Donnerstag, 1. März 2012

Top Ten Thursday #53 - Eure 10 liebsten Märchen

Ich verfolge auf einigen Blogs mehr oder weniger regelmäßig den Top Ten Thursday von Alice, mitmachen wollte ich aber bis jetzt nicht. 
Heute lautet das Thema:
"Eure 10 liebsten Märchen". 
Diesem Thema kann ich einfach nicht widerstehen. 
Seit ich flüssig lesen kann - und das sind ja nun schon ein paar Jahre :-) - habe ich immer Märchen gelesen. Mein Regal steht voll mit Sammelbänden nationaler Märchen und Sagen. Nicht alle sind romantisch, einige sogar vordergründig brutal, manche sind traurig, etliche amüsant, eine nicht überraschende Zahl ist sprachlich kompliziert und antiquiert (liegt am Alter meiner Bücher), langweilige gibt es auch, ebenso unverständliche, aber trotzdem greife ich in unregelmäßigen Abständen zu diesen Büchern. Ohne Märchen würde  mir einfach etwas fehlen. 
Die Bilder, die ich zur Untermalung dieses Posts verwendet habe, sind Scans aus meinem Märchenbuchschatz.   
  1. "Die Schlange mit dem goldenen Horn" aus: "Die Gaben der Völker", Verlag Neues Leben, Berlin 1952, mit Illustrationen verschiedener Künstler, hier: Gerhard Gossmann,
  2. "Die tausendzöpfige Schöne" aus: "Die Märchenkarawane - Aus dem usbekischen Märchenschatz", Verlag Kultur und Fortschritt, Berlin 1959, ebenfalls mit Illustrationen von Gerhard Gossmann, 
  3. "Das Märchen vom silbernen Teller und dem goldenen Apfel" aus: "Die Wunderblume und andere Märchen der Völker der Sowjetunion" aus dem Verlag Kultur und Fortschritt, Berlin 1955, mit Illustrationen von Gerhard Gossmann.
Es fällt mir zwar schwer 10 Lieblingsmärchen herauszukristallisieren, denn es gibt einfach zu viele Märchen, die ich sehr mag.
Aber weil es nun mal Top Ten heißt, kommen hier also 10 Märchen, denen ich keine Beliebtheitsreihenfolge zuordnen möchte. 
Selbstverständlich mag ich auch die Klassiker, wie "Aschenputtel", "Dornröschen", "Froschkönig" usw., aber diese möchte ich gar nicht in erster Linie nennen, sondern mich auf Märchen konzentrieren, die nicht ganz so populär sind und die aber auf jeden Fall zu meinen Top 20 zählen.
Es tut mir leid, wenn ich spoilere, aber da ich davon ausgehe, dass einige Märchen überhaupt nicht bekannt sind, habe ich mich zu einer Inhaltsangabe entschlossen. Außerdem habe ich zur Information zu Wikipedia verlinkt.

"Schneeflöckchen", ein bekanntes russisches Märchen, in dem es um ein älteres Paar geht, das sich aus Schnee ein Kindchen formt, das für die kurze Zeit des Winters zu Leben erwacht und den beiden ein Glück schenkt, auf das sie so lange vergebens gewartet haben. Es gibt mehrere Versionen dieses Märchens, die bekannteste kann hinter diesem Link [klick] nachgelesen werden. 
"Die Schlange mit dem gelben Horn" ist ein abenteuerliches italienisches Märchen, das von Loyalität und Freundschaft trotz Standesunterschieden erzählt und lehrt, dass man, hat man ein Untier erlegt, dafür sorgen sollte, sämtliche Überreste unwiederbringlich loszuwerden, und dass guter Rat nicht nur gut gemeint ist, sondern beherzigt werden sollte.
Zum Inhalt: Ein kinderloses Königspaar bekommt den Rat, den Seedrachen zu töten, dessen Herz herauszunehmen und von einer jungen Blonden kochen zu lassen. Diese solle es dann gemeinsam mit der Königin verzehren, woraufhin sie einen Knaben gebären solle. Gesagt, getan, aber nicht allein die Königin, sondern auch die junge Fischersfrau, die man für diese Aufgabe gefunden hatte, gebären Söhne, die fortan wie Geschwister aufwachsen und einander in allem gleichen. Leider ist die Königin nach einiger Zeit eifersüchtig, dass der Fischerjunge genauso behandelt wird wie ihr eigener Sohn. Der feinfühlige Fischerjunge Cannolora spürt dies und beschließt, für eine Weile fortzugehen. Dem Prinzen Emilio lässt er einen aus seiner Bruderliebe magisch entsprossenen Myrtenstrauch zurück, der ihm künftig anzeigen soll, ob es Cannolora gut geht. Bald schon gerät Cannolora in Bedrängnis - schuld ist ein schönes Mädchen - und Emilio macht sich zur Rettung auf, wobei er nicht in die Fallen tappen darf, die bereits seinem brüderlichen Freund zum Verhängnis geworden waren. Erfolgreich wird die betrügerische Schlange mit dem goldenen Horn (die wohl ein riesiger Lindwurm sein dürfte) bekämpft und erlegt und gleich noch das schöne Mägdelein erlöst. Am Ende haben sich Emilio und Cannolora wieder und zudem auch noch zwei hübsche Mädchen, Feen, an ihrer Seite, denen sie dann ins Feenreich folgen. 

"Die wilden Schwäne" von Hans Christian Andersen. 

"Die Prinzessin auf der Erbse" von Hans Christian Andersen.

"Allerleirauh" - Kinder- und Hausmärchen der Gebrüder Grimm. Modifiziert verfilmt als "Die Prinzessin mit dem goldenen Stern".

"Die Bienenkönigin" - Kinder- und Hausmärchen der Gebrüder Grimm. Ich habe eine Schwäche für Märchen, in denen der vermeintliche Dummling zur Hochform auflaufen und beweisen darf, dass Zufriedenheit und Bescheidenheit nicht mit Einfalt gleichzusetzen sind.

"Der Gackerkrieg" ist ein sehr kurzes lettisches Märchen, das voller Klischees, aber vielleicht gerade deshalb so amüsant ist.
Zum Inhalt: Wie so oft in Märchen findet ein Mann einen Topf Geld - in anderen Geschichten bei der Landarbeit, hier aber nicht näher spezifiziert. Dummerweise erzählt er seiner Frau davon, die aber - Achtung: bäuerliches Klischee schlägt zu - zum einen ziemlich dumm und zum anderen auch noch mächtig geschwätzig ist und deshalb nichts Besseres zu tun hat, als dem Gutherrn diesen Fund brühwarm aufzutischen. Der Gutsherr wiederum bestellt den Mann mitsamt Geldtopf für den nächsten Tag zu sich. Um aus der Misere herauszukommen und das Geld behalten zu können, nutzt der gute Mann schamlos die Einfältigkeit seiner Frau aus und erfindet einmal den Gackerkrieg, der nichts weiter ist als das Gekreisch von Hühnern, die in eine Falle getappt sind, und andere Dinge, die die Frau vorm Gutsherrn wiederum nicht für sich behalten kann, sodass dieser schlussendlich aber zu der Auffassung gelangt, dass auch der Geldtopf nur eine Erfindung ihres törischen Geistes war. Tja, ein paar Taler haben oder nicht haben, ist schon essentiell, selbst wenn es auf Kosten des Rufes der eigenen Frau geht. 

"Die tausendzöpfige Schöne", ein usbekisches Märchen, dessen Ende ich zunächst blöd fand, es aber im Grunde doch zum Charakter der Protagonistin passt. Im Wesentlichen geht es darum, dass eine schöne Fassade nicht alles ist, sondern sich dahinter viel mehr, aber auch viel weniger verbergen kann, eine Frau dem Mann sehr wohl das Wasser reichen kann und dass man sich auch mal in den Falschen verlieben darf, bevor man den Richtigen trifft.  
Zum Inhalt: Chasor-Gehsu, die Tausendzöpfige, ist nach drei Söhnen die einzige Tochter des Schahs. Sie ist wunderhübsch und hat prachtvolles Haar, das sie in tausenden Zöpfen bändigt. Weil sie des Schahs ausgemachter Liebling ist, sind die Brüder entsprechend neidisch, weshalb sie sie entführen und im Gebirge einem Mulla verkaufen. Für das Mädchen ist das aber nicht einmal schlecht, denn es wird so kein verwöhntes Prinzesschen, sondern eine Frau, die mit Pfeil und Bogen umzugehen weiß. Pferdefuß dabei ist, dass sie mit jedem Tag schöner wird und jeden Jüngling aus den Schuhen haut. Schnell erreicht den Sultan die Kunde von der hinreißenden Chasor-Gehsu, die er nur zu gerne in seinem Harem haben möchte. Der alte Mulla aber will sie nicht hergeben, sondern sogar selbst zur Frau nehmen. Chasor-Gehsu will aber weder den greisen Mulla noch den unbekannten Sultan. Dessen Wesir legt aber den Mulla zunächst rein und dann um. Schweren Herzens folgt die junge Frau dem Gesandten. In dessen Land begegnet sie dem Sohn des Sultans, Scherali, sie verlieben sich und fliehen. Auf ihrer Flucht haben sie einige Abenteuer zu bestehen, bei denen aber immer Chasor-Gehsu Scherali den Allerwertesten rettet. Eines Tages aber wird sie von einem Bergdew (ein drachenähnliches, fliegendes Untier) entführt und Scherali macht sich auf, sie zu befreien. Aber wieder ist es die Frau, die die Hosen an hat und nicht nur den Sultanssohn rettet, sondern auch den Dew erlöst. Und plötzlich ist der unfähige Scherali gar nicht mehr die große Liebe.

"Das Märchen von der schönen Ajoga", ein nanaisches Märchen über Fleiß und Faulheit und den typischen Fall von "selber schuld", womit man als Leser ganz schön Schadenfreude entwickeln kann. Es erinnert anfangs ein wenig an das Lied "Wenn der Topf aber nun ein Loch hat".
Zum Inhalt: Die Bauerstochter Ajoga ist sehr von sich eingenommen, weil sie alle ihrer Schönheit wegen loben. Deshalb wird sie faul, denn Arbeit könnte ihrer Schönheit ja abträglich sein. Eines Tages bittet die Mutter Ajoga, Wasser zu holen, damit sie Fladen backen kann. Ajoga aber hat allerlei Ausreden, die das fleißige Nachbarsmädchen hört und sich schlussendlich der Arbeit annimmt. Als es dann aber ans Fladenessen geht, will Ajoga die Erste sein und wird mit einem Male sehr erfinderisch, um sich nicht die zarten Fingerchen zu verbrennen. Doch die Mutter gibt den Fladen dem fleißigen Mädchen, woraufhin Ajoga sich vor Wut auf dieses stürzt. Doch sie wird - sozusagen von unbenannten höheren Mächten - für Hochmut und Faulheit bestraft und auf der Stelle in eine Gans verwandelt, die heute noch auf dem Fluss herumgackert. Die Moral von der Geschicht: Himmelherrgesangsverein, geh zum Kuckuck nochmal Wasser holen, wenn du was zwischen die Zähne willst. Damit bricht sich kein Mensch ein Zäckchen aus dem Krönchen.  

"Das Märchen vom silbernen Teller und dem goldenen Apfel". Auch das ist ein russisches Märchen, das größtenteils einen recht traurigen Unterton hat und Bescheidenheit und Edelmut in den Mittelpunkt stellt. 
Zum Inhalt: Ein Paar hat drei Töchter, von denen eine, die kleine Mascha, wie ein Aschenputtel wirkt. Während die beiden Schwestern sich herausputzen und vorlaut sind, trägt Mascha nur einen schlichten Sarafan und kümmert sich klaglos und mit viel Liebe um Haus, Hof und Getier. Als der Vater eines Tages zum Markt fahren will, um Heu zu verkaufen, wünscht sich Mascha von ihm einen silbernen Teller und einen goldenen Apfel. Die Schwestern verhöhnen sie für ihren Wunsch, sind dann aber neidisch, als sie erkennen, dass Mascha mit einem Zauberspruch dafür sorgt, dass das goldene Äpfelchen auf dem silbernen Tellchern rollt und ihr ganz Russland in all seiner Schönheit zeigt. Aus Habsucht locken sie das Mädchen in den Wald, erschlagen und verscharren es. Den Eltern tischen sie die Lüge vom bösen Wolf auf. Doch auf Maschas Grab am Fuße einer Birke beginnt Schilf zu wachsen, aus dem sich ein Hirte eine Schalmei schnitzt, die aber so gar nicht seine Melodei spielen möchte, sondern die Wahrheit über den schändlichen Mord kundtut und schlussendlich hilft, einen Weg zu finden, der Mascha zurückbringt. Dank dem Wasser des Lebens aus dem Zarenpalast wird sie wiedererweckt und am Ende wegen ihres Edelmutes sogar Zarin.  
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    Kommentare:

    Favola hat gesagt…

    Hallo :-)

    Ein wirklich interessanter Beitrag mit spannenden, nicht so 0815 - Märchen.
    Ich habe mich ganz auf die klassischen Märchen konzentriert und hatte da schon meine Mühe, mich für zehn zu entscheiden.

    lG Favola

    Sinje hat gesagt…

    Liebe Favola,

    vielen Dank fürs Vorbeischauen.
    Deine Liste ist auch nicht so ganz alltäglich. Ich glaube, heute wäre gut ein Top 20 oder 30 drin gewesen.

    Liebe Grüsse
    Sinje

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