Samstag, 17. März 2012

Messeplattfußtag 2

Plattfußtag Nr. 2 war zwar bereits am gestrigen Freitag, aber ich komme heute erst dazu, meinen Bericht zu posten. Gestern Abend war ich nämlich privat in Leipzig unterwegs und habe das sehr genossen. Und es wurde spät ... oder früh ... 
Auch am zweiten Messetag ließ ich es ruhig angehen und schipperte mit einer Straßenbahn, die schon an der Johannisallee passend zum Bildungstag bereits um 9 Uhr mit Schulklassen vollgestopft war, zum Messegelände. Leipzig zeigt sich inzwischen auch in wunderbarstem Frühlingssonnenschein. Es ist erstaunlich warm, und ich muss gestehen, dass das Herumlaufen in Hallen bei diesem schönen Wetter durchaus Überwindung kostet, auch wenn darin natürlich gigantische Buchmengen warten. Aber ich bin nun mal um der Bücher willen in Leipzig.
Auf dem Gelände angekommen, nutzte die Gelegenheit zunächst, um aus einer Facebook-Bekanntschaft eine Bekanntschaft von Angesicht zu Angesicht zu machen. Meine Facebook-Kontakte werden den Hinweis "lila Eiernetz" verstehen, alle anderen dürfen an dieser Stelle gerne verwundert die Brauen hochziehen.
Im Anschluss besuchte ich den Verlagsdienstleister meiner Wahl, BOD, um ein paar Fragen zu klären und einen Blick auf das E-Book-Angebot zu werfen. Im letzten Jahr steckte die E-Book-Option bei BOD nämlich noch in den Kinderschuhen und war damals auf Apple beschränkt. Inzwischen bietet BOD den E-Book-Service für alle gängigen Plattformen an. Entscheidet man sich also für eines der Veröffentlichungspakete bzw. für eine neue Auflage ist dieser Service bereits im Preis enthalten und man muss sich selber nicht um das Umwandeln des Buchblocks in die betreffenden E-Book-Formate kümmern. 
Auch wenn die Umwandlung natürlich von entsprechenden Programmen übernommen wird, werden die Dateien anschließend von mehreren Personen geprüft, damit auch alles Hand und Fuß hat, so beispielsweise keine Trennungen usw. mehr enthalten sind. Für multimediafähige Tablets können E-Books auch interaktiv gestaltet werden, wie an einem Kinderbuchbeispiel mit flatternden Schmetterlingen verdeutlicht wurde. Auf Absprache geht also mehr, als man auf den ersten Blick meinen mag. Pferdefuß dabei ist, dass E-Books bei BOD wie auch schon die Printausgaben nicht sonderlich preiswert sind, sondern wie auch bei "normalen" Verlagen unwesentlich billiger als der Print sind. Dennoch scheint das Angebot sowohl aufseiten der Autoren als auch beim Leser gut anzukommen.
Begrüßenswert fand ich, dass am BOD-Stand mehrere Lesegeräte präsentiert wurden, sodass man sich selbst davon überzeugen konnte, wie die E-Books an Android-Geräten, zwei verschiedenen Kindle-Geräten, iPad, Smartphone oder auch einem Sony-Reader aussehen und zu bedienen sind. 
Anschließend hüpfte ich flott in die Glashalle (am Freitag war flott auch noch möglich), um die Autorin Reni Dammrich zu treffen. Reni ist eine sympathische und sehr emsige wie auch engagierte Autorin aus Chemnitz. 
Wir kennen uns seit einer Weile über Facebook und haben kurz vor der Messe spontan entschieden, uns live und in Farbe kennenzulernen.
So ging's also auf Schnattertour über die Lust am Schreiben, Erfahrungen und Dies und Das. Und da hat Reni jede Menge zu erzählen, denn ihre Veröffentlichungsliste ist bereits recht umfangreich. 
Zuletzt erschien ihr Roman Claire im noch jungen Oldigor-Verlag zunächst als E-Book. Die klassische Buchausgabe folgt in Kürze.
Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, so entspannt mit Reni zu plaudern. Solche Momente machen für mich einen Messetag zu einem gelungenen Tag und ich würde das gerne wiederholen. 
Weniger gelungen ging es weiter, denn leider traf ich bei Papierfresserchens niemanden an, sodass ich immer noch nichts Neues zum Laubkönig zu berichten habe. Ich bleibe aber dran. 
Nach diesem weniger gelungenen Kurzausflug in Halle 2 zog es mich in Halle 5 in den Bereich von Leipzig.liest.digital, wo ein Vortrag zum Thema E-Book anberaumt war. Der Veranstaltungstitel war vielversprechend "E-Book im Aufwind - was Autoren und Nutzer davon haben", führte aber meines Erachtens etwas in die Irre, denn die beiden technisch versierten Referenten, E-Book-Profis der ersten Stunde, Ursula Welsch und Uwe Matrisch, beleuchteten das Thema E-Book und E-Reader eher allgemein. Uninteressant war es natürlich nicht, denn der Vortrag verschuf einen allgemeinen Überblick über Plattformen, Formate, Vor- und Nachteile von Lesegeräten usw., ging aber wenig ins Detail zum Thema "etwas davon haben". Ich persönlich kam im Anschluss an die Ausführungen zu dem Schluss, dass ich mich mit dem Kindle nicht verkauft habe, denn offenbar falle ich wirklich in die Zielgruppe der E-Reader-Nutzer. Denn ich habe den Anspruch, lesen zu wollen und eine breite Auswahl Lesestoff mit mir führen zu können. Auf multimediale Aspekte lege ich überhaupt keinen Wert, weil ich beim Lesen eines Papierbuches ebenfalls weder fernsehe noch radiohöre noch im Internet surfe. Ich bin per se kein Tablet-Kandidat. Als Autorin kam ich außerdem zu dem Schluss, dass ich E-Books nicht selber machen will. Mein Brötchenjob lässt mir einfach zu wenig Zeit, um mich intensiv mit den Tücken der jeweiligen Softwares auseinanderzusetzen. Mit der schnöden Umwandlung des als doc- oder pdf-Datein vorliegenden Buchblocks ist es nicht getan, denn es muss ja, wie bei BOD bereits gehört und gesehen, die entsprechend konvertierte Datei auch noch einmal geprüft werden. Nun ja ... dieses Thema wird wohl noch tiefer gehende Überlegungen nach sich ziehen. Mit dem E-Book bin ich noch nicht durch. 
Jedenfalls durfte ich gleich sitzen bleiben, denn die Akademie für Autoren zeichnete auch für die nächste Veranstaltung verantwortlich, bei der es sich darum drehen sollte, was Verlage von neuen Autoren erwarten. Neben Bruno C. Back und Hans-Gerd Koch stand auch Bestsellerautorin Tanja Kinkel Rede und Antwort. 
Für mich bot diese Veranstaltung nicht viele neue Informationen, interessant war sie aber trotzdem - entmutigend aber auch ein bisschen, wenn man sich von Zahlen einschüchtern lässt. Aber die Zahl 90000, das sind die Neuerscheinungen jedes Jahr, wirkt auch mächtig einschüchternd, oder? Obwohl der Veranstaltungstitel die Erwartung von Verlagen an neue Autoren in den Vordergrund rückte, ging es unter anderem auch um das Thema Verlagssuche. Herr Koch und Herr Back berichten beide aus ihrer langjährigen Lektorenerfahrung, dass von der Variante "unverlangte Manuskripteinsendung" abzuraten ist. Es fiel unter anderem die Zahl 98%. So viele unverlangt eingesandte Manuskripte werden nämlich abgelehnt. Das heißt, nur 2%, Tendenz Richtung 1% wird ernsthaft geprüft, was aber noch lange nicht heißt, dass dann auch etwas daraus wird. Oft liegt die Ursache bereits im Zustand des Manuskriptes. Gar nicht erst gelesen werden handschriftliche Einsendungen. Zur Verteidigung der Verlagslektoren wurde aber auch gesagt, das jedes Manuskript angesehen werde. Dabei heißt es, dass das Anschreiben dem geübten Lektorenblick bereits Aufschluss über das beiliegende Manuskript bzw. die beiliegende Leseprobe gibt. Liest er dann weiter, sollten ihn die ersten 10 Seiten neugierig machen und die nächsten 10 Seiten fesseln. Misslingt das, ist der Prozess des "Ansehens" beendet. Das Thema Literaturagentur wurde im Übrigen nur am Rande erwähnt. Zudem kam zur Sprache, dass Buchmessen in erster Linie dafür geeignet sind, sich über die Verlage zu informieren und Kontakte zu knüpfen. Manuskripte bekommt man aber in den wenigsten Fällen auf einer Messe an den Verlag, weil die Lektoren, insbesondere auf der Frankfurter Messe, von einem Termin zum nächsten eilen und für den Autor und sein Manuskript schlichtweg keine Zeit haben. Außerdem brach Tanja Kinkel eine Lanze für Lektoren und sagte: "Wir brauchen alle Lektoren." Ganz gleich, wie lange man schon für einen Verlag schreibt, ein objektiver Beobachter ist notwendig.  Damit wurde dann auch zu den Erwartungen übergeleitet. Hat es der Autor geschafft, Lektor und Verlag zu überzeugen, muss er in erster Linie bereit sein, mit dem Lektorat zusammenzuarbeiten. Man erwartet eine kooperative Partnerschaft. 
Im Anschluss berichtete Tanja Kinkel von ihren Lesungserfahrungen und der Wichtigkeit der Kommunikation mit dem Leser eben bei Lesungen, aber auch über die eigene Homepage und Social Media. Überhaupt machte die Bestsellerautorin die Veranstaltung zu einem unterhaltsamen Ereignis. Deshalb empfinde ich den Besuch der Gesprächsrunde auch als Gewinn, selbst wenn ein Großteil der Informationen für mich nicht neu war. 
Im Schulaufsatz käme an dieser Stelle wahrscheinlich der Satz: "Und dann fuhr ich  nach Hause", aber es war noch nicht ganz so weit, denn ich begab mich noch einmal in Halle 2, um doch noch in ein paar Neuerscheinungen zu blättern. Ich habe mich aber an mein Vorhaben gehalten und kaum Bücher gekauft. Nicht nehmen ließ ich es mir, beim jungen Mondwolf-Verlag vorbeizuschauen, der sich erstmals auf der Messe präsentierte und seine bisherigen Bücher vorstellte. Dieser österreichische Fantasy-Verlag macht optisch sehr ansprechende Bücher zu interessanten Fantasythemen. Aus zwei Ausschreibungen sind zwei Anthologien entstanden, die ich mir einfach kaufen musste, weil ich ja so gerne Kurzgeschichten lese. Diese Bücher sehen schon so märchenhaft aus, dass ich nicht widerstehen konnte. Mehr darüber, wenn ich zum Schmökern gekommen bin. 
Dann machte ich mich aber wirklich auf den Heimweg ins Hotel und zog es vor, mit meinen Mädels zu schwofen, anstatt zu bloggen. Man möge mir verzeihen. 
Der Bericht zum dritten Messetag folgt ... was für ein Glück, dass ich nicht mit den Füßen tippen muss!


Kommentare:

Soleil hat gesagt…

Hach, das muss ich verpasst haben, dass Du auch Freitag auf der Messe bist. Schade, man hätte sich mal über den Weg laufen können.
Ich wünsche Dir weiterhin viel Spaß!

Sinje hat gesagt…

Ach ja, Soleil, mir ging es auch schon so. Hinterher kamen auf einmal bergeweise Messeberichte, wo ich mich dann geärgert habe, dass man nicht doch ein Treffen ausgemacht hat. Andererseits wäre es dann aber vielleicht noch stressiger geworden, obwohl dieses Jahr der Terminstress nicht so gegeben war, sondern eher das Drumherum anstrengender rüberkam.
Vielleicht klappt es ein anderes Mal :-)

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