Sonntag, 19. Februar 2012

3 in 1 mit Sandra Marton bei Julia Bestseller

(c) Cora-Verlag
Arbeit ("Bitte dringend behandeln und unbedingt vorziehen!") und umfangreiches Schmökern mit Sohnemann ("Ach komm, Mama, 20 Seiten schaffste noch! So schlimm klingt deine Stimme doch noch gar nicht!") halten mich derzeit mehr oder weniger erfolgreich von meinem Schmachtstoff ab, weshalb sich die ungelesenen Bände meines Julia-Bestseller-Abos immer mehr anstapeln. 
Trotzdem ist es mir dank eisernem Willen und andauerndem Herzschmerz-Seufz-Bedürfnis gelungen, wenigstens Band 121 zu lesen, denn Sandra Martons attraktive, liebenswerte O'Connell-Familie wollte ich mir nicht entgehen lassen.
Nachdem im Sommer 2011 die ersten drei Teile der "Saga" in einem Julia-Bestseller-Band neu aufgelegt wurden, zog der Cora-Verlag im Januar 2012 mit den verbleibenden drei Geschwistern, die es unter die Haube zu bringen galt, nach. 
Das von der Autorin Sandra Marton erdachte gesundheitlich angeschlagene, aber sehr eigenständige und starke Oberhaupt des geschäftig-emsigen O'Connell-Clans, Mary Elizabeth O'Connell-Coyle, hat ordentlich für Nachwuchs gesorgt und drei Söhne und drei Töchter in die Welt gesetzt, die allesamt ihren eigenen Weg verfolgen und von ihrer Mutter stets unterstützt werden, ganz gleich, ob sie die Lebensweise ihrer Kinder hundertprozentig billigt oder nicht. 
In den ersten drei Romanen wurden bereits zwei Söhne und eine Tochter nach entsprechenden Verwicklungen verkuppelt (und verheiratet), und Nachwuchs ist ebenfalls bereits da bzw. unterwegs. 
Deshalb ist es höchste Zeit, auch den Rest unter die Haube zu bringen, aber das wird bei den nächsten drei Kandidaten gar nicht so einfach, denn deren Eheschließungen lassen sich keineswegs so hübsch traditionell herbeiführen, wie es noch bei Keir, Cullen und Fallon der Fall war. 

In "Ein orientalischer Märchentraum" (im Original: The Sheikh's Convenient Bride) ist nun Megan O'Connell an der Reihe. Sie ist eine kluge Unternehmens-/Finanzberaterin und hat ihren eigenen Kopf, der ein gutes Stück dazu beiträgt, dass sie sich im männerdominierten Business behaupten kann und sehr erfolgreich ist. Das nützt ihr aber nicht sonderlich viel, als ihr nächster Job tatsächlich ein Auftrag für den Scheich von Suliyam wird. Megan zeigt sich zunächst so gar nicht beeindruckt von Seiner Hoheit Qasim, denn mit den antiquierten, frauenverachtenden Traditionen seines Landes kann sie sich nicht identifizieren und will deshalb einfach nur ihren Job erledigen. Das klappt allerdings nicht so, wie sie sich das vorstellt, denn Qasim, dessen Mutter ihn als Kind verließ und nach Kalifornien flüchtete, stellt einen meterlangen Verhaltenskodex für ihren Aufenthalt in seinem Land auf, der dazu führt, dass Megan den Job an einen Kollegen abtritt, weil sie sich nicht verbiegen lassen will. Natürlich ist Megan die Beste in ihrem Job, sodass Qasim bald persönlich vor ihrer Tür steht und sie buchstäblich anfleht, mitzukommen. Auch wenn er es nicht zugeben will, fühlt er sich von der eigenwilligen Frau immens angezogen, weshalb es zwischen beiden gewaltig knistert, sobald sie aufeinandertreffen. Widerwillig begleitet Megan Qasim nach Suliyam, wo sie sich krampfhaft den Gepflogenheiten unterwirft, bis sie bei einem Geschäftstreffen mit einem ebenso stur-antiquierten potenziellen Partner nicht mehr an sich halten kann und für einen Eklat sorgt, der nur mit einer getürkten orientalischen Heirat mit Qasim zu retten ist. So lernt Megan den wahren Mann und nicht nur den Scheich kennen und ... lieben, doch ein Märchen aus 1001 Nacht ist eben nur ein Märchen ... 

Flotte Romanze mit herrlichen Reibereien, die der Autorin offenbar unbeschwert von der Hand gehen, mit orientalischer Kulisse, die zwar nicht überkitschig wirkt, aber sich leider vor Klischees nicht retten kann. 
Trotzdem nett und kurzweilig zu lesen. 

 


 

In "Spiel der Herzen" (im Original: The One-Night Wife) schickt die Autorin den letzten O'Connell-Sohn Sean ins Rennen. Mit seinen 30 Jahren wirkt er im Vergleich zu seinen großen Brüdern Keir (aus Keir O'Connell's Mistress) und Cullen (Claiming His Love-Child) etwas "unreif" und vermittelt den Eindruck, er müsse sich noch etwas austoben. Dabei ist er keineswegs ein Haudrauf, sondern bringt trotz aller Lebenslust die notwendige Portion Vernunft mit, die ihn zu einem sympathischen Charakter macht. So hat er ein "ordentliches" Studium abgeschlossen, das er aber (noch) nicht nutzt, sondern seinen Lebensunterhalt als Profi-Spieler verdient. Seine Mutter Mary macht sich, nicht unberechtigt, denn ihr erster Mann war ein Spieler, zwar Sorgen um ihn, lässt ihn aber gewähren, denn offensichtlich hat er kein Spielproblem, sondern kommt sehr gut durch sein Leben. Nun ja, vielleicht nicht ganz so gut, denn im Spiel macht man sich offenbar auch einige Feinde. Obwohl Sean O'Connell als Profi nicht falsch spielt und sein Geld rechtmäßig verdient, hat er, auch wenn er es noch nicht weiß, den Fiesling Alain Beaumont an der Backe, der einmal jede Menge Geld an ihn verloren hat. Um an Sean heranzukommen, setzt Beaumont die schöne Savannah auf ihn an, die eine meisterliche Spielerin ist und das verlorene Geld zurückgewinnen soll. So begegnet Sean ganz zufällig Savannah, die ihn bezirzt, aber trotzdem haushoch verliert. Ihre Spielschulden fordert Sean zunächst in Form einer gemeinsamen Nacht ein, verzichtet dann aber auf Geltendmachung seiner Ansprüche, weil ihn die Nachricht ereilt, dass Mary ein weiteres Mal im Krankenhaus liegt. Die O'Connell-Matriarchin hat einen Schlaganfall erlitten, und aus Sorge um sie versammeln sich alle O'Connell-Sprößlinge an ihrem Krankenbett. Obwohl es ihr schon bald besser geht, äußert sie gegenüber Sean einen Wunsch. Übereifrig sagt er zu, ihr jeden Wunsch widerspruchslos zu erfüllen, ahnt aber noch nicht, dass seine Mutter sich wünscht, ihn an ihrem bevorstehenden Geburtstag verheiratet zu sehen. Nicht nur, dass es bis dahin nicht mehr allzu lang hin ist, nein, Sean hat nicht einmal das Bedürfnis, eine Bindung einzugehen. Für seine Mutter würde er aber alles tun, weshalb er eine Schmierenkomödie beschließt. Ohne zu wissen, dass Beaumont Savannah erpresst und für seine Zwecke missbraucht, "löst" er sie bei ihm aus und stellt sie sozusagen als seine Verlobte ein. Mit wenig Begeisterung, aber zum Wohle ihrer kranken Schwester, über die man leider nichts Genaues erfährt, außer, dass sie in einem Schweizer Sanatorium gepflegt wird, willigt Savannah ein. Selbstverständlich verleugnen sich beide engstirnig, dass sie längst mehr für einander empfinden, als für eine Zweckbeziehung nötig wäre. Bald aber können sie einander nicht mehr widerstehen ...

Seichte, aber kurzweilige Romanze mit etwas zu viel Versteckspiel in vielerlei Hinsicht, wodurch die Figurenhintergründe an Substanz einbüßen und das Happy End übereilt herbeigeführt wird. 





"Der Kuss des Sizilianers" (The Sicilian Marriage) führt den jüngsten und letzten unverheirateten O'Connell-Sproß Briana (Bree) nicht etwa, wie man vermuten könnte, an den Schauplatz von "Sizilianischer Zauber" (The Sicilian Surrender), sondern zunächst in das New Yorker Penthouse von dessen Protagonisten, Fallon und Stefano, die, wie wir aus diesem Band wissen, bereits verheiratet sind. Inzwischen ist auch Nachwuchs da, sodass Gianni Firelli, einer von Stefanos besten Freunden, zur Babyparty eingeladen wird, die er, weil es die gefühlte hundertste in der letzten Zeit ist, recht angenervt, aber keineswegs verbittert, aufsucht. Dort begegnet er Briana, von der er sich sofort ungemein angezogen fühlt. Sie aber lässt den attraktiven Italiener schroff abblitzen, womit sie seine Leidenschaft, obwohl er eigentlich eine Freundin hat (von der dann aber sehr bald nichts mehr zu hören und zu sehen ist), noch extra schürt, bis es im Fahrstuhl schließlich doch zu leidenschaftlichen Küssen kommt. Briana, die von ihren Geschwistern für "flatterhaft" gehalten wird und sich offenbar noch "nicht gefunden" hat, hat aber kein Interesse an einer Beziehung, will selbst für sich sorgen und sich nicht für einen Mann aufgeben, wie es ihrer Meinung nach ihre Mutter Mary für ihren ersten Mann, den Vater der sechs O'Connell-Geschwister, getan hat. Sie versucht sich in verschiedenen Aushilfsjob und ist gerade mit halbem Fuß auf dem Weg zu einem neuen Vorstellungsgespräch, als Gianni mit einer traurigen und überraschenden Nachricht vor ihrer Tür steht: Ihre beste Freundin und ehemalige Zimmergenossin vom College, Karen, und ihr Mann Tomasso, seines Zeichens Giannis bester Freund, sind auf Sizilien tödlich verunglückt und haben Briana und Gianni, die sich bis dato ja gar nicht kannten, als Vormund für ihre sechs Monate alte Tochter Lucia eingesetzt. Weil Briana sich Karens letztem Willen nicht entziehen möchte, folgt sie Gianni, der passenderweise Anwalt ist, nach Sizilien, um eine Einigung mit Lucias Großmutter, die ziemlich versteinert und grantig daherkommt und zudem auch noch der "Familie" angehört, zu finden. Dummerweise scheint eine Zweckheirat der einzige Ausweg zu sein, um Lucia der Großmutter zu entziehen und wirklich für sie sorgen zu können. Während das Baby Brianas Herz im Sturm erobert, ist sie jedoch hin- und hergerissen von ihrer bisher ungekannten Leidenschaft für Gianni und einem Gefühl, das ganz nach Liebe aussieht ... 


Leidenschaftliche Romanze, die mit süßem Baby für rührselige Lesemomente sorgt und die O'Connells nun rundum glücklich macht. 






Das waren sie nun also, die O'Connells, und sie lassen das romanzenbegeisterte Herz wirklich höher schlagen. Da sieht man schon beinahe gern über das unverkennbare Schema der Scheinheirat, das sich durch die letzten drei Bände zieht, hinweg. Im Gegensatz zu den ersten drei Romanen der O'Connell-"Saga" wirken die Schauplätze nun allerdings eher wie ein notwendiges Übel, anstatt einen ebenbürtigen Rahmen zu bilden. Während das Ambiente nur noch eine untergeordnete Rolle spielt, widmet sich Sandra Marton deutlich mehr den Hintergründen der von ihr entwickelten Großfamilie und lässt immer wieder subtil Vergangenes einfließen, um ihren Figuren einen nachvollziehbaren Entwicklungshintergrund zu geben und verständlich zu machen, warum wer wie handelt. Zusätzlich treten die Protagonisten der vorangegangenen Romane als Nebenfiguren auf. Sie tragen einerseits dazu bei, dass der Familienbezug erhalten bleibt, und rücken andererseits manches Mal den aktuellen Protagonisten den Kopf zurecht. Sandra Marton gelingt es gut, die Balance zwischen der Anziehung der Protagonisten und deren echten Zueinanderfinden zu wahren. Obwohl ihre Charaktere ausnahmslos schön und begehrenswert gezeichnet sind, übertreibt sie es nicht mit gegenseitigem Geschmachte und gestaltet die zugehörigen intimen Szenen geschmackvoll und nicht ausufernd. Dass die routiniert erzählten Handlungsstränge einen Hauch von Seifenoper versprühen, gehört zum Genre und sei ihr verziehen. 
Sandra Marton bietet auf jeden Fall angenehme Lesemomente für zwischendurch, wenn einem der Sinn nach leichten Liebesromanen steht, die die Leserin mit einem zufriedenen Lächeln zurücklassen. 


Edit: Vielen Dank einmal mehr an meine liebe Blognachbarin Sue, die mich immer auf meine Rechtschreibfehler aufmerksam macht. :-)

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