Mittwoch, 14. März 2012

Schmökern mit Sohnemann #8


Wie unschwer zu erkennen, pausieren die Dinosaurier momentan. Sohnemann ist im Holunderbär-Fieber und hat beschlossen, alle Bücher noch einmal zu lesen ... okay ... vornehmlich lesen zu lassen. 

Das Schöne an Walkos Abenteuergeschichten um den Holunderbär und den kleinen Hasen ist, dass man diese nicht in Erscheinungsreihenfolge lesen muss, da es sich um abgeschlossene Erzählungen handelt. Man kann also nach Lust und Laune nach einem Buch greifen, ohne dass man Angst haben muss, etwas zu verpassen. 
Deshalb hat mein Sohn sich für Auf den Spuren des dicken Bumbu entschieden. Es ist nicht das erste Buch vom Holunderbär, aber das erste, das mein Sohn bekommen hat, weshalb er sich immer den "Bumbu" bestellt, obwohl das nicht der Name des Bären, sondern eines bedeutenden Protagonisten in diesem Band ist.
Meinem Sohn gefallen diese Abenteuergeschichten besonders, weil er sie mit Freizeitspaß assoziiert. Der Bär und der Hase sind nun mal Tiere, die zwar menschenkindliches Verhalten an den Tag legen, aber als Tiere gehören sie ins Freie, wo sie allerlei erleben, was wahrscheinlich ein kleiner Lausbub auch gerne erleben möchte. 
In einer Zeit, wo in Schulbüchern und freiwilligem Lesestoff die Sensibilisierung gegenüber unseren neuen Technologien und Medien dominiert (und auf jeden Fall stattfinden muss) und Hausaufgaben darin bestehen, im Internet Gräser zu bestimmen, anstatt hinaus auf die große Wiese zu gehen, sind wir manches Mal froh über Bücher, die uns in Wald und Flur führen, wo man auch mal in den Dreck fällt ... oder in ein Loch. 

In Auf den Spuren des dicken Bumbu erweist sich das Loch, in das der kleine Hase purzelt, als riesige Fußspur. Neugierig, wie die beiden ungleichen Freunde nun einmal sind, wollen sie der Sache auf den Grund gehen. Wer hinterlässt wohl solch riesige Spuren, die größer als der Hintern des Holunderbären sind? (Der Leser/Betrachter ahnt es natürlich nicht nur anhand der Illustrationen, aber es macht einfach Spaß, die beiden auf der Spurensuche zu begleiten.) Ein klein wenig geht Bär und Hase doch die Muffe, als sie den Spuren auf Zehenspitzen folgen. Dabei begegnen sie dem Wasserschwein und dem Igel, die behaupten der Spurenverursacher sei das Heidemonster. Bär und Hase geben sich aber mutig, ziehen weiter bis ins Mäusedorf, das Kürbisdorf, in dem glücklicherweise nur eine Behausung leicht zu Schaden gekommen ist und das offenbar so sozial organisiert ist, dass es sogar eine Bürgermeisterin hat. Auch die Mäuse berichten von einem schrecklichen Ungeheuer, das die Erde zum Beben gebracht habe. Die Neugier ist aber größer als die Angst, sodass unsere beiden Helden die Suche nicht aufgeben. Weder von einem riesigen Pferdeäpfelberg lassen sie sich verstinken noch sich von aufgeregten Tierchen, die ihnen entgegeneilen und das Untier blumig beschreiben, abschrecken. Wie der Titel des Buches schon andeutet, ist das Ungeheuer nichts anderes als ein Elefant, der sich eine kleine Dusche unter dem Wasserfall gönnt. Und Elefant Bumbu ist ein Ausreißer. Er hat sich nämlich für ein paar Stunden von seinem Zirkus entfernt, um einfach mal die Natur zu erkunden. Na wenn das nicht genau zu unseren beiden Abenteurern passt! Da sich die News auf der Hasenheide rasend schnell verbreiten, wissen bald alle Tiere, dass gar keine Gefahr droht, und finden sich am Wasserfall ein, um Bumbu kennenzulernen. Ein bunter Haufen Hasenheidenbewohner hat nun nicht nur einen Heidenspaß mit dem Besucher, sondern sie haben auch gelernt, dass man nicht immer gleich das Schlimmste annehmen muss, sondern vom Besten ausgehen sollte. 


Die Altersempfehlung für dieses Buch reicht von 36 Monaten bis 8 Jahre. 
Ein Kommentar zu meinem letzten Holunderbär-Posting besagte, dass die Geschichten im Selbstlesealter für manchen Leser schon nicht mehr cool genug sind. 
Ja, ein Coolness-Faktor steht nicht unbedingt im Vordergrund. 
Dafür sind ganz andere hippe Figuren zuständig, und die gehören genauso dazu wie brave Charaktere, die nicht in der City Skateboard fahren, sondern in selbstgebauten Booten zu imaginären Inseln schippern :-) 
Wir lesen die Holunderbär-Bücher seit dem 5. Geburtstag meines Sohnes, und sie sind zum Vorlesen wirklich toll. 
Dabei untermalen die Illustrationen das Geschehen perfekt, sodass man gleichzeitig schauen und hören kann. 
Heute, fast zwei Jahre später, mag mein Sohn die Geschichten immer noch sehr gerne, weil er, obwohl er ein unumstößlicher Spiderman-Fan ist, auch ein Baumkletterer ist. Hat man ihn erst einmal erfolgreich zum Waldspaziergang überredet, kommt der Entdecker durch, und so etwas unterstützt der Holunderbär natürlich. Außerdem sprechen die liebevollen Illustrationen die visuellen Vorlieben an und inspirieren meinen Sohn zum Zeichnen. Positive Nebenwirkungen also in vielerlei Hinsicht.
Diese Geschichten sind im Übrigen nicht gruselig oder übermäßig aufregend und eignen sich daher gut für den Abend.
Ich achte sehr darauf, dass ich mein Kind nach einem langen Schul- und Horttag am Abend nicht noch mit kreischenden Bildern und Stories überfordere, die den Nachtschlaf stören würden. In dieser Beziehung ist Walkos Holunderbär wesentlich besser geeignet als das Dinoversum, das wir ab und an bewusst ins Nachmittagsprogramm legen und dann "verspielen". 
  • Leicht verständliche Handlungen, die die Konzentration des Zuhörers nicht abschweifen lassen und von den Illustrationen noch unterstützt werden,
  • unkomplizierter, bekannter Wortschatz (insbesondere für Erstleser von Bedeutung, da die Frustrationsschwelle sehr, sehr niedrig sein kann, wenn man das Wort nicht gleich dechiffriert bekommt), 
  • trotz Abenteuers vergleichsweise ruhige Geschichten,  die keine schlechten Träume nach sich ziehen,
  • ansprechende farbige Illustrationen, 
  • lesefreundliche Schrift (obwohl diese für die Lesegruppe der Erstleser noch gut 2 pt größer ausfallen könnte),
  • Vermittlung von Freundschaft, Respekt, Toleranz, Hilfsbereitschaft und Appel an handwerkliche Fähigkeiten, Selbstbewusstsein usw. verpackt in natürliche Kulissen voll jungenhafter Abenteuer und Spaß
rechtfertigen einen altersmäßig recht groß angelegten Adressatenkreis vom Kindergartenkind bis zum frühen Schulkind. 

Mehr Jungs-Abenteuer:



Keine Kommentare:

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...