Mittwoch, 18. April 2012

(Junge) LeserInnen und Serienwerke

Eine Lehramtsstudentin der Universität Wien ist an einige Blogger herangetreten, so also auch an mich, mit der Bitte um Teilnahme an einer Umfrage im Rahmen ihrer Proseminar-Arbeit zum Thema "Junge LeserInnen und Serienwerke". 
Ziel ist es, zu ermitteln, warum ausgerechnet Serienwerke so beliebt sind, und welche Beweggründe zum Lesen veranlassen. 
Nachdem ich vorsichtig rückgefragt habe, ob ich noch jung genug bin, denn insbesondere die in der letzten Frage aufgeführten Titel fallen ja eher unter YA, möchte ich die junge Dame natürlich unterstützen. (Ich erinnere mich nämlich noch gut an meine Diplomarbeitszeit und die unzähligen Körbe, die ich mir eingefangen habe, als ich verschiedene Adressaten um Unterstützung bat.) 
Also dann, legen wir mal los: 

- Liest du eher Serienwerke oder Einzelbände? (als Serienwerke gelten hier: ab einer Trilogie aufwärts)

Nach Möglichkeit in sich geschlossene Einzelbände, maximal aber Trilogien.


- Warum?
 
Das ist eine gute Frage. Eigentlich bin ich nämlich ein Serienjunkie. Ich verfalle regelmäßig allerlei Fernsehserien und kann kaum die nächste Folge abwarten. 
Beim Medium Buch allerdings ist diese Leidenschaft in den letzten beiden Jahren sehr zurückgegangen. Ein Grund ist, dass sämtliche Reihen, die ich einmal begonnen habe, aus dem englischsprachigen Ausland kommen, sodass übersetzungsbedingt eben pro Jahr ein Buch, höchstens zwei Bände hierzulande veröffentlicht werden. Bei Reihen, die bereits länger laufen, bin ich daher dazu übergegangen, die Romane im englischen Original zu lesen, bis buchstäblich die Luft heraus war. 
Im Gegensatz zu Trilogien haben nur recht wenige Reihen/Serien (zumindest von denen, die ich lese) einen Hauptcharakter (oder mehrere wichtige Protagonisten), der die Reihe über mehrere Bände trägt und dessen Entwicklung man bereitwillig über mehrere Lesejahre hinweg verfolgen möchte. Häufiger werden Clans, Bruderschaften, Familien und dergleichen thematisiert und aus diesen für jeden Einzelband ein Charakter ausgewählt, um dessen Geschichte zu erzählen. Dass man dabei nicht jeden Charakter mag, ist natürlich normal, aber wenn ich das Gefühl habe, dass plötzlich Nebencharaktere, die vor gefühlten zwanzig Jahren einmal in Band 1 erwähnt wurden, zum Hauptdarsteller befördert werden, nur um Band 13 einer Reihe durchzuboxen, fühle ich mich beim Lesen einfach nicht mehr wohl. 
Qualitativ habe ich ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Manche Autoren wachsen mit jedem Folgeband über sich hinaus, während man anderen anzumerken meint, dass sie sich mit ihren eigenen Protagonisten nicht so recht "grün" sind, sie aber "verwursten" müssen, weil sie gerade dran sind.
Ein weiterer Grund, warum ich keine Reihen mehr lesen möchte, ist die Zeit, die zwischen den Erscheinungsterminen liegt. Obwohl ich mich nicht als echten Vielleser bezeichnen möchte, weil es Monate gibt, in denen ich gerade mal ein einziges Buch schaffe, neige ich nach einer Weile dazu, zu vergessen, worum es im letzten Band ging. Das ist natürlich vor allem bei Serien, die unbedingt in Folge gelesen werden müssen, fatal, und es stört ungemein den Leseeindruck, wenn man sich ständig fragen muss: "Wie war das doch gleich?"
Ein nicht zu verachtender Faktor ist außerdem der finanzielle Aufwand, vor allem, wenn ein Roman, der im Original nur ein Einbänder ist, im Deutschen aus Marketing- und Übersetzungsgründen in zwei Bänden erscheint. 
Ich kann natürlich nachvollziehen, dass Reihen für einen Verlag auch eine gewisse Kundenbedingung mit sich bringen. Als Leser bange ich dennoch bei jeder Reihe um deren Fortsetzung. Ich habe den Eindruck, dass die Reihen, die bei uns am Markt erhältlich sind, in erster Linie aus dem Ausland stammen, sodass deren Fortsetzung hierzulande (und natürlich auch im Original) sehr wohl erfolgsabhängig ist. Ist die treue Fangemeinde wirtschaftlich zu klein, kann es also passieren, dass eine Reihe eben nicht mehr übersetzt wird. Dann sitzt man enttäuscht da, wenn man sich an das Original nicht herantraut. Ich lese zwar im Original, bin aber, nicht nur, weil ich selbst Übersetzerin bin, überzeugt, dass Übersetzungen eine Daseinsberechtigung haben und, entgegen den omnipräsenten Stimmen, die eine einzige Sprache als Bindeglied fordern, gerade in einer globalisierten Welt notwendig sind. Deshalb stimmt es mich traurig, wenn Übersetzungsleser plötzlich auf dem Trockenen stehen, weil Reihen aus wirtschaftlichen und finanziellen Gründen hierzulande nicht mehr erscheinen können.
Oft lese ich das Argument: "Ich lese lieber Reihen, weil man sich da besser in den Charakter hineinfühlen und dessen Entwicklung hineinfühlen kann." Mir selber fallen allerdings nur ganz wenige Reihen ein, die sich nur einem Charakter widmen. Eine Trilogie oder eine Trilogie ist für mich per se noch keine Reihe - eine Miniserie vielleicht. Auch fallen mir im Jugendbuch- bzw. YA-Bereich lediglich Richelle Mead und P. C. Cast mit echten Reihen ein. 
Mittlerweile stört mich, dass Neuerscheinungen hin und wieder gar nicht mehr ausgiebig als Start einer neuen Reihe promoted werden. Man tappt, wenn man sich - wie ich, weil ich keine Zeit dazu habe - mit den Herkunftsmärkten nicht auseinandersetzt bzw. keine ausgiebigen Neuerscheinungsrecherchen anstellt, blindlings in Trilogien und Reihen hinein. Man erkennt an ungelösten Handlungsbögen, noch blassen Figuren, dass da zwangsläufig noch was kommen muss. Blöd ist es dann nur, wenn, und das ist heute auch recht häufig, ein Werk selbst im Original noch keine Fortsetzung hat, sondern quasi parallel in Original und Übersetzung erscheint. Und wieder sitzt man und wartet.

Aus diesen Gründen lese ich inzwischen viel lieber Einzelromane, auch wenn die offenbar wie die Nadel im Heuhaufen gesucht werden müssen. 
An Stand-alone-Geschichten reizt mich außerdem, dass ich gerne Autoren außerhalb ihres Serienuniversums lese. Innerhalb von Reihen entwickelt sich ja ein spezifischer Ton, der dem Setting und den Protagonisten geschuldet ist. Deshalb will ich auch gerne wissen, was die betreffenden Autoren noch so "können", wenn sie einmal ihre Serienwelt verlassen dürfen.
Anders herum können natürlich Einzelromane auch Anreiz geben, mehr von diesem Autor lesen zu wollen, oder gar den Wunsch nach Geschichten um einen interessanten Nebencharakter laut werden lassen. 
Auch bedeutet Einzelroman nicht gleichzeitig, dass die Charaktere keine Gelegenheit bekommen sich zu entfalten oder dass das Buch somit viel zu lang würde, denn es liegt schließlich am Autor, ob er in der Lage ist, eine Geschichte kurz und schlüssig zu erzählen und alle losen Enden miteinander zu spinnen, und das auf maximal 400 Buchseiten. 
Ich glaube tatsächlich, dass unser Leseverhalten inzwischen von Serien und Reihen (und zwar nicht nur in Buchform) derart beeinflusst wird, dass unsere Bereitschaft für Stand-alone-Geschichten, die in sich geschlossen sind und keine Fortsetzung haben werden, sinkt.

Ein paar Beispiele  für Reihen, die ich inzwischen abgebrochen habe: 


- J. R. Ward - Black-Dagger-Serie
Habe ich vorerst abgebrochen nach Lover Avenged, weil ich mit dem Hauptcharakter, der zuvor schon aufgetreten war, einfach nicht warm wurde und schlichtweg die Lust verlor. Die Nachfolger stehen übrigens im Regal für den Fall, dass ich wieder Lust bekomme. 


- Lara Adrian - Midnight-Breed-Serie 
Pausiert seit Shades of Midnight, wobei ich das schon nur gelesen habe, weil ich an der Reihe dranbleiben wollte, egal, wie sehr mich Ashes of Midnight aufgrund der vollkommen unsympathischen Zeichnung des Protagonisten dieses Bandes enttäuscht hatte. 

- Charlaine Harris - Sookie-Stackhouse-Serie
Liegt seit Band 5 auf Eis, weil ich mit der Buch-Sookie nicht zurecht komme. 

- Yasmine Galenorn - Die Schwestern des Mondes
Die ersten drei Bände habe ich als Hörbuch gehört, um die Schwestern kennenzulernen, dann aber habe ich entschieden, dass diese Kombination aus Real- und Anderwelt mit ihren On-and-Off-Beziehungen und Drumherum so gar nichts für mich ist.

- Jeaniene Frost - Night-Huntress-Serie (Cat und Bones)
Vier Bände und zwei Spin-offs gelesen. Nachdem die Autorin mit den Spin-offs zeigt, dass sie nicht nur aufsässig und in der Ich-Form kann, habe ich merkwürdigerweise keine Lust mehr auf die eigentliche Hauptreihe. 

- Mary-Janice Davidson - Betsy-Taylor-Serie
Eine Reihe, die (wie Sookie und Cat) eine Protagonistin über mehrere Bände begleitet und somit Einblick in deren Entwicklung gewährt. Allerdings hat diese den Nachteil, dass sie eine ziemlich nervige Zeitgenossin ist, was eine Menge Toleranz und Leidensbereitschaft vom Leser abfordert. Ich darf stolz verkünden, dass ich alle bislang auf Deutsch erschienenen Bände kenne. Uff. Durchgehalten!

- Lynn Viehl - Darkyn-Serie
Das ist ebenfalls eine Serie, die ich auf Deutsch verfolge und die ich auch nach 4 Bänden noch nicht aufgegeben habe. Vorteil hier: Es wird eine fortlaufende Geschichte erzählt, die nicht unter den Tisch fällt, auch wenn jeder Band eigene Protagonisten hat. Die Hauptcharaktere des Auftaktbandes spielen jedoch immer wieder eine wichtige Rolle und sorgen für eine Verknüofung des großen Ganzen. Das gefällt mir sehr gut, sodass ich dieses Jahr auf jeden Fall Band 5 und 6 absolvieren werde. 

Ich habe diverse Bücher gelesen, die als Auftakt einer neuen Reihe angepriesen wurden, aber noch zu "frisch" sind, als dass ich heute sagen könnte, ob ich sie weiterverfolgen werde. Meistens bekommt wenigstens Band 2 noch eine Chance. 

- Welche Art von Literatur ließt du am Liebsten?

Romance verschiedenster Art (Contemporary, Paranormal, Romantic Suspense), Urban Fantasy, klassische Fantasy in sehr dosierten Maßen, generell Unterhaltungsliteratur, aber auch Belletristik. Ich lese tatsächlich auch sehr gerne Kinderbücher, ganz gleich ob Märchen oder Abenteuergeschichten. Allgemein bin ich nicht sehr festgelegt. Lesen ist bei mir immer stimmungsabhängig. Allerdings bin ich überhaupt kein Krimifan. 

- Hast du eines der folgenden Werke gelesen (kann auch nur ein Band sein)?
Wenn ja, warum? Wenn nein, warum nicht?

 
Joanne K. Rowling- Harry Potter 

Okay, mein großes Banausen-Outing: 
Nein. 
Ich habe "Harry Potter und der Stein der Weisen" auf Empfehlung einer Freundin relativ kurz nach Erscheinen angelesen. Damals war ich aber überhaupt nicht in magischer Leselaune und hatte überhaupt keine Lust auf Schulgeschichten. Mit dieser seltsamen Grundeinstellung wurde ich mit dem Buch nicht warm und habe es recht bald zurückgegeben. Ich glaube, wir starten einen neuen Versuch, wenn Sohnemann soweit ist.

Suzanne Collins- Die Tribute von Panem 

Nein.
Das liegt zum einen daran, dass ich a) sehr selten YA-Bücher lese, b) mich noch nicht für Dystopien erwärmen kann und c) mir der Hype inzwischen zu bunt ist, dass ich mich jetzt erst recht stur stelle :-) (ich hasse Hypes!)

Kerstin Gier- Die Edelstein-Trilogie (Rubinrot, Saphirblau, Smaragdgrün) 

Nein.  
ABER: Ich besitze die Trilogie, habe es aber bis heute nicht geschafft, sie zu lesen. (Wahrscheinlich, weil ich sowieso nie das lese, was alle gerade lesen :-)) 
Ich glaube, Kerstin Gier ist auch eine der wenigen deutschen Autorinnen, die tatsächlich eine YA-Trilogie schreiben durften. 

Cornelia Funke- Die Tintenherz-Trilogie (Tintenherz, Tintenblut, Tintentod) 

Nein.
Vielleicht habe ich etwas verpasst, vielleicht auch nicht, aber ich muss ehrlich sagen, dass mich die Trilogie nicht reizt.

Stephenie Meyer- Die Bis(s)zum...-Serie (Twilight, New Moon, Eclipse, Breaking Dawn) 

Ja.  
Ich gestehe, dass ich keine Ahnung hatte, was Twilight ist und warum zum Geier alle darüber sprachen. Dann rutschte ich aber aus heiterem Himmel in die Admin-Position in einem Online-Vampirbuchclub, und da wäre ich wohl im Boden versunken, wenn ich nicht hätte mitreden können. Also habe ich mir den englischen Schuber gekauft und in einer Woche durchgelesen. Ohne den Buchclub hätte ich die Tetralogie (und die ergänzende Novelle) wohl nicht gelesen. 

Keine Kommentare:

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...