Donnerstag, 31. Mai 2012

... über "Gefährliches Spiel" von Lisa Marie Rice

Lektüre ab 18!
Lisa Marie Rice

Erotische Aneinanderreihung, die Thrill und Romantik weitestgehend erstickt


Zum Inhalt: 

Eine Undercover-Mission führt Special Agent Nick Ireland in einem eiskalten November nach Parker's Ridge, Vermont. Sein Ziel ist Wassily Worontzoff, der ehemalige Insasse eines sowjetischen Gulags, der sich hinter der Fassade eines angesehenen Schriftsteller versteckt, in Wirklichkeit aber die Fäden einer internationalen Verbrecherorganisation in seinen Händen hält. Im beschaulichen Parker's Ridge fällt er nicht auf, und dass er mit der örtlichen Bibliothekarin Charity Prewitt befreundet ist, dürfte ebenfalls eher zu seinen Gunsten ausfallen. Charity hätte sich eigentlich ein anderes Leben gewünscht, aber nach dem College kehrte sie aus Verantwortungsbewusstsein in die Kleinstadt zurück, um sich um ihren Onkel Franklin und ihre demente Tante Vera zu kümmern. Sie führt ein unspektakuläres Leben, in dem nur die Freundschaft zu dem Schriftsteller eine Abwechslung darstellt. Allerdings hat sie keine Ahnung, dass sie Wassilys Geliebten Katya, die im Gulag ermordert wurde, fast bis aufs Haar gleicht und er ganz eigene Pläne mit ihr hat. Ihre Verbindung mit Wassily kommt Nick gerade recht, sodass er sich als Geschäftsmann Nicholas Ames in Charitys Bibliothek einschleicht. Nur kurze Zeit später lässt sie ihn in ihr Haus und auch in ihr Herz. Und plötzlich ist der taffe Agent, den man nicht umsonst "Iceman" nennt, gar nicht mehr so eisig, sondern bereit, Charity um jeden Preis zu schützen, selbst wenn er sie dazu zu seiner Ehefrau und ... Witwe machen muss.

Meine Meinung: 
Gefährliches Spiel ist der zweite Band von Lisa Marie Rices Dangerous-Reihe, kann aber vollkommen unabhängig vom Auftaktband Gefährlicher Fremder gelesen werden. Handlungsort und Protagonisten sind unterschiedlich, und Gemeinsamkeiten liegen höchstens im militärischen Hintergrund der männlichen Helden.
Wie beim Vorgänger deutet die äußere Gestaltung wieder darauf hin, dass es zwischen den Buchdeckeln eher sinnlich als gefährlich zugehen dürfte, und dieser erste Eindruck ist gar nicht falsch. 
Hatte ich Gefährlicher Fremder trotz Schwächen noch als unterhaltsam empfunden, konnte Gefährliches Spiel mich nicht überzeugen. Von Anfang an hatte ich mit diesem Roman meine Schwierigkeiten und störte mich an vielem, obwohl ich normalerweise gut über Klischees oder Logikmacken hinwegsehen kann, sofern ich mich gut unterhalten fühle.
Auch hier folgt der Leser primär der männlichen Sichtweise, denn Hauptfigur ist nun mal Nick, während Charity meistenteils als sein schmückendes Beiwerk herüberkommt. Ihre Gefühle und Eindrücke standen zwar in wichtigen Momenten im Mittelpunkt und ermöglichten mir als LeserIN, mich in sie hineinzufühlen, aber insgesamt kam sie mir einfach zu kurz. Sie bleibt recht blass und ihre Tränen ebenso unglaubwürdig wie ihr plötzlicher Wagemut zum Ende des Romans. Das wäre zu verschmerzen gewesen, wenn mir Nick nicht dreihundert Seiten lang unsympathisch gewesen wäre. 
Das erste Bild, das der Leser von ihm gewinnt, ist das eines gefühlsneutralen Profis, der so auf seinen Auftrag fixiert ist, dass er dafür auch mit allem ins Bett steigen würde. Er hatte für mich so gar nichts von einem Anschmachthelden, auch wenn Lisa Marie Rice ihm Herkunft und Vergangenheit verpasste, die ihm durchaus Tortured-hero-Potenzial mitgeben. Natürlich sind ihre Charaktere wieder sehr attraktiv und ansprechend, aber mir war Nick viel zu lange buchstäblich triebgesteuert, als dass ich bereit gewesen wäre, wahre Gefühle zu erkennen und seine Handlungen, so gut sie auch gemeint waren, abzunicken. Während Nick von der ersten Minute an ernsthaft in Betracht zieht, Charity zu verführen, erinnert er sich seitenweise an einen vergangenen Auftrag, bei dem er zu harten Sexspielen quasi gezwungen war, die über seine eigene Schmerzgrenze hinausgingen. So gewinnt man den Eindruck, Charity käme gerade recht, um ihn von seiner Negativerfahrung zu kurieren. 
Von poliertem Business-Man-Image und durchtrainierter Erscheinung angezogen, schleppt Charity Nick, der sie wohlweislich zuvor ein paar Tage lang in ihrer Bibliothek umgarnt hat, gleich nach dem ersten "Date" ab. 
Wie in Gefährlicher Fremder folgt eine nicht enden wollende Liebesszene, die zwar das Herz des passionierten Erotiklesers höher schlagen lässt, aber den "gefährlichen" Handlungsstrang um den fiesen wie wahnsinnigen Worontzoff viel zu lange ausknipst. Auch hier dürfen die beiden Turteltäubchen ihre lange erotische Durststrecke ausgiebig wettmachen, leider aber ebenfalls mit hormonverschleiertem Blick. Denn wie in "Gefährlicher Fremder" winkt Charity in einer Situation den Safer-Sex-Bedarf mit dem Argument ab, es seien ohnehin nicht die empfängniskritischen Tage. Dass sie trotz aller stürmischen Anziehung Nick aber nicht kennt und auch ein Anzugträger nicht vor sexuell übertragbaren Krankheiten gefeit ist, scheint die Autorin völlig zu ignorieren. Sicherlich soll diese Art von Roman nicht belehren oder aufklären, aber trotzdem halte ich bei allem unterhaltsamem Hormonsamba etwas mehr Weitblick für zeitgemäß. Nach diesen beiden Bänden gebe ich beinahe die Hoffnung auf, dass eine von Lisa Marie Prices Protagonistinnen, die sich sehr bereitwillig verführen lassen, einmal geistesgegenwärtig einen Gespielen von der Bettkante stößt. Anderen Autorinnen gelingt das ja auch ... 
Zwischendrin lässt sie kurz Charitys Onkel und Tante in Erscheinung treten, mit dem ganz offensichtlichen Hintergrund, dass ein Alibi benötigt wird, um Charity dazu zu bringen, sich in Nick zu verlieben. So errettet er denn die verwirrte Tante Vera des nachts im Schneegestöber, und während er mantellos, die über Achtzigjährige schützend im Arm, durch die Schneewehen watet und sie sicher nach Hause bringt, fliegt Charitys Herz im vollends zu. Meins leider nicht, was wohl daran lag, dass ich relativ früh das Interesse an der Geschichte verlor. 
Nachdem gut zweihundert Seiten auf diese Weise verschwendet wurden, hatte ich, als der Bösewicht der Stunde endlich wieder ins Spiel kommt, schon beinahe vergessen, warum der nun eigentlich so gefährlich war. Dabei war er noch am Anfang recht ausgiebig vorgestellt worden. Und zwar mit so ziemlich allen russischen Klischees. 
Perfide Charaktere lassen sich sicherlich in allen Kulturkreisen finden, und nachdem die Literatur über lange Zeit in Thrillern etc. vom Kalten Krieg geprägt war, bin ich es viele Jahre nach der "Wende" ziemlich leid, dass die dunklen Seiten von Unrechtsstaaten derartig verwurstet werden. Dabei ist Wassily ein Charakter, der buchstäblich zum Hobbypsychologisieren einlädt und dessen Seele im Gulag gebrochen wurde, wie auch Charity folgerichtig erkennen muss. Leider ist er nicht halb so bösartig, wie ich es mir für den Thrillfaktor gewünscht hätte, sondern kommt trotz seiner Verbrechen, die ihm schlau und subtil mächtig viel Kohle in die Taschen spühlen, eher verbittert und geisteskrank herüber, womit man am Ende sogar beinahe Mitleid empfinden möchte. Schade nur, dass der Russe (und dann auch noch der typische arabische Terrorist) trotzdem schwarz bleibt und der Amerikaner wieder als der gute weiße Ritter den Sieg davonträgt. 
Weiterhin stört mich, wie häufig bei aus dem angloamerikanischen Sprachraum stammenden Romanen, die Mischmaschtranskription der russischen Namen. Das ist zwar absolut subjektiv, da ich beruflich beinahe täglich mit Transliteration und Transkription zu tun habe, aber manchmal wünschte ich mir, man würde im Deutschen eine Transkription wählen, an die das deutsche Auge gewöhnt ist bzw. die man ordentlich nachsprechen kann, anstatt das Englische einfach zu übernehmen. Seit wann spricht man im Russischen Wodka "vuodkya" aus? 
Von dieser subjektiven Kleinigkeit einmal abgesehen, gelingt es Lisa Marie Rice in Gefährliches Spiel, das im Original passender Dangerous Secrets heißt, weil weniger Spielchen gespielt als vielmehr Geheimnisse verborgen werden, leider nicht, eine lesenswerte Atmosphäre zu entwickeln. Gerade mit der angenehmen, zum Teil romantischen Atmosphäre hatte sie in Gefährlicher Fremder viel Boden gutmachen und große Sympathie für die Protagonisten entwickeln können. In diesem zweiten Teil nun beschränkt sie sich weitestgehend auf Interaktion und Gedanken ihrer Protagonisten, die bedauerlicherweise sprachlich mitunter abrutschen. 
Versöhnt wird der Liebesromanfreund mit einem recht typischen und vorhersehbaren Happy End, das einen erleichtert das Buch zuklappen lässt. 
Alles in allem hoffe ich, dass Gefährliches Spiel nur ein Ausrutscher ist, wie es flott gestrickte zweite Bände manchmal leider sind, werde aber um Band 3, Gefährliche Wahrheit, noch eine Weile einen Bogen machen. 

Fazit: 
Romantic Thrill, der mit routiniert erzählter, recht expliziter Erotik überzeugt, aber vor Klischees strotzt und realistische Romantik und mitreißende Spannung absolut vermissen lässt. 

Gesamteindruck: 
leider nur 2 von 5 Weißdornzweigen
  



  • Broschiert: 376 Seiten
  • Verlag: Lyx; Auflage: 1 (7. Juli 2011)
  • Sprache: Deutsch, übersetzt von Birthe Lilienthal
  • ISBN-10: 3802584007
  • ISBN-13: 978-3802584008
  • Originaltitel: Dangerous Secrets
  • Größe und/oder Gewicht: 17,8 x 12,4 x 3,2 cm 
  • Neupreis: 9,99 €

Maimohn

Die Mohnzeit ist wieder da. Es gibt kaum ein Motiv, das mich so sehr reizt wie Mohn. Ich finde das Spiel von Licht und Schatten im Rot/Orange der Blüten einfach faszinierend. Macht euch gefasst! Ich werde euch in nächster Zeit wohl öfter mit Mohn beglücken/belästigen. (Zum Vergrößern bitte klicken!)

Sonntag, 27. Mai 2012

... über "Gestohlene Rache" von Elisabeth Naughton

Elisabeth Naughton

Verzwickte, mitreißende Schatzsuche mit Liebesfund

Zum Inhalt:
Die 38-jährige Archäologin Dr. Lisa Maxwell lässt sich in ihrem Metier nichts vormachen. Selbst vor den engsten Höhlen schreckt sie nicht zurück, denn seit Jahren sucht sie unermüdlich drei antike Statuen, die zusammen ein bedeutendes Relief ergeben. Sie ist überglücklich, als sie auf Jamaika eine der Figuren aufspürt. Um in Athen ihre Echtheit prüfen zu lassen, nimmt sie sie mit, als sie in Mailand einen Vortrag halten muss. Dabei läuft sie dem attraktiven Rafe Sullivan über den Weg, der sich als Rafe Garcia vorstellt und sie aus den Fängen nerviger Bewunderer befreit. Bei einem gemeinsamen Essen wickelt er sie um den Finger, sodass sie ihn übermütig auf ihr Zimmer einlädt. Obwohl die kleine Rothaarige so gar nicht seinem Blond-vollbusig-Beuteschema entspricht, ist der geheimnisvolle Mann mit dem gefakten mexikanischen Akzent nicht abgeneigt. Aber was tut man nicht alles, um zu bekommen, was man will? Das, was Rafe will, liegt nur sekundär vor ihm im Bett, sondern primär in Lisas Hotelsafe. Lisa erliegt voll und ganz Rafes gefälschtem Charme und kurz darauf dem Schlafmittel in ihrem Wein, sodass aus dem One-Night-Stand nichts wird, Rafe ihr aber seelenruhig die Statue klauen kann. Am nächsten Morgen brummt Lisa nicht nur der Schädel, sondern sie ist auch stinksauer. Mangels Artefakt kann sie nun nicht nach Athen weiterreisen. Welch ein Glück, dass ihr Zwillingsbruder Shane Polizist ist und Rafe in Nullkommanichts ausfindig macht. Der guckt nicht schlecht, als Lisa plötzlich vor ihm steht und ihre Statue zurück will. Rafe aber hat ganz eigene Pläne. Eins führt zum anderen, und Schatzsucherin und Dieb verbünden sich, um die nächste Statue zu finden. Dazu muss Lisa jedoch das Forschungsmaterial ihres vor Jahren tödlich verunglückten Doktorvaters, mit dem sie mehr als nur eine berufliche Beziehung hatte, sichten und schmerzhafte Erinnerungen in Kauf nehmen. Besonders viel Zeit hat sie allerdings weder dafür noch für das Herzklopfen, das sie in Rafes Nähe empfindet, denn schon bald stehen sie unter Beschuss, und während sie gleichzeitig das Weite und das antike Kunstwerk suchen, häufen sich hinter ihnen die Todesfälle, denn noch jemand will das wertvolle Artefakt ... und Rache. 


Meine Meinung: 
Ich arbeite derzeit intensiv am SuB-Abbau und war überrascht, dieses Buch darauf zu finden, weil ich mich nicht erinnern konnte, es gekauft zu haben. Warum ich es gekauft habe, konnte ich dann aber rasch nachvollziehen: Die Kurzbeschreibung, die einen Eindruck von weiblichem Indiana Jones vermittelt, sprach und spricht mich an. 
Bereits die äußere Verpackung von Gestohlene Rache ist recht stimmig. Das umschlungene Paar in der oberen Hälfte lässt keinen Zweifel am Genre des Liebesromans, während die Kapitelle, die durch die leicht transparente Dame hindurchschimmern, und auch das Kunstobjekt im Hintergrund der unteren Hälfte auf den Archäologenplott hindeuten. Die zwei schattenhaften Gestalten, die wie in einem Museum davor zu flanieren scheinen, konnte ich mir zwar lange nur als Lückenfüller, um das Bild nicht zu nackt wirken zu lassen, erklären, meine sie aber im Nachhinein doch anders deuten zu können.  
Mit Gestohlene Rache legt Elisabeth Naughton den Auftakt zu ihrer Stolen-Trilogie vor. Dieses Buch ist prima in sich geschlossen und lässt keine Fragen offen, die eventuell in Folgebänden geklärt werden müssten. Allerdings werden Charaktere eingeführt, die sehr wohl eigenes Geschichtenpotenzial mitbringen, ohne jedoch den Anschein zu erwecken, sie seien allein für diesen Zweck geschaffen worden.
Die Autorin versteht es, ihre Geschichte flott und mit vielen Wendungen zu erzählen, die für manche/n Leser/in eventuell etwas vorhersehbar sind. Auch ich erahnte Einiges, genoss es aber sehr, wie ich zur Bestätigung geführt wurde. Dass ich zwischendurch das Gefühl hatte, etwas nicht richtig mitbekommen zu haben, störte mich bei diesem Buch überhaupt nicht, weil ich mich einfach gut unterhalten fühlte. 
Zudem gefiel mir die Protagonistin Lisa Maxwell sehr. Sie ist in einem identifikationsfähigem Alter, kein junger Hüpfer mehr und eine gestandene Frau - mit Vergangenheit, aus der sie das für sie Beste gemacht hat. Was sie tut, hat Hand und Fuß, und ihre Besessenheit, die Statuen zu finden, ist absolut nachvollziehbar. In Sachen Liebe ist Lisa Maxwell allerdings ein gebranntes Kind, sodass es nur zu verständlich ist, dass sie Rafe zunächst nicht mit dem Herzen verfällt, sondern erst einmal weibliche Bedürfnisse auslebt. 
Der gute Rafe Sullivan hingegen hatte Mühe, sich in mein Leserherz einzuschleichen. Zum einen spielt er fast bis zum Schluss nicht mit offenen Karten und lässt Lisa, auch als (oder weil?) er längst mehr für sie empfindet als körperliche Anziehung, über die Statuen im Unklaren. Zum anderen hat er für meine Begriffe einen leicht aufgesetzten puerto-ricanischen Touch, fast so, als müsse er auf Teufel komm raus den Latin Lover mimen, was ich ihm nicht immer abkaufe. Ihm entfleucht der eine oder andere spanische Satz (die Autorin bedankt sich in ihrer Danksagung brav für die Hilfe mit dem puerto-ricanischen Spanisch), den man verstehen kann, aber nicht muss, und er betitelt Lisa mir einen Tick zu oft mit "querida". Wer Flüche und Kraftausdrücke nicht mag, dürfte mit Rafe seine Schwierigkeiten haben, denn in Gestohlene Rache wird nicht gerade vornehm parliert, wenn auch nicht übertrieben mit Argot herumgeworfen. Rafe ist schlichtweg nicht auf den Mund gefallen und ziemlich gerade heraus, was ihn wiederum authentisch macht und für amüsante Momente sorgt. 
Kleine Charakterschwächen kann man aber gut verschmerzen, denn Elisabeth Naughton ist recht clever und stattet ihre beiden Protagonisten mit höchstsympathischen Familienanschluss aus. So lernt Rafe - notgedrungen, da sie sich ja zur Zusammenarbeit entschlossen haben - recht früh Lisas große Familie, einschließlich aller Nichten und Neffen, und damit auch Lisa auf neue Weise kennen. Kurz darauf begleitet Lisa Rafe zu seiner schwerkranken Mutter ins Krankenhaus, wo der Mann, von dem man bislang das Bild eines gefühlsneutralen Betrügers hatte, in völlig neues Licht taucht. Ab da ist es einfach nur noch unmöglich, Rafe nicht mit Lisas Augen zu sehen und beide voneinander zu trennen. Als Lisa endlich bereit ist, Rafe von ihrer Vergangenheit zu erzählen, die er natürlich bereits erahnt, aber gentlemanlike nicht zur Sprache gebracht hat, war es um mich geschehen. Da wurden mir die drei heißbegehrten Statuen schon beinahe egal. 
Elisabeth Naughton sorgt allerdings für eine gute Balance zwischen Schmacht und Spannung. So lässt sie auf ihre Einleitung, in der Lisa durch eine jamaikanische Höhle robbt und Statue Nr. 1 findet, zwar recht bald die erste heiße Begegnung zwischen ihr und Rafe folgen, führt sie aber nicht zu Ende, sodass den Charakteren für die nächste Hälfe des Buches noch genügend Sehnsucht bleibt. Intime Begegnungen werden sinnlich dargestellt, aber nicht zu sehr ausgewalzt, um den Crime-Plot nicht aus den Augen zu verlieren. Und der ist für einen Liebesroman doch recht verwickelt, dem Krimifan aber vielleicht zu unausgegoren. Jedenfalls wird in der Kunstszene mächtig geschmuggelt und intrigiert, Dämonen der Vergangenheit heraufbeschworen und vor Hinterhalten nicht zurückgeschreckt.
Die Bösewichte von Elisabeth Naughtons Gestohlene Rache verwirrten mich ganz schön. Sie gestaltet ihre Nebenfiguren nämlich allesamt so, dass alle und niemanden in Verdacht hat. Meint man zunächst, Kunst und Wissenschaft selbst brächten die Archäologin unnötig in Gefahr, hat man fünf Seiten später beinahe ein Familienmitglied in Verdacht. So ist man tatsächlich über jeden widerlegten Verdacht und jede bestätigte Sympathie froh. 
Die Auflösung erklärt schließlich auch den Titel des Romans, erscheint im Nachhinein aber recht schlicht. 
Dennoch ist es Elisabeth Naughton gelungen, einen stimmigen Auftakt abzuliefern und auch ohne langatmige Erklärungen keine Fragen offen zu lassen. 
Den Folgeband Gestohlene Liebe, der wie auch der Trilogieabschluss Gestohlenes Vertrauen bereits erschienen ist, werde ich auf jeden Fall zu gegebener Zeit lesen.

Fazit: 
Stellenweise abenteuerliche Lektüre um eine für Dieb und Wissenschaftlerin lebensveränderte Schatzsuche, die für einen Liebesroman einen erstaunlich hohen Body Count aufweist und nicht immer logisch ist, aber mit guter Ausgewogenheit von Romantik, Crime und Spannung und nettem Unterhaltungsfaktor besticht. 

Gesamteindruck: 
4 von 5 Weißdornzweigen 

  


  • Broschiert: 431 Seiten
  • Verlag: Lyx (8. November 2010)
  • Sprache: Deutsch, übersetzt von Nele Quegwer
  • ISBN-10: 3802583264
  • ISBN-13: 978-3802583261
  • Originaltitel: Stolen Fury
  • Größe und/oder Gewicht: 18 x 12,4 x 4 cm 
  • Neupreis: 9,95 €
  • Als Taschenbuch -> kaufen.
  • Als Kindle-E-Book -> kaufen.







(Kr)Akelei

Ich habe mir neue Bleistifte gekauft. Künstlerbleistifte schimpfen sie sich ganz hochtrabend. Na ja, ein Bleistift macht keinen Künstler, aber ehe ich mich weiter mit 99-Cent-HB und -B herumplage, dachte ich mir, ich investiere mal. Nun heißt es: ÜBEN!

Freitag, 25. Mai 2012

Mittendrin im Laubkönig

Nachdem unsere Anthologie Mittendrin: Der Laubkönig erzählt endlich erschienen und im Buchhandel erhältlich ist, möchte ich euch die aktualisierte Leseprobe natürlich nicht vorenthalten. Viel Spaß beim Blättern!


Rosenblut

Das ist mein allererster Versuch, mit Rötelstiften zu arbeiten. Ich habe drei verschiedene Nuancen Rötelstifte mit Bleistift Stärke B8 kombiniert. Na ja, das ist dabei herausgekommen :-) Da muss ich noch ganz schön üben.

Donnerstag, 24. Mai 2012

... über "Riskante Nähe" von Michelle Raven

Michelle Raven

Zwei Romanzen in spannender, unterhaltsamer Verpackung

Zum Inhalt:
Dr. Karen Lombard arbeitet als Waffenexpertin im Pentagon. Kein besonders sicherer Job, denn eines Tages wird sie entführt, sodass Clint Hunters SEAL-Team zu ihrer Rettung aufbrechen muss. Mitten in der Regenzeit müssen die harten Kerle der Spezialeinheit die junge Frau im costa-ricanischen Regenwald aus den Händen ihrer Entführer befreien. Dass bei der vergleichsweise unkomplizierten Mission jedoch ein Teammitglied ums Leben kommt, können weder Captain Hunter noch Karen überwinden. Während Karen jedoch zu ihrem Job im unterirdischen Bereich des Pentagon zurückkehrt, quittiert Clint den Dienst, zieht zurück auf die Ranch seiner Eltern in Montana und widmet sich der Viehzucht. Vergessen kann er die Frau, die ihn auf seltsame Weise angesprochen hat, aber seit Jahren verheiratet ist, jedoch nicht.
Vier Jahre später ist Karen Lombard noch immer im Dienst der US-Regierung tätig, aber keineswegs sicher. Erst hat sie einen Autounfall, dann, kaum erholt, findet sie sich von einer Sekunde zur nächsten auf U-Bahn-Gleisen wieder. Noch einmal davongekommen, findet sie bald heraus, dass ihre Unfälle kein Zufall waren und wer ihr nach dem Leben trachtet. Sie ist sich sicher, dass ihr nur ein Mensch helfen kann: Clint Hunter. Nicht wissend, dass er längst nicht mehr bei den SEALs ist, flieht sie zunächst nach San Diego zum Hauptquartier der Spezialeinheit, wo sie von Matt Colter, Clints ehemaligem Teammitglied bei der Befreiungsaktion in Costa Rica, aufgeklärt wird. Nachdem er sich Karens heikles Problem angehört hat, schickt er sie umgehend weiter nach Montana, wo sie Clint in Erklärungsnot bringt. Seine Familie hat nämlich keine Ahnung, welchem brisanten Beruf er zehn Jahre lang nachgegangen ist. 
So ist auch seine Schwester Shannon nicht im Bilde. Die erfolgreiche Schriftstellerin verfasst Romantic-Suspense-Romane, und ihr Lieblingssujet sind die Navy SEALs. Als Clint herausfindet, dass sie über ihre Homepage Kontakt zu einem echten SEAL sucht, der ihr bei der Recherche für ihre Romane behilflich sein kann, befürchtet er, dass sie an einen Betrüger gerät. Kurzerhand hetzt er seinen alten Freund Matt Colter auf, sich an sie zu wenden und sie bei ihren Recherchen zu unterstützen. Natürlich, ohne seine wahre Identität preiszugeben. Das tut Matt auch, und zwischen beiden entspinnt sich ein lockerer E-Mail-Kontakt, den beide schließlich nicht mehr missen möchten. Als die verzweifelte Karen am Stützpunkt in San Diego auftaucht, nutzt Matt die Gelegenheit, um, bevor er zum nächsten Einsatz aufbricht, ebenfalls zur Hunter-Ranch in Montana zu reisen. Getarnt als Versicherungsvertreter kommt er dort bald Shannon näher. 
Aber Karen kann sich in Clints Großfamilie und in der Nähe von gleich zwei professionellen Beschützern nur kurz sicher fühlen. Längst hat ihr Ehemann das FBI über ihr Verschwinden in Kenntnis gesetzt, sodass sie nun, immerhin ist sie in ihrer brisanten Tätigkeit Geheimnisträgerin der Vereinigten Staaten,  die Behörden am Hals hat. Und nicht nur die, denn auch eine gefährliche Terrororganisation will ihrer habhaft werden ... 

Meine Meinung: 
Nach Vertraute Gefahr widmet Michelle Raven den zweiten Band ihrer Reihe um die Hunter-Familie Clint Hunter und seiner Schwester Shannon. Clint hatte als SEAL im Ruhestand bereits in Vertraute Gefahr in Aktion treten dürfen. 
Nach einer kurzen Einführung, die vier Jahre in die Vergangenheit zurückführt und anschaulich die Entführung und Befreiung Karen Lombards schildert, ist die eigentliche Handlung von Riskante Nähe nach den Ereignissen des ersten Bandes angelegt. 
Mit Karen Lombard kreiert Michelle Raven wieder einen Charakter, der einiges durchmachen muss. Zudem bekommen wir es mit einer äußerlich normalen Frau zu tun, die weder superschön noch superschlank, aber ungemein sympathisch ist. Wie sie es so lange mit diesem Emotionskrüppel von Ehemann ausgehalten hat, ist mir zwar ein Rätsel, aber so spielt wohl das Leben. Paul Lombard ist so ziemlich der unsympathischste Charakter, der mir seit langem untergekommen ist, und zwar auf eine Weise, dass man überhaupt nicht das Bedürfnis empfindet, ihn zu bedauern, dass seine Ehefrau ein Auge auf einen anderen wirft oder dass er für sein nicht zu billigendes Verhalten eine erschreckend endgültige Quittung bekommt. Auch wenn Karen in einer lieblosen Ehe lebt, quasi schon stoisch die Launen ihres Mannes erträgt und ihrer wichtigen Tätigkeit nachgeht, ist sie nicht auf den Kopf gefallen und heult sich schon bei ihrer Entführung nicht aus Selbstmitleid die Augen aus dem Kopf. Sie wehrt sich und beißt, solange es geht, die Zähne zusammen. Wenn ihre Dämme brechen, ist das in jedem Moment nachvollziehbar. Als sie am Grab des auf ihrer Rettungsmission ums Leben gekommenen Mannes steht und Clint in ihr tränengeschwollenes Gesicht schaut, muss man schlucken. Aber diese Frau hat auch einen ungebrochenen Lebenswillen, sodass sie bei ihrer Flucht aus Washington, auf der Suche nach Clint, ziemlich clever vorgeht und somit ihr Auffinden gut hinauszögert. Im weiteren Verlauf wird sie von der Autorin nicht geschont, und man ist als Leser ehrlich froh, dass man es mit einem Liebesroman zu tun hat und die Protagonistin irgendwann verdientermaßen in die Arme des Helden sinken darf. 
Dieser Held, Clint, ist auf den ersten Blick ein gutaussehender harter Kerl. Aber wie es sich für einen Liebesroman gehört, hat unser Kerl einen weichen Kern und Gefühle, die er nicht allzugern nach außen trägt. Gemeinsam mit Karen wartet man bei jedem Zucken seiner Mundwinkel auf ein echtes Lächeln. Seine Hilfsbereitschaft, die fremde Frau, die einmal nichts als ein Auftrag war, ihn aber seit vier Jahren nicht loslässt, mit allen Mitteln zu beschützen, nimmt man ihm immer ab. Auch die Tatsache, dass außer Clints Vater, sein Bruder Shane nebst Freundin Autumn ("Vertraute Gefahr") niemand von Clints militärischer Vergangenheit weiß, ist sehr wohl nachvollziehbar, und das daraus entstehende Konfliktpotenzial wird von der Autorin gut genutzt.
Besonders gut gefiel mir schon in "Vertraute Gefahr", dass Michelle Raven Beziehungen langsam aufbaut und nichts überstürzt, somit den Umständen Rechnung trägt. Auf diese Weise dürfen sich ihre füreinander bestimmten Charaktere zwar attraktiv finden und kleine Augenblicke der Intimität leisten, aber im Gegensatz zu anderen Romanen desselben Genres fallen sie nicht unpassend übereinander her, während ihnen die Kugeln um die Ohren pfeifen. Natürlich dürfen sie zu gegebener Zeit dem Hormonansturm erliegen, aber Michelle Raven versteht es ausgezeichnet, den Romance-Part ihrer Geschichten auf den Suspense-Handlungsstrang abzustimmen, sodass dem Leser bis dahin die Zeit nicht lang wird und auch Leser, die sich im Genre Romantic Thrill/Suspense spannende Unterhaltung ohne ein Übermaß an Romance und ohne zu viele erotische Begegnungen wünschen, sehr wohl auf ihre Kosten kommen. Die Autorin entwickelt Szenarien, die glaubhaft und unterhaltsam zugleich sind. 
Während der Handlungsstrang um Karen Lombard und Clint Hunter deutlich den Rahmen von "Riskante Nähe" bildet, da das Buch mit diesen Protagonisten beginnt und endet, wagt sie den Versuch, gleich noch eine Romanze im selben Plot unterzubringen. 
Das klappt im Grunde ganz gut. Zum einen, weil die Geschichte um Shannon und Clints Buddy Matt der Hauptromanze ein wenig die beklemmende Dramatik nimmt. Man muss bedenken, dass sich Karen und Clint über weite Strecken des Romans inmitten der Wildnis von West Yellowstone auf der Flucht vor skrupellosen Verbrechern befinden. Durch Shannons und Matts eigene Differenzen verliert das Durchschlagen durch Flüsse und Gebüsch an Gehetztheit, sodass der Leser zum Durchatmen kommt. Zum anderen bringen Shannon und Matt das eine oder andere Schmunzeln mit. 
Shannon Hunter schreibt nämlich genau das, was von vielen belächelt wird: Romantic Suspense. Und sie hat sich das typische Thema gewählt: die SEALs. Obwohl sie im Roman nicht ganz so viel Screentime bekommt wie ihr Bruder, wird sie trotzdem geschickt eingeflochten. Beispielsweise liest Karen auf ihrer Reise nach Montana eines ihrer Bücher. Wir lernen sie zunächst als Autorin kennen, sehen sie oft am Computer, wo sie persönlich Kontakt zu ihren Lesern pflegt oder in wahren Schreibflashs versinkt. Ihr E-Mail-Verkehr mit Matt, der sich als M. vorstellt, dann zu Marc wird, beginnt mit einer gesunden Portion Skepsis, wechselt aber bald zum Flirt, geht sogar so weit, dass sie sich ernsthaft um ihn sorgt, als sie erfährt, dass er zu einem Einsatz aufbrechen muss. 
Daher  erschien es mir auch zunächst befremdlich, dass Shannon sich vergleichsweise schnell in den "echten" Matt verguckt und ihren E-Mail-Marc quasi vergisst. Allerdings erkennt sie aufgrund der kritischen Situation, in der sich ihr Bruder und Karen befinden, dass sie sich genau das wünscht: einen Mann, der alles für sie geben würde.
Durch Matts Anwesenheit auf der Ranch lernt der Leser eine andere Seite der Hunter-Schwester und des krisenerprobten vermeintlichen Haudegens kennen. Shannon ist nicht nur eine erfolgreiche, sympathische Schriftstellerin, sondern auch ein echtes Mädchen von der Ranch. Sie kann mit Pferden umgehen und schreckt nicht verschüchtert zusammen, als es schließlich brenzlig wird. Mit Pferden weiß sie sogar den unerschrockenen Matt zu zähmen, denn der gestählte junge Mann, den trotz unzähliger Narben zu Lande, zu Wasser und in der Luft kaum etwas aus der Bahn werfen kann, hat das Glück dieser Erde bislang nicht auf einem Pferderücken gefunden. Deshalb sind seine Reiterfahrungen recht amüsant zu lesen. 
Die Romanze zwischen Shannon und Matt gestaltet sich somit auf den ersten Blick unbeschwerter, zum Teil prickelnder. Auf dem zweiten Blick aber wird auch sie überschattet. Wegen des Versteckspiels, das Clint anzettelte, um seine berufliche Identität zu verbergen und damit seine Familie zu schützen, weiß Shannon natürlich nicht, wer Matt ist. Dementsprechend ungläubig und enttäuscht ist sie, als sie die Wahrheit erfährt, aber auch dies wirkt nicht konstruiert, sodass man nicht den Eindruck gewinnt, Widrigkeiten seien nur eingesponnen, um das notwendige Happy End um ein paar Seiten hinauszuschieben. 
Überhaupt gelingt es Michelle Raven, ihre 454 Seiten nicht nur mit den Erlebnissen ihrer Protagonisten, sondern auch, wie bereits Vertraute Gefahr, mit einer authentischen Landschaftskulisse sowie allgemeinen Infos zur SEAL-Spezialeinheit (am Ende des Buches gibt es auch ein kleines Glossar) zu füllen, ohne dass auch nur ein Satz überflüssig wirkt. 
Ich freue mich schon auf den nächsten Band Gefährliche Vergangenheit, der zwar bereits erschienen ist, ich ihn mir aber noch besorgen muss. 

Fazit: 
Spannend erzählter, in sich geschlossener Romantic-Thrill-Roman mit ausgewogener Mischung von Romance, Suspense und traumhafter Landschaftskulisse, in dem gleich zwei Liebesgeschichten verarbeitet werden, die bedauerlicherweise keine gleichwertige Beachtung finden, einander aber gut tun. 


Gesamteindruck: 
4 von 5 Weißdornzweigen 




  • Broschiert: 454 Seiten
  • Verlag: Lyx; Auflage: 1 (7. Juli 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3802583728
  • ISBN-13: 978-3802583728
  • Größe und/oder Gewicht: 18 x 12,6 x 4 cm
  • Neupreis: 9,99 €

Wachstum


Sonntag, 20. Mai 2012

... über "Dark Angels' Summer - Das Versprechen" von Kristy Spencer und Tabita Lee Spencer

Kristy Spencer und Tabita Lee Spencer

Umfangreiche Einführungsgeschichte über ein gewaltiges Familienerbe

Zum Inhalt:
Dawnas und Indies Großmutter ist bereits seit einem Jahr tot, als die beiden Schwestern mit ihrer Mutter in den Ort ihrer Kindheit, Whistling Wing, zurückkehren. Als Kinder verbrachten sie dort viel Zeit, bis die geliebte Granny die Mädchen wegschickte und sie sie nie wiedersahen, nicht einmal zur Beerdigung reisten sie nach Whistling Wing. Plötzlich aber lässt sich Dawnas und Indies abgedrehte Mutter von ihrem Guru Shantani überreden, und so kehren sie mit Sack und Pack an den Ort zurück, der so voller Erinnerungen ist. In diesem besonderen Sommer sind beide 17 Jahre alt. In den dreiunddreißig Tagen, in denen die Schwestern gleichalt sind, vereint sie ein seltsames Band, verschmelzen sie miteinander und sind sie sich geradezu beunruhigend vertraut. Auch in Whistling Wing geht Seltsames vor. Während ihre Mum und Shantani meditieren und ein Engelsseminar abhalten, um Engel zu channeln, wissen die Mädchen nicht, wer von den alten und neuen Bekannten vertrauenswürdig ist und wer nicht. Einmal wird Indie von einem Vogel attackiert, dann finden die Schwestern einen Seminarteilnehmer tot auf, später ist er verschwunden, niemand vermisst ihn, die schwarzen Vögel, die über Whistling Wing kreisen, werden mit jedem Tag zahlreicher, und nicht einmal den zarten Banden einer jugendlichen Sommerliebelei ist über den Weg zu trauen. Nur sehr langsam setzen Dawna und Indie die Puzzleteilchen ihrer Erinnerungen zusammen und kommen ihrem Familienerbe auf die Spur ... 

Meine Meinung: 
"Dark Angels' Summer - Das Versprechen" ist eines der wenigen Bücher, die ich mir nach kurzem In-der-Hand-halten und verführt durch Aufmachung und Klappentext in einem "echten" Buchladen gekauft habe, ohne auch nur einen Blick in das nicht eingeschweißte Blätterexemplar zu werfen. Die Blogtour bei Erscheinen und andere Werbung waren vollkommen an mir vorbeigegangen, vermutlich, weil ich in der Regel Jugendbücher übersehe.
Fast zwei Monate lag der "Wälzer" mit seinen 475 griffigen, festen Seiten in Festeinband mit Schutzumschlag und lesefreundlichem Lesebändchen auf meinem Stapel ungelesener Bücher, bevor ich zum Lesen kam. 
Wahrscheinlich war ich nicht in der richtigen Leselaune, denn nach gut hundert Seiten wollte ich eigentlich aufgeben, weil sich die Geschwistergeschichte nicht so recht mit mir vertragen wollte. Ich mag im Grunde Storys, die sich gemächlich entwickeln, sehr gerne. Dieses langsame Fallenlassen in Charaktere und deren Umfeld bevorzuge ich gegenüber dem Hineingeworfen werden ins Unbekannte und dem offensichtlichen Heischen nach oberflächlicher Spannung. Hier aber war ich kurz davor, die Geduld zu verlieren. Das lag zum einem an der Erzählzeit im Präsenz, mit der ich mich immer schwertue, und zum anderen am Charakter der jüngeren Schwester, Indie, die mich oft nervte. 
Das Autorinnenduo lässt beide Hauptcharaktere, Dawna, die elf Monate ältere Schwester, und Indie, als Ich-Erzähler auftreten. Abwechselnd erzählen die Schwestern ihre Erlebnisse, und damit man nicht durcheinanderkommt, sind ihre Kapitel mit den Überschriften "Dawna" bzw. "Indie" und verschiedenfarbigen Federn im Seitenfuß (schwarz für Dawna, rot für Indie) gekennzeichnet. Die Schwestern sind unterschiedlich, allerdings, wie ich meine, nun nicht unterschiedlich wie Tag und Nacht, denn dafür sind sie viel zu eng miteinander verbunden. 
Dawna erzählt ruhig, mit leicht analysierender Distanz, wodurch sie fast ein bisschen älter als 17 wirkt. Das mag wohl auch daran liegen, dass sie die mütterliche Rolle übernimmt und auf die jüngere Schwester aufpasst. Indie hingegen kommt meistens genervt und aufsässig daher, wirkt trotz des geringen Altersunterschiedes ungleich jünger und unreifer, sodass es mich etwas überraschte, dass ausgerechnet sie es war, die für die dramatische Romanze des Romans auserkoren wurde. Ihr Wortschatz ist leger und unverblümt - es darf geflucht und gemeckert werden - wirkt aber mitunter etwas übertrieben und aufgesetzt und passt nicht immer mit ihren Beschreibungen der Gegebenheiten und fast melancholischen Erinnerungen zusammen. Darin sind sich die Schwestern wieder recht ähnlich, und wäre da nicht immer die verschiedenfarbige Feder im Augenwinkel gewesen, wäre ich mir nicht immer sicher gewesen, wer gerade das Wort hat. 
Da ich im Mutter- und nicht Zielgruppenalter (ab 14) bin, empfand ich insbesondere Indie als nahezu kompromißlos respektlos gegenüber ihrer "Mum". Nun gut, diese verkörpert mit ihrem ganzen Gewese um Engel, Erlösung, Erleuchtung und rohes Gemüse den Inbegriff eines Hippies und ist so abgedreht, dass die Töchter sich quasi selbst erziehen, aber ich wurde während der Lektüre das Gefühl nicht los, dass sich noch viel mehr hinter dieser Frau verbirgt, als wir erahnen. Ich hoffe, dass der Charakter der Mutter im Laufe der Folgebände der als Tetralogie angelegten Geschichte über Meditation und nicht nachvollziehbare Hörigkeit gegenüber ihrem Guru hinausgehen wird. Vom Wesen her flogen meine Sympathien eher Dawna zu.
Recht lange Zeit nehmen sich die Autorinnen, um ihren Schauplatz und die Protagonisten vorzustellen. So streifen die Mädchen durch die Landschaft ihrer Kindheitserinnerungen, begegnen nicht näher benannten tödlichen Giftschlangen, brennen sich die Waden an Brennnesseln und beschwören Erinnerungen an die geliebte Granny herauf. Diese Passagen begleitet eine angenehme Emotionalität, sie widerspiegeln ausgezeichnet die Gefühle für die verstorbene Großmutter und erlauben dem Leser, mit in die Erinnerungen einzutauchen, manchmal sogar angesichts eigener Erinnerungen wissend zu lächeln. 
Einige Kleinigkeiten erweisen sich im weiteren Verlauf der Geschichte als wertvolle Hinweise, während andere Erinnerungsbruchstücke vielleicht für die Protagonistinnen von Bedeutung sind, aber zu unnötiger Länge führen. 
Obgleich es den Autorinnen wunderbar gelingt, in der Fantasie des Lesers lebendige Bilder ihres Schauplatzes und ihrer Protagonisten zu zeichnen, muss man sich den emotionalen Klang von Dialogen weitestgehend selbst erspüren. Das Verb "sagen" ist allgegenwärtig. Da wird beispielsweise "Scheiße" gesagt und nicht geflucht. Dass direkte Rede in kurzen Abständen mit "sagen" geschlossen wird, verleiht dem Dialog eine gewisse Schlichtheit, die sich mit dem ansonsten zwar wenig komplizierten, angenehm bildhaft dahinplätschernden Erzählstil beißt und mich persönlich im Lesefluss sehr gestört hat, weil ich mich buchstäblich daran festbiss. Weniger Dialogkommentar wäre oft mehr gewesen.
Nach all diesen Startschwierigkeiten hatten mich die Autorinnen nach etwa zweihundert Seiten schließlich doch auf ihrer Seite. 
Einmal, weil ich das Spiel mit sprechenden Namen und die versteckten Hinweise, die der aufmerksame Leser rascher entschlüsselt als die Protagonistinnen, die manchmal wirklich lange auf der Leitung stehen, genoss, und zum anderen, weil das Geschehen an Fahrt aufnahm und sich als etwas andere Engelsgeschichte entpuppte. 
Das erzählerische Universum der gefallenen Engel ist offenbar sehr vielschichtig, aber auch einigermaßen kompliziert, vor allem wenn man spirituell so unbeleckt ist wie ich. An manchen Stellen hätte ich mir mehr Erklärung, Erhellung sozusagen, gewünscht und setze daher Hoffnung in die Fortsetzungen.
Die Autorinnen statten die beiden jugendlichen Protagonistinnen mit einem enormen Erbe aus, das diese in "Dark Angels' Summer - Das Versprechen" zwar allmählich erfassen, aber von vornherein zum Scheitern verurteilt sind. 
Eine Fortsetzung drängt sich auf, denn alles in allem blieb ich nach der Lektüre unbefriedigt zurück, werde aber zumindest den zweiten Band Dark Angels' Fall - Die Versuchung noch lesen.


Fazit: 
Geheimnisvoller Auftaktroman, der das Thema "gefallene Engel" neu verpackt, den jungen Protagonistinnen das Gewicht der Welt auferlegt und weniger "große Liebe" zu bieten hat, als der Klappentext glauben machen will. Ein neugierig machender Auftakt, dem jedoch Kürzungen und weniger offene Fragen ganz gut getan hätten. 


Gesamteindruck (eigentlich 3,5, aber ich runde wegen des deutlichen Potenzials für die kommenden Bände auf)
4 von 5 Weißdornzweigen







  • Gebundene Ausgabe: 475 Seiten (mit Schutzumschlag und Lesebändchen)
  • Verlag: Arena (Januar 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3401067842
  • ISBN-13: 978-3401067841
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 - 17 Jahre
  • Größe und/oder Gewicht: 21,6 x 16,2 x 5,4 cm 
  • Neupreis:  18,99 €
Band 2 Dark Angels' Fall - Die Versuchung erscheint im August 2012.
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