Dienstag, 31. Januar 2012

Auf Spurensuche

Seit bestimmt zwei Jahren rennt mir ein Geist von einer Geschichte hinterher, aber ich knalle ihm jedes Mal die Tür vor der Nase zu, weil ich nicht so recht weiß, was ich mit ihm anfangen soll.
Ab und an setze ich den Stift in meinem Notizbuch an, doch dann ... rums ... Tür wieder zu. Blöd nur, dass dieser unterernährte Hauch eines Plots wie der Kuss eines Stinktiers an mir haftet und jedes Mal einen Spalt in der Türdichtung findet. Dann schimpfe ich ihn an, er solle verschwinden, schließlich habe ich so gar keine Zeit, denn ich muss schon ein leckgeschlagenes Baby, das nicht so recht laufen lernen will, windeln und ein anderes in elefantischer Tragezeit reifen lassen ... Aber denkste, dieser nervige Mutz im Schaufenster klebt so fest an mir, dass ich justamente heute beschlossen habe, meinen Schreib- und Ablenksabbat und zudem auch die Lektüre von "Hyddenworld" zu unterbrechen und in Fachliches einzutauchen.
Schon letztes Jahr habe ich mir - und da stand mit Sicherheit Klein-Nervling Pate - im Heimaturlaub ein Stück Regionalgeschichte gekauft: Mühlen an der Auma, der Triebes, der Leuba und im Güldetal: Mit den Mühlen am Kesselbach, Finkenbach, Pöllnitzbach, Struthbach, Floßbach sowie dem Seebach
Ich muss sicher nicht ausufernd erläutern, dass es Klein-Nervling null interessiert, dass Regionales Schnappatmungspreise hat. Jedenfalls ist mir das Geld in dem liebevoll sortierten, tatsächlich noch nach Büchern duftenden Buchladen in Greiz freiwillig aus der Kasse gefallen, bevor ich dem Imker ein "Lass mich doch machen!" entgegengeschleudert und meine Errungenschaften zum Auto geschleift habe. 
Man mag mir ja eine gewisse Nostalgie und Sentimentalität nachsagen, aber nachdem ich inzwischen den größten Teil meines Lebens an anderen Orten als den Orten meiner Kindheit verbracht habe, wird mir bewusst, wie wenig ich eigentlich über das, was ich so lapidar Heimat nenne, weiß. 
Und so sitze ich denn hier und wandele eher auf den Spuren meiner Mutter denn auf meinen eigenen. 
Der Landstrich aus dem ich stamme, ist nämlich noch nicht immer eine große Wasserfläche, sondern war von einer Vielfalt von Mühlen entlang der zahlreichen Wasserläufe durchzogen. Meine Mutter erzählt häufig von Familienwanderungen an Wochenenden. Da wanderten meine Großmutter und mein Großvater - trotz Holzbeins - mit ihren vier Kindern los und picknickten an den Mühlen, die es heute nicht mehr gibt. 
Heute bedecken ganze drei Talsperren das Wandertal meiner Großeltern, sodass von dem Land, über das meine Mutter mit einer gehörigen Portion Nostalgie erzählt, kaum mehr etwas übrig ist. 
So schmökere ich nun in einem Buch, das mit so viel Liebe zusammengetragen wurde, dass es jeden teuren Cent wert ist, lasse die alten Mühlen an damals noch ihrem ursprünglichen Verlauf folgenden Gewässern auf mich wirken und öffne die Tür einen Spalt weit für die Fragmente einer Geschichte. 
Noch weiß ich nicht, ob diese Fragmente ein thüringisches Atlantis bilden oder einfach nur eine kleine Familiengeschichte erzählen wollen. Vielleicht wird aus den vielen hölzernen Mühlrädern auch nichts als gezähmtes Wasser, vielleicht plätschert es auf unbestimmte Zeit vor sich hin ... gleichgültig, wie viele oder wenige Wörter das Flußbett verlassen, die Spurensuche tut mir gerade sehr gut.

Ausdauernd

Montag, 30. Januar 2012

Schinkennachlese

(Quelle: Amazon)
Ich erinnere kurz an die Aktion "31 Tage - 31 Filme", die vor nicht allzu langer Zeit ihren Abschluss fand. 
Die Frage von Tag 29 lautete: Welchen Film wolltest du schon immer sehen?
Aufgezählt habe ich eine ganze Wunschliste, unter anderem Jean Harlows letzten Film "Saratoga" aus dem Jahr 1937.
Zum ersten Mal gesehen habe ich Jean Harlow in den Pre-Code-Streifen "Red-Headed Woman" von 1932, in dem sie sich skrupellos in eine Ehe drängt und sich emporschläft. Von den über dreißig regulären Spielfilmen, in denen sie in ihrer kurzen Karriere mitgewirkt hat, habe ich bisher keine zehn gesehen. Unter anderem eben fehlten mir "Saratoga" und einige andere Harlow-Klassiker. 
Um nicht noch mehr Zeit verstreichen zu lassen, habe ich meine Rückenschmerzherumliegezeit über Weihnachten für einen Harlow-Marathon genutzt; mit dem Vorabfazit, dass ich jetzt erst einmal genug von MGM-Produktionen der 1930er habe, allerdings im nächsten Atemzug gleich beide Autobiografien von Anita Loos (aus deren Feder unter anderem auch "Blondinen bevorzugt" stammte) geordert habe. 

"Saratoga" ist eine weitere Zusammenarbeit zwischen Clark Gable und Jean Harlow. Mit von der Partie sind Frank Morgan ("Der Zauberer von Oz") und Lionel Barrymore, die man in jener Zeit schon fast als die üblichen Verdächtigen sehen kann, denn auch diese beiden standen nicht nur einmal mit Jean Harlow vor der Kamera. 

So stargeladen konnte mich der Streifen, in dem es sich vorrangig um die Leidenschaft der Pferdezucht und Pferderennen dreht, trotzdem nicht vom Hocker hauen. Das geht mir häufig so mit Dramödien, Komödien-Dramas, aber auch Screwball-Komödien aus dieser Zeit. 
Harlow spielt Carol, die Tochter des Pferdefarmers Frank Clayton. Der hat allerdings jede Menge Wettschulden, und bevor die Bank Großvater Clayton (Barrymore) die Stute unter dem Hintern wegpfändet, schreibt Frank seinem Freund, dem Buchmacher Duke Bradley (Gable), einen Schuldschein über die gesamte Farm. Wenn Tochter Carol, die derzeit in England weilt, ihre reiche Heirat besiegelt, soll schon alles wieder gut werden. Nun erleidet Clayton aber während eines Rennens einen Herzinfarkt und stirbt. Als Carol - noch unverheiratet - zurückkehrt, will sie Duke die Farm abkaufen. Da sie selbst aber keine Mittel hat und ihren Verlobten Hartley entgegen den Annahmen der anderen nicht ausnehmen will, muss sie sich etwas einfallen lassen. Sie ist sogar bereit, ihr eigenes Pferd zu verkaufen. Duke verhindert das jedoch geschickt. Schließlich wird Carols eigenes Pferd Moonray zum Rennpferd ausgebildet, und Carol und Duke touren von einem Rennen zum nächsten, gestehen sich aber nicht ein, dass sie mehr füreinander empfinden als eine reine Geschäftsbeziehung. Irgendwann hat dann der wohlhabende, etwas gutgläubige Hartley aber doch das Nachsehen. 
"Saratoga" ist zwar ziemlich turbulent, wie man von Jean-Harlow-Filmen gewöhnt ist, aber auch einigermaßen verworren und überraschend wenig komisch. Ich persönlich musste in gerade einmal einer Szene wirklich lachen. 
Insgesamt hege ich den Verdacht, dass entweder ich nicht empfänglich für den eventuell subtilen dramatisch-komödiantischen Stil von Anita Loos bin oder aber dass "Saratoga" Opfer eines gewissen Hypes ist, eben weil Jean Harlow plötzlich während der Dreharbeiten mit nur 26 Jahren verstarb. Da wird spekuliert, in welchen Szenen Jean Harlow ersetzt bzw. von einer anderen Sprecherin vertont wurde, aber alles in allem scheint mir "Saratoga" einfach ein typischer 30er-Jahre-Film zu sein, nicht mehr und nicht weniger, aber dann doch ein Klassiker, weil er Harlows letzter Film war. 
Weil mich dieser Film etwas enttäuscht hat, habe ich meinen Stapel ungesehener DVDs durchsucht, in der Hoffnung, diesen Eindruck mit einem anderen Harlow-Film wettzumachen. Herausgekommen ist allerdings ein Marathon. 
(Quelle: Amazon)

Los ging's mit DEM Harlow-Film schlechthin: "Bombshell", in dem sie den Hollywoodstar Lola Burns mimt, der einfach die Nase voll hat, dass alle immerzu nur etwas von ihr wollen, und vor allem davon, dass der Studiopublizist Hanlon macht, was er will, und sie damit in der Öffentlichkeit in ein Licht rückt, das ihr gar nicht behagt. Dabei ist er aber eigentlich in Lola verliebt und bekommt mächtig Muffensausen, als sie ihre Drohung wahrmacht und aus Hollywood verschwindet. Im Resort, in dem sie wieder auftanken will, begegnet sie Gifford Middleton (ein dauergrinsender Franchot Tone, der sichtlich Spaß an seiner Rolle hat), der offenbar noch nie etwas von Lola Burns gehört hat. Sie genießt seine übertriebenen romantischen Ausbrüche "I'd like to run barefoot through your hair"), hat aber keine Ahnung, dass sie von Hollywood glattweg in den nächsten Filmplot gerutscht ist. 

Eine wunderbar witzige Pre-Code-Komödie (1933) unter der Regie Victor Flemings; leider mit dem nervigen Störfaktor, dass sämtliche Dialoge nicht nur pistolenschnell, sondern auch sehr laut daherkommen und aufgrund der typischen Studiokulissen einen leichten Nachhall haben, sodass man froh ist, wenn die Spielzeit abgelaufen ist und man wieder von leiseren Tönen umgeben ist. 
(Quelle: Amazon)

Weiter ging es - nicht in chronologischer Folge, sondern mit wahllosen Griff in die DVD-Box - mit "Personal Property". Dieser Film, der selbst ein Remake von "The Man in Possession" von 1931 war, erschien 1937 nur drei Monate vor dem Tod Jean Harlows. 

Ein amüsantes Verwirrspiel, in dem Robert Taylor, damals wohl einer der attraktivsten Leading Men, die MGM zu bieten hatte, sich als Butler bei der Frau seiner Träume, der mittellosen Witwe Crystal, einschleicht und ihren Butler mimt, nur um dann festzustellen, dass sie bereits eine Zweckverlobung mit seinem Bruder eingegangen ist. Ansonsten aber ein Kind seiner Zeit, das heutzutage vermutlich nur den Fan hinterm Ofen hervorzulocken vermag und ebenfalls mit eher schrillem Ton und einer gezwungen wirkenden Ansiedlung der Handlung in England, während sämtliche Darsteller spürbar mit dem britischen Englisch hadern, nervt. 
(Quelle: Amazon)

Ebenfalls ein Kind seiner Zeit ist "Reckless" aus dem Jahre 1935, bei dem ebenfalls Victor Fleming Regie führte und wieder Franchot Tone sowie auch William Powell, mit dem Jean Harlow im echten Leben eine Beziehung unterhielt, mit von der Partie waren. Um den Inbegriff der blonden Sexbombe ein breiteres Darstellungsspektrum zu geben, verpflichtete man sie hier für ein Melodram mit einigen Gesangs- und Tanznummern, denen sie offenbar nicht gewachsen war. Während im auf der DVD enthaltenen Originaltrailer noch vollmundig mit "Harlow sings and dances" geworben wird, kann man heute nachlesen, dass sie eben nicht selbst sang und, außer in Close-ups, auch nicht tanzte. Trotzdem ist sie der Musical-Star Mona Leslie, die eines Tages ihren glühendsten Fan, Robert Harrison Jr., ehelicht, weil sie sich wirklich eine echte Liebesbeziehung erhofft, aber erleben muss, wie Robert am Widerstand seiner wohlhabenden Familie zerbricht. Als er sich letztendlich das Leben nimmt, macht die Presse sie zur Mörderin und sie muss sich vor Gericht verantworten. Kurze Zeit später bringt sie das gemeinsame Kind zur Welt und muss, um es behalten zu können, bei ihrem Schwiegervater die umfangreiche Erbschaft ausschlagen. Doch auf der Bühne will sie niemand mehr sehen. In der ganzen Stadt ist niemand bereit, sie für eine Produktion einzustellen. Ihr langjähriger Freund, Promoter Ned, springt ein und riskiert Kopf und Kragen für sie. 

Ein Plot, der in den 30ern steckenbleibt, gepaart mit Musik, die heute wohl kein Tanzbein mehr zum Schwingen bringt, und verträumten Weichzeichner-Close-ups von Harlows gemalten Strichaugenbrauen. Powell überzeugt als hilfsbereiter Ned, der, obwohl er seit Jahren in Mona verliebt ist, die Freundschaft nie vergisst. Franchot Tone hingegen bleibt als depressiver trinkender Harrison Jr. blass und wenig überzeugend. Harlow allerdings hat ihre Glanzminute tatsächlich am Ende des Films, als sie nach langem Kampf doch wieder auf der Bühne steht und sich vor dem skeptischen Publikum, das sie ausbuht, rechtfertigt. 

Mit "Suzy" unternahm das Studio 1936 einen weiteren dramatischen Ausflug und schickte Jean Harlow in die Wirrungen von Krieg und Spionage. 1914 ist Suzy als Showgirl in London, aber während die Truppe nach Paris weiterzieht, will sie bleiben und hofft auf den großen Wurf oder einen reichen Ehemann. Beides bleibt leider aus, und so tingelt sie monatelang von einem Theater zum nächsten, ohne auch nur eine winzige Rolle zu bekommen (denn den Weg über die Besetzungscouch will sie nicht gehen). Eines schönen Tages lernt sie Terry Moore kennen, den sie zunächst für wohlhabend hält, aber bald erfahren muss, dass er "nur" Ingenieur und Erfinder ist. Sie finden trotzdem zueinander und heiraten recht überstürzt. Kaum verheiratet, wird Terry jedoch von einer mysteriösen Frau niedergeschossen, und Suzy flieht aus Angst, man könne ihr den Mord anhängen, nach Frankreich, wo sie ihre alte Kommilitonin wiedertrifft und schließlich an ihrem neuen Arbeitsplatz, dem Kabarett, den angesehenen Bomberpiloten
André Charville kennenlernt. Nach rascher Heirat werden sie rasch durch den Ersten Weltkrieg getrennt. Suzy sitzt nun krank vor Sorgen um André bei dessen Vater und wartet auf die gesunde Heimkehr des Ehemanns. Dieser unterhält im Fronturlaub allerdings eine nette kleine Affäre mit Diane. Bald stellt sich heraus, dass nicht nur Ehemann Nr. 1 noch am Leben ist, sondern auch Diane keine Unbekannte ist, und wieder fallen Schüsse ...
Kriegsdrama, das Cary Grant als ehebrecherischen André zum Unsympath machen will, ihn dann aber doch als Held feiert. Franchot Tone hangelt sich, wie immer sympathisch lächelnd, durch seinen irischen Charakter, während Jean Harlow zunächst den Eindruck einer unentschlossenen, oberflächlichen Schnepfe macht und erst in der letzten halben Stunde zu dramatischer Form aufläuft und man durchaus Bedauern empfindet, dass sie das Alter der Charakterdarstellerin nicht mehr erreichen durfte.

Jetzt brauche ich definitiv eine Pause von den Studioproduktionen jener Zeit.
Zum einen nerven mich trotz allem Interesse für alte Filme sowohl Studioton als auch Studiokulissen. Wenn Franchot Tone zwischen künstlichen Kakteen vor gemaltem Horizont hoch zu Rosse sitzt und Jean Harlow umgarnt, muss ich heute schon fast lachen.
Zum anderen störe ich mich an der zwanghaften Ansiedlung der Geschichten in Europa - wie letztens auch mein Online-Cineast unabhängig bemerkte - wobei die Darsteller zwar den damaligen Spielkonventionen Genüge taten, aber nicht selten sichtlich mit den Akzenten hadern. Interessanterweise stammen Jean Harlows Rollen fast immer aus Amerika, sodass man sie wohl absichtlich nicht mit einem Dialogtrainer belästigte (Vermutungsalarm!).
Ein weiterer Nervfaktor ist die Kassengarantie-Paarung beliebter Darsteller.
Da die Schauspieler/Stars damals keine Freelancer, sondern Studioangestellte waren, sind vier oder fünf Filme pro Jahr keine Seltenheit. Es musste ja fürs Wochengehalt auch ordentlich gearbeitet werden, und wer nicht arbeitete, bekam auch kein Geld fürs Nichtstun. Dabei setzte man gern auf bewährte Teams, lieh Stars frisch-fröhlich gegen Unsummen aus und paarte immer jene, die für klingelnde Kinokassen sorgten. Ein Aspekt, den ich heute mittels DVD sorgfältig dosieren muss. Ich muss gestehen, dass selbst mich die sechste Romanze in Folge zwischen zwei bewährten Darstellern irritiert und den Filmgenuss ziemlich mindert.

Wenn ich demnächst in die Verlegenheit komme, meine Liste unter Tag 29 abzuarbeiten, werde ich Abstand davon nehmen, Film A noch mit Film B, C, D und, und, und zu ergänzen.
Memo an mich selbst: KEINE MARATHONS MEHR!

Erstarrt

Sonntag, 29. Januar 2012

Schmökern mit Sohnemann #1


Da ich ihn ohnehin immerzu erwähne (bis er einen Schluckauf bekommt), bloggt mein Sohn ab sofort indirekt mit  (bis ihm vom Schluckauf die Ohren klingeln). 
Ich lese sogar mehr mit meinem Sohn, als ich selber eigenen belletristischen Lesestoff schaffe, weshalb ich mir überlegt habe, künftig, ab und an, auch den Lesestoff vorzustellen, dem wir uns in der Regel abends gemeinsam widmen. 
Momentan handelt es sich noch um Lektüre, die ich vornehmlich vorlesen muss, aber das soll der Sache natürlich keinen Abbruch tun. 
Mein Sohn wird im Frühjahr sieben Jahre alt und geht inzwischen mehr oder weniger wissbegierig in die erste Klasse (hier auch besonders liebevoll SEP 1 genannt). 
Da seine Lehrerin vom bislang hier zelebrierten Lesenlernen anhand von Silben Abstand nimmt, dafür das buchstabenweise Erschließen des Wortes bevorzugt, tasten wir uns im Alphabet gemächlich vorwärts und haben, so kurz vor den bevorstehenden Winterferien, knapp über die Hälfte der Buchstaben absolviert. 
Das selbständige Lesen hinkt deshalb noch etwas hinterher. 
Außerdem zeigt mein Sohn überhaupt kein Interesse an - als solche deklarierten - Erstlesebüchern. Diese straft er mit schöner Regelmäßigkeit in unserem Lieblingsspielzeugladen (mit integrierter Leseecke) nämlich stets mit stoischer Missachtung. 
Tja, er hat eben seinen eigenen Kopf und will lesen bzw. lesen lassen, worauf er Lust hat, und nicht, was er aus irgendwelchen pädagogischen Gründen können sollte. 
Wenn es Märchengene gibt, dann haben wir die auf jeden Fall, denn immer wieder erwische ich meinen Sohn vor meinem Märchenbücherregal, in dem vielleicht ein Bruchteil Kinderlesestoff ist. 
Außerdem muss ich nicht selten eine gehörige Portion schauspielerisches Talent in das Vorlesen von Kindersachbüchern legen. 

So war das nächste Züngelchen an der statischen Waage unseres alten Häuschens das gestrige Omageschenk, das dem kleinen Ritterfan an zwei Abenden leuchtende Augen verschuf. Natürlich wieder einmal ein Pop-Up-Buch mit ordentlichem Unterhaltungsfaktor und jeder Menge Informationen, die mich wohl auch noch zum Semiprofi in Sachen Rittern machen werden. 

Die Stadt der Ritter hat, wie bei Pop-up-Büchern üblich, nur wenige - 32 - Seiten, bietet aber viel zum Staunen: beim Aufklappen entfalten sich eine Brücke, die Burg und die Kathedrale, die mit ihren nachgeahmten Buntglasfenstern ganz besonders reizvoll ist. 
Neben den üblichen Sachinformationen über Mittelalter, Ritterausbildung, Landleben, Stadtleben, Geldverdienen, Ritterturnier, Belagerung, Kriegszeiten, Kunst und Unterhaltung, Stadthäuser und die drei in 3D dargestellten Bauten führt der zu Beginn 7-jährige Hugo de la Roche durch das Buch und erzählt von seinem Weg vom Pagen zum Ritter. 
Laut Verlagsangabe ist das Buch für 6- bis 8-Jährige gedacht, da aber mein Sohn derzeit, wie oben erwähnt, nur wenig selbständig lesen kann, wird es uns wohl noch eine Weile länger begleiten, zumal das kindgerecht aufbereitete Wissen auch später noch seinen Reiz haben dürften und die liebevollen Illustrationen zum Immer-Wieder-Anschauen einladen.
Mein Sohn jedenfalls liebt Die Stadt der Ritter: Ein Pop-up-Buch zum Staunen bereits heute heiß und innig und hat ihm direkt einen Sonderplatz im Bücherregal zugewiesen.
Für morgen Abend allerdings hat er sich schon eine Geschichte beseitegelegt und angekündigt, er wolle "gaaaaanz viel" selbst lesen. 
Dann bin ich mal gespannt, ob Franklin der Held morgen Abend immer noch Objekt der Lesebegierde ist. 

Blaugefroren

Donnerstag, 26. Januar 2012

[Stöckchen] - 11 Fragen

Pero hat mir ein Stöckchen zugeworfen. 

Weil ich kein Spielverderber sein will, mache ich mal mit, lasse das Stöckchen aus Zeitmangel und weil die, die ich mit dem selben Stöckchen beschmeißen würde, ohnehin schon getaggt wurden, einfach mal hier liegen. 

Die zugehörigen Regeln lauteten: 

1| Verlinke die Person, die dich getaggt hat. (Hab ich natürlich gemacht.)
2| Beantworte die Fragen, die dir gestellt worden sind. (s. u.)
3| Tagge anschließend 11 weitere Leute. (s. o. - lasse ich sein, aber wer Lust auf Peros Fragen hat, darf sie sich gerne schnappen)
4| Gib den Leuten Bescheid, die getaggt wurden. (s.o.)
5| Stelle 11 Fragen an die, die getaggt wurden. (s.o.)

1. Lieber blind, taub oder stumm?

Meinen Männern wäre wohl "stumm" am liebsten :-)

2. Schaust du Casting-Shows?
 
Nein.
 
3. Was hältst du von Apple?
 
Ich liebe meinen iPod Touch, aber da ich beruflich am PC klebe, habe ich mich noch nie weiter mit dem Apfel befassen müssen.
 
4. Wer ist dein Lieblingsschauspieler?
 
James Stewart.
 
5. Welche magische Fähigkeit hättest du gerne?
 
Manchmal würde ich gerne an der Zeit drehen.
 
6. Was ist deine Lieblingsfrucht?
 
Schwer zu sagen. Ich bin so ziemlich auf jede Frucht allergisch, aber ich esse sehr gerne Ananas.
 
7. Welche ist deine Lieblingsteesorte?
 
Ich trinke Tee, kenne mich aber gar nicht aus damit. 
Gerne trinke ich Honeybush-Tee, aber auch einfache Schwarztees ohne sonderliche Aromazusätze.
Gar nicht mag ich Früchtetees mit Hagebutte und Hibiskus. 
 
8. Wann gehst du abends ins Bett?
 
Momentan ziemlich früh. Zwischen 20 und 21 Uhr.
 
9. Welche Zahncreme benutzt du?
 
Ajona.
 
10. Was ist dein Lieblings-TV-Sender?
 
Meine Lieblingsserien kommen auf Prosieben bzw. Sixx. 
Ich schaue aber schon seit gut vier Wochen überhaupt kein Fernsehen mehr.
 
11. Was willst du dieses Jahr schaffen?
 
Die Laubkönig-Anthologie ordentlich anstupsen und endlich ein Buch zuendeschreiben. 

Tröpfchen

Sonntag, 22. Januar 2012

Schreibtapser

Als ich vor Kurzem meinen Schreibstapel vom Urschleime an durchging, um meinen Gedichtealtbestand zu sichten, stolperte ich zwangsläufig über mein Schubladengeschreibsel, das nur als Papierversion existiert, von mir aber schon ein paar Jahre mit Desinteresse gestraft wurde. 
Während um mich herum das Schreibfieber zu herrschen scheint, muss ich zugeben, dass ich momentan einfach nicht schreiben kann. Ich bin nicht in der Lage, einen kohärenten Gedanken zu Papier zu bringen. Beruflich lektoriere ich derzeit am laufenden Band und würde das an so manchem Tag viel lieber tun als nur über Übersetzungen von Bedienungsanleitungen zu schwitzen, aber das, was weniger Spaß macht, ist in der Regel einträglicher ... Jedenfalls erfreue ich mich momentan an den Geschichten anderer, vermisse aber doch meine eigenen unbeschwerten Schreibstunden. Da privat allerdings meine ganze Kraft anderweitig gefordert ist, lassen sich schlicht und ergreifend keine 10 Wörter am Tag abknapsen, denn selbst diese würden in der nächsten Musestunde, so diese je wieder eintritt, gnadenlos dem Rotstift zum Opfer fallen. 
Kreativität ist in meinem Fall so stark mit persönlichem Befinden verbunden, dass ich an einem Tag 5000 Wörter schreiben, drei Bilder in Angriff nehmen und noch eine komplette Speicherkarte vollknipsen kann, dann aber wieder an langwierigen Phasen der Stagnation und des Versinkens in Schulterminen und manchmal auch, so ist eben das Leben, in Seelenschmerz leide.
Umso mehr haben mich meine mehr als zwanzig Jahre alten Schreibtapser amüsiert, die ich damals noch auf der alten mechanischen Schreibmaschine vollführt habe. 
In meinem jugendlichen Wahn waren Romanversuch 1 und 2 nämlich dämliche Krimis, bevor ich, als ich irgendwann mit um die 20 endlich einen Computer besaß, auf dem Schnulz ausgerutscht und in die Liebesromane geschliddert bin und auch endlich mal ein paar abgeschlossene Sachen produzierte.
In besagtem jugendlichen Wahn war ich verseucht von Mystery-Bahnhofsheftchen und mysteriösen-thrilligen Geschichten, und nicht zuletzt auch von Stephen King. 
Also nahm ich mir nach drei Heften voller Kurzgeschichten und Gedichten in Loseblattsammlungen vor, einen Krimi zu schreiben. Wie man das anstellt, wusste ich natürlich nicht. Ich weiß es immer noch nicht, denn das letzte, was ich wohl je schreiben werde, ist ein Krimi ... 
Ich setzte mich demzufolge in einer der oben erwähnten Hyperkreativitätsphasen an die olle Schreibmaschine, die schrecklich klemmte und mir nach drei A4-Seiten Muskelkater bescherte, und stolperte und tapste los ... 
Zunächst ließ ich einmal ein Kleinkind in der Oakland Bay versinken, während die Mutter hilflos zusehen musste. Selbstverständlich war weit und breit niemand zugegen, um zu Hilfe zu eilen. Angesichts unseres eigenen Roadtrips, der uns über die Bay Bridge führte, musste ich bereits an dieser Stelle herzlich lachen. Warum ich schon damals eine Geschichte ausgerechnet in Kalifornien angesiedelt habe, kann ich mir nicht so recht erklären, aber ich gebe mal vorsichtig dem Fernsehen die Schuld.  
Ich erinnerte mich dann auch wieder, wie ich stundenlang in der Bücherei saß und recherchierte. Hach, heute ist alles so einfach. Man kann virtuell quasi überall hinreisen, ohne einen Ort je gesehen zu haben. Damals saß ich mit dem Lineal vor dem Atlas und habe anhand des Maßstabs und der Geschwindigkeitsbegrenzung auf amerikanischen Highways ausgerechnet, wie lange man wohl von San Francisco nach Santa Barbara unterwegs war. Selbstredend habe ich mich verrechnet (dem Mathematiker hab ich mich schließlich erst Jahre später in die Arme geworfen).  
Weil ich zum Entstehungszeitpunkt der noch erhaltenen 45 Schreibmaschinenseiten 14/15 Jahre alt war, amüsiert mich natürlich heute, welche Vorstellung ich vom Erwachsensein hatte. Seltsamerweise waren meine Protagonisten nie in meinem jeweiligen Alter, sondern wesentlich älter. Ein gewisses Schema F ist ebenfalls nicht zu übersehen. Meine Frauencharaktere hatten fast immer Kinder mit dem falschen Mann, und sie hatten eine beste Freundin mit einem bescheuerten Namen. 
Heute kann ich nicht nachvollziehen, warum das so war, aber meine damalige Umsetzung amüsiert mich außerordentlich - und derzeit kann ich Schmunzelmomente wirklich sehr gut gebrauchen. 
So empfand ich damals das Autofahren offensichtlich als besonders erstrebens- und lebenswerte Fähigkeit, denn in einer Szene lasse ich Steve, den guten Bekannten der Protagonistin (der natürlich entsetzlich in sie verliebt ist) voller Inbrunst ausrufen: "Du kannst Auto fahren, kochen, nähen, stricken und Strümpfe stopfen ... gibt es eigentlich etwas, das du nicht kannst?" 
Wer jetzt in schallendes Gelächter ausbrechen möchte, nur zu, genau das habe ich auch getan. 
Vor allem, weil die junge Frau, Amy, nämlich ganz und gar nicht das Heimchen sein sollte, das Steve hier so lobend umgarnt. Immerhin sucht sie mutig ganz allein nach ihrer Tochter, die spurlos verschwunden, aber offensichtlich nicht tot ist. Ob ihr dabei allerdings das Strümpfestopfen weiterhelfen kann, wage ich zu bezweifeln. Aber ich suchte wohl nur einen Auslöser, damit Amy Steve antworten kann, dass sie nicht schwimmen kann. Weshalb sie natürlich nicht der Tochter in die Bucht hinterherspringen konnte und womit ich einen Beziehungsentwicklungsschritt am Haken hatte. Steve muss als Schwimmlehrer einspringen. Und was eignet sich besser für aufkeimende Intimitäten als eine Schwimmstunde im Meer? Dazu noch die Kulisse eines merkwürdigen alten Hauses, das Amy auf ebenso merkwürdige Weise geerbt hat, wofür sie alle, denen sie begegnet, mit nervösem Zwinkern und pathologischem Fluchtverhalten zutiefst bemitleiden. Da braucht man schon einen zuverlässigen weißen Ritter an seiner Seite. Wenn der nur nicht der beste Freund des Mannes wäre, den man eigentlich mal heiraten wollte ... Mit erschreckendem Realismus machte ich aber damals schon den potenziellen Mann der Stunde zum emotionalen Umstandskasten und ließ ihn in einer Szene, in der Amy vor Entsetzen erstarrt, die bebende Hand klischeehaft vorm Mund, in einem Sessel sitzt, weil ihr ein bedeutsamer Punkt bewusst wird, erst einmal brav seinen Sessel akkurat neben ihren rücken, bevor er des Entsetzens Grund eruierte. 
Hach, der Verwicklungen gab es so viele, dass ich gar nicht mehr weiß, nach wie vielen Tausend Schreibmaschinenseiten ich das Happy End herbeidramatisieren wollte. Vor allem habe ich auch keine Ahnung mehr, wie. Nun ja, wenigstens hatte ich eine umfangreiche Personenliste erstellt, um selber noch durchzublicken. Dass davon ganze 10 Charaktere gar nicht mehr zum Zuge kamen, weil mich vorher Kreativität, Luft und Lust verließen, stufe ich heute als glückliche Fügung ein, denn bei all dem Gelächter war nicht nur unser Mobiliar in akuter Verschmutzungsgefahr. 
Jedenfalls schob ich meine Jugendsündenkiste wieder ins angestammte Regal, denn irgendwann werde ich es brauchen, mein Mahnmal, das mir eine Ohrfeige verpasst, wenn ich mal wieder in die Verlegenheit komme, den Anfangssatz "Das Haus war selbst bei Tage furchteinflößend." tippen zu wollen, oder das mich ordentlich zum Lachen bringt, wenn ich es brauche.
Damit das Geschreibsel noch unterstrichen wird, präsentiere ich hiermit einen Scan des Originalmanuskripts, inkl. Originalillustration - vermixt zu einem Bild. Voilà: Uraltkram :-)

Samstag, 21. Januar 2012

Ein Hauch von Winter ...

Frostiger Fund vom Mittwoch
Feucht-frostiges von heute
... und dann wurde Schnee zu Regen und wusch Frostiges ab ...

Tropf, tropf, tropf - inkl. Tröpfchen und Nebel auf der Linse. 

Montag, 16. Januar 2012

Montagsbastelei

So, eine Runde Montagsmeckern bitte: 
Ich komme gerade zu nichts, und da Blogger meine drei vorgebloggten Posts mit großen Appetit verschlungen hat, aber nicht wieder hergeben will, ist hier posttechnisch gerade Dürre angesagt. 
Am Wochenende bin ich mit Sohnemann dem Arbeitstrott entflohen, und wir haben das sonnige Wetter genutzt, um ein paar Bilder zu schießen. 
Dabei ist uns ein Sommerüberbleibsel über den Weg gerollt, und weil ich wohl zu oft Once upon a time geschaut habe, fühlte ich mich zum Basteln inspiriert. 
Nicht lupenrein, aber lückenfüllend. 
Voilà!

Freitag, 13. Januar 2012

Ich bin dann mal lesen ...


Manchmal überkommt mich montags zwischen Schulbus und Vorarbeitskaffee eine Stöberlaune, die mich zum Schmökern bei Vorablesen veranlasst. So lese ich auch einmal Leseproben aus Genres, die mich sonst weniger bis gar nicht reizen. Ein Kaffeezeitvertreib sind sie allemal und helfen mir oft durch mein montägliches Wochenstarttief.
Vor Kurzem scrollte ich mich somit durch die Leseprobe von William Horwoods Hyddenworld: Der Frühling
Normalerweise hätte ich einen Bogen um dieses Werk gemacht, denn in der Fantasy fühle ich mich in den weniger klassischen Subgenres wohler. Nun habe mich mir aber selber einen Tritt versetzt und mir sozusagen als Lesevorsatz auf den Weg gegeben, nicht mehr so engstirnig wie in den letzten drei Jahren in den Gefilden der Paranormals zu schwelgen, sondern probierfreudiger zu werden. Außerdem bin ich vermehrt auf der Suche nach nachhaltigen Bücherschrankkandidaten für Sohnemann. Wenn er denn mal irgendwann flüssig lesen kann (woran ich angesichts des lahmen Schulfortschritts zwar manches Mal zweifele, mich aber wohl in mehr Geduld üben sollte), wird er wohl kaum nach Mutters einseitigem Lesestoff greifen wollen.  
Hyddenworld ist so ein Kandidat, auch wenn der Roman, der den Beginn einer Tetralogie markiert, bestimmt noch zehn Jahre im Regal stehen dürfte. 
Nachdem ich das Glück hatte, das Buch als Leseexemplar zu erhalten, das Ende letzter Woche eingetrudelt ist, bin ich nun brav am Lesen. 
Während sich auf Vorablesen nach und nach die Rezensionen ansammeln, habe ich das Gefühl, dass mich William Horwoods 527 ansehnlich in einen Festeinband eingeschlossene Seiten über den verlorenen Frühling noch bis Ende des Monats festhalten werden. Denn bis heute habe ich gerade einmal knapp 100 Seiten geschafft. 
Der Autor erzählt auf sehr liebevolle Weise und detailliert von der Welt der kleinen Hydden, die neben der Welt der Menschen existiert, ohne für sie sichtbar zu sein. Wie in einem Märchen beginnt er mit dem, was einmal war, schildert, wie die Brosche, die  Meisterschmied Beornamund aus Trauer um den Tod seiner geliebten Imbolc schuf und den Göttern entgegenschleuderte, in vier Edelsteinfragmente - Frühling, Sommer, Herbst und Winter - zerbrach, die, mit Ausnahme des Frühlings, wiedergefunden werden konnten. 
Dies nimmt William Horwood als Ausgangspunkt, um beide Welten Stück für Stück zu vermischen, indem er seinen Protagonisten, den Hydden Yakob (Jack), man höre und staune, aus dem Harz nach England schickt. 
Auch wenn ich meine, dass Hyddenworld neben bekannten fantastischen Elementen wenig Neues bietet, bin ich wider Erwarten fasziniert. Denn die Übersetzung reflektiert eine Sprache, die der eines Märchenerzählers würdig ist, sich aber stellenweise komplex und gehoben gibt, sodass man jeden Satz langsam und genüsslich aufsaugen möchte, um nur nichts zu verpassen. 
Und weil ich nichts verpassen möchte, lese ich langsam, viel langsamer als gewöhnlich. 
Nicht nur, weil ich momentan die Lesezeit wirklich abknapsen muss, sondern vielleicht auch, weil ich mich nicht von diesem schönen Buch trennen kann.


In diesem Sinne gehe ich jetzt mal wieder lesen ...

Freitag, 6. Januar 2012

... über "Verliebt, verlobt, verstrickt" von Robyn Harding

Robyn Harding

Amüsant verstricktes Gewirk für Frauenromanfans

Zum Inhalt: 
Beth, freiberufliche Journalistin, hat Träume, nein, vielmehr einen Zeitplan, der Eheschließung und Kind bis zum fünfunddreißigsten Lebensjahr beinhaltet. Als sie mit Ende Zwanzig Colin kennenlernt, liegt sie gut im Plan, aber in den vier Beziehungsjahren will sich so gar nichts tun. Jedes Geschenk, jeder romantische Anlass entpuppt sich als etwas anderes als der erhoffte Antrag, und nach vier Jahren legt Colin die Karten auf den Tisch: Heiraten und Kinder sind nicht Bestandteil seines Lebensplans. Entsetzt und enttäuscht über die mit einem Beziehungsunfähigen vergeudete Zeit, trennt sich Beth, zieht bei ihrer Freundin Kendra ein und erlaubt sich, den Trennungsschmerz auszuleben. Bald schon ist sie genervt von Kendra und deren Leidenschaft für Schnulzballaden und Liebesfilme. Auch ihre Freundin Mel, mehrfach geschieden und nun nur noch glückliche Hundemutter, kann ihr nicht so recht helfen. Dann aber hat Angie den rettenden Einfall: Sie gründet einen Strick- und Lästerclub, denn Stricken ist die neue Trendfreizeitbeschäftigung. Beth lässt sich widerwillig überreden und betritt erstmals in ihrem Leben eine Kurzwarenhandlung, die viel paradiesischer und moderner ist, als sie es erwartet hätte. Als Begleitung zum ersten Strickabend nimmt sie ihren Redakteur Martin, der das Rauchen aufgeben will und den sie für schwul hält, mit. Angie hat noch Sophie und Nicola aufgegabelt, sodass es mithilfe einer Stricklehrerin losgehen kann. Während man also künftig donnerstags gemeinsam an wechselnder Location strickt, lernt man sich kennen und freundet sich an. Sophie, die Verheiratete mit Baby, Nicola, die kurz vor ihrer Traumhochzeit steht, Martin, der wie ein Weltmeister strickt, Angie, die frisch in eine Beziehung stolperte, die sie in ungekannte spirituelle Dimensionen entführt, und eben Beth, die eines Tages den wesentlich älteren grünen Architekten Jim kennenlernt, der dafür sorgt, dass Colin aus ihrem Leben verschwindet. Bis Nicola alle zum Probeessen einlädt ... 

Donnerstag, 5. Januar 2012

... über "Dragon Kiss" von G. A. Aiken

G. A. Aiken

Episch breitgezogene Drachen-Lovestory

(c) Piper / Guter Punkt
Zum Inhalt:
Annwyl kämpft mit ihren Soldaten verbissen gegen ihren Bruder Lorcan, der die Insel Garbhán mit eisener Hand unterjocht und auch Annwyl den Garaus machen will. Mittelalterlich gewalttätig geht es zu, während man sich ein blutrüstiges Gefecht nach dem anderen liefert, aus altem Groll, Grausamkeit, gekränkter Eitelkeit, um Ehre, Besitz. Nicht umsonst trägt Annwyl den Beinamen "die Blutrünstige". Bei einem dieser Gefechte schwer verletzt, glaubt sie, ihr letztes Stündlein habe geschlagen, aber diese Rechnung hat sie ohne den Drachen Fearghus gemacht. Dieser fühlt sich nämlich von den Kampfgeräuschen direkt vor seiner Höhle gestört und will lieber doch mal nach dem Rechten sehen. So ist er es auch, der Annwyl das Leben rettet, ungeachtet der Tatsache, dass sich die Drachen nichts weiter aus Menschen machen und sie ab und an als Abendessen schätzen. Gemeinsam mit seiner Schwester Morfyd, die nicht nur ein Drache, sondern auch eine Hexe ist und in Menschengestalt auftritt, päppelt er die aufbrausende Menschenfrau wieder auf. Nicht nur das; sobald Annwyl wieder fit ist, verwandelt er sich in einen attraktiven Ritter, der sie in Kampfkunst unterweist. Wohlweislich verschweigt er ihr, wer er ist, denn Annwyl fasst zu Fearghus' Drachengestalt immer mehr Zutrauen. Bald aber lässt sich die Anziehung zwischen Annwyl und ihrem starken Ritter nicht mehr stoppen, und auch der große Kampf steht unmittelbar bevor  ...

Kindle-Ausgabe

Meine Meinung:
Vorausschicken muss ich, dass ich kein großer Drachenfan bin. Oft fällt es mir schwer, sie einzuordnen, und ich akzeptiere sie nur großzügig in der Märchen- und Sagenwelt, die ich mit meinen Sohn durchschmökere. Gerade weil es mir schwerfällt, mir Drachen als Love Interests in paranormalen Liebesgeschichten vorzustellen, habe ich mich entschlossen, Dragon Kiss in Angriff zu nehmen.
Leider empfinde ich bereits die Aufmachung als etwas irreführend. Die deutsche Ausgabe ziert wieder mal ein rehäugiges Porträt, auf dem die junge Damen einen etwas erschrocken-verwirrten Eindruck macht und der widerspenstigen Annwyl kaum zu entsprechen vermag. Im Hintergrund sind höhlenmalereiähnliche Zeichen zu erkennen, die einen Drachen darstellen sollen. Insgesamt wird hier aber mehr Romance vorgegaukelt, als in dieser erotisch angehauchten Geschichte zu finden ist. Der englischen Ausgabe ist wenigstens zugute zu halten, dass zusätzlich zur breiten Männerbrust noch langes dunkles Haar zu erkennen ist, das halbwegs zu Fearghus in Menschengestalt passt. 
Zudem lässt der Klappentext eine amüsantere Geschichte erhoffen, als es dann die von der Autorin erschaffene fantastische Welt, die einen mittelalterlich-düsteren Touch hat, hergibt. 

Mittwoch, 4. Januar 2012

... über "Lana: The Lady, the Legend, the Truth" von Lana Turner

Lana Turner
Das wahre Drama ist immer das Leben selbst

Ich habe ein bisschen vorgebloggt, um im Januar Zeit für ein paar Leseexemplare und meine private Organisation zu haben. Deshalb folgen nun peu à peu die angekündigten Vorstellungen diverser Memoiren. Alle habe ich nicht geschafft, weil ich mich mal wieder nicht kurzfassen konnte und ins Plaudern verfiel. Aber es darf im Regal auch noch ein kleiner Rest übrigbleiben ...

Vor geraumer Zeit hatte ich den Bildband "Lana: The Memories, The Myths, The Movies" von Cheryl Crane vorgestellt und erwähnt, dass ich Lana Turners Autobiografie besitze. 
Deren Vorstellung will ich nun der Vollständigkeit halber nachschieben, zumal auch der Titel des Bildbandes unverkennbar an die Autobiografie angelehnt ist. 
Meine Ausgabe von Lana: The Lady, the Legend, the Truth kommt im Festeinband mit Schutzumschlag daher. Erworben habe ich die Ausgabe, die 1982 bei E.P. Dutton, Inc., New York, erschien antiquarisch. Weil diese Autobiografie nicht mehr zu bekommen ist und ich keinen Link zu dem mir vorliegenden Cover finden konnte, habe ich das Cover eingescannt. Gestaltet wurde der goldene Umschlag von Nancy Etheredge. Als Bildnachweis im Buch wird lediglich Lou Valentino für die Bereitstellung der Fotos gedankt, ausgenommen Fotos, die mit gesondertem Vermerk versehen sind, sowie das Foto auf der Umschlagrückseite, das Lana Turner zum Zeitpunkt der Veröffentlichung zeigt. Leider habe ich für dieses keinen Fotonachweis finden können.  

Lana Turner, die hierzulande vielleicht noch durch einen ihrer früheren Filme Im Netz der Leidenschaften und eine Gastrolle in der Fernsehserie Falcon Crest bekannt sein dürfte, veröffentlichte ihre Memoiren mit nur sechzig Jahren. 
Kein ungünstiger Zeitpunkt, denn Mitte der Siebziger war sie bereits in die Riege der Legendary Ladies of the Screen aufgenommen worden und ihre Karriere auf der großen Leinwand war im Abklingen, während eine erfolgreiche Bühnenkarriere voll im Gange war. Überschattet waren die ausklingenden Siebziger von einem zum Teil selbst verschuldeten schlechten Gesundheitszustand, der die Aktrice zusätzlich veranlasste, auf ihr Leben zurückzublicken. 
Und das tut Lana Turner mit viel Selbsteinsicht, Dankbarkeit und Humor, wobei die Lektüre lediglich ab und an von arg gewöhnungsbedürftigen göttlichen Eingebungen getrübt wird. Die Gläubigkeit sei ihr natürlich unbenommen und keinesfalls kritisiert, allerdings wirken die erwähnten Erleuchtungen zumeist ziemlich gestelzt, wenn nicht sogar abgedreht, und passen so gar nicht zu dem ansonsten sehr geerdeten Erzählstil  dieser Frau, die absolut mit sich im Reinen ist.
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