Donnerstag, 11. Oktober 2012

... über "Shades of Grey - Gefährliche Liebe" von E. L. James [Hörbuch]

Mein Unterbewusstsein stößt etwas hervor, das nach "muss noch putzen" klingt, aber nicht mal das Pferd interessiert, während meine kleine innere Göttin schweigend, mit einen Anflug eines Lächelns auf dem Lippen, geschickt den letzten Rest Klebeband um mein aufmüpfiges Unterbewusstsein spannt. Irgendwo hat sie ein altes Holzlineal aus Schulzeiten ausgegraben, das sie nun zur Hand nimmt und rhythmisch auf ihre flache Handfläche sausen lässt, bevor sie sich umdreht und zum Tisch geht. Sie greift sich den iPod, stöpselt sich die Kopfhörer in die Ohren und streicht dann quälend langsam mit den Fingerspitzen über den Touchscreen. Lasziv macht sie es sich auf dem Stuhl gegenüber meinem verzurrten Unterbewusstsein bequem und senkt in freudiger Erwartung die Lider. Das Lineal wieder fest in der Hand. Mein Unterbewusstsein nutzt einen unbeobachteten Moment, um ausgiebige Gedanken zu sammeln und befreiend die Augen zu verdrehen ...

E. L. James

Unskandalöse Liebesgeschichte mit unerwarteten, aber durchschaubaren Spannungselementen

(c) Goldmann-Verlag

Zum Inhalt (Achtung Spoilergefahr):
Fünf Tage ist es her, dass Ana Christian verlassen hat. Seitdem herrscht Funkstille, während Ana beginnt, sich in ihrem neuen Job als Assistentin des unangenehm freundschaftlich eingestellten Chef-Lektors im SIP-Verlag einzufinden. Obwohl sie sich nicht für Christians Neigungen erwärmen kann und angesichts seiner offensichtlichen psychischen Unausgeglichenheit keine Zukunftschancen sehen will, wird sie von Liebeskummer aufgezehrt. Kate ist derweil mit Christians Bruder Elliot im Urlaub und Ana somit ganz allein in der neuen Wohnung. Sie isst nichts, weint viel und fragt sich unablässig, ob sie die richtige Entscheidung getroffen hat. Als einziger kleiner Lichtblick steht Josés Foto-Vernissage bevor, und als gute Freundin will Ana natürlich teilnehmen. Christian, als sei nichts gewesen, nutzt diese Gelegenheit, um Ana anzubieten, sie dorthin zu begleiten. In der Hoffnung auf ein letztes klärendes Gespräch nimmt Ana dieses Angebot an. Kurz darauf ist die Trennung auch schon wieder Geschichte. Christian will tatsächlich einen echten Beziehungsversuch wagen, mit allem, das Ana zum Glücklichsein braucht. Gemeinsam versuchen sie, sein Verhalten zu ergründen und an ihrer Beziehung zu arbeiten. Da bleibt es nicht aus, dass Ana bald schon Bekanntschaft von "Mrs. Robinson" macht, mit der sie so gar nichts zu tun haben will. Als genügten die ständigen Kontaktbemühungen jener Frau, die Christian einst in die von ihm bevorzugten Praktiken eingeführt hat, nicht, läuft Ana kurze Zeit später einer wirr dreinblickenden jungen Frau in die Arme, die sie mit einem "Was haben Sie, das ich nicht habe?" mächtig erschreckt. Und dann wird Christian plötzlich vermisst ... 

Fazit vorab:
Zweiter Band einer mit entschärftem Kink gewürzten Aschenputtel-meets-Prince-Charming-Romanze, die noch immer vor Klischees und Wiederholungen strotzt, sich dabei erfreulich in eine eigene Richtung weg von der deutlichen Fanfiction entwickelt, aber insbesondere die Hauptprotanistin (ge)hörig auf der Stelle treten lässt und angesichts des kurzen Handlungszeitraumes unnötige Längen aufweist
Trotzdem wird "Shades of Grey - Gefährliche Liebe" in der Hörbuchversion zu einem recht unterhaltsamen Abendfüller, dem man sich trotz wiederholten Kopfschüttelns nicht entziehen kann. 

Meine Meinung: 
Eines muss man "Shades of Grey" lassen: Diese Geschichte macht süchtig. Und das muss einem Hype-Roman schon mal gelingen. Immerhin lasse ich mich, so möchte ich meinen, kaum von Marketingmaßnahmen und Co. übertölpeln. 
Bei "Shades of Grey" hat mich die Maschinerie allerdings niedergepeitscht, und wie bei keinem anderen Roman zerbreche ich mir tatsächlich darüber den Kopf und könnte stundenlang palabern. Was wiederum auch erst einmal einem Roman gelingen muss, Hype hin oder her.
So klischeegeladen und offensichtlich fanfiction-lastig ich den Trilogieauftakt empfand, so wenig konnte ich die Fortsetzung erwarten. Schließlich weiß man ja bei diesem gehypten Machwerk im Vornherein, dass es mit dem Ende von Shades of Grey - Geheimes Verlangen nicht getan sein kann, und man (zumindest ich) rätselt durchaus, wie es denn nun weitergehen könnte. Interessanterweise hatte ich überhaupt keine Erwartungshaltung hinsichtlich des weiteren Verlaufs und habe mich überraschen lassen. 
Wie geplant habe ich mich wieder für die Hörbuchvariante entschieden, die sich bereits bei "Geheimes Verlangen" als wunderbare Abwechslung zum geschriebenen Buch erwiesen hatte, und diesen Entschluss keineswegs bereut.

Mit dicker Hose - äh - Brieftasche auf der Überholspur

Gefährliche Liebe vermittelt, obwohl die Papiervariante mit 608 Seiten wieder ein echter Wälzer ist, den Eindruck, jemand hätte den Schnellvorlauf betätigt. 
Seit College-Absolventin Anastasia Steele und Kupferschopf-CEO Christian Grey im Auftaktband einander begegneten, sind gerade mal ein paar Wochen vergangen und die schwer verliebte Ana mit ihrem vernunftsschwangeren Unterbewusstsein und ihrer notgeilen inneren Göttin musste sich nur eine knappe Woche die Augen ausheulen, bevor Christian mit seinem Blümchensex-Angebot vor ihr niederkniete und sie wieder in seine stylische Wohnung holte. Weil beide sich ja so sehr lieben. Nach, hm, wie vielen Wochen? Fünf oder sechs? Nun will ich ja niemandem die große Liebe auf den ersten Blick absprechen, aber angesichts Christians Stalker- und Kontrollgehabe in Band 1 will ich nicht so recht an sie glauben. 
Es dauert eine gefühlte Minute, bis Christian auch in Band 2 wieder den Geldmacker raushängen lässt. Natürlich ist er an unzähligen Firmen beteiligt und hat sogar einen Frisörsalon, den er mit seiner "Mrs. Robinson" betreibt, die - aber sicher doch! - auch noch eine Freundin der Familie ist. Natürlich besitzt er ein Segelboot, und natürlich darf Ana ihn live bestaunen, wie sich Christian - immerhin kann er ja schon einen Hubschrauber, ein Segelflugzeug ... und andere weniger große Spielzeuge ... perfekt bedienen - an Bord ins Zeug legt. Und natürlich hat er nicht nur seine Angestellten, die wir aus Band 1 bereits kennen, sondern auch eine Einkäuferin, die Ana wie eine unsichtbare Fee über Nacht mit dem feinsten Zwirn ausstattet (aber sicher doch, als Assistentin des Lektors - Moment, sollte sie ursprünglich nicht nur ein popeliges Praktikum machen? - darf sie schließlich nichts von der Stange tragen). Ach, und eine Wohnung hier und da hat er selbstverständlich auch noch, und Ana bekommt als erstes Versöhnungsgeschenk direkt einen iPad (feines Product Placement). 
Ich bin überhaupt kein missgünstiger Mensch. Ehrlich errungenen Erfolg gönne ich von Herzen, echten Menschen wie realistisch gezeichneten Roman-/Filmcharakteren gleichermaßen. Ich neige daher auch nicht dazu, Roman- oder Filmfiguren hinterherzuschmachten, nur weil sie das Portemonnaie zücken. Im Gegenteil, in "Shades of Grey", das im Grunde, wie viele andere Romanzen auch, einen Aschenputtel-Plot zelebriert, geht mir dieses Vorzeigen von "mein Auto, meine Yacht, meine Peitschensammlung" so auf den Geist, dass nicht nur mein Unterbewusstsein mit den Augen rollt. Immer wieder bleibt ein fahler Nachgeschmack. Tatsächlich bin ich der Auffassung, dass diese Geschichte für mich spannender und greifbarer wäre, könnte Christian nicht alles mit seiner Kreditkarte geradebiegen (inkl. emotional geschädigter Ex-Gespielinnen). Zu keinem Zeitpunkt der über 17 Hörstunden machte ich mir um Anas Leib und Leben Sorgen. Da ist alles zu glatt, zu weichgespült ... so fern, wie die oberen Zehntausend für Otto-Normal-Leserinnen für mich, die zwar gerne mal träumen, aber ganz und gar plattfüßig auf dem Teppich stehen, nun einmal sind. Dass ich mich um ihre emotionale Laufbahn sorge, steht auf einem anderen Blatt ... 

Erotik in Weichspülgang mit Suspense-Beigabe

Hatte sich in Band 1 noch alles um Anas Einführung in mögliche BDSM-Praktiken gedreht, die natürlich massenmarkttauglich für Genrefans empörend entschärft wurden, so rudert E. L. James in Band 2 ihrer mit den Attributen "pornografisch", "skandalös" und was weiß noch versehenen Trilogie gehörig zurück. Wie sich schon in "Geheimes Verlangen" andeutete, will sie selbstverständlich eine Liebesgeschichte erzählen, die nicht nur eine Special-Interest-Gruppe anspricht. Das ist natürlich löblich und der Autorin (in Kooperation mit einer sehr fähigen Marketingabteilung) zweifellos gelungen. Immerhin stürzen sich auch solche LeserInnen auf ihr Werk, die zuvor vielleicht noch nie einen erotischen Roman in der Hand hatten. Blöd nur, wenn nun der Eindruck entsteht, dass erotische Literatur SO sein muss. 
Erwartungsgemäß hat Christian eine traumatische Vergangenheit, wie sie wohl im Lehrbuch steht, und Ana - Hallo?!, die Gute ist frischgebackene Literaturwissenschaftlerin und süße 21 (ja, okay, Mädchen sind immer reifer als Jungen) - hat es sich zur Aufgabe gemacht, Christian zu therapieren. Der, selbstverständlich ein blitzgescheiter junger Mann, weiß, sich dies zunutze zu machen und - es tut mir leid, aber es kommt mir tatsächlich so vor - sieht seine Chance, sich mit Anas Hilfe gesundzustoßen. Dass er sie irgendwann wirklich liebt und nicht nur glaubt, sie zu lieben, sei ihm unbenommen, nur nehme ich ihm auf bisher mindestens tausend Seiten den liebenden Partner nicht ab. 
Um den dominanten Kontrollfreak-Eindruck, den er noch in Band 1 hinterlassen hatte, zu entschärfen, schickt E. L. James Mrs. Robinson, okay, Elena Lincoln, ins Feld, die angeblich die Ursache diverser Entscheidungen in Bd. 1 ist. 
Aha  ...
Wo war ich? Ach ja, Erotik ... 
Nachdem Ana festgestellt hat, dass Christians Vorlieben nichts für sie sind, mit Ausnahme von X und Y und Z und überhaupt ..., war die Autorin vermutlich im Zugzwang, den Erotikfaktor aufrecht zu erhalten. Dem gibt sie auch weidlich nach und lässt die beiden in jeder Situation übereinander herfallen. Damit gelingt es ihr tatsächlich, die Sinnlichkeit auszuknipsen. 
Sprecherin Merete Brettschneider interpretiert die jeweiligen Szenen ganz wunderbar, lässt leise Töne oder einen verlangenden Klang anschlagen, ohne dem Hörbuch einen schmutzigen oder übertriebenen Missklang zu verleihen. 
Leider gibt es E. L. James' literarische Vorlage nicht her, dass Funken sprühen oder die Atmosphäre knistert. Wieder sind ihre erotischen Szenen anschaulich und mit bekanntem geschmackvoll-massentauglichem Vokabular beschrieben, doch wieder sind sie so zahlreich und so detailliert, dass man so manches Mal in Versuchung kommt, vorzuspulen / weiterzublättern. "Shades of Grey" ist der erste erotische Liebesroman, in dem ich die intimen Szenen in ihrer Fülle und teilweisen Deplatziertheit kaum ertragen kann. Zudem ist Christian mit einer Standhaftigkeit ausgestattet, die ihn nicht einmal dann einhalten lässt, wenn er nach einem hochdramatischen Tag abspannt, zerzaust mit ramponiertem Designerhemd in die Arme seiner völlig verzweifelten Familie einreitet. Anstatt einfach mal wie ein normaler Kerl buchstäblich im Stehen einzuschlafen, muss er Ana noch mal so richtig zeigen, was er kann. Damit sie auch weiß, wie sehr er sie liebt. In klassischen Paranormals, in denen der männliche Part oftmals kein rein menschlichen Wesen ist, verzeihe ich ja solcherlei Manneskraft ganz gerne einmal, aber Shades of Grey ist nun mal kein Paranormal.  Obwohl ... so richtig normale Menschen gibt es darin wohl auch nicht. Wer will schon was Normales lesen? 
Zusätzlich bleibt bei aller Bedachtheit auf möglichst viele und möglichst abwechslungsreiche Liebesszenen der Humor auf der Strecke. Einzig der Sprecherin ist zu verdanken, dass zumindest das vielseits bemühte, aber nicht mehr ganz so oft wie in Bd. 1 aufgerufene Unterbewusstsein und die fesche innere Göttin mittlerweile zu einem Markenzeichen gereichen, über das man eher schmunzeln als genervt die Augen rollen möchte. 
Während Christian als psychologische Baustelle in meinen Augen als Partner für eine so junge und unerfahrene Protagonistin ausscheidet und Ana mit ihrer leider aufgrund ihrer eindimensionalen Ich-Erzählersicht ein viel zu wenig differenziertes Bild von Christian zeichnet, überraschte mich die Autorin dann doch mit Spannungselementen, die, zwar fein dosiert und im Endeffekt nur wenig verzwickt, durchaus zu Romantic Suspense passen können. Lobenswert gestaltet sie Christians Vergangenheit greifbarer und verflicht sie mit der Gegenwart, um Anas rosaroter Wolke ein paar Schatten zu verpassen. Etwas mehr Abstand gewinnt die Geschichte durch Prolog und Epilog, in denen die Autorin jeweils aus der Ich-Perspektive ausbricht und einen auktorialen Erzähler zu Wort kommen lässt. 
Insgesamt ist die Idee, Ana und Christian außerhalb ihrer fragilen Beziehung in echte Gefahr zu bringen, ein netter Schritt nach vorn, krankt aber noch an der durchschaubaren Umsetzung. 

Mehr Eigenständigkeit 

Natürlich können sich Plots ähneln, und es ist gewiss nie ausgeschlossen, dass Autoren an zwei Enden der Welt dieselbe Idee haben und ähnlich umsetzen. Nicht selten wird Autoren unterstellt, von anderen abgeschrieben zu haben. 
Im Falle von "Shades of Grey" wurde in den Medien massiv berichtet, dass der Roman aus Fanfiction hervorgegangen sei. Das Vergleichen von Äpfeln mit Birnen ist in diesem Fall also nicht ganz abwegig. Selbst wenn es sich hier nicht um einen Paranormal und schon gar nicht um Jugendliteratur handelt, sind die Twilight-Parallelen im Trilogie-Auftakt trotz abgewandelter Szenen und Namen sehr offensichtlich. Und zwar so offensichtlich, dass ich mich beim Hören des Hörbuches häufig gefragt habe, wie dieses Buch überhaupt außerhalb von entsprechenden Foren in den Buchhandel gelangen durfte. Selbstverständlich hat die Autorin die sechshundert Seiten mit ihrer eigenen Idee noch selber (um)schreiben müssen und der Verlag wird selbstverständlich seine juristischen Hausaufgaben gemacht haben, trotzdem sehe ich die Trilogie mit gemischten Gefühlen. 
Deshalb fällt in "Gefährliche Liebe" positiv auf, dass die Geschichte sich nun nicht mehr an offensichtlichen Parallelen entlanghangelt. Beispielsweise dauert Anas Liebeskummer nur Tage, und sie ist keineswegs zwischen zwei Männern hin und her gerissen ...

Somit darf man "Shades of Grey - Gefährliche Liebe" durchaus losgelöst betrachten und den lästigen Vergleich einmal beiseiteschieben, auch wenn angesichts des allgemeinen Aufhebens um dieses Resultat einer Autorentätigkeit die nüchterne Betrachtung vielleicht schwerfällt. 

Davon losgelöst empfinde ich viele Unzulänglichkeiten, die "Geheimes Verlangen" schon holpern ließen, beispielsweise nervige Wiederholungen, wie "offen gestanden", "mein Unterbewusstsein", "meine innere Göttin" usw., auch in "Gefährliche Liebe" weiterhin als störend, aber nicht mehr ganz so vordringlich. 
Eine Entwicklung der Charaktere sehe ich trotz des Seitenumfangs und vor allem aufgrund des extrem kurzen Handlungszeitraums kaum, ganz gleich, wie sehr sich Ana und Christian annähern. Beide bleiben recht eindimensional, während Christian in meinen Augen eigentlich so verkorkst ist, dass die unerfahrene Ana auch mit all ihren liebesvernebelten guten Absichten keine Wunder wirken kann, wo sich ein Psychologe seit Jahren die Zähne ausbeißt. 
Und das Millionärsgehabe kann mir weiterhin einfach nur gestohlen bleiben.

Negativ fällt in "Gefährliche Liebe" außerdem die deutsche Umsetzung ins Gewicht. 
Die Übersetzung dürfte sich mit der Originalvorlage nicht schwer tun und liest sich so rund, wie es die Vorlage, die, wie der "Blick ins Buch" bestätigt, kein komplexes Konstrukt kompliziert-poetischer Ergüsse ist, hergeben dürfte. 
Zudem muss man den Übersetzerinnen Andrea Brandl und Sonja Hauser zugute halten, dass sie, obwohl sie angesichts der kurzen Erscheinungsreihenfolge der Romane unter enormem Zeitdruck arbeiten dürften und eine immense Textmenge zu bewältigen haben, eine Arbeit abliefern, die sehr wohl Erfahrung und Professionalität widerspiegelt. 
Zum Vergleich darf ich aus meiner eigenen Wald-und-Wiesen-Übersetzer-Berufspraxis erwähnen, dass zehn Normseiten ein gängiges Tagesmittel sind, das nicht selten auch noch auslieferungsbereit und druckreif sein muss - die Mengen im literarischen Übersetzen sind i. d. R. nicht so hoch angesetzt (und werden im Übrigen sogar noch schlechter bezahlt), weshalb ich großen Respekt gegenüber den Kollegen aus dem Bereich des Literaturübersetzens habe. 
Trotzdem ist mir etwas aufgefallen, das mich beim Hören absolut gestört hat, weil es meines Erachtens nicht in das Gesamtbild der Geschichte passte:
Während im Trilogieauftakt Christian selbst aussagte, er sei auf fünfzig verschiedene Weisen abgefuckt ("Because I'm fifty shades of fucked-up"), ist das in "Gefährliche Liebe" wohl nicht mehr genug. Nicht umsonst heißt Band 1 "Fifty Shades of Grey", wobei sich "Fifty Shades", eben die fünfzig Facetten, auch in den Originaltiteln "Fifty Shades Darker" (Gefährliche Liebe) und "Fifty Shades Freed" (Befreite Lust) ebenfalls wiederfinden und somit eine Anspielung darauf sind. Warum nun plötzlich im Deutschen Christians "Abgefucktsein" (wobei ich diese Verdenglischung wirklich grausig finde) in "Gefährliche Liebe" auf "Tausend" potenziert wurde, wissen wohl nur Lektor und Übersetzerinnen, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass die Autorin ihrer eigenen Zahl untreu geworden sein soll. 

In einem Versuch der nüchternen Betrachtung ist "Gefährliche Liebe" mit all seinen Nervigkeiten, achso reichen, potenten Charakteren und trotz des fehlenden Zaubers und Prickelns irgendwie weder besser noch schlechter als all die anderen Liebesromane (sei es Romantic Suspense, Paranormal oder Erotik), an denen ich sonst auch jede Menge auszusetzen habe, die mich aber trotzdem recht kurzweilig unterhalten. Um zu unterhalten ist Literatur schließlich da, und ich könnte nicht behaupten, dass mich "Shades of Grey" NICHT unterhält. 

Weil mich die Handlungsentwicklung in "Gefährliche Liebe" mehr ansprach als noch im Vorgänger, gelange ich zu einer persönlichen Wertung von

3 von 5 Weißdornzweigen,




 
die von Merete Brettschneiders Hörbuch-Interpretation wie schon in "Geheimes Verlangen" wieder deutlich aufgewertet werden. 
Merete Brettschneider passt als Sprecherin ausgezeichnet zu Anas Charakter und beschert ohne übertriebenes Gehabe angenehme Hörstunden, die mir 

5 von 5 Weißdornzweigen 





wert sind und die Hörbuchvariante von "Shades of Grey - Gefährliche Liebe" im Durchschnitt gar nicht so schlecht dastehen lassen: 

Gesamteindruck: 
4 von 5 Weißdornzweigen


 

 


Keine Kommentare:

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...