Donnerstag, 16. August 2012

... über "Töchter des Mondes, Band 01: Cate" von Jessica Spotswood

Jessica Spotswood

Eigenständigkeit und selbstgewählte Liebe mit oder trotz Magie?


Zum Inhalt: 
Die Cahill-Schwestern leben im Neuengland am Vorabend des 20. Jahrhunderts. Ihre Welt wird von der Bruderschaft reglementiert, die den Menschen Gottbefohlenheit vorschreibt, Bücher zensiert und Frauen in Kinderdienst und Küche verbannt. Mit glühendem Eifer verfolgt die Bruderschaft vor allem Hexen, die genau das Frauenbild repräsentieren, dass man in dieser Gesellschaft nicht haben will. Die fast siebzehnjährige Cate und ihre Schwestern Maura und Tess sind jedoch Hexen, weshalb sie tagtäglich ihre Kräfte im Zaum halten müssen. Cate, die nach dem Tod der Mutter wie versprochen die Mutterrolle übernommen hat, kümmert sich hingebungsvoll um ihre jüngeren Schwestern und sieht deren Entwicklung mit Stolz, Sorge und einer gesunden Portion Neid. Bislang ist es den Schwestern gelungen, ihre Fähigkeiten - auch vor dem eigenen Vater - zu verbergen, doch je näher Cates Geburtstag rückt, rückt sie auch stärker in öffentliches Interesse. Cate und auch die unwesentlich jüngere Maura können sich nicht länger im väterlichen Haus und Garten verstecken. Für die Älteste ist es an der Zeit, einen Ehemann zu nehmen. In ihrem Alter ist jede Heranwachsende gezwungen, öffentlich eine Absichtsbekundung abzugeben und zu erklären, ob ihr eine Verlobung bevorsteht oder ob sie sich für den Dienst vor dem Herren innerhalb der sogenannten Schwesternschaft entscheidet. Für Cates Vater, der gesundheitlich stets leicht angeschlagen ist und sich häufig auf langen Reisen befindet, ist der Zeitpunkt gekommen, eine Gouvernante für seine klugen, aber durchaus eigensinnigen Töchter einzustellen, die sie gesellschaftlich fitmachen soll. Als die selbst gerade achtzehnjährige Elena die Stellung antritt, bleibt Cate misstrauisch. Wenngleich sie ihre magischen Fähigkeiten akzeptiert und meistens unter Kontrolle hat, wächst die Angst, aufzufliegen, Tag um Tag. Denn eines Tages erhält sie einen Brief von ihrer ihr bislang unbekannten Patentante, die sie auffordert, die Tagebücher ihrer Mutter zu lesen. Mit Entsetzen erfährt die junge Hexe auf diese Weise von einer gefährlichen Prophezeiung, die zahlreiche Ereignisse der jüngsten Vergangenheit in neues Licht taucht. Die Furcht, bald zu jenen Frauen zu gehören, die von der Bruderschaft vom Fleck weg verhaftet und weggesperrt wurden, sitzt tief, und Cate versteht, dass mehr denn je jeder Schritt überdacht werden muss. Und als hätte sie damit nicht genug Sorgen, wirbeln auch noch zwei junge Männer ihre Gefühlswelt durcheinander. Paul, ihr Kinderfreund, der beinahe passend, kurz bevor sie ihre Absichtsbekundung abgeben muss, von seinen Studien zurückkehrt und sie umwirbt. Paul, ihr bester Freund, den sie kennt und schätzt, der aber ihr Herz nicht höher schlagen lässt. Und da ist noch Finn, der Sohn der Buchhändlerin, der sich als Gärtner bei den Cahills ein Zubrot verdient. Finn, mit seinem Kupferhaar und den kecken Sonnensprossen, ein kluger junger Mann der nicht standesgemäß ist, dessen Kuss unwissend dafür sorgt, dass Cates Magie überbordet. So naht denn der Termin, der über ihre Zukunft entscheiden soll, und zwingt Cate zu einer folgenschweren Entscheidung ... denn sicher sind die Schwestern nirgends. Nicht vor der Bruderschaft. Nicht in der Schwesternschaft. Nicht einmal im eigenen Haus und voreinander.


Meine Meinung: 

Ich gebe zu, ich war skeptisch. Nach acht Fernsehstaffeln Charmed bin ich Hexengeschichten gegenüber ziemlich voreingenommen, und wenn dann auch noch gleich drei Schwestern ins Spiel kommen, schrillen die Alarmglocken. 
Die der englischen Ausgabe nachempfundene Umschlaggestaltung der aktuellen Ink-Neuerscheinung war jedoch viel zu verführerisch, als dass ich den Roman in der Buchhandlung stehen lassen konnte. 
Rein optisch wird "Töchter des Mondes, Band 01: Cate" zu einem Blickfang und zählt gewiss zu den schönsten Büchern in meinem Regal. 
Wie immer ist auch dieser Roman in Festeinband eingeschlagen, wobei die junge Dame lediglich auf dem Schutzumschlag zu sehen ist. Nimmt man diesen ab, tut sich eine nicht minder schöne Abbildung auf, denn der Festeinband zeigt nur noch die Wiese, auf der das Mädchen lag, seinen Rosenhaarschmuck, der eine inhaltliche Verbindung herstellt, und eine geheimnisvoll blau leuchtende Libelle, die wiederum keine besondere Bedeutung zu haben scheint. Die nackten Beine des Titelmädchen passen zwar nicht in die Zeit der Handlung, wo die junge Dame mit Korsett und Tornüre in S-Form gezwängt wurde, widerspiegeln aber durchaus den Freigeist der Protagonistinnen, die innerlich sehr wohl gegen die patriarchalische Unterdrückung durch die Bruderschaft aufbegehren und ihr Leben selbst bestimmen wollen. 
Nach der Lektüre frage ich mich allerdings immer noch, woher der deutsche Titel der Reihe stammt. Eine Verbindung zum Mond an sich konnte ich nicht feststellen, aber eventuell steht hier tatsächlich der Mythos um Persephone Pate, die in dieser Geschichte Teil der befreienden oder verhängnisvollen Prophezeiung ist und mythologisch in Verbindung mit ihrer Mutter Demeter wohl für Fruchtbarkeit und Jahreszeiten steht. 
Jahreszeiten, die immerhin mit dem Mond zusammenhängen, gehen den drei Schwestern nämlich locker von der Hand, sodass es der gerade zwölfjährigen Tess, ohne den Finger zu rühren oder gar einen Zauberspruch laut auszusprechen, gelingt, den Herbst zurück in den Sommer zu verwandeln. Dennoch empfinde ich den Reihentitel als etwas verwirrend, weil ich immer an die Schwestern des Mondes denken muss, die ja nun aus Yasemine Galenorns Feder stammen und gar nichts mit den Cahills gemein haben. Der Untertitel "Cate" deutet an, dass sich weitere Bücher mit den anderen zwei Schwestern befassen könnten. An dieser Stelle muss allerdings bereits gesagt werden, dass Cates Geschichte mit diesem Auftaktband längst nicht zu Ende erzählt ist. 
Cate Cahill tritt in Jessica Spotswoods Debüt als Ich-Erzählerin auf und lässt den Leser ihren Erlebnissen im Präsenz beiwohnen. Obwohl ich kein ausgemachter Präsenzleser bin, gefällt mir dies in "Töchter des Mondes: Cate" recht gut, weil man dadurch hervorragend in die Gefühlwelt der Erzählerin eindringen und zudem keine lästige Historienbarriere aufkommen kann. 
Tatsächlich gelingt es Jessica Spotswood, trotz des historischen Ambientes keine künstliche Steifheit zu schaffen und so zu erzählen, dass sich die jugendliche Zielgruppe zwischen 14 und 17 Jahren weder langweilt noch veralbert vorkommt. Die zeitgemäße Mode spielt mädchentypisch eine Rolle, wird aber, nicht wie in anderen Genreromanen für dieselbe Altersgruppe, in den Vordergrund gedrängt. Die Autorin bietet damit eine vergleichsweise ausgewogene Mischung von fiktiv-historischem Ambiente, Teenagerproblemen, verstaubten Konventionen und Zwängen und Hexerei.
Letztere überzeugt mich allerdings noch nicht vollends, weshalb "Töchter des Mondes: Cate" bei mir auch nicht volle Punktzahl erzielen kann. Die Magie, die sich in verschiedenen Formen als roter Faden durch den paranormal angehauchten Roman zieht, ist mir zu simpel und zu glatt. Sie ist ab einem gewissen Alter einfach da wie der erste Pickel. Zwar wachsen die Fähigkeiten, aber sie wohnen den Charakteren sozusagen inne und bedürfen kaum Hilfsmittel, auch wenn sie gewissermaßen trainiert werden müssen. Ein lateinischer Infinitiv genügt als Befehl, um Dinge geschehen zu lassen, wobei die jüngste Schwester Tess diesen nicht einmal laut aussprechen muss. Es gibt keine Zauberbücher im herkömmlichen Sinne, die verdächtig machen könnten, keine Zaubersprüche, die aufwändig zusammengereimt werden müssen. Die Magie, die den Schwestern zum Verhängnis werden kann, war mir persönlich einen Tick zu selbstverständlich. Andererseits ist die magische Komponente des Buches dadurch wiederum sehr natürlich, wirkt nicht altbacken oder klischeehaft und bildet eine Metapher für den Wunsch nach Selbstbestimmung der Frau.
Wie so oft in einem Auftaktband sind die Protagonisten noch nicht "ganz fertig", machen aber Lust auf mehr, denn keine der Schwestern ist so, wie sie zunächst scheint. Noch ist es dank kleiner Überraschungen unklar, welches der drei ungleichen Mädchen die mächtige Hexe ist, die die Prophezeiung erfüllen wird. Die kleine Tess, die mit ihren zwölf Jahren schon einige Fähigkeiten hat, an denen ihre Schwestern längere Zeit üben mussten? Maura, die bücherversessene mittlere Schwester, die ihre Magie gerne einmal trotzig gegen ihre Schwester wendet und in Elena mehr sieht als nur die Gouvernante? Oder doch Cate, die Vernünftige, die Mütterliche, die immer so vorsichtig ist, sich dann doch unerwartet anvertraut und vermutlich mehr Kräfte besitzt, als sie sich selbst zutrauen würde? Vielleicht sind wir auch gänzlich auf dem Holzweg ... 
Alle drei Schwestern sind, so unterschiedlich sie auch dargestellt werden, sehr sympathisch, sodass man gern mehr von ihnen lesen und sie bei ihrem weiteren Weg begleiten möchte. Alle drei sind für ihr junges Alter recht reif und verständig, wenngleich Maura mit ihrer gewissen Störigkeit immer mal wieder über die Stränge schlägt und noch für netten Konfliktstoff sorgen dürfte.
Auch die jungen Männer, zwischen denen Cate steht, sind auf eine ansprechend sympathische Weise gezeichnet, dass sich auch der Leser nicht entscheiden könnte. Paul, der Studierte, der Gesellschaftsfähige, der ein Leben voller Unternehmungen zu bieten hätte, ein Leben, das nicht langweilig wäre und in dem Cate einen Freund hätte (bis wahrscheinlich die sprichwörtliche "Luft raus wäre"). Finn, der nicht minder intelligent ist, aber nicht zu Studien in die Stadt aufbrechen kann. Weil er entgeltlich fremder Leute Unkraut rupfen muss, um Mutter und Schwester zu ernähren, da der geerbte Buchladen unter strenger Zensur steht und kaum etwas abwirft. Finn, der jedes Buch kennt, das Cate je gelesen hat. 
Außer diesen beiden Verlobungsanwärtern kommen die übrigen Männer in Jessica Spotswoods Geschichte nicht so gut weg. Selbst der Vater der Cahill-Schwestern glänzt trotz guter Absichten, seinen Töchtern ein gutes Leben und eine gute Ausbildung zu gewährleisten, mehr durch Abwesenheit, Unkenntnis seiner Töchter und seltsame Kränklichkeit als echte väterliche Wärme. 
Als Unsympath wird Bruder Ishida eingeführt, denn dieser ist für die regelrechte Hexenjagd, die in letzter Zeit noch zunimmt verantwortlich, und er hat die Cahills sehr wohl im Visier. Ich bin schon sehr gespannt, was geschieht, wenn er in seinem eigenen Haus einmal näher hinschaut.
Ein Reihenauftakt, der nach Fortsetzung schreit, die aber leider, so lässt die Autorin auf ihrer Website vernehmen, erst für Juni 2013 anberaumt ist. 

Fazit: 
Zauberhafte Geschichte um besondere Hexenschwestern, die nicht nach Dämonen jagen, aber auf ihre Weise die Welt retten und ihr Leben selbst bestimmen könnten. 
Trotz historischen, herbstlichen Flairs sommerlich leicht zu lesende Lektüre, mit aufkeimender Liebesgeschichte, die Lust auf mehr macht.  

Gesamteindruck: 
4 von 5 Weißdornzweigen




  • Gebundene Ausgabe: 363 Seiten (mit Schutzumschlag, aber ohne Lesebändchen)
  • Verlag: Ink; Auflage: 1 (9. August 2012)
  • Sprache: Deutsch, übersetzt von Stefanie Lemke
  • ISBN-10: 3863960246
  • ISBN-13: 978-3863960247
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 - 17 Jahre
  • Neupreis: 17,99 €
Erhältlich als: 
-> Gebundene Ausgabe in deutscher Sprache
-> Kindle E-Book in deutscher Sprache
-> Hörbuch, gelesen von Nana Spier
-> Gebundene Ausgabe in englischer Sprache
-> Taschenbuch in englischer Sprache (ab Januar 2013)
-> Kindle E-Book in englischer Sprache

Buchtrailer:

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