Sonntag, 20. Mai 2012

... über "Dark Angels' Summer - Das Versprechen" von Kristy Spencer und Tabita Lee Spencer

Kristy Spencer und Tabita Lee Spencer

Umfangreiche Einführungsgeschichte über ein gewaltiges Familienerbe

Zum Inhalt:
Dawnas und Indies Großmutter ist bereits seit einem Jahr tot, als die beiden Schwestern mit ihrer Mutter in den Ort ihrer Kindheit, Whistling Wing, zurückkehren. Als Kinder verbrachten sie dort viel Zeit, bis die geliebte Granny die Mädchen wegschickte und sie sie nie wiedersahen, nicht einmal zur Beerdigung reisten sie nach Whistling Wing. Plötzlich aber lässt sich Dawnas und Indies abgedrehte Mutter von ihrem Guru Shantani überreden, und so kehren sie mit Sack und Pack an den Ort zurück, der so voller Erinnerungen ist. In diesem besonderen Sommer sind beide 17 Jahre alt. In den dreiunddreißig Tagen, in denen die Schwestern gleichalt sind, vereint sie ein seltsames Band, verschmelzen sie miteinander und sind sie sich geradezu beunruhigend vertraut. Auch in Whistling Wing geht Seltsames vor. Während ihre Mum und Shantani meditieren und ein Engelsseminar abhalten, um Engel zu channeln, wissen die Mädchen nicht, wer von den alten und neuen Bekannten vertrauenswürdig ist und wer nicht. Einmal wird Indie von einem Vogel attackiert, dann finden die Schwestern einen Seminarteilnehmer tot auf, später ist er verschwunden, niemand vermisst ihn, die schwarzen Vögel, die über Whistling Wing kreisen, werden mit jedem Tag zahlreicher, und nicht einmal den zarten Banden einer jugendlichen Sommerliebelei ist über den Weg zu trauen. Nur sehr langsam setzen Dawna und Indie die Puzzleteilchen ihrer Erinnerungen zusammen und kommen ihrem Familienerbe auf die Spur ... 

Meine Meinung: 
"Dark Angels' Summer - Das Versprechen" ist eines der wenigen Bücher, die ich mir nach kurzem In-der-Hand-halten und verführt durch Aufmachung und Klappentext in einem "echten" Buchladen gekauft habe, ohne auch nur einen Blick in das nicht eingeschweißte Blätterexemplar zu werfen. Die Blogtour bei Erscheinen und andere Werbung waren vollkommen an mir vorbeigegangen, vermutlich, weil ich in der Regel Jugendbücher übersehe.
Fast zwei Monate lag der "Wälzer" mit seinen 475 griffigen, festen Seiten in Festeinband mit Schutzumschlag und lesefreundlichem Lesebändchen auf meinem Stapel ungelesener Bücher, bevor ich zum Lesen kam. 
Wahrscheinlich war ich nicht in der richtigen Leselaune, denn nach gut hundert Seiten wollte ich eigentlich aufgeben, weil sich die Geschwistergeschichte nicht so recht mit mir vertragen wollte. Ich mag im Grunde Storys, die sich gemächlich entwickeln, sehr gerne. Dieses langsame Fallenlassen in Charaktere und deren Umfeld bevorzuge ich gegenüber dem Hineingeworfen werden ins Unbekannte und dem offensichtlichen Heischen nach oberflächlicher Spannung. Hier aber war ich kurz davor, die Geduld zu verlieren. Das lag zum einem an der Erzählzeit im Präsenz, mit der ich mich immer schwertue, und zum anderen am Charakter der jüngeren Schwester, Indie, die mich oft nervte. 
Das Autorinnenduo lässt beide Hauptcharaktere, Dawna, die elf Monate ältere Schwester, und Indie, als Ich-Erzähler auftreten. Abwechselnd erzählen die Schwestern ihre Erlebnisse, und damit man nicht durcheinanderkommt, sind ihre Kapitel mit den Überschriften "Dawna" bzw. "Indie" und verschiedenfarbigen Federn im Seitenfuß (schwarz für Dawna, rot für Indie) gekennzeichnet. Die Schwestern sind unterschiedlich, allerdings, wie ich meine, nun nicht unterschiedlich wie Tag und Nacht, denn dafür sind sie viel zu eng miteinander verbunden. 
Dawna erzählt ruhig, mit leicht analysierender Distanz, wodurch sie fast ein bisschen älter als 17 wirkt. Das mag wohl auch daran liegen, dass sie die mütterliche Rolle übernimmt und auf die jüngere Schwester aufpasst. Indie hingegen kommt meistens genervt und aufsässig daher, wirkt trotz des geringen Altersunterschiedes ungleich jünger und unreifer, sodass es mich etwas überraschte, dass ausgerechnet sie es war, die für die dramatische Romanze des Romans auserkoren wurde. Ihr Wortschatz ist leger und unverblümt - es darf geflucht und gemeckert werden - wirkt aber mitunter etwas übertrieben und aufgesetzt und passt nicht immer mit ihren Beschreibungen der Gegebenheiten und fast melancholischen Erinnerungen zusammen. Darin sind sich die Schwestern wieder recht ähnlich, und wäre da nicht immer die verschiedenfarbige Feder im Augenwinkel gewesen, wäre ich mir nicht immer sicher gewesen, wer gerade das Wort hat. 
Da ich im Mutter- und nicht Zielgruppenalter (ab 14) bin, empfand ich insbesondere Indie als nahezu kompromißlos respektlos gegenüber ihrer "Mum". Nun gut, diese verkörpert mit ihrem ganzen Gewese um Engel, Erlösung, Erleuchtung und rohes Gemüse den Inbegriff eines Hippies und ist so abgedreht, dass die Töchter sich quasi selbst erziehen, aber ich wurde während der Lektüre das Gefühl nicht los, dass sich noch viel mehr hinter dieser Frau verbirgt, als wir erahnen. Ich hoffe, dass der Charakter der Mutter im Laufe der Folgebände der als Tetralogie angelegten Geschichte über Meditation und nicht nachvollziehbare Hörigkeit gegenüber ihrem Guru hinausgehen wird. Vom Wesen her flogen meine Sympathien eher Dawna zu.
Recht lange Zeit nehmen sich die Autorinnen, um ihren Schauplatz und die Protagonisten vorzustellen. So streifen die Mädchen durch die Landschaft ihrer Kindheitserinnerungen, begegnen nicht näher benannten tödlichen Giftschlangen, brennen sich die Waden an Brennnesseln und beschwören Erinnerungen an die geliebte Granny herauf. Diese Passagen begleitet eine angenehme Emotionalität, sie widerspiegeln ausgezeichnet die Gefühle für die verstorbene Großmutter und erlauben dem Leser, mit in die Erinnerungen einzutauchen, manchmal sogar angesichts eigener Erinnerungen wissend zu lächeln. 
Einige Kleinigkeiten erweisen sich im weiteren Verlauf der Geschichte als wertvolle Hinweise, während andere Erinnerungsbruchstücke vielleicht für die Protagonistinnen von Bedeutung sind, aber zu unnötiger Länge führen. 
Obgleich es den Autorinnen wunderbar gelingt, in der Fantasie des Lesers lebendige Bilder ihres Schauplatzes und ihrer Protagonisten zu zeichnen, muss man sich den emotionalen Klang von Dialogen weitestgehend selbst erspüren. Das Verb "sagen" ist allgegenwärtig. Da wird beispielsweise "Scheiße" gesagt und nicht geflucht. Dass direkte Rede in kurzen Abständen mit "sagen" geschlossen wird, verleiht dem Dialog eine gewisse Schlichtheit, die sich mit dem ansonsten zwar wenig komplizierten, angenehm bildhaft dahinplätschernden Erzählstil beißt und mich persönlich im Lesefluss sehr gestört hat, weil ich mich buchstäblich daran festbiss. Weniger Dialogkommentar wäre oft mehr gewesen.
Nach all diesen Startschwierigkeiten hatten mich die Autorinnen nach etwa zweihundert Seiten schließlich doch auf ihrer Seite. 
Einmal, weil ich das Spiel mit sprechenden Namen und die versteckten Hinweise, die der aufmerksame Leser rascher entschlüsselt als die Protagonistinnen, die manchmal wirklich lange auf der Leitung stehen, genoss, und zum anderen, weil das Geschehen an Fahrt aufnahm und sich als etwas andere Engelsgeschichte entpuppte. 
Das erzählerische Universum der gefallenen Engel ist offenbar sehr vielschichtig, aber auch einigermaßen kompliziert, vor allem wenn man spirituell so unbeleckt ist wie ich. An manchen Stellen hätte ich mir mehr Erklärung, Erhellung sozusagen, gewünscht und setze daher Hoffnung in die Fortsetzungen.
Die Autorinnen statten die beiden jugendlichen Protagonistinnen mit einem enormen Erbe aus, das diese in "Dark Angels' Summer - Das Versprechen" zwar allmählich erfassen, aber von vornherein zum Scheitern verurteilt sind. 
Eine Fortsetzung drängt sich auf, denn alles in allem blieb ich nach der Lektüre unbefriedigt zurück, werde aber zumindest den zweiten Band Dark Angels' Fall - Die Versuchung noch lesen.


Fazit: 
Geheimnisvoller Auftaktroman, der das Thema "gefallene Engel" neu verpackt, den jungen Protagonistinnen das Gewicht der Welt auferlegt und weniger "große Liebe" zu bieten hat, als der Klappentext glauben machen will. Ein neugierig machender Auftakt, dem jedoch Kürzungen und weniger offene Fragen ganz gut getan hätten. 


Gesamteindruck (eigentlich 3,5, aber ich runde wegen des deutlichen Potenzials für die kommenden Bände auf)
4 von 5 Weißdornzweigen







  • Gebundene Ausgabe: 475 Seiten (mit Schutzumschlag und Lesebändchen)
  • Verlag: Arena (Januar 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3401067842
  • ISBN-13: 978-3401067841
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 - 17 Jahre
  • Größe und/oder Gewicht: 21,6 x 16,2 x 5,4 cm 
  • Neupreis:  18,99 €
Band 2 Dark Angels' Fall - Die Versuchung erscheint im August 2012.

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