Donnerstag, 15. März 2012

Messeplattfußtag 1

Bild von mir, auch ohne Wasserzeichen!
Hab ich's nicht gesagt? Ich werde versumpfen. Irgendwo zwischen Büchern. Und ich werde mich nicht loseisen können aus Gesprächen. 
Was bin ich doch für ein Prophet! 
Alles ist eingetreten, wie ich es vorhergesagt habe. 
Ich bin versumpft und habe mich verquatscht, und dabei war ich gerade mal zum Orientierungslauf einen halben Tag lang auf der Buchmesse. 
Weil ich vom Fachbesuchereingang im CCL immer direkt in Halle 2 stolpere, dachte ich mir also, dass es doch günstig wäre, das nagende Volkshochschulthema gleich abzuarbeiten. Im letzten Jahr bin ich nämlich viel zu spät gekommen und habe diverse Erwachsenenbildungsbetreuer verpasst. Nicht noch einmal, schwor ich mir und eilte, Fachbesucherausweis gut sichtbar frontal platziert, zum Schulbuchverlag meiner Wahl. Siehe da, der zuständige Betreuer war anwesend und nahm sich viel Zeit für mich. Das Phänomen, das ich als Französischlehrkraft seit nun anderthalb Jahren erlebe, ist offenbar den Schulbuchverlagen bekannt, aber nicht so einfach umzusetzen. In meinem Einzugsbereich liegen die Vorkenntnisse beim lernwilligen Erwachsenen nämlich bei Null, ebenso wie deren Ambitionen, die französische Sprache auf Zertifikatsniveau zu lernen. Was macht man nun mit diesen potenziellen Schülern, die nicht nach A1 oder gar B1, sondern einfach  nur in den Urlaub wollen. Die meisten Erwachsenenlehrwerke sind für diese Zwecke buchstäblich Kanonen, die auf Spatzen schießen. Andererseits aber wird ein reines Urlaubslehrwerk schnell mit dem Selbstlernsprachkurs verwechselt und der didaktische Bedarf seitens des Schülers verkannt. Tja, und so stehen Betreuer und Dozent vor demselben Dilemma und wälzen das spärliche Erwachsenenbildungsangebot. Nach langem Gespräch habe ich nun ein neues Buch für den geplanten Sommersemesterkurs ins Auge gefasst und zudem eine Reihe Unterrichtsanregungen bekommen, die für mich als ungelernte Lehrkraft sehr hilfreich waren. 
So war also schon mal jede Menge Zeit weg, und während ich die Visitenkarte des hilfreichen Mannes in meiner Handtasche verstaute, stellte ich fest, dass ich Dussel meinen Kalender mit sämtlichen vorgemerkten Standnummern im Hotel vergessen hatte. Demzufolge trollte ich mich blind und unvorbereitet durch Halle 2. Weil dort nicht nur Bildungsbereich, sondern auch Kinder- und Jugendbuchverlage sowie die allseits beliebte Fantasy vertreten ist, kann man sich allein dort schon einen ganzen Tag lang aufhalten. Deshalb entschied ich mich, zunächst einmal Sohnemann den Vorrang zu geben und für ihn zu stöbern. Und schon versumpfte ich das nächste Mal. Beim Schlauberger-Verlag.
Charakteristisch für den Verlag ist die sonnig gelbe Aufmachung der Bücher. Beim Schlauberger-Verlag werden Sachbücher für Kinder und alle, die neugierig geblieben sind, gemacht, und das sogar zweisprachig Deutsch-Englisch. Hängengeblieben bei dem kleinen Verlag bin ich, weil mir ein Bienenbuch ins Auge sprang. Voilà, und schon war ich mittendrin in einem Gespräch, das bei der väterlichen Imkerei begann und zu einem Amselnest auf dem heimischen Balkon wechselte. Dieses Nest war nämlich ausschlaggebend für die Idee hinter den Schlauberger-Büchern, die nach der Amsel inzwischen auch einen Storch, eine Fledermaus, einen Leopard und besagte Bienen umfassen und sich auch nicht-tierischen Themen widmen. Erzählt haben wir über Kinderbücher, Tiere, Übersetzungen und die Zeit verging wie im Fluge, ehe ich aufbrach, um mal wieder über Jennifer Schreiner herzufallen ;-) 
Der Stand von Elysion Books liegt thematisch vielleicht ungünstig, aber lauffreundlich und gut auffindbar neben der Kinderbuchhandlung (in die ich - ich bin stolz auf mein noch sparsames Ich - noch nicht hineingegangen bin). Mit der Verlegerin kommt man immer rasch in ein sympathisches Gespräch, und das Programm kann sich wirklich sehen lassen. Memo an  mich: dieses Jahr endlich mal was kaufen. Weil ich ja nun aber nicht ewig den Verkehr aufhalten kann, habe ich mich bald wieder getrollt, um in Halle 4 eine Bekannte aufzusuchen, die dann aber auch beim dritten Versuch nicht am Stand anwesend war. Schade, denn heute war die einzige Gelegenheit. Dafür verließ ich Halle 4 mit erotischen Leseproben. 
In der Zwischenzeit hatte ich, wie ich feststellen durfte, gleich zwei E-Book-Vorträge, die ich mir markiert hatte, verpasst, was aber nicht ganz so dramatisch ist, weil ähnlich gelagerte Vorträge noch in den nächsten Tagen geboten werden. Anstelle dessen kam ich aber zu einem Vortrag, den ich im Vorfeld nicht herausgesucht hatte und der mich im Grunde auch weniger interessierte, weil ich an einer Weiterbildung im literarischen Übersetzen nicht interessiert bin. Die LMU München bietet derzeit ein einjähriges Aufbaustudium im literarischen Übersetzen, allerdings nur für Englisch. Ab dem Wintersemester 2012/13 ist ein Masterstudiengang in Literaturübersetzen angedacht, mit dem man nun nicht nur dem Literaturübersetzer einen echten Abschluss (anstatt eines Zeugnisses/Zertifikats) bietet, sondern auch weitere Sprache ins Angebot nimmt, zunächst Französisch, Italienisch und Spanisch. Den Studierenden, die eine Eignungsprüfung absolvieren müssen, ein abgeschlossenes Erststudium und zwei Jahre Berufspraxis als Übersetzer oder in einem Beruf mit Kulturbezug o. ä. vorweisen müssen, soll ein praxisorientiertes Studium mit straffem Programm geboten werden. Auch wenn ich selber nicht zum Literaturübersetzer mutieren will, nutzte ich die Gelegenheit zu einem kurzen Gespräch mit der Referentin, die selbst als Literaturübersetzerin tätig ist. Wie alle Literaturübersetzer, die ich bislang kennenlernen durfte, ist sie sehr leidenschaftlich bei der Sache und sieht das Übersetzen als sekundärkreative Tätigkeit, die sie mit der Arbeit eines Schauspielers oder Musikers verglich, die ein bestehendes Werk interpretieren und quasi zu einem halbneuen Werk machen. Auch sie plädiert für die Anerkennung des Übersetzers, die sich nicht zuletzt auch in der Nennung des Übersetzers in Verbindung mit einem übersetzten Werk niederschlagen muss. Im Gegensatz zu mir, die ich als Wald- und Wiesenübersetzerin vornehmlich als Dienstleister in Erscheinung trete, ist ein Literaturübersetzer nämlich Urheber genauso wie ein Autor ein Urheber ist. Für mich als Übersetzer ist es interessant, zu erfahren, inwieweit sich das literarische Übersetzen von meinem alltäglichen Übersetzen unterscheidet. Literarisches Übersetzen war nämlich nicht Bestandteil meines Studiums, weshalb ich sehr neugierig bin. Einiges, unter anderem Amüsantes, aber auch Leidliches, wie den allgegenwärtigen Termindruck, vor dem auch der Literaturübersetzer nicht gefeit ist, haben wir bereits angerissen. Da uns aber nicht so viel Zeit zur Verfügung stand, werden wir unser Gespräch in Kürze per E-Mail fortsetzen und ich werde hier über die Ergebnisse berichten. 
Sieht später aus, als es war :-)


Das mag nun nach keiner großen Ausbeute klingen, aber ich hatte ja bereits angekündigt, dass ich die Leipziger Buchmesse in diesem Jahr ganz entspannt und stressfrei angehen werde. An meinem ersten halben Tag ist es mir gelungen, mir einen Überblick zu verschaffen, sodass ich in den nächsten Tagen detaillierter nachhaken kann.

Immerhin habe ich morgen keinen anderweitigen Wartezeittermin, sodass ich gleich vormittags ins Messeabenteuer starten kann. 
Ich erwarte wieder ein sehr individuelles Erlebnis und Aua-Füße.

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