Montag, 9. April 2012

... über "Das Geheimnis der Flamingofrau" von Laura Lay

Lektüre ab 18!
 Laura Lay

Mysteriös, subtil erotisch und gekonnt erzählt 


Zum Inhalt: 
Man tuschelt im beschaulichen Hainburg. Selbst vor dem Lehrerzimmer machen die Gerüchte nicht halt. Tania von Rosenfels heißt die Dame, über die man spekuliert. Zugezogen war sie vor Kurzem in das Haus am Stadtrand, niemand kennt sie, aber jeder weiß, irgendetwas zu berichten. Von ausschweifendem Lebensstil, zahllosen Liebhabern bis hin zu Freitod wegen verschmähter Liebe. Teilzeit-Deutsch- und Biolehrer und Nebenjob-Journalist Christian Konrad interessiert das alles herzlich wenig. Auch nach der ersten Begegnung mit der mysteriösen Tania von Rosenfels zeigt er sich wenig beeindruckt. Auch sie bekundet kein sonderliches Interesse an dem recht durchschnittlichen Mann. Zufällig kreuzen sich ihre Wege erneut, wobei Christian auf Tanias Begleitung, die mädchenhaft unschuldige Luise, trifft, die ihm von Tania auf reizvolle Weise schmackhaft gemacht wird ... 
In der zweiten Handlung von Laura Lays erotischer Erzählung lernt der Leser den Schriftsteller Leon Walsky kennen, der sich aktuell in einer sehr prekären finanziellen Lage befindet. Obwohl er schon einmal einen Preis erhalten hat und sein neues Buch bei seinem Agenten begeisternd Anklang findet, will es kein Verlag. Walsky steht am Rande des Bankrotts. Den Traum, vom Schreiben zu leben, kann er sich wohl abschminken. Doch eines Tages erreicht ihn ein verlockendes Angebot einer gewissen Tanja R. Gegen eine prompte und geradezu fürstliche Entlohnung soll er für sie nach ihren Anweisungen eine erotische Geschichte verfassen. Und so setzt er sich denn, zunächst von seiner Verzweiflung, dann aber vom Reiz des Unbekannten getrieben, mit dem Laptop in den Park und schreibt, während er eine junge Frau am Flamingogehege beobachtet, eine Geschichte. Die Geschichte, in der der unspektakuläre Christian Konrad der großstädtischen, mysteriösen Tania von Rosenfels begegnet ...

Meine Meinung: 
Ich möchte vorausschicken, dass die Autorin Laura Lay mit einer Rezensionsanfrage an mich herangetreten war. Wie ich aber hier im Blog jedoch schon häufiger erwähnt habe, nehme ich höchst selten Rezensionsexemplare an, weil ich grundsätzlich meinen Lesestoff selbst aussuchen möchte. Nun überschnitt sich die Anfrage der Autorin noch mit meinen Urlaubsvorbereitungen, sodass ich mich nicht weiter damit befasste. Als sich dann aber der Kindle als Echtbuchersatz während des Urlaubs regelrecht aufdrängte, schaute ich mir Das Geheimnis der Flamingofrau noch einmal genauer an. Überzeugt, dass diese Erzählung für mich geeignet wäre, war ich allerdings immer noch nicht, denn ich bin eine recht vorsichtige, blumige, romantische, liebevolle Erotikleserin und habe, offen gesagt, mit Unterwerfung, Dominanz und BDSM so meine Schwierigkeiten. Zudem könnte der Titel eine paranormale, eventuell eine Gestaltwandlerstory vermuten lassen, was hier aber ganz und gar nicht der Fall ist.
Ich habe mir also die Leseprobe heruntergeladen, denn eine Einordnung in Kategorien bzw. Verschlagwortung sagt ja noch lange nichts über die Umsetzung aus.
Wer sagt denn, dass es nicht möglich ist, Themen, die man aufgrund diverser Missgriffe nicht bevorzugt, nicht doch überraschend ansprechend verarbeitet werden können?
Der gesunden Neugier sei dank, war ich rasch vom Erzählstil der Autorin überzeugt und kaufte mir die 50-seitige Erzählung.
2,79 € sind nun wirklich nicht die Welt und in Das Geheimnis der Flamingofrau bestens angelegt.

Laura Lay, die auf einige Erfahrung als Autorin zurückblickt und unter diesem Pseudonym ergänzend zu ihrer traditionellen Autorinnentätigkeit im Publikumsverlag nun mit Das Geheimnis der Flamingofrau neue Wege beschreitet, erzählt hier eine Geschichte in der Geschichte, eine Geschichte, die bewusst erotisch ist, aber nicht ausschließlich um der Erotik willen existiert. Gerade letzteres ist oft ein Kriterium, das einen Erotikroman etc. bei mir schnell ins Aus befördert.
Die Rahmenhandlung ist im Grunde die Geschichte des Schriftstellers Leon, der sich erfolgreicher wähnt als er ist und der nun die erotische Story um Tania von Rosenfels stricken muss, um die Miete zahlen zu können. Damit wird er zur Marionette seiner Auftraggeberin Tanja R., die ihn nicht nur subtil zum Schreiben anweist, sondern ihn Schritt für Schritt an die Flamingofrau, die er Tag für Tag im Park beobachtet, heranführt, bis man meinen möchte, dass auch in diesem realen Part der Erzählung eine ganz eigene Menage (vielleicht à deux oder à trois?) entstehen könnte. Vielleicht spielt aber nicht Tanja R. mit Leon Walsky, sondern die Autorin mit dem Leser?
Der eigentliche erotische Handlungsstrang bleibt jedenfalls der von Leon erzählten Geschichte vorbehalten.
Dabei wird deutlich, dass es der Autorin keineswegs auf die Abhandlung und Aneinanderreihung erotischer Details ankommt, sondern sie tatsächlich eine Geschichte erzählt, die eine Beziehung zu den Figuren ermöglicht.
Daraus entsteht eine vergleichsweise ruhige und sanfte Erzählung, die einerseits auf hektische oder übertrieben, andererseits aber auch auf überflüssige Handlungen verzichtet und nur das Wesentliche zeigt und vornehmlich empfinden lässt.
Laura Lay zeichnet ein recht lebensnahes Bild des kleinstädtischen Milieus, in dem Empörung hinter vorgehaltener Hand zum Ausdruck gebracht wird, das Neue, Unbekannte aber umso reizvoller wird.
Genau dies verkörpert die elegante Tania von Rosenfels, die sich so unnahbar gibt und einen gewissen Wohlstand reflektiert, der sich für eine alleinstehende junge Frau gar nicht gehören kann.
Genau wie die "reale" Auftraggeberin Tanja R. ein Spiel mit dem armen Schreiberling zu spielen scheint, genießt von Rosenfels ihrerseits ihre Position als Puppenspielerin. Sie lässt den uninteressanten Lehrer, der ihrer nicht würdig scheint und eigentlich auch gar nichts von ihr will, am langen Arm verhungern, verweigert ihm sogar einen Tanz, nur um ihm dann bei nächster Gelegenheit die vermeintlich scheue, unterwürfige Luise zu präsentieren, die wiederum mit ihrer Mädchenhaftigkeit nicht unbedingt ins Beuteschema des Lehrers fällt. Geschickt hält sie die Fäden in der Hand, spielt mit Luise und dem Lehrer Christian, um sie nach ihrem Willen zu formen und schlussendlich zu einem pikanten Schäferstündchen zu dritt zusammenzuführen.
Leise, hintergründig, mit verstohlenen Blicken, kleinen Berührungen, kurzem Schmerz lässt sie unausgesprochene, vielleicht nicht einmal gekannte intime Wünsche oder Phantasien an die Oberfläche treten.
Durch die Ich-Perspektive des Lehrers Christian Konrad der "erfundenen" Geschichte gelingt der Autorin, die Distanz zu den Figuren zu nehmen und ins Geschehen zu saugen, während der Leser durch die auktoriale Erzählung des Parts um Leon in eine eher voyeuristisch-beobachtende Position versetzt wird, die jedoch nicht minder neugierig macht.

50 angenehme Seiten und 14 Kapitel, die viel zu schnell vorbei sind und gar nicht mehr so subtil nach Fortsetzung schreien.

Fazit: 
Geschickt erzählte 2-in-1-Geschichte mit gut dosierter Erotik und ungekünstelten Charakteren.
Ideal für Liebhaber erotischer Erzählungen, die ohne Plattitüden und laut-explizite Handlungen Sinnlichkeit entfalten. 
Wer Wert auf Stil, natürliche, unübertriebene Figuren und sanfte Erzählweise legt, ist hier genau richtig. 

Gesamteindruck 
5 von 5 Weißdornzweigen





E-Book-Daten
  • Format: Kindle Edition
  • Dateigröße: 143 KB
  • Sprache: Deutsch
  • Umfang: ca. 12.000 Wörter, 75.000 Zeichen, 50 Seiten
  • Preis: 2,79 €

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