Freitag, 24. Februar 2012

... über "Mortal Kiss: Wem gehört dein Herz" von Alice Moss

Alice Moss

Kurze, nette Fortsetzung, die erst spät in Gang kommt

Achtung, Spoiler zum ersten Band Mortal Kiss: Ist deine Liebe unsterblich? möglich

Zum Inhalt:
Nach den Ereignissen von "Ist deine Liebe unsterblich" ist in Winter Mill wieder Ruhe eingekehrt. Faye und ihre Freunde, sogar Finn, gehen regulär zur Schule und erwarten nichts sehnlicher als die bevorstehenden, langen Sommerferien. Nach diesem Schuljahr, besonders nach diesem Winter, der für Faye und ihre Freunde eine böse übersinnliche Überraschung bereithielt, aber auch Finn an ihre Seite führte, haben sich alle eine Auszeit redlich verdient. Deshalb soll auf dem Morrow-Anwesen, von dem nun keine Gefahr mehr ausgeht, wenn man von den fortbestehenden Eifersüchteleien und Reibereien zwischen den Halbbrüdern Lucas und Finn einmal absieht, zunächst eine Party gefeiert werden. Wer aber nicht auf der Party erscheint, ist Lucas. Während Faye sich sofort Sorgen macht, reagiert Finn mit Gleichgültigkeit und Eifersucht. Faye aber hat ein sehr ungutes Gefühl, denn sie wird von Träumen verfolgt, die sie nicht zu deuten vermag. Sie ahnt, dass vielleicht doch noch nicht alles vorbei ist. Inzwischen plagen Finn ganz andere Sorgen. Nach all den Jahrhunderten, die er nun auf der Welt weilt, ist er zwar am Ort seiner Bestimmung, Faye, angekommen, fragt sich aber, ob das nun alles war. Er wird bei Fayes Tante sesshaft, während seine Biker nach dem Verlust ihres Anführers auf der Stelle treten und auf die Entscheidung, weiterzuziehen, warten. Dann aber tauchen Fremde auf, überfallen die Gang und kidnappen einige Mitglieder. Langsam schwant es Finn, dass Faye mit ihrem unguten Gefühl recht haben könnte. Anstatt also einen gemütlichen Sommer zu verbringen, brechen die Biker, Finn und Faye auf, um die verlorenen Gangmitglieder und Lucas zu suchen. Ihre Reise führt sie in eine alte Bergbaustadt, in der das Silber nicht das Einzige ist, dass sich den Wölfen entgegenstellt ... 

Meine Meinung: 
Der Auftaktband zu Alice Moss' Mortal-Kiss-Reihe hatte keinen besonderen Suchtfaktor bei mir ausgelöst. Vor allem blasse Charaktere und Unstimmigkeiten in der Handlung hinterließen eher einen durchwachsenen Eindruck. Vielleicht lag es am Cover, das im Gegensatz zum ersten Roman recht düster gestaltet ist, dass ich inzwischen doch das Bedürfnis nach Zwischendurch-Lektüre verspürte und mir die Fortsetzung kaufte. 
Die erste Überraschung war, dass "Wem gehört dein Herz?" dünner ist als "Ist deine Liebe unsterblich?". Alice Moss erzählt ihre Fortsetzungsgeschichte auf gerade einmal 237 Seiten, die in derselben großen Schrift, mit demselben lesefreundlichen Zeilenabstand gesetzt sind wie schon Band, der, ebenfalls in Festeinbandaufmachung, immerhin auf 347 Seiten kam. Nun sind kurze Geschichten natürlich ebensowenig von vornherein schlecht wie Geschichten jenseits der 500 Seiten, dennoch drängte sich mir beim Lesen der Eindruck auf, dass die Autorin einfach nicht mehr erzählen wollte oder durfte. Ich denke sogar, dass die Menge für die Leserzielgruppe von 12 bis 15 Jahren ausreichend ist, mir persönlich war "Wem gehört dein Herz?" aber etwas zu wenig. Vor allem, weil sich die Figuren gegenüber Band 1 kaum entwickeln, in den entscheidenden Situationen zwar wieder mutig handeln, aber die große Liebe und auch der große Böse einigermaßen konstruiert erscheinen. 
War zu Beginn von "Ist deine Liebe unsterblich?" Fayes Hobby, die Fotografie, noch überthematisiert worden, ohne von echter Bedeutung für deren Charakter oder die Handlung zu sein, so ist in "Wem gehört dein Herz?" davon gar nichts mehr zu lesen. Vielmehr geben sich Faye und ihre Freundin Liz wieder einmal Outfitfragen hin, die im angestrebten Lesealter Spaß machen, mir aber weniger wichtig vorkommen als die Emotionen, die die Charaktere durchleben (müssen). So gefiel es mir recht gut, dass Finn, der im ersten Band noch mit besitzergreifender Eifersucht nervte, inzwischen einen Hauch von Zweifeln zeigt. Immerhin ist er quasi am Ende eines jahrhundertelangen Weges, war stets rastlos, sodass ihm die neuerliche Sesshaftigkeit berechtigtes Kopfzerbrechen bereitet. Seine Biker im Stich zu lassen, widerstrebt ihm. Gleichzeitig ist er sich unsicher, ob seine Beziehung zu Faye tatsächlich für die Ewigkeit bestimmt ist. Seinen Halbbruder Lucas will er nicht akzeptieren, worunter sein Verhältnis zu Faye leidet. Sie hängenlassen kann er aber ebenfalls nicht. Dass er ihr jedoch kaum helfen kann, weil, und hier greift Alice Moss auf interessante Weise auf die Werwolfmythologie zurück, der Wolf in ihm durch Silber geschwächt wird, es aber trotzdem verbissen versucht, verleiht ihm Sympathiepunkte. Positiver Nebeneffekt dieser Schwäche der Wölfe ist außerdem, dass gerade die Charaktere, die frei von paranormalen Lasten sind, mit Mut und Engagement glänzen dürfen. Besonders Liz, die im langweiligen Alltag gerne mal auf die "Einzelhandelstherapie" zurückgreift, darf, wieder unterstützt von Jimmy, zu Hochform auflaufen.
Wenig glänzt hingegen der "Böse des Sommers", der zwar eine bemerkenswerte Idee für seinen geradezu erfrischend egoistischen Plan mitbringt, aber einen klischeehaften Neurussen verkörpert, der eher nervt, als wahre bösartige Düsterheit auszustrahlen. Fast wie im Märchen sorgt die Autorin aber auch dafür, dass das Gute wirklich Gutes tut und man nicht jeden Toten für bare Münze nehmen darf. Interessanterweise ist es bei ihr ausgerechnet das Böse, das einige Grauschattierungen mitbringt, die Raum für Spekulationen lassen.
Als Leserin, die dem Zielgruppenalter längst entwachsen ist, stört mich nach wie vor die geringe elterliche Präsenz in Alice Moss' Geschichten. Da werden Teenager ohne weiteres auf vorgebliche Campingtrips geschickt, und es sorgt sich offenbar niemand, wenn diese sich nicht melden. Finn, der zwar ein paar Jahrhunderte auf dem Buckel hat, ist trotzdem ein Schutzbefohlener, sodass es verwunderlich scheint, dass er keinerlei behördliches Interesse weckt. Auch wenn kein Händchenhalten mehr erforderlich ist, fehlt mir über weite Strecken der familiäre Bezug. Dieser wird dann allerdings im Endspurt doch noch überraschend hergestellt. 
Glücklicherweise erzählt Alice Moss auch in "Wem gehört dein Herz?" wieder flott und unkompliziert, sodass man sich schnell durch die wenig ereignisreiche erste Hälfte liest und am Ende doch noch Überraschungen und Spannung genießen kann. Auch der Epilog von "Wem gehört dein Herz?" bietet Raum für eine Fortsetzung, nachdem die eigentliche Geschichte dieser Fortsetzung in sich geschlossen war. Wir werden also sehen, was Alice Moss noch für ihre Charaktere bereithält.

Fazit: 
Schnell konzipierte paranormale Geschichte, der es nicht gelingt, rasant zu sein, und die ihrem Vorgänger in nichts nachsteht, ihn aber auch nicht überflügeln kann. Trotzdem dürften Leserinnen im entsprechenden Alter Gefallen an den übersinnlichen Ereignissen rund um Magie, Werwölfe und die große, vorherbestimmte Liebe finden.

Gesamteindruck: 
3 von 5 Weißdornzweigen





  • Gebundene Ausgabe: 236 Seiten
  • Verlag: Ink; Auflage: 1 (9. Februar 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3863960270
  • ISBN-13: 978-3863960278
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: 12 - 15 Jahre
  • Originaltitel: Mortal Kiss: Fool's Silver
  • Neupreis: 14,99 €

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