Mittwoch, 1. Februar 2012

Schmökern mit Sohnemann #2


Wer mich auf Facebook verfolgt, kennt meine wöchentlichen Schweißausbrüche, wenn es wieder heißt, Gegenstände zu bestimmten Anlautwörtern zusammenzutragen und für die Schule zusammenzupacken (dafür gibt es nämlich immer einen Lobstempel, also darf man schon mal den Streber raushängen lassen). 

Da das aber nicht chronologisch vorangeht, dürfen wir uns jede Woche überraschen lassen. 
Diese Woche steht ganz im Zeichen des F. 
Als hätte es mein Sohn geahnt, hat er sich als Lesestoff für die letzten drei Tage die freundliche Schildkröte von nebenan, Franklin, ausgesucht. 
Über den Weg gekrochen ist uns der grüne Abenteurer natürlich im Fernsehen, und seinerzeit hieß er bei meinem Sohn noch "Länklink". Länklink fand nicht nur bei dem Kleinen, sondern auch bei uns Großen Anklang, vor allem, weil die animierte Kinderserie sehr liebevoll und vor allem erkennbar gezeichnet ist und in eher gemächlichen Bildern erzählt, anstatt turbulentes Farbenwirrwarr zu produzieren, dem man als Erwachsener schon keine zwei Minuten zuschauen kann. 

Obwohl mein Sohn inzwischen sicher jede Geschichte von Franklin kennt, stand es für  mich außer Frage, die Bücher nicht zu kaufen. 

Nur gut, dass ich Kinderbüchern nicht widerstehen kann, denn die Franklin-Bücher lese ich mittlerweile seit 3 Jahren vor, und nun liest mein Sohn versuchsweise mit. 
Das empfohlene Alter ist bei Amazon zwar mit 1 bis 3 Jahren angegeben, aber ich bezweifle stark, dass in diesem Alter der Sinn der Geschichten tiefgehend zu erfassen ist. Da dürften doch die schönen Bilder im Vordergrund stehen. Zumindest hatte ich bei meinem Sohn immer den Eindruck, dass ihn an Franklin weniger die Handlungsstränge um Freundschaft und Helfen (= pädagogischer Zeigefinger) interessierten als vielmehr die Tatsache, dass Franklin ein tolles Fahrrad hat und auch mal Dummheiten macht (dass er dann aber einsehen muss, Fehler gemacht zu haben, für die man gerade stehen muss, kam im empfohlenen Alter bei meinem Sohn noch nicht an). Außerdem fand es mein Sohn nach und nach spannend, dass Franklin ja ein Schulkind (Schultier?) ist und in diesem Zusammenhang einige Abenteuer erlebt.
Das Papier ist zwar etwas dicker, aber trotzdem nicht reißsicher zwischen Kleinkindhänden. Wahrscheinlich war ich in der Erziehung zu nachlässig, denn mein damals Dreijähriger hatte einige Nichtpappbücher auf dem Gewissen ...
Unabhängig davon meine ich, dass man für ein geringeres Alter empfohlene Bücher auch noch dann lesen kann, wenn man wirklich lesen kann, sofern eben die entsprechende Begeisterung vorhanden ist.

Die Franklin-Bücher sind eher Hefte, denn sie sind nur 32 Seiten dick und umfassen genau eine Geschichte. Sie enthalten auf den Doppelseiten stets eine vollseitige Abbildung ohne Text und daneben eine Abbildung mit Text, der maximal eine halbe Seite einnimmt. Die ersten Geschichten waren noch mit Festeinband und dadurch entsprechend preisintensiv. Wie es aussieht, war die Schildkröte auch deshalb hierzulande nicht auf erfolgreichem Eroberungskurs ... 

Gestartet sind wir, wie angekündigt, mit Franklin möchte helfen, einer Geschichte, in der Franklin sich, eigentlich wie immer, von seiner hilfsbereiten Seite zeigt, dabei aber, wieder mal, übers Ziel hinausschießt und sich einigen Unmut bei seinen Freunden zuzieht. Als "Opfer" der Hilfsbereitschaft muss Schnecke herhalten, die noch langsamer ist als die Schildkröte, wobei Franklin aber mächtig unterschätzt, welche große Persönlichkeit in seiner kleinen Freundin steckt.
Weiter ging es mit dem ganz großen Klassiker Franklin der Held. Das ist wahrscheinlich die Lieblingsgeschichte meines Sohnes, der bekanntermaßen eine Schwäche für Superhelden hat. Die haben nämlich auch Franklin und Schnecke. Diese beiden schwärmen für das Superkänguruh namens Dynaroo, und eines Tages soll die Heldin doch tatsächlich in den örtlichen Buchladen kommen. Natürlich wollen Franklin und Schnecke dabei sein, aber auf dem Weg dahin gibt es ein Hindernis, das sie selbst zu Helden werden lässt, sie aber zu spät in den Buchladen kommen. 
Wir könnten zwar bis nächste Woche weiter Franklin lesen, aber mein Sohn hat beschlossen, dass nach der Superheldengeschichte passend noch Franklin und die Überraschung drankommen sollte, bevor er sich einer Buchreihe widmet, die uns von meiner Blognachbarin Sue empfohlen wurde. Passend deshalb, weil es auch in dieser Geschichte um Franklins Superheldenleidenschaft geht, dieses Mal nämlich um das höchst beliebte Spielzeug Powerman. Franklins Freund Bär hat nämlich bald Geburtstag, sodass Bärs Mama Frau Schildkröte bittet, ihr Geschenk im Schildkrötenhaus zu verstecken, damit Bär es nicht finden kann. Aber Franklin ist einfach viel zu neugierig und spioniert im Wandschrank ... 
Während ich die Bücher sehr gerne vorlese, finde ich sie für erste Leseschritte nicht ganz so optimal. Ich stelle fest, dass mein Sohn komplexe Sätze beim Hören zwar gut erfassen kann und da nicht zwangsläufig einfache Sätze im SPO-Schema benötigt. Beim Selberlesen sind Kommata mächtige Stolpersteine. Als mein Sohn noch nicht in die Schule ging, habe ich mich immer an der großen Schrift in Kinderbüchern gestört, nun sehe ich aber, dass mein Sohn tatsächlich mit den Fingern liest. Das heißt, er spurt die Buchstaben nach, weil er in der Schule das Schreiben im Wege des Erlebens, z. B. durch Schreiben in Sand oder auf dem Rücken des Banknachbarn usw., lernt, wobei dem Nachspuren wohl eine große Bedeutung zukommt (man sieht, ich bin zwar ein Pädagogenkind, habe aber von Pädagogik keine Ahnung). Deshalb könnte die Schrift in den Franklin-Bücher tatsächlich etwas größer sein. Auch wenn das eigenständige Lesen etwas länger dauert, macht die Lektüre jetzt erst recht umso mehr Spaß. Also: Daumen hoch für die Schildkröte!

Leider ist die liebenswerte Schildkröte bei Lingoli inzwischen nicht mehr erhältlich. 
Schade. 
Dann müssen wir eben das, was wir haben, immer wieder lesen. 
Müssen? 
Ach was! 
Das machen wir doch gerne, und wenn sich dann noch so ein netter Nebeneffekt ergibt, dass mein Sohn nie ohne Fahrradhelm auf den Drahtesel steigt, weil nämlich Franklin einen trägt, natürlich umso lieber.

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