotenzial bietet


Zum Inhalt: 
Der 16-jährige Alex auf den ersten Blick ein normaler Teenager, auf den zweiten ein unentschlossener junger Mensch, der schon früh seinen Vater durch ein Gewaltverbrechen verloren hat, sich um seine Mutter und seine kleine Schwester Sorgen macht, aber nicht so recht weiß, wohin er gehört. Er hat seinen kleinen Freundeskreis und ist in seine Mitschülerin Jana verliebt. Wie so ziemlich jeder andere Junge an der Schule auch, aber Jana zählt zu jenen Mädchen, die jeden haben könnten, aber nicht wollen. Eines Tages folgt er ihr nach einer Party und bekommt, weil es in ihrer Wohngegend keine Fahrmöglichkeit mehr gibt, um noch nach Hause zu gelangen, Gelegenheit, in ihrem Haus zu übernachten. Aber anstatt Jana, wie erhofft, näherzukommen, verlässt sie bald das Haus, um noch einen Kunden zu treffen. Die geheimnisvolle und wunderschöne Jana entwirft nämlich ganz besondere - magische - Tattoos, die ihr jüngerer (!) Bruder kunstfertig mit dem letzten Schliff versieht und auf die Haut bringt. Alex sieht sich somit in jener Nacht Janas Bruder David überlassen, der ihm allerlei Geheimnisvolles auftischt und ihn schlussendlich bezirzt, sich ein Tattoo stechen zu lassen. Ratzfatz ist eines von Janas Motiven gefunden. Nachdem David fertig ist, schärft er Alex ein, er dürfte Jana so lange nicht berühren, bis das Tattoo verheilt ist. Auch wenn Alex sich noch kurz vorher vom Magiegerede einlullen ließ, glaubt er nicht an den Quatsch, wird aber rasch eines Besseren belehrt. Denn, als er Jana am nächsten Tag tatsächlich berührt, will sich seine neue Tatöwierung wie Feuer in seine Haut fressen. Nicht lang darauf folgt ein Kuss, der Alex buchstäblich aus den Latschen kippen lässt und ins Krankenhaus befördert. Langsam wird Alex klar, dass all dies keine Frage des Verheilens einer Tätowierung ist und an Magie wohl doch etwas dran sein muss. So sehr er Jana auch liebt und so sehr das Tattoo sie beide zusammenzuschweißen scheint, bald muss er erfahren, welche Gefahr ihnen droht und dass er im großen Ganzen der Welt, die er bisher kannte, eine vollkommen andere Rolle spielt. Herkunft, Freundschaften und sogar das Menschsein werden auf den Kopf gestellt, und plötzlich ist er mittendrin in Magie und uralten Prophezeiungen und hat einen unerwarteten Weg vor sich. 

Meine Meinung: 
Dieses Jahr bin ich offenbar sehr anfällig gegenüber den Verführungskünsten der Buchumschläge, und zwar so sehr, dass ich Bücher kaufe, die nicht 100% in mein Beuteschema passen. Die Anschaffung von Vision: Das Zeichen der Liebenden fällt in erster Linie in die Kategorie "Coverkauf", die Beschreibung konnte mich nur mäßig locken, weil sie wieder einmal mit einer Liebesgeschichte daherkommt, auf die ich aktuell kaum Lust habe. Reizvoll aber war, dass Vision: Das Zeichen der Liebenden aus der Feder eines Autorenpaares stammt und einmal nicht aus dem angelsächsischen Raum herübergeflutet ist. 
Eigentlich macht es das Autorenpaar Alonso/Pelegrin gar nicht so falsch.
Der Protagonist, der zum Dreh- und Angelpunkt im Weltgeschehen wird, ist ausnahmsweise männlich, sodass hier strikt die ausgelutschte Konstellation Durchschnittsmädchen-trifft-Wunderjungen vermieden wird und die Lektüre nicht zwangsläufig der LeserIN vorbehalten ist. Die Liebesgeschichte wirkt eher zweitrangig und scheint ein Zugeständnis für jene Leser zu sein, die Urban Fantasy ohne Romanze nur mit der Kneifzange anfassen würden. Zudem wird eine Freundschaft auf eine harte Probe gestellt, und nicht zuletzt entstammt die Idee magischer Tattoos interessanten Legenden und bietet damit durchaus Potenzial für spannende Lektüre. 
Um dem Leser ihre Geschichte näher zu bringen, gehen die Autoren, die in ihrer spanischen Heimat alles andere als unbeschriebene Blätter sind, recht strukturiert vor, gliedern ihren Trilogieauftaktband in vier etwa gleichlange Teile, mit denen sie sich Stück für Stück von Alex' schnöder Realität hin in eine urban-fantastische Welt von uralten Clans und ihrer Magie bewegen.
Für die große Aufgabe ausgewählt haben sie allerdings einen ziemlich blassen Protagonisten. Alex scheint zwar wie ein typischer 16-Jähriger, ein bisschen unreif und unentschlossen, konnte sich bei mir aber bis zum Schluss nicht als Sympathieträger durchsetzen. Bedenkt man, dass er Halbwaise und, und das klingt durchaus immer wieder an, dadurch einigermaßen traumatisiert ist, erscheint es unglaubwürdig, was er sich doch alles einreden lässt und sich sein Glaubensmäntelchen flott mit dem Wind dreht. Besonders im ersten Teil des für 14- bis 17-Jährige ausgelegten Jugendbuches wird Alex buchstäblich mit Erklärungen und Vermutungen beballert, die von heute auf morgen vollkommen anders klingen. Er aber glaubt sie alle, hinterfragt nicht, sondern hinterlässt ein Gefühl von "Ach, na ja, dann ist's halt jetzt so". Leider muss ich sagen, dass mir Alex mehr als die Hälfte des Buches eher auf den Wecker fiel, als dass ich in seine Gefühlswelt hineingleiten konnte, sodass ich über seine Entwicklung in den letzten Abschnitten des Romans einigermaßen überrascht war. 
Was ihn an Jana nun so wahnsinnig faszinierte, wollte mir ebenfalls nicht einleuchten. Auch in Vision: Das Zeichen der Liebenden kommt die Liebe wieder sehr absolut und definitiv daher, wobei Alex in Bezug auf Jana vermutlich kaum mehr als eine rosarote Brille vor den Augen hat.
Die viel gerühmte Jana konnte ebenfalls nicht bei mir punkten. Man mag ihr vielleicht noch als Bonus anerkennen, dass sie im Grunde ein magisches Wesen ist, aber es nervte ich unendlich, wie sie und diverse Nebencharakter den guten Alex eigentlich nur hinhielten. Mit Mutmaßungen, Halbwahrheiten, endlosen Erklärungsversuchen, die immer wieder zu nicht nachvollziehen Seitenwechseln führen, sodass ich insbesondere die Liebesgeschichte als Alibi empfand.
Im gesamten Prozedere erschient mir Alex' Freund Erik, auch als sich herausstellte, dass auch er nicht ist, was man vermutet hätte, als am glaubwürdigsten, und auch wenn ich den Autoren den abschließenden Umgang mit ihm emotional sehr verübele, erscheint mir der Handlungsstrang um Erik schlüssig und konsequent. 
Zudem sind mir die - im Grunde noch schutzbefohlenen - Jugendlichen im Roman wieder einmal viel zu sehr sich selbst überlassen, und manchmal frage ich mich, ob es überhaupt ein fantastisches Jugendbuch gibt, in dem sich die Protagonisten einmal in intaktem Familienrahmen befinden.
Vor der potenziell spannenden Idee, die Welten eröffnet, in denen alles möglich werden kann, vermisste ich jedoch ein gewisses Flair. Jene Atmosphäre, die einen zu Schauplätzen entführt, einen mitten ins Geschehen reißt. 
Vision: Das Zeichen der Liebenden vermittelt den Eindruck, von vornherein für den internationalen Markt geschrieben zu sein. Ich verlange natürlich nicht, dass sich ein Autor im eigenen Land bewegt und immer nur vor der eigenen Haustür schreibt. Allerdings erhoffe ich mir von einem Buch, in dem Schauplätze mit spanischen Namen versehen sind, ein gewisses Lokalkolorit. Und genau da passen Universaljugendliche mit Universalnamen, wie Alex, Jana, Erik, David, Laura usw., nicht so recht hinein. Gut, auch hier kann man sich wieder herausreden, dass die beschriebenen Clans vermutlich nicht ländergebunden sind, aber den Protagonisten haftet eine gewisse Austauschbarkeit an, die dem Roman quasi das Gesicht nimmt. 
Sprachlich ist Vision: Das Zeichen der Liebenden keine Herausforderung. Die Übersetzung widerspiegelt eine wenig anspruchsvolle Sprache und wirkt nicht gezwungen bemüht, eine jugendliche Lockerheit imitieren zu müssen. Eigentlich ließe sich der Roman recht flott lesen. Eigentlich ... Der Roman lebt im Wesentlichen von Dialogen und Erklärungen, aber gerade diese nehmen oft so überhand, dass man das Buch frustriert weglegen möchte, weil sich einfach nichts vorwärts bewegt. Die wenigen Lichtblicke, die vor Emotion und Fantasie zu schwingen scheinen, gehen allerdings nahezu unter.
Hätte das Autorenpaar nicht im letzten Teil noch einmal richtig Gas gegeben und seinen Auftaktband nicht mit einem regelrechten Knall beendet, hätte ich die Lektüre als Ausrutscher und nicht verfolgenswert betrachtet. 
Lobenswert zu erwähnen ist außerdem das Glossar am Ende des Buches, in dem die wichtigsten Begriffe und die Strukturen der fantastischen Clans erläutert werden.
Die Fortsetzung Illusion. Das Zeichen der Nacht ist bereits erschienen, Band 3 Emotion: Das Zeichen der Auserwählten folgt im August. 
Dennoch empfinde ich nicht das dringende Bedürfnis, sofort weiterzulesen. 

Fazit: 
Auftakt einer Urban-Fantasy-Trilogie für jugendliche Leser mit potenziell magischer Grundidee, die unter holpriger, streckenweise langatmiger Umsetzung mit Charakteren, die interessant sein wollen, aber sich wenig interessant machen, leidet, aber verfolgenswerte Grundsteine für Fortsetzungen legt. 
Während Romanzenfans durchaus enttäuscht zurückbleiben könnten, dürften aber urban-fantasy-affine Leser den Lektüreversuch nicht zwangsläufig bereuen.

Gesamteindruck: 
3 von 5 Weißdornzweigen






  • Gebundene Ausgabe (mit Lesebändchen): 464 Seiten
  • Verlag: Arena (Juni 2011)
  • Sprache: Deutsch (übersetzt von Ilse Layer)
  • ISBN-10: 3401066552
  • ISBN-13: 978-3401066554
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 - 17 Jahre
  • Größe und/oder Gewicht: 21,6 x 15,6 x 5,2 cm 
  • Neupreis:  17,99 €
  • Bei Amazon kaufen
     

Morgensport


Montag, 9. Juli 2012

... über "Andre de Dienes - Marilyn Monroe: Fotografien / Memoiren"

Herausgegeben von Steve Crist und Shirley T. Ellis de Dienes

"Definitive" Sammlung von Bildern und Erinnerungen in liebevoller, edler Ausstattung

Buch und Meinung: 
Da die Persönlichkeiten dieses 2011 im Taschen Verlag neu aufgelegten Schmuckstücks (Originalausgabe 2002) entweder hinlänglich bekannt sind oder im Handumdrehen im Netz recherchiert werden können, will ich nur wenig auf biografisches Drumherum eingehen. 
Die Memoiren des Fotografen André de Dienes, dem das Attribut "Marilyns erster Fotograf" anhaftet, entstanden 1983 - nicht lang vor seinem Krebstod 1985 -, wurden aber erst 1988 aufgefunden. Sie sollen erstmals einen umfassenden Überblick über sein Schaffen bieten. 
ABER: Bei dem hier vorliegenden Buch handelt es sich um "die definitive Sammlung seiner Aufnahmen und Aufzeichnungen, die mit der jungen Norma Jeane zu tun haben" (Editorische Notiz Seite 17). 
De Dienes' zweite Frau, Shirley T. Ellis de Dienes, und Steve Crist machten diese Memoiren über den Taschen Verlag zugänglich. 
Herausgekommen ist, wie mein "ABER" oben andeutet, weniger ein De-Dienes-Buch als vielmehr ein Marilyn-Buch. 
Letztens Endes bleibt der Fotograf selbst hinter der Kamera, erzählt durch seine Bilder. André de Dienes liefert weitere Puzzlestücke für all jene, die Marilyn Monroe umfassend zu ergründen suchen, bleibt aber selbst, wenn man so will, ein Mysterium und, unabhängig von seinem über vierzig Jahre umspannenden fotografischen Schaffens, irgendwie, der Fotograf, der Marilyn Monroe liebte.
Aus dem Norma Jeane gewidmetem Part des ursprünglichen Manuskripts von De Dienes' Memoiren wurden für diese Ausgabe Exzerpte übernommen, überarbeitet und ins Deutsche übersetzt. 
Gemeinsam mit zahlreichen Fotos in s/w und Farbe auf festem Fotopapier bildet dieser deutsche Text den ersten Band und erzählt chronologisch von De Dienes' erster Begegnung mit der jungen Norma Jeane im Jahr 1945 und der gemeinsamen Zeit, die sie anlässlich dieses ersten Auftrages miteinander verbrachten, und verfolgt auch die späteren Fotosessions und nicht zuletzt die intensive Freundschaft zwischen Fotograf und Modell/Aktrice. 
Zusätzlich enthalten sind eingangs kurze von Steve Crist aufbereitete Informationen über André de Dienes' Leben und Schaffen. In der Danksagung kommt neben Steve Crist auch Shirley T. Ellis de Dienes zu Wort. 
Abschließend findet sich eine ausgewählte Bibliografie, die insbesondere all jenen Lesern, die sich auch über Marilyn Monroe hinaus für De Dienes' fotografisches Schaffen interessieren, weiterführende Literatur - leider vornehmlich vergriffene Fotobände - bietet. 
De Dienes schildert seine Zeit mit Norma Jeane und der späteren Marilyn Monroe schwankend, als könne er sich nicht entscheiden, was er erzählen darf und was nicht. Nach eigenen Angaben war er nie an Gossip interessiert und arbeitete dem Klatsch nie zu.
Über die Jahre hinweg sind unzählige Bildbände, Erinnerungen und Biografien rund um Marilyn Monroe erschienen, und während so manchem (Mach)Werk ein "Hier kann ich noch mal mitverdienen" anhaftet, machen André de Dienes, die sich auf knapp 200 Seiten mit Norma Jeane befassen, nicht den Anschein, in einer Tell-All-Laune geschrieben worden zu sein. 
Da schwingen Zuneigung, aber auch ein Funken Verbitterung mit, dass er zwar einst ihr Liebhaber war, sie aber nie zur Frau an seiner Seite wurde, ganz gleich, wie sehr er sie immer wieder gern vom Fleck weg geehelicht hätte. 
Oft hat es den Anschein, als waren die Fotositzungen mit De Dienes für Marilyn eine Art Therapiesitzung. Wie andere Fotografen bestätigen, hatte sie selbst einen Blick für die "technische" Seite des Fotografierens, der es ihr ermöglichte, Augenblicke, die sie in besonderes Licht tauchten, ausgezeichnet zu nutzen. In De Dienes fand sie gleich zu Beginn ihrer Modell-Karriere einen Partner, dem es wiederum wie kaum einen anderen Fotografen gelang, sie, selbst wenn zwischen den Fotobegegnungen längere Zwischenräume und enorme äußerliche Entwicklungsschritte lagen, ungekünstelt einzufangen. Seine Bilder zeigen in erster Linie die junge Marilyn ausgelassen, verspielt strahlend und lebensfroh, aber auch nachdenklich und versonnen
Der 233 Seiten starke 1. Band enthält eine Vielzahl von Fotografien, die man zum Teil anderweitig schon einmal gesehen haben kann, ist aber das visuelle Herzstück dieser zweibändigen Ausgabe, die in einem stabilen Schuber erhältlich ist. Beide Bücher dieser Ausgabe liegen in Festeinband vor, Band 1 verfügt zudem über einen leicht schimmernden Stoffbezug. 
Ich muss zugeben, dass ich mich kaum traue, dieses Buch anzufassen, weil ich Angst habe, diesen Bezug, der auf Buchrücken und Rückseite silbrig weiß ist, auch mit gründlich gewaschenen Händen noch zu beschmutzen. 
Das schmälert geringfügig den Genuss des Betrachtens und vermittelt den Eindruck, man hielte ein Buch in den Händen, das man vorsorglich lieber nur im Regal stehend betrachtet bzw. mit Spezialhandschuhen berührt.
Nicht auf Hochglanz getrimmt, aber, zumindest für den der englischen Sprache mächtigen Fan, interessanter ist der zweite Band, der äußerlich ganz in Schwarz gehalten ist und nur eine verhältnismäßig kleine Fotomontage von Norma Jeane und De Dienes' Geschäftsadresse trägt. 
Dieser nüchterne Einband birgt ein Faksimile von De Dienes' Manuskriptseiten 157 bis 344, im englischen Original, maschinegeschrieben mit unzähligen handschriftlichen Korrekturen und Ergänzungen. Der Leser, der Englisch versteht, muss im Grunde den deutschen 1. Band nicht zwingend lesen, denn De Dienes' Ausführungen sind hier, in Band 2, unbearbeitet wiederzufinden. Interessant wäre an dieser Stelle, einen Blick in die englische Ausgabe zu werfen, die ebenfalls zweibändig erhältlich ist. Ich mutmaße, dass der erste Band ebenfalls adaptierte, korrigierte Exzerpte aus den Manuskriptseiten von Band 2 enthält.
Dazwischen und auch im Anschluss an den Manuskriptteil finden sich unzählige Fotografien, nicht nur von Norma Jeane/Marilyn Monroe, sondern unter anderem auch von der Shirley Temple, die den Kinderstarschuhen entwachsen war.
Das Papier ist recht dünn, erinnert an altes Schreibmaschinenpapier. 
Die Bilder sind allesamt schwarz-weiß, handschriftlich nummeriert und zum Teil mit handschriftlichen Anmerkungen versehen. Die Qualität ist sehr unterschiedlich, neben weniger Scharfem ist bereits als Schwarz-weiß-Abzug oder kolorierter Print Veröffentlichtes zu sehen, und als besonderes Extra werden eine Reihe von Fotomontagen aus dem Analogzeitalter gezeigt. Besonders letztere hatte ich persönlich noch nie gesehen, und ich bin beeindruckt, was mit ganz traditionellen Fototechniken ohne digitale Hilfsmittel bereits möglich ist. Diese Montagen stammen von De Dienes selbst und wurden nicht etwa nachträglich von Bildbearbeitungsexperten für diesen Band zusammengebastelt. 
Auf einigen Seiten befinden sich ca. 10 Fotografien auf einmal (Seitenformat 23,6 x 18,5 cm), sodass diese in der Regel recht klein ausfallen. Einige haben gerade einmal Passbildgröße. Zu sehen sind ganze Posenreihen, die vielleicht für einen Leser, der sich weniger für Fotos interessiert, langweilig werden können.
Ausgewählte kolorierte Abzüge sind in ansehnlicher Größe im ersten Band zu finden und stellen damit die Verbindung zwischen beiden Bänden her. 
Man kann beide Bände problemlos getrennt von einander lesen und betrachten, ganz, wonach einem der Sinn steht.  Während Band 1, dessen Text im Schriftbild dem Manuskript nachempfunden ist, eher zum Schauen einlädt, zwingt Band 2 geradezu zum langsamen Lesen und Ruhenlassen.
"Marilyn Monroe: Memoiren/Fotografien" ist ein umfangreiches Bildwerk, das insbesondere im zweiten Band viel zum Entdecken bereithält und jede Buchsammlung über Marilyn Monroe wunderbar ergänzt. 
Es besticht mit durchdachter Ausstattung und verleiht durch "Imitation" von De Dienes Originaldokument ein besonderes Lesegefühl. 
Für zwei Hardcover-Bände in solidem Schuber ist außerdem der Preis absolut verführerisch. 


Auch wenn ich noch immer auf ein "echtes" De-Dienes-Buch mit seiner Geschichte - über sich und seine Fotografie - warte, spreche ich eine uneingeschränkte Blätter- und Leseempfehlung für Monroe-Fans und -Sammler aus. 










Deutsche Ausgabe:
  • Gebundene Ausgabe: 848 Seiten
  • Verlag: Taschen Verlag (15. Januar 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3836527073
  • ISBN-13: 978-3836527071
  • Größe und/oder Gewicht: 23,6 x 18,5 x 7,6 cm 
  • Bei Amazon kaufen
     
 Englische Ausgabe: 
  • Gebundene Ausgabe: 848 Seiten
  • Verlag: Taschen GmbH (25. Februar 2011)
  • Sprache: Englisch
  • ISBN-10: 3836527103
  • ISBN-13: 978-3836527101
  • Größe und/oder Gewicht: 22 x 7,5 x 17,1 cm 
  • Bei Amazon kaufen
     

Grünfrisch

Dass ich meine Fotos in letzter Zeit einem bestimmten Thema unterstelle, hat mich diese Woche etwas in die Bredouille gebracht, da ich mein ursprünglich geplantes Thema nicht realisieren konnte. 
Deshalb musste ich umdisponieren, und da bot es sich an, dass ich am vergangenen Freitag morgens Gelegenheit zu einem Waldspaziergang hatte, von dem ich einige Fotos mitgebracht habe.
Diese Woche soll also unter dem Motto "Natur morgenfrisch" stehen, und dabei werde ich mich nicht auf Blattwerk beschränken müssen. 

Los geht es mit etwas Grünen: 



Sonntag, 8. Juli 2012

Die Leserunde läuft

Heute vor einer Woche haben wir auf Lovelybooks die Leserunde zu unserer Anthologie Mittendrin: Der Laubkönig erzählt gestartet. 
Noch sind wir sind voll dabei. Jeder in seinem Lesetempo, ganz individuell und ohne Zeitdruck.

Auch die Autorinnen Melanie Vogltanz, Tanja Bern, Cornelia Franke, Franziska Franke, Ursula Dittmer, Gabriele Behrend, Michaela Kieckheim, Mirjam H. Hüberli und Susanne O'Connell stellen sich den Fragen und auch der Kritik der Leser und erzählen über ihre Geschichten. 
Weitere Teilnehmer sind nicht ausgeschlossen, und es freut mich ganz besonders, dass auch der eine oder andere Autor beschlossen hat, das Buch zur Hand zu nehmen und mitzulesen.

Leserunden sind immer eine ganz besondere Erfahrung, denn wann hat man schon einmal Gelegenheit, auch wenn es nur virtuell geschieht, gewissermaßen hautnah dabei zu sein, wenn ein Leser das eigene Buch liest. 
Da kann es einem schon flau im Magen werden, weil man bangt und inständig hofft, dass das Werk gut ankommt. 
Anthologien und Kurzgeschichten haben dabei noch einmal einen besonderen Status, denn, wie häufig zu lesen ist, nicht jeder mag die Gattung der Kurzgeschichte. 
Oft könnte die Geschichte länger sein, um ein besseres Auftauchen in die erdachte Welt zu ermöglichen. 
Manchmal sind die Ereignisse zu abrupt oder die Auflösung zu unglaubwürdig. 
Das alles macht die Kurzgeschichte für den Autor wie auch für den Leser zu einem Abenteuer, und in einer Anthologie finden zahlreiche Abenteuer zueinander. 
So ist es beinahe vorprogrammiert, dass auch nach sorgfältiger Auswahl (und im Falle der Laubkönig-Anthologie kam hierbei der Leserjury eine höchst verantwortungsvolle Aufgabe zu), nicht alle Geschichten gleichgut wegkommen. 

Deshalb bin ich froh, dass uns die bisherigen Leserstimmen in unserer Auswahl Recht geben.
Mystisches, Ermahnendes, Leichtes und Anspruchsvolles halten das Thema zusammen und sorgen trotzdem für abwechslungsreiche Lektüre. 

Ferienzeit sei Dank hat unsere jüngste Mitleserin (Tintenklecks98) die Anthologie bereits ausgelesen und bei Lovelybooks 4 Sterne (von 5 möglichen) vergeben, gemeinsam mit einer Leseempfehlung, da das Buch für jederman geeignet sei.

Es bleibt spannend, und ich bin neugierig, welche Meinungen uns im Zuge der Leserunde und auch in der Zukunft noch erwarten.
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