Samstag, 17. März 2012

Messeplattfußtag 3

Jawohl, ich habe platte Füße. Das ist aber nicht gejammert, denn es war zu erwarten und zudem erwünscht. Eine Messe ohne eine neue Schuhgröße und Schmerzen in Muskelregionen, die sonst massiv unterfordert sind, gehören einfach dazu. An Tag 3 gesellte sich noch eine gewisse Heiserkeit hinzu. Die kam vom vielen Plaudern.
Erstaunlich fit nach nicht mal 5 Stunden Schlaf bin ich morgens um 9 Uhr zur Deutschen Bücherei spaziert, um dort in die allseits beliebte Straßenbahnlinie 16 zu klettern, die auf direktem Wege zur Messe führt. Mein Tag begann im Stehen, denn schon dort, also weit vor dem gefürchteten Hauptbahnhof, gab es keinen Sitzplatz mehr. Aber was sollen mich dreißig Minuten Stehen schrecken, wenn man spätestens ab Bahnhof ohnehin nicht mehr umfallen kann? Am Samstag war nämlich der große Tag der Cosplayer, die wie immer in großartigen Kostümen das Gelände unsicher und um eine Attraktion reicher machen. Auch wenn man am Wochenende in vielen Bereichen der Messe mehr steht als geht, bin ich immer von der Kreativität der Cosplayer beeindruckt. 

Als der Andrang noch erträglich war, hatte ich Gelegenheit, Jungautorin Marie-Luis Rönisch zu treffen. Auch Marie-Luis ist eine Facebook-Bekanntschaft, und es freut mich, dass ich nun auch mit ihr einen nicht länger nur virtuellen Menschen verbinden kann. Eigentlich hatte ich geplant, Marie-Luis zu interviewen, denn im Dezember 2011 erschien ihr Roman The Mavericks - Willkommen in der Hölle, aber es entwickelte sich ein lockeres Geplauder, sodass wir dieses Interview demnächst online nachholen werden. Marie-Luis Rönisch sprüht vor Ideen und ist nach eigenen Angaben eine eifrige Roman- und Reihenschreiberin, die ihre Figuren nicht loslassen möchte, sondern in weiteren Geschichten zu Wort kommen lässt. Ich bin sicher, dass wir von ihr noch mehr zu lesen bekommen. 

Um Marie-Luis nicht noch länger von ihrem Messebesuch abzuhalten, haben wir unser Gespräch recht kurz gehalten, sodass wir uns bald wieder getrennt ins Getümmel gestürzt haben. 
Mein Ziel waren die Kinderbuchverlage, denn ich muss ja nach Schmökerstoff für Sohnemann Ausschau halten. Ich weiß nicht, ob ich mit diesem Eindruck allein bin, aber ich hatte in diesem Jahr das Gefühl, dass sich die großen Publikumsverlage, mit Ausnahme der Egmont Verlagsgesellschaften, besonders unnahbar gaben. Da ich mit allgemeinen Fragen zum Thema Kinderbuch schwanger ging, wollte ich natürlich gern einen kompetenten Ansprechpartner dazu ausquetschen. Gefunden habe ich einen solchen aber erst beim Tulipan-Verlag, in dem Bücher für Kinder zwischen 4 und 12 Jahren entstehen. Ein populärer Protagonist aus diesem Verlag ist übrigens der Cowboy Klaus, der Kinderkanal-Zuschauern bekannt sein dürfte. Dieser Cowboy, der gar nicht so mutig ist, wie man vermuten möchte, tummelt sich im Tulipan-ABC der Lesestufe A (für Erstleser ab 6 Jahren). Bei der Zuordnung der Geschichten zu den Lesestufen A, B und C spielt zum einen der Inhalt der Geschichte eine Rolle, wobei man Wert auf flotte, witzige und ungewöhnliche Geschichten legt, die Interesse am Lesen wecken. Ein weiteres wichtiges Kriterium ist die Länge der Geschichte. Bei der Gestaltung stehen großflächige, ansprechende Illustrationen im Mittelpunkt und es wird bewusst vermieden, ganze Seiten mit Text zu füllen. Das hält den kleinen Leser besser bei der Stange. Auch beim Format geht man im Erstlesealter weg vom großen Bilderbuchformat und bewegt sich in Richtung "echtes" Buch; die Bücher sind weniger sperrig und damit wesentlich handlicher. Wir werden den Cowboy Klaus auf jeden Fall einmal ausprobieren. Außerdem gibt es im Verlag noch Bücher für die ganze Familie, die ebenfalls liebevoll gestaltet sind. 
Später verschlug es mich noch per Zufall zur Edition bi:libri, wo zweisprachige Bücher entstehen. Neben Englisch sind auch Russisch, Französisch, Italienisch und Türkisch im Angebot. Diese Bücher sind speziell für die zweisprachige Erziehung ausgelegt und nur bedingt für den Zweitsprachenerwerb gedacht. Wer also seine Kinder zweisprachig erzieht, dem seien diese Bücher ans Herz gelegt. 
Bei den Egmont-Verlagsgesellschaften geriet ich wieder ins Romance-Fieber und muss mich zwingen, das Lyx- und Ink-Programm nicht genauer anzusehen. Zum 5-jährigen Bestehen veranstaltet Lyx seinen ersten Schreibwettbewerb. Genaueres gibt es bei Lyx nachzulesen. Also, Romance-Schreiber haut in die Tasten! 
Gegen Mittag traf ich mich mit einer Kollegin und schlenderte mit ihr durch Halle 5 und 3. Dorthin zu kommen erwies sich als wahre Meisterleistung, da ich zunächst von Halle 4 (wo ich wie immer Autorin Ulrike Renk einen Besuch abgestattet hatte) in die Glashalle musste, die Zirkulation in den Röhren zu Halle 2 aber nahezu zum Erliegen gekommen war. Irgendwann aber war ich durch, stieß zu meiner Kollegin und wir konnten gemeinsam eine gemütliche Dienstleistungsrunde drehen. Bislang hatte ich mich noch nicht mit dem Angebot von epubli befasst, sodass die Vorstellung dieser Plattform uns gerade recht kam. Da aber nur noch eine weitere Damen Interesse daran hatte, bekamen wir sozusagen zu dritt eine Privateinführung in epubli, konnten viele Fragen stellen und sind nun dort rundum informiert. Während am Freitag BOD noch sehr auskunftsfreudig gewesen war und ich mich dort gut beraten gefühlt hatte, glänzte der Noch-Marktführer am Samstag durch Dienstleistungsunlust. Im Vergleich zu den Gesprächen mit epubli fiel BOD am Samstag absolut durch, was Service und Kundenkontakt anbelangt. Schade. 
Da wanderten wir doch lieber zu einem Bereich ab, der mich jedes Jahr aufs Neue anlockt, weil es dort nach Druckerschwärze, Farben, Ölen und Papier duftet. Gerade wenn man aus dem digitalen Bereich herbeigeschlendert kommt und den Kopf voll hat von Dateiformaten und Lesegeräten, unternimmt man eine regelrechte Weltreise, die aber richtig gut tut. Im Bereich der Buchkunst kann man nämlich zuschauen, wie Bücher traditionell entstanden. Dort stehen alte Druckpressen, die auch vorgeführt werden. Manchmal kann man auch selbst Hand anlegen und Farbe auftragen oder mal den Hebel betätigen, um eine Illustration aufs Papier zu bringen. 
Mit ein paar Eindrücken aus diesem Messeteil verabschiede ich mich für heute und lade in den nächsten Tagen noch mehr Bildimpressionen hoch. Das Reduzieren der Bilder ist doch ein wenig mühselig und das Bearbeiten spare ich mir an dieser Stelle sowieso. Schnappschußgefahr ;-)
Ob ich allerdings den Messesonntag noch in Angriff nehme, entscheide ich spontan. Momentan sagen Füße und Zugfahrplan eher Nein, vor allem, weil ein Teil der Lesungen, die mich interessieren würden, sehr spät in der zweiten Tageshälfte liegt und ich nicht erst so spät nach Hause fahren kann. Aber man weiß ja nie ...

Einmal selber drucken, bitte.

Selber drucken und mitnehmen.
Da liegt ein Hase, der auf ein Blatt will
Nämlich auf dieses - zwischen zwei Textblöcke

Einmal eingelegt ...
... und durchgekurbelt
 

Na guck, ein Hase ...
... tatsächlich auf Papier

Dank gekonnter Maschineneinstellung vermeidet er galant Buchstaben und Satzzeichen.
12 pt in Metall

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