Dienstag, 24. April 2012

Im Gespräch mit Marie-Luis Rönisch - Teil 2

Heute möchte ich mein Online-Gespräch mit Jungautorin Marie-Luis Rönisch fortsetzen. 
Gestern hat sie bereits sich und ihren Roman "The Mavericks" vorgestellt. Heute bleiben wir auch beim Thema Schreiben und Bücher. 

SB: Wo wir gerade beim Thema Schule waren  ... Ist Schriftsteller sein dein großer Traum? Willst du einmal vom Schreiben leben können, oder möchtest du doch einem ganz traditionellen Beruf nachgehen? 

MLR: Nein, ich wollte nie eine Schriftstellerin werden. Anfangs schrieb ich als Hobby, später wollte ich den Menschen meine Ideen näher bringen und ihre Emotionen wecken. Klar wäre es schön, viele Leser und Veröffentlichungen zu haben und etwas Geld nebenher zu verdienen. Aber ich werde mich wohl in einen alltäglichen Beruf stürzen und hoffen, dass er mir eine gute Zukunft bringt. Mein Traum, den ich seit der 5. Klasse habe, war es, eines Tages Schauspielerin zu werden. Sehr absurd, vor allem wenn man aus einer Kleinstadt kommt. Ich halte nach wie vor daran fest, denn träumen ist erlaubt, so lange man die Realität nicht aus den Augen verliert. 

SB: Na klar, Träumen ist erlaubt. Träume gehören schließlich dazu. Und wer weiß, vielleicht ... eines Tages ... :-) Träumen wir ein bisschen weiter und widmen uns dem Thema Inspiration. Was inspiriert dich denn? 

MLR: In erster Linie die Natur. Sonderbare und mystische Orte die ich oft beim Spazierengehen mit meinen Eltern entdecke. Diese baue ich gerade aus meiner Gegend gerne in meine Geschichten mit ein. Ansonsten natürlich Filme und Musik. Wobei ich eher ein Filmfreak bin und mich oft durch gute Regieführung inspirieren lasse. Aber auch manche sonderbare Gegebenheiten in meinem Leben oder Träumen regen meine Fantasie an. 

SB: Wenn die Fantasie einmal auf Touren ist, schreibst du dann darüber, was die Fantasie in diesem Moment zu sprühen bringt bzw. worauf du Lust hast, oder schreibst du auch vorausschauend Geschichten, die vielleicht in einem Jahr interessant sein könnten?

MLR: Ich richte mich nicht nach der Gesellschaft oder einem Hype. Kommt mir eine Frage in den Sinn, träume ich etwas oder habe ich grundsätzlich eine gute Idee, richte ich mich danach und schreibe sie auf. Ich würde zum Beispiel niemals etwas beginnen zu schreiben, weil es mir jemand gesagt hat. Gut, dann gehe ich eben nicht mit der Zeit oder dem Trend. Ich denke, gerade als Schreiberin habe ich jegliche Freiheit, und diese möchte ich mir nicht nehmen lassen

SB: Verfolgst du im Schreibprozess dann auch deinen eigenen Stil? Bist du ein organisierter Schreiber oder schreibst du eher frisch von der Leber weg? Sind deine Ideen im Kopf immer schon von A bis Z fertig?

MLR: Ich plane immer alles im Voraus. Titel, Plot und die Figuren sind immer das Erste an einem Buch, was ich mir in meinem kleinen Heft notiere. Somit vergesse ich die Beschreibungen der Charaktere nicht. Anschließend plane ich jedes einzelne Kapitel durch. Ich habe mir selbst eine Art Regel festgelegt: Romane bestehen bei mir grundsätzlich aus 30 Kapiteln. The Mavericks ist eine Serie und hat deshalb nur 20. Kinderbücher werden niemals 15 Kapitel überschreiten, doch meistens werden es 10 bleiben. Viele Autoren schreiben, wie es ihnen in den Sinn kommt, und legen so etwas nicht im Voraus fest. Ich bin da anders. Die Geschichten und deren Fortsetzungen habe ich zwar schon fast alle notiert, aber sie spuken mir auch oft im Kopf herum, was ich manchmal sehr unterhaltend und amüsant finde.

SB: Das klingt ganz so, als würden dich Geschichten und Charakter immer gut mit Beschlag belegen. Wo findest du die Namen für deine Protagonisten und die Titel deiner Geschichten? 

MLR: Manchmal begegnet man einer Person im Leben und denkt sich, der Name ist wirklich sonderbar und einfach zu merken. Ich notiere mir ihn, und beim nächsten Buch wird er mit eingebaut. Es lassen sich aber auch gute Namen im Internet finden. So habe ich lediglich bei Jetztspielen.de ein wenig meine Zeit totgeschlagen und einige gute Usernamen entdeckt, so auch Alanya, welche die Hauptfigur in "Labyrinth der Tränen" wurde. Ich finde, bei Romannamen sollte jeder Schreiber aufpassen. Sie sollten zwar besonders, aber auch einfach gehalten werden, damit sich die Leser diese gut merken können. Deshalb bevorzuge ich auch kurze Namen wie Faye, Any, Rick, Jason, Elena ...
Die Titel müssen schon etwas über die Buchidee aussagen. Bei „The Mavericks“ geht es in erster Linie um den Zusammenhalt von unterschiedlichen Wesen die eigentlich Todfeinde sein müssten und dennoch zueinander finden. Jeder Einzelne von ihnen wurde von der eigenen Art für den Verrat verstoßen und somit werden sie zu den „Einzelgängern“. Ich denke, „Blood of Love“ deutet perfekt auf einen Vampirroman hin, und „Ilolis – Die Verstoßenen“ wurde nach einem Volk benannt und dessen Situation. 

SB: Uff! Endlich mal eine Autorin, die einfache Prota-Namen bevorzugt. Ich gehöre nämlich zu den Lesern, die sich zu lange und aussprechbare Namen nicht merken kann. Mir ist aufgefallen, dass deine Titel hin und wieder, wenn auch nicht immer auf Englisch sind. Warum wählst du englische Titel für deine Werke? Passt das deiner Meinung nach am besten zu deiner Zielgruppe oder ist das derzeit eben einfach nur "in"?

MLR: Ich wähle nicht immer englische Titel. Nur wenn die deutsche Version ein wenig unspektakulär klingt ^^.

SB: Stimmt auch wieder :-) 
Wenn ich bei dir auf Facebook mitlese, dass wieder eine Kurzgeschichte von dir erscheint, freue ich mich immer und staune aber auch, wie produktiv du bist. 
Erlebst du eigentlich auch mal die berühmten und gefürchteten Schreibblockaden oder könntest du immer und überall schreiben, wenn du denn Zeit hättest? Brauchst du eine bestimmte Atmosphäre, oder gibt es etwas, das dich beim Schreiben stört? 

MLR: Ich habe selten Schreibblockaden, weil ich immer genau weiß, was ich aussagen möchte. Ich könnte somit immer schreiben, wann ich die Zeit dazu finde. Was mich stört, ist Lärm. Ich brauche absolute Stille beim Schreiben, denn erst dann finde ich mich in meine Erzählungen hinein. Dann spiele ich alles wie einen Kurzfilm in meinem Kopf ab und nutze die Tasten, um es festzuhalten. 

SB: Das kenne ich gut. Ich bin auch eher ein Stillschreiber. 
Du scheinst vor Ideen zu sprühen, und wenn du in jeder freien Minute schreibst, bleibt sicher kaum Zeit für anderes. Schaffst du es, daneben noch zu lesen, oder schaust du lieber mal einen Film oder Fernsehserien? Schreibst du das, was du liest bzw. siehst bzw. was du gerne selbst lesen möchtest?

MLR: Ich lese, um ehrlich zu sein, eher weniger. Die Zeit fehlt mir leider. Am Liebsten schaue ich fern, gehe ins Kino oder verfolge meine Lieblingsserien: LOST, Supernatural, … Und ja, ich schreibe stets das, was ich selbst gerne im TV sehen oder lesen würde.

Noch ein paar Fragen habe ich in petto. Diese stelle ich dann morgen. Auch ihr habt noch Gelegenheit, Marie-Luis auszuquetschen. Kommentare sind nach wie vor willkommen!  

Keine Kommentare:

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...