Dienstag, 14. August 2012

... über "In den Schatten lauert der Tod" von Shannon McKenna

Shannon McKenna 


Intriganter Romantic Thrill, der seine Protagonisten leider zu lange im Schlafzimmer einsperrt


Zum Inhalt: 
Connor McClouds Leben ist zerstört, und ein einziger Mann ist schuld daran. Verbrecher Kurt Novak hat nicht nur Connors ehemaligen FBI-Partner Jesse auf dem Gewissen, sondern erpresste und korrumpierte erfolgreich seinen Kollegen Ed Riggs. Connors letzter Einsatz brachte ihn um alles, was ihm wichtig war. Jesse ist tot, er selbst kam gerade so davon. Aus dem Koma erwacht, gibt es für ihn nichts Wichtigeres als die Verantwortlichen hinter Gitter zu bringen. Dank seiner Aussage wandert Ed Riggs in den Knast, aber Connor verliert den Job und die Chance auf die Frau, auf die er schon immer ein Auge geworfen hatte. Erin, Eds Tochter, wendet sich, so glaubt er, enttäuscht von ihm ab. 
Inzwischen hilft Connor in der Detektei seines Bruder Davy als privater Ermittler aus. Die ganze Klischeepalette der Seitensprünge und Co. ist besser als nichts.
Finanzsorgen plagen Connor nicht, dafür quält er sich mit tiefsitzender Enttäuschung vom Leben, jeder Menge emotionaler Selbstgeißelung und versehrtem Bein als Erinnerung an das große Drama seines Daseins durch den Tag. Aber wenigstens sitzen Novak und seine Handlanger im Gefängnis. Sollten sie jedenfalls ... 
Denn Novak gelingt es, mit seiner mörderischen rechten Hand Georg Luksch aus der Haft zu fliehen, und als Connor davon erfährt, schrillen sofort die Alarmglocken. War Erin Riggs dem sadistischen Mörder Luksch vor dessen Inhaftierung noch gerade so entronnen, dürfte sie nun umso mehr Mittelpunkt seines perfiden Interesses stehen. 
Connors Bedenken, Novaks Ausbruch könne Erin in Gefahr bringen, werden jedoch allseits in den Wind geschlagen. Man geht davon aus, dass sich Novak nach Europa abgesetzt hat und von ihm vor Ort keine Gefahr droht.
Doch Connor traut dem Frieden nicht und beschließt, die Sache selbst in die Hand zu nehmen und Erin um jeden Preis zu beschützen. Dafür muss er in ihre Nähe gelangen, doch die junge Kunstexpertin ist zunächst nicht bereit, ihm zu trauen. Aber sie traut auch sich selbst nicht. Denn sie liebt Connor seit langem, hat sogar, was Connor nicht weiß, an seinem Bett gesessen und mit ihm gesprochen, als er, schwer verletzt, im Koma lag. Als sie Connor notgedrungen bei einem Auftrag für einen Kunstsammler als Bodyguard im Schlepptau hat, weiß sie, dass nun ihre Gelegenheit gekommen ist, Connor zu verführen. Während beide ihre jahrelang aufgestauten Gefühle endlich ausleben, sehen sie in ihrem neu gefundenen Glück nicht, dass sie sich längst in einem geschickt verknüpften Netz der Rache befinden ... 

Meine Meinung: 
"In den Schatten lauert der Tod" ist der zweite Band von Shannon McKennas Reihe um die McCloud-Brüder. Connor hatte bereits im Auftaktband "Die Nacht hat viele Augen", der sich um seinen Kumpel Seth drehte, einen Gastauftritt, die Brüder Davy und Sean folgen in weiteren Bänden. Nachdem mir "Die Nacht hat viele Augen" nur mäßig gefallen hat, ich aber die Fortsetzung schon im Schrank hatte, wollte ich sie doch noch lesen. 
Positiv fällt zunächst auf, dass Lyx die Thematik von Shannon McKennas Reihe optisch zwar recht generalisierend, aber doch treffend einfängt. Negativ ist jedoch, dass das Romantic-Thrill-Programm recht ähnliche Umschlaggestaltungen in Motiv und Farbgestaltung bietet, sodass man sich optisch nur noch schlecht zurecht findet. Im Falle von "In den Schatten lauert der Tod" nimmt nach dem Vorbild des Reihenauftaktes ein Paar in inniger Umarmung etwa zwei Drittel des Covers ein und verdeutlicht, dass wir es hier vornehmlich mit einem Liebesroman zu tun haben. Die mit gefährlichem Rot hinterlegte Titelschrift und das leicht nebelige Ambiente im unteren Drittel, in dem ein Mann einer Frau folgt, repräsentieren den Suspense-Part, der auch in "In den Schatten lauert der Tod" bedauerlicherweise recht klein ist. 
Wie im Auftaktband folgt der auktoriale Erzähler in erster Linie dem männlichen Protagonisten, wechselt, wenn auch nicht oft, aber ebenfalls die Perspektive zu Erin, ihrer Familie und den Kriminellen des Parts. "In den Schatten lauert der Tod" ist damit vor allem Connors Buch und hat einen leicht maskulinen Touch. 
Auf 560 Seiten versucht Shannon McKenna, eine gefährliche Geschichte zu entspinnen, in der eine nicht ganz so zarte, aber sehr sinnliche Romanze Halt und Gelegenheit zum Durchatmen bieten soll. Leider gerät das Ganze wie in "Die Nacht hat viele Augen" wieder stark zu einer Darstellung erotischer Begegnungen, die den Thrill-Faktor in den Hintergrund drängen. 
Dabei lässt sich der Roman vergleichsweise gut an. 
Gestartet wird mit einem kursiv gedruckten Prolog, der eine Krankenhausszene erzählt, bevor wir im ersten Kapitel direkt Connor bei seiner Arbeit begegnen. Und diese Arbeit behagt ihm nicht. Über Seiten hinweg sind sein Unbehagen und sein Frust spürbar. Er versinkt auf eine Weise in Erinnerungen und Selbstmitleid, die einerseits für einen Romanbeginn recht langatmig ist, aber den Leser schon zu Beginn über die Hintergründe der Figur aufklärt und Connor mit einem Schlag sympathisch macht, als klar wird, dass der Grund für seine emotionale Misere weniger im Verlust des Partners und Freundes oder im Verpfeifen eines Polizeikollegen, sondern tatsächlich in der Unerreichbarkeit einer Frau liegt. Unerreichbar war Erin unabhängig von den Ereignissen aber immer, und das ist eine Geschichte voller Missverständnisse und unterdrückter Gefühle. Genau solche Konstellationen lese ich nämlich sehr gerne, und Shannon McKenna scheint ein Händchen dafür zu haben, ihre Charaktere in Dilemmas zu verstricken, denen man bereitwillig beiwohnen würde, wären sie nur nicht um der körperlichen Nähe willen so in die Länge gezogen.
Während Connor sich an seinem Gläschen Selbstmitleid festklammert, hat Erin Riggs ebenfalls mächtig Sorgen. Ihre Mutter Barbara verfällt zunehmend, einerseits in Selbstmitleid, andererseits in Sorge um das Wohlergehen ihrer Töchter, insbesondere der jüngeren Cindy, die ihr Stipendium zu verlieren droht und einen höchst besorgniserregenden Umgang mit einem nicht sonderlich mustergültigen jungen Mann pflegt. Erin wird aus ihrer Sicht als unspektakulär dargestellt, als jemand, dessen Selbstwahrnehmung in der Vergangenheit mit Füßen getreten wurde, dem es trotzdem aber nicht an Selbstbewusstsein und Eigenständigkeit mangelt. Ihre anfängliche Zerrissenheit und spätere Entschlossenheit, Connor zu verführen, lesen sich überraschend authentisch und amüsant kurzweilig. 
Zudem hat Erin ihre Anstellung in einem Museum verloren, sich aber in einem Anflug von Courage selbständig gemacht und schlägt sich nun, mehr schlecht als recht, mit einem einzigen Kunden durch. Und an dieser Stelle ist der Plot vorhersehbar, denn der Leser weiß sofort, dass mit diesem superreichen ausländischen Kunden, der sich Erins Faible für keltische Artefakte zunutze macht, etwas faul sein muss. Natürlich kommt Erin, deren Klugheit erst im Endspurt zum Tragen kommt, nicht auf diese Idee und bekundet damit mangelndes Vertrauen in Connors Instinkte, sodass man den Eindruck gewinnt, ihr Vertrauen bliebe zwischen den Laken. Anderenfalls wäre das Buch vermutlich kürzer, aber schade ist das trotzdem. 
Grundsätzlich gefiel mir die Paarung Connor/Erin besser als Seth/Raine in "Die Nacht hat viele Augen". Connor und Erin haben eine emotionale Vergangenheit, wenngleich sie sich auch nur aus gebührendem Abstand "anhimmelten", und sie gehen - bis auf eine Szene im letzten Teil des Buches - deutlich gefühlvoller miteinander um, was mehr Leserinnen ansprechen dürfte als die zum Teil recht deftigen, teilweise rohen Begegnungen im ersten Teil. Dadurch wird die sich entwickelnde Beziehung (immerhin ist "In den Schatten lauert der Tod" trotz allem ein Liebesroman) besser nachvollziehbar und man möchte die hormonverklärte Brille als Vorwand akzeptieren, um die mangelnde Weitsicht der Protagonisten in Bezug auf die gefährlichen Vorgänge um sie herum zu verzeihen.
Die Bösewichte der Stunde spielen ein vergleichsweise durchschaubares Versteckspiel, der von ihnen verfolgte Racheplan hingegen ist geschickt zusammengesponnen, sogar von langer Hand - sozusagen für den Fall X - geplant, was auf den letzten hundert Seiten verdichtet. Leider lässt der langgezogene Mittelteil, der besonders Connors Standhaftigkeit unter Beweis stellt, vergessen bzw. überlesen, warum denn die Bösen eigentlich böse waren und welche Leichen sie ursprünglich im Keller hatten. Da hilft es kaum, dass Shannon McKenna es gut versteht, intime Szenen explizit, aber sinnlich und ansprechend zu gestalten, und sprachlich höchst selten entgleist (was unter Umständen an der Übersetzung liegen kann). 
Auch die Tatsache, dass die zuständigen Behörden so gar nicht hören wollen, was ein langjähriger, verdienter FBI-Agent zu sagen hat, wirkt ziemlich konstruiert. 
Das Finish mit all seinen Verletzungen, Enttäuschungen, Erklärungen und dem zugehörigen Happy End kann nur bedingt entschädigen. 
"In den Schatten lauert der Tod" ist in sich geschlossen und lässt die übrigen McCloud-Brüder nur als Nebenfiguren in Erscheinung treten. Dabei bleiben diese recht blass, auch wenn man durch Connor schon Einiges über die Vergangenheit der Familie erfährt, und drängen sich nicht zwingend für eine Fortsetzung auf. Für mich ist an dieser Stelle die Bekanntschaft mit der Familie McCloud vorerst beendet. 


Mein Fazit:
Zweiter Band einer Romantic-Thrill-Reihe, der durch gefährliche Intrigen Charaktere zusammenführt, die schon längst füreinander bestimmt sind, in dem jedoch das gefährliche Ambiente durch zu viele, langatmige Intimitäten an Spannung und Dynamik verliert. 

Gesamteindruck: 
3 von 5 Weißdornzweigen 




  • Broschiert: 559 Seiten
  • Verlag: Lyx (8. April 2011)
  • Sprache: Deutsch, übersetzt von Patricia Woitynek
  • ISBN-10: 3802583310
  • ISBN-13: 978-3802583315
  • Originaltitel: Standing in the Shadows
  • Größe und/oder Gewicht: 18 x 11,8 x 4,8 cm
  • Neupreis: 9,99 €
Erhältlich als:
und Hörbuch bei audible.de

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