Sonntag, 1. April 2012

Im Land der Frühaufsteher ...

... steht man eben auch in den Schulferien früh auf. 
Blöder Spruch, aber ohne den im Kind fest eingebauten Schulwecker hätten wir heute etwas verpasst.
Wie ich in meinem Posting vom vergangenen Sonntag bereits erwähnt habe, bietet das Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz recht regelmäßig geführte Wanderungen zu diversen Themen an. 
In den letzten drei Tag schlug das Wetter allerdings solche Kapriolen, dass ich schon gar nicht mehr zu hoffen wagte, dass wir die heutige Sonntagswanderung tatsächlich wahrnehmen könnten. 
Aber ganz nach der Devise, dass es im Harz kein schlechtes Wetter gibt, sondern nur unzweckmäßige Kleidung, wird hier wegen des Wetters schon mal gar nichts abgesagt. 
Weil die liebe Sonne wusste, dass ich wieder mal auf Regionalerkundungstrip bin, hatte sie ein Einsehen und kroch pünktlich zur Schulaufstehzeit ebenfalls aus den Federn. 
Sie hatte allerdings vergessen, den restlichen Sachbearbeitern in der Wetterproduktion Bescheid zu sagen, denn als wir - nach dem Zwiebelprinzip und matschsicher eingepackt - pünktlich um halb 8 ins Auto hüpften, war es sch..., pardon, bitterkalt. 
Also das Kind passend zum April noch rasch in Handschuhe gepackt, und auf ging's in den Wald zwischen Rottleberode und Stolberg. 
Wie es sich gehört, waren wir wieder mal die letzten, aber pünktlich ist pünktlich. 
Sohnemann sorgte für einen enormen Abfall des Durchschnittsalters der ca. ein Dutzend Teilnehmer und bekam direkt einen blauen Plasteeimer in die Hand gedrückt.
Warum?
Ach ja, ich vergaß ... 
Wir waren heute auf Krötenwanderung. 
Und das war eine echte Premiere, sogar für mich. Nicht nur, weil ich keine Kröte bin, sondern weil es bisher, ehrlich gesagt, auch nicht interessiert hat, war ich nämlich noch nie auf einer Amphibienwanderung. 
Der Harz hat eine recht große Artenvielfalt an Amphibien, die von der Erdkröte bis zum Feuersalamander reicht, und genau jene Amphibien sind eben jetzt auf Wanderschaft zu ihren angestammten Laichgewässern. 
Ihr Winterquartier haben sie aber so gewählt, dass sie einmal über die Straße müssen, bevor sie in ihren Lieblingsteich hüpfen können. Sie müssen nicht nur über die Straße, sondern zuvor auf dem größten Teil der Strecke auch einen hübsch steilen Felsen hinunter. 
Damit möglichst viele Erdkröten unbeschadet das Ziel erreichen, wurden überall in der Region Amphibienzäume aufgestellt, die von Mitarbeitern des Biosphärenreservats täglich "abgegrast" werden. 
Heute durften wir nun also mit, um sozusagen Geburtshilfe zu leisten und Kröten und andere Amphibien hinunter zum Teich zu bringen. 
Dass uns nicht allzu großer Erfolg beschieden sein würde, war vorprogrammiert, denn in der Nacht war es recht kalt gewesen, sodass man nachvollziehen kann, wenn die Amphibie, wechselwarm, wie sie nun einmal ist, von der Wanderunlust und entsprechender Starre befallen wurde. 
Vorn: Bergmolch, Torkler hinten: Fadenmolch
Pfad, Laub und Amphibienzaun waren von Rauhreif überzogen. 
Da wir hier vornehmlich Buchenwälder mit ein paar verirrten Eichen haben, war der Boden, weil Buchenblätter mit dem Thema Verwittern auf Kriegsfuß stehen, entsprechend rutschig, aber es hat ja auch niemand gesagt, dass die Krötentransportaktion ein Kinderspiel wird. 
Wir wanderten also aufmerksam am grünen Zaun entlang, schauten in die aufgestellten Eimer, aber lange Zeit war nichts zu sehen. 
Bergmolch über Kopf
Dann aber fanden sich ein Bergmolch und ein Fadenmolch an.  
Beide waren mir unbekannt - ehrlich, ich bin total molchunbeleckt und habe noch nicht einmal einen Feuersalamander gesehen, obwohl es die hier recht häufig geben soll - deshalb war ich auch überrascht, wie klein die Tierchen sind. 
Beide Exemplare wurden als Weibchen identifiziert, was beim Fadenmolch nicht ganz so einfach war, weil die gute Dame recht klein war. 
Fragt mich nicht, was der Fadenmolch da macht
Das fehlende Fädchen am Schwänzchen verriet sie dann aber, denn das charakteristische Fädchen haben wohl nur die Herren unter den Fadenmolchen. 
Da ich einerseits damit beschäftigt war, Fotos zu schießen (von denen nachher doch 80% unscharf waren), und andererseits ein Auge darauf haben musste, dass Sohnemann nicht den Berg runterkullerte, habe ich die vielen Informationen, die uns so sachkundig vermittelt wurden, gar nicht alle erfassen können, sodass ich mir erlaube, zu den entsprechenden Wikipedia-Artikeln zu verlinken. 
Da ich eher Blumenfotograf bin, weil die besser stillhalten als Getier, wurmen mich zwar die unscharfen Bilder, aber wir wollen ja keinen Blumentopf gewinnen. 
Umgedreht zur Geschlechtsidentifizierung
Mein Sohn bekam also  Bergmolch und Fadenmolch (beide lt. BNatSchG besonders geschützt) in seinen Eimer und hatte damit jede Menge Verantwortung zu tragen. 
Wenige Eimer weiter gesellte sich noch ein Fadenmolch-Männchen dazu. 
Tatsächlich dauerte es fast bis zum Ende des - ich glaube, 500 m langen - Zauns, bis wir das fanden, wofür er eigentlich errichtet wurde: Erdkröten. 
Nach Angaben der Mitarbeiterin des Biosphärenreservats sind dieses Jahr recht viele Kröten unterwegs, denn während sie letztes Jahr nur 1000 sicher hinüber zum Teich transportiert hatten, haben sie in diesem Jahr diese Zahl bereits erreicht und es ist mit mehr zu rechnen. 
Herr Fadenmolch
Das Männchen hatte es sich bereits in Begattungs- und Transportposition auf dem Weibchen bequem gemacht. 
Buchstäblich umklammert hielt es die Gute. Aber so sichert sich die Kröte offenbar den Fortpflanzungserfolg, und die Dame darf schleppen. So sind sie, die Männer :-) 
Auch wenn in der Zwischenzeit die Sonne immer mehr hervorkam und den Wald in wirklich ganz zauberhaftes Licht tauchte, reichte ihre Kraft natürlich noch nicht aus, um den Rest der Amphibienpopulation aus der Starre herauszukitzeln, sodass wir mit der kleinen Ausbeute von einem Bergmolch, zwei Fadenmolchen und zwei Erdkröten hinüber zum Teich aufbrechen wollten. 
Das Erdkrötenpärchen
Aber ach, da entglitt meinem Sohn der Eimer. 
Rasch musste also der Bergmolch gesichert und zurückverfrachtet werden. 
Am Ziel angekommen, stellten wir dann aber, als wir die Tiere ins Wasser freisetzen wollten, fest, dass wir Frau Fadenmolch verloren hatten. Auwei. (Sohnemann schämte sich entsetzlich.) 
Sie muss nun den Weg noch einmal auf sich nehmen, aber vermutlich wird sie morgen beim täglichen Rundgang entdeckt. 
Im Klammergriff
Aufgrund der wetterbedingt kleinen Geburtshilfeausbeute war die Wanderung, die eigentlich auf 2,5 h ausgelegt war, bereits nach 1,5 h vorbei, sodass wir mit jeder Menge Infomaterial ausgestattet ganz schnell wieder zu Hause waren. Ich werde mir aber das Wanderprogramm noch einmal genauer ansehen, denn das letzte Mal haben wir ganz sicher nicht teilgenommen. Und wenn wir dafür früh aufstehen müssen, umso besser ...
 


Das Ziel: Laichplatz Teich

 

Nun wird's aber Zeit fürs Wasser. Die Kröte hat sich mitsamt Partner so schnell in den Teich verzogen, dass ich gar nicht mehr knipsen konnte :)
Auch für Herrn Bergmolch wird es Zeit ...
... und zuletzt ist der Fadenmolch dran.
Auf Wiedersehen!

1 Kommentar:

Miss Duncelbunt hat gesagt…

Molche sind was Feines ^-^
Früher hatten wir immer welche im Gartenteich, ich habe es geliebt, sie zu fangen :D

Liebe Grüße,
MissDuncelbunt

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