Samstag, 29. Dezember 2012

2012 im kreativen Tief?

2012 - jeden Tag ein Bild
Auch wenn ich normalerweise aus allem einen Tropfen Positives herausquetschen kann, muss ich leider einräumen: 2012 war und ist aus privater Sicht für mich ein schlechtes Jahr.
Was mit einem Todesfall begann, verwandelte sich in eine Achterbahnfahrt, die ich, ganz gleich, wie sehr man das liebe Leben auch so nehmen sollte, wie es kommt, gerne aus dem Kalender streichen möchte. 
Frei nach dem Motto: "Im nächsten Jahr wird alles anders oder besser" hatte ich 2012 viel vor, vor allem beruflich, denn, auch wenn hier grundsätzlich kein Umbruch angezeigt ist, kann ich mich auf dreizehn Jahren Berufserfahrung nicht ausruhen. Umsetzen konnte ich nichts davon, denn es stellte sich heraus, dass sich Ziele nicht auf Biegen und Brechen durchboxen lassen, wenn sich Prioritäten unerwartet ändern. 

Erinnerung an Schreibanfänge
Weil meine Kreativität absolut musenabhängig ist, sah mein Schreibjahr entsprechend mau aus. Immer wieder habe ich den Stift angesetzt, notiert, geplottet, drei Zeilchen geschrieben, während der Buchmesse, dem einzigen Event, das ich auf der Plan-Haben-Seite verbuchen kann, einen wahren Schreibflash und Inspirationsschub erlebt ... aber fertiggestellt habe ich nichts. Während ich in fremde Geschichten abtauchte und viel mehr gelesen habe als für mich üblich, stagnierten die Geschichten aus meiner eigenen Feder. 
Monatelang habe ich allen die Ohren darüber vollgejammert, ziehe aber heute die Bilanz, dass das, was ich als vermeintlichen Kreativitätsmangel wahrgenommen hatte, überhaupt nicht schlimm ist. Zum einen, weil meine Kreativität nicht dazu angedacht ist, zu verhindern, dass wir Fensterkitt mampfen müssen, denn dafür habe ich einen Brotjob, der mir trotz aller Widrigkeiten noch immer Spaß macht. Zum anderen, weil meine Kreativität noch nie ohne Leidenschaft funktioniert hat. Wenn sich Leib und Seele nicht vereint einbringen können, das Herz nicht aufgeregt hüpft und kein Lächeln auf meine Lippen treten kann, dann kann ich nicht kreativ sein. Und ich konnte mich noch nie zwingen, täglich tausend Wörter zu schreiben, nur um zu schreiben. Schon alleine deshalb nicht, weil ich täglich mindestens das Dreifache übersetzen muss, um eine dreiköpfige Familie über Wasser zu halten. 
So betrachte ich mein schreiberisch unkreatives 2012 als Schreiberholungsjahr, denn in den Vorjahren habe ich gezielt so viel geschrieben, dass mir eine Pause tatsächlich gut tut. 2013 mehr zu schreiben oder gar etwas zu veröffentlichen, nehme ich mir absichtlich nicht vor. Ich habe in dieser Hinsicht zu oft Versprechen gegeben, die ich nicht halten konnte, und das werde ich künftig nicht mehr tun. Natürlich tut es gut, am Ende Projekte und Ziele abhaken zu können, aber 2012 hat mir gezeigt, dass man Traumsplitter manchmal auch beiseitefegen muss, um in der Realität gesund zu bleiben. Mehrere Baustellen mit voller Kraft funktionieren einfach nicht.


Natürlich freue ich mich, dass 2012 nicht ohne Veröffentlichungen geblieben ist. 
Kurzgeschichten habe ich zu den Anthologien LeseBlüten Band 7 - Ruf der Freiheit 2012 und zu den LeseBlüten Weihnachtszauber 2012 beigetragen, während in Gedichte, Gedichte, Gedichte zwei Gedichte nebst Illustrationen erschienen. 
Ein besonderes Highlight in diesem Jahr war natürlich das Erscheinen meiner Anthologie Mittendrin: Der Laubkönig erzählt
Beinahe als Geburtstagsüberraschung für mich erschien unsere Geschichtensammlung im Mai, und ich bin unheimlich stolz, dass wir nun alle dieses bezaubernde Büchlein in den Händen halten dürfen. Es ist nicht nur mein zweites Herzensbaby, sondern auch das Ergebnis einer wertvollen Zusammenarbeit mit wunderbaren Autoren, die fantasievolle, bunte Geschichten erschufen und viel Geduld bewiesen, bis unser Buch endlich erscheinen konnte. Im Juli veranstalteten wir noch recht zeitnah eine kleine Leserunde auf Lovelybooks, die sich reger Beteiligung von Lesern und Autoren erfreute. Ich habe mich sehr gefreut, dass so viele der beteiligten Autoren Rede und Antwort gestanden haben. Dadurch wurde meine erste eigene Leserunde auf Lovelybooks zu einem sehr abwechslungsreichen Ereignis, bei dem wir uns und unsere Geschichten noch besser kennenlernen durften. 
Freundlicherweise wurde mir von Lovelybooks ein Social-Reading-Widget zur Verfügung gestellt, das ich umgehend hier auf dem Blog eingebaut habe. Damit hat man die Möglichkeit, sowohl nachträglich in der Leserunde zu schmökern als auch die Rezensionen zu lesen (klick). 
Die Leserstimmen zeigen, dass Jury und Verlag/Verlegerinnen eine abwechslungsreiche Wahl getroffen haben, die für jeden etwas bereithält. Natürlich hoffe ich, dass Mittendrin: Der Laubkönig erzählt auch in den kommenden Jahren seine Leser finden wird. 

Mehr Gemaltes gibt es 2013 zu sehen.
An der Schreibfront kürzer zu treten, ermöglichte mir, mich anderem zu widmen, das längere Zeit brach lag. Mein Sohn, der in Kindergartenzeiten kaum Interesse an bildender Kunst zeigte, entwickelte sich 2012 zu einem leidenschaftlichen Zeichner, und er steckte mich erfreulicherweise wieder mit dem Zeichenvirus an. Zu jeder freien Gelegenheit kann man uns den Bleistift schwingend antreffen. Mitte des Jahres hatten wir zusätzlich noch einen Malflash, und genau diese Momente und Aktivitäten lassen mich ebenfalls meine ursprüngliche Jammerei, in welch unkreativem Jahr ich doch versackt bin, wieder revidieren. Meine (unsere) Kreativität war 2012 schlichtweg verlagert, äußerte sich eher visuell, denn Texte hatte ich ja genug. 
Ich bin sehr froh über die Rückkehr des Visuellen zusätzlich zur Fotografie, denn vor allem Zeichnen gehörte schon immer zu meinem Leben wie das Schreiben auch. Fest vorgenommen habe ich mir, beides nie wieder versanden zu lassen, Kreativpausen sind aber erlaubt. 

Da 2012 noch mit all seinen Turbulenzen im Gange ist, deren Nachwehen nicht absehbar sind, nehme ich mir für das neue Jahr nichts vor. 
Keine berühmten guten Vorsätze, keine Etappenziele auf dem Weg zum großen Ganzen. 
Nur das reale Leben mit den Prioritäten, die es uns in den Weg streut. 
Wenn die Schreibmuse mich knutschen will, werde ich mich nicht streuben.  
Hat sie keinen Bock, werde ich bei der Musengewerkschaft keinen Ersatz beantragen.
Vielleicht gönnt sie sich einen Urlaub oder sie mit einer Kollegin aus einer anderen Kreativabteilung getauscht.
Komm halt einfach, du 2013, dann schau'n wir mal, was wir draus machen. 

1 Kommentar:

sayuri's exile hat gesagt…

Liebe Sinje,
manche Jahre sind einfach weniger oder einfach anders kreativ als andere. Und vielleicht stimmt das ja, dass die Muse sich gerade ein sabbatical genommen hat. Bestimmt ist sie 2013 wieder da :)

Komm gut herein ins Jahr 2013 - ich wünsche Dir ein ganz wunderbares, schreiberisches und kreatives Jahr!
Liebe Grüße von sayuri

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...