Donnerstag, 22. März 2012

Schmökern mit Sohnemann #9

Da ich mich vor einer Woche in Leipzig herumtrieb, schmökerte Sohnemann mit dem Imker. Da ich nicht Mäuschen gespielt habe und den Lesestoff nicht nachholen will (irgendwann wiederholt er sich sowieso und ich erfahre, worum es ging), kann ich keinen Schmökerbericht abliefern. 
Diese Woche lesen wir mal wieder anders. Nicht nur, dass das Dinoversum wieder brandaktuell ist, nein, wir machen Leseversuche im Freien. 
Momentan haben wir das schönste Frühlingswetter, sodass wir jeden Sonnenstrahl und den Bewegungsdrang nutzen und uns draußen herumtreiben. Nicht mehr lange und der psychotische April kommt dahergebraust, dann ist es nämlich wieder Essig mit Naturerkundung und Indoor-Kindergenerve angesagt. 
Wenn man so auf dem Dorf herumsitzt und nicht zu jenen Menschen gehört, die fünf mal die Woche zum Einkaufen fahren, sondern lieber die Umgebung zu Fuß erkundet, will man ja nicht einfach nur durch die Gegend latschen. Nein, ein bisschen Lerneffekt darf doch wohl dabei sein. Also begibt man sich ans Bücherregal und stellt mit leisem Erschrecken fest, dass keines der wunderbaren Bücher wirklich wandertauglich, ja eigentlich viel zu schade zum Herumschleppen durch Feld und Flur ist. 
Link zu Amazon, weil unser Set nicht mehr komplett ist.

Deshalb kaufte ich vor einigen Jahren beim Lingen-Verlag ein paar handliche Bestimmungsbücher zu verschiedenen Themen. Nachdem ich diese inzwischen auch schon vier mal verschenkt habe, stelle ich heute fest, dass es diese Bücher nicht mehr gibt. Sehr, sehr schade. Nicht nur, weil ich nun wieder einen Blogbeitrag verfasse über Bücher, die man, wenn überhaupt, antiquarisch erwerben muss. 
Wie dem auch sei, bisher habe ich die Büchlein im A6-Format mit Spiralbindung selbst genutzt, aber meinem Sohn noch vorenthalten, weil er a) noch nicht in Bestimmungswahn ausgebrochen war (und das trotz Naturkindergartens!) und b) ohne Tisch oder andere Unterlage lange Zeit recht grobschlächtig mit Büchern umging. 
Ein weiterer Grund war, dass es sich um Sets handelt, die neben einem Bestimmungsbuch auch noch ein Notizbuch sowie ein Poster umfassen. Trotzdem ist es mir gelungen, eine der Tragetaschen, in die beide Bücher und Poster transport- und aufbewahrungsgünstig verpackt sind, zu versimsen und eine kaputtzumachen. Das Notizbuch ist für eigene Entdeckungen, Zeichnungen, Fotos oder gepresste Pflanzen vorgesehen und gar keine schlechte Idee. Allerdings kann ich es überhaupt nicht leiden, wenn Bücher vollgekritzelt werden. Vor allem dann, wenn man mit den Kritzeleien später nichts mehr anfangen kann. Deshalb habe ich die zugehörigen Notizbücher vor meinem Sohn zurückgehalten, um unergründliche Malversuche zu verhindern. Jetzt, im Schulalter, werden wir aber langsam beginnen, dieses zweite Heft ebenfalls zu nutzen. Diese Sets sind auf jeden Fall für die ganze Familie und nicht als Kinderbuch per se ausgelegt. So kann man Ausflüge prima vorbereiten, begleiten und nachbereiten.
Nur muss man eben auch auf die Idee kommen ...
Als wir am Montagnachmittag über den Feldweg schlenderten und von diversen Vögeln begleitet wurden, wurde mein Sohn nämlich auf einmal sehr neugierig. Wie es sich gehört, hatte Mutter natürlich KEIN Buch dabei. Also wachsen wir einmal an unseren Fehlern und machen sie am nächsten Tag wieder gut. Gedacht und in die Tat umgesetzt ... 
Seit gestern wandern wir mit BÜCHERN. 
Mit drei, um genau zu sein:
  • Bäume, Sträucher und Wildblumen,
  • Vögel in Feld, Flur und Garten, 
  • Schmetterlinge und andere Insekten. 
Die Fische im Sortiment besitzen wir auch noch, aber es macht wohl eher wenig Sinn, sie auf Wanderungen mitzunehmen.
Obwohl wir inzwischen weitere Bestimmungsbücher neueren Datums besitzen, sind diese Büchlein aus dem Lingen-Verlag noch am praktischsten. Ihr Format ist so klein, dass ich sie sogar einfach in die Vordertasche von der Fototasche stecken kann, ohne sie zu verbiegen. Eine Extratasche brauche ich nicht, und die Büchlein sind zwar auf festen, aber nicht übermäßig schwerem Papier gedruckt, sodass sie mit ihren 95 Seiten, inkl. Register, kaum Mehrgewicht produzieren. 
Im kompakten Format liegen aber auch Nachteile. Vor allem sind die Illustrationen, die traditionell Zeichnungen und keine Fotografien sind, recht klein, auch wenn sie knapp die Hälfte einer Seite einnehmen. Im Schmetterlingsbuch ist das wiederum ein Vorteil, da Insekten und Spinnentiere überlebensgroß abgebildet sind und so helfen, auf Details zu achten. Geht man aber zum Bäume-Buch über, wird es schon schwierig. Zwar erhält dort ebenfalls jede Spezies eine eigene Seite, aber es muss doch deutlich mehr abgebildet werden - kompletter Baum, Blatt, Samen, Früchte, sodass die Bestimmung rein optisch nicht mehr ganz so einfach ist. Die Wildblumen im hinteren Teil des Büchleins müssen sich sogar zu zweit eine Seite teilen. Man beschränkt sich hier aber auf wirklich standardmäßige einheimische Arten, sodass man, findet man ein außergewöhnliches Exemplar, auf andere Nachschlagewerke zurückgreifen müsste.
Ein weiterer Nachteil begegnete uns gestern, als uns eine Hummel um den Kopf summte. Sohnemann glaubte mir nämlich nicht, dass es sich um einen echten Bombus terrestris handelte. Als er im entsprechenden Buch nachschlug, wurde meine Vermutung nicht eindeutig bestätigt, denn es stellte sich heraus, dass die Farben nicht ganz stimmig waren. Die gleich in guter Nachbarschaft abgebildete Honigbiene hat zwar die Form einer solchen, aber ist farblich einer Honigbiene nicht im Ansatz ähnlich. Nun erkläre mal einer dem bauchlöcherndem Fragekind, wieso, warum, weshalb denn diese Hummel überhaupt nicht aussieht, wie der Bomber, der es sich gerade auf dem Feld bequem macht! Glücklicherweise gibt es zu jedem Tier und zu jeder Pflanze eine Beschreibung zum Erscheinungsbild sowie zu Vebreitung/Lebensweise, Verbreitungsgebiet und Besonderheiten, sodass Mutter nicht in Erklärungsangstschweiß ausbrechen muss. 
Einen positiven Nebeneffekt gab es ebenfalls. Sohnemann stürzte sich begeistert ins Lesen der Tier- und Pflanzennamen und identifizierte Amsel und Kohlmeise vollkommen selbständig und mit viel Freude. 
Insgesamt sind die enthaltenen Informationen für den alltäglichen Hausgebrauch absolut ausreichend und eignen sich sicherlich auch für Hausaufgaben im Heimat- und Sachunterricht in der Grundschule. 
Den Praxishärtetest dieser Woche haben diese Bücher trotz der benannten Nachteile bislang absolut bestanden.

Da wir nun aber im Bestimmungs- und Entdeckungsfieber sind, werden wir auch die übrigen Bücher einem Praxistest unterziehen, und ich werde an passender Stelle berichten.

Kommentare:

Sue hat gesagt…

Hallo Sinje,
gut, dass du diese Büchlein erwähnst. Ich habe da auch zwei von. Allerdings besitzen wir nur "Vögel in Feld, Flur und Garten" als spaziergangtaugliches Exemplar. Das andere behandelt nämlich "Zootiere" die findet man ja dann auch eher selten. ;-)
Ich werde das Büchlein gleich mal offen auf den Tisch legen und bin auf die Reaktion meiner Kinder gespannt!

Viele liebe Grüße und noch viele schöne Spaziergänge mit deinem Sohn!

Sue

Sinje hat gesagt…

Liebe Sue,

die Zootiere habe ich wohl genau deshalb nicht gekauft ;-)
Wir kommen auch so selten in Zoos.
Die Fische waren auch eher ein Ausrutscher, aber da ich von Fischen keine Ahnung habe, sollten mir die knapp 10 € auch nicht zu viel sein.

Wir nehmen heute wahrscheinlich die anderen Bücher mit, und ich bin gespannt, wie mein Sohn damit umgeht.

Liebe Grüße
Sinje

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...