Montag, 12. März 2012

Schmökern mit Sohnemann #7

Was so ein Rundumschlag in der Rumpelbude = Kinderzimmer doch so alles bewirken kann ... 
War vor zwei Tagen noch großes Märchenkino angesagt, so sorgte der Umsturz im Bücherregal umgehend für einen Umsturz der Leselaune. Plötzlich wurde sich wieder an einen Bären erinnert, von dem man vor noch einem Jahr nicht genug kriegen konnte.
Bereits zum fünften Geburtstag bekam mein Sohn zum ersten Mal eine Abenteuergeschichte um den Holunderbär und seinen Freund, den kleinen Hasen, geschenkt. 
Dieses Buch ist Der Schatz auf der Holunderinsel, und ich darf sagen, dass es zu den wenigen Erstlesebüchern gehört, die mein Sohn freiwillig in die Hand nimmt. Zum einen liegt das an der liebevollen Gestaltung, die man bei manchen Büchern dieser Art nicht mal im Ansatz finden kann. Mein Sohn hat ein (wahrscheinlich angeborenes, vererbtes ...) Faible für lebensnahe Illustrationen. Mit Comicfiguren, die sich mit überdimensionalen Köpfen und Strichbeinchen durch Haareraufstories pöbeln, kann man ihn buchstäblich verjagen. 
Deshalb machen Ars Edition und Autor und Illustrator Walko alles richtig und sprechen mit den Holunderbär-Büchern schon mal ein ästhetisches Empfinden an, sodass es für den Erstleser und auch für den Vorleser eine Freude ist, von einer Seite zur nächsten zu blättern. Für mich ist das eine wichtige Voraussetzung, denn Lesen lernen sollte meines Erachtens, selbst wenn es noch so sehr eine Pflicht ist, zu Hause auch Spaß machen. Ich halte nichts davon, mein Kind mit Erstlesebüchern zu quälen, nur weil sie den Stempel "pädagogisch wertvoll" haben, sie ihm aber in keiner Weise zusagen und letztendlich noch zu einer Ablehnung des Lesens führen würden. Er wird in seiner Schulkarriere noch genug lesen müssen, das ihm nicht passen wird, weshalb also schon in der Grundschulfreizeit damit anfangen?
Mit knapp sieben Jahren liegt mein Sohn genau in der Zielgruppe dieser Bücher, die mit der Abenteuerlust kleiner Jungen spielen, aber es nicht zu weit treiben, sondern unterschwellig an die Vernunft appellieren, was letztendlich das Mutterherz wieder etwas beruhigt. 
Unter Berücksichtigung des hiesigen Schulsystems und des Leselernfortschritts muss ich allerdings sagen, dass mir manche Sätze zu lang vorkommen. Da wir uns noch in der Buchstabenerschließungsphase befinden und diese auch erst zum Ende des ersten Schuljahres abgeschlossen sein wird, ist mit "echtem" Lesen ohnehin erst in der zweiten Klasse zu rechnen. Deshalb stellen Sätze mit Kommas, aber auch Doppelpunkten für unsere Erstleser Stolpersteine dar und sorgen für Ermüdung. Letztendlich auch für Störungen beim Erfassen der Geschichte. Mit dem Selberlesen ist momentan schon nach einer Seite Schluss. Beim Vorlesen lässt sich das, wie geübte Vorleseeltern selbstverständlich wissen, durch stimmliche Modulation umschiffen.

In Der Schatz auf der Holunderinsel: Hase und Holunderbär schmökern nun der Holunderbär und der kleine Hase bei miesem Regenwetter in ihrem Baumhaus in einem alten Buch. Dort heißt es, am Ende eines jeden Regenbogens sei ein Goldschatz vergraben. Tja, und als der Regen aufhört, spannt sich tatsächlich über das Baumhaus hinweg ein Regenbogen bis hinüber zur Holunderinsel. Abenteuer- und entdeckungslustig, wie die beiden Freunde sind, machen sie sich auf, einen Schatz zu suchen. Sie paddeln hinüber zur Insel, wandern zum Bananenfelsen, wo der Regenbogen sein Ende hatte, und buddeln und buddeln ... erfolglos. Als sie beschließen, nach Hause zu paddeln, ist ihr Boot weg. Was nun? Wie echte Schiffsbrüchige verbringen sie die Nacht auf der Insel, tragen Holz zusammen, um ein Signalfeuer zu machen, schicken eine Nachricht auf die Reise, und schließlich stellen sie fest, dass sie gar nicht allein auf der Insel sind ...

Eine richtig schöne Geschichte rund um ein kleines, aber nicht minder aufregendes Abenteuer, das nicht nur erfinderisch macht, sondern auch hilft, einen wirklich wertvollen Schatz zu finden, Schmunzel- und Nachdenkmomente inklusive.

Mehr vom Holunderbär und dem kleinen Hasen: 





Kommentare:

Nikola Hotel hat gesagt…

Ja, die haben wir auch! Zumindest Teil 1 und 2. Die Illustrationen sind wundervoll, doch muss ich gestehen, dass ich das Buch vorlese.
Als mein mittlerer groß genug war, um sich die Masse Text anzutun, fand er das Thema als nicht mehr cool genug.;)
Der Kleine aber liebt sie sehr. Auch als Erwachsener kommt man ins Schmunzeln: Kein Mensch wusste, warum der Bananenfelsen so genannt wurde, höhö. Sehr süß!
Trotzdem gab es für meinen Sohn eine herbe Enttäuschung: Er wollte doch so gerne einen richtigen Schatz sehen. Mit Gold und Glitzer und allem drum und dran.

Liebe Grüße
Nikola

Sinje hat gesagt…

Liebe Nikola,
ja, ich glaube auch, dass das Interesse nicht mehr da ist, wenn die Kinder selber flüssig lesen können. Mein Sohn will auch immer mehr, als er schon kann oder können muss, und wenn es dann soweit, ist alles Kinderkram ;-) Deshalb mag er wohl auch diese "echten" Erstlesebücher, die pro Seite nur einen oder zwei Sätze haben, gar nicht.
Da wir momentan gemeinsam im Wechsel lesen und ich dann wieder mehrheitlich selber vorlese, geht es noch.
Dass die Kinder gerne einen richtigen Schatz gesehen hätten, kann ich verstehen. Der hätte das Abenteuer natürlich aufgewertet, aber der pädagogische Zeigefinger wäre wohl zu kurz gekommen.
Trotzdem tolle Bücher.

Liebe Grüße
Sinje

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