Dienstag, 21. Februar 2012

3 in 1 mit Linda Howard bei Julia Bestseller #2

(c) Cora-Verlag
Da man die Julia Bestseller in der Regel unabhängig voneinander lesen kann, wenn man nicht gerade eine Reihe erwischt hat, ist es überhaupt nicht dramatisch, dass ich den Linda-Howard-Band vom September 2011 jetzt erst gelesen habe. 
Die US-amerikanische Bestsellerautorin deckt eine große Bandbreite an Liebesromanen ab, die neben Historicals Contemporarys und Romantic Suspense umfasst, und Band 117 bietet einen ganz guten Überblick.

Mit "Die Farbe der Lüge" (White Lies) liegt ein Roman aus dem Romantic-Suspense-Genre vor. Wie so oft bei diesen Sammelbänden, die einen kleinen Schaffensquerschnitt der jeweiligen Autorinnen bieten, ist dieser Roman nicht ganz neu, sondern bereits in den 1980ern im Original und vor nicht allzu langer Zeit auch bei Mira Taschenbuch schon als Einzelausgabe erschienen. Auch er gehört zur Rescues-Reihe und schließt diese offenbar ab. "Die Farbe der Lüge" hat jedoch deutlich mehr Spannung zu bieten als der Vorgänger "Michelle in Gefahr".  

Janet Jean Granger, genannt Jay, hat einen wirklich schlechten Tag. Da hat sie sich jahrelang abgerackert, sich von den Herren der Schöpfung im Büro so verbiegen lassen, bis sie die Investmentbankerin wurde, die sie sein sollte, nur damit sie nun mit 30 ohne Job da steht. Frisch entlassen, megasauer und einigermaßen verzweifelt, weil sie nicht so recht weiß, wie sie ihren bisherigen, keineswegs verschwenderischen, aber hohen Lebensstandard aufrechthalten soll, hat sie gerade noch auf Besuch vom FBI gewartet. Auf einmal steht nämlich ein Agent in ihrer Wohnung und will sie in ein Militärkrankenhaus mitnehmen, in dem sie ihren bei einem Anschlag schwer verletzten Ex-Mann Steve, den sie seit der Scheidung vor fünf Jahren nie mehr gesehen hatte, identifizieren soll. Auch wenn die Geschichte, die ihr der Agent auftischt, wenig überzeugend ist, reist sie mit und identifiziert den Mann notgedrungen, obwohl an ihm im Grunde nichts identifizierbar ist. Während sie am Krankenbett sitzt und mit dem Komapatient spricht, scheint er aufzuleben, woraufhin man sie bittet, zu bleiben. Kost und Logis sollen übernommen werden, sodass sie sich keine Sorgen machen müsse. Nach und nach kommt Steve zu sich und zu Kräften, kann sich aber an nichts erinnern, und als zuletzt die Augenverbände abgenommen werden, stellt Jay entsetzt fest, dass dieser Mann, in den sie sich wieder zu verliebt haben meint, gar nicht ihr Ex-Mann ist. Hin- und hergerissen von den Gefühlen für den Fremden willigt sie schließlich ein, mit ihm eine abgelegene, gesicherte Hüte zu beziehen. Doch mit zunehmender Erinnerung des Mannes kehrt auch die Gefahr zurück ... 


Nicht immer glaubwürdige, aber recht mitreißende Liebesgeschichte mit mehr Romance als Spannung und Charakteren, die sich im wechselseitigen Versteckspiel nicht viel nehmen und damit zwangsläufig Konflikte heraufbeschwören. Erfreulicherweise wird der emotionalen Annäherung und dem Kennenlernen der Protagonisten mehr Raum gewährt als sexuellen Fantasien und bloßen Intimitäten, wodurch die Romanze mehr Substanz erhält. Allein die Hintergrundgeschichte um den Bösewicht der Stunde bleibt etwas blass und schmälert zusätzlich den Spannungsfaktor.




"Gegen alle Regeln" (ausnahmsweise dem englischen Originaltitel einmal näher: Against the Rules) ist zur Abwechslung ein Einzelroman, aber auch dieses "Frühwerk" führt die Liebesromanleserin auf eine Ranch, sodass man den Eindruck gewinnt, dass das weite, wilde Land und die mit der Landarbeit verbundenen Sorgen ein Lieblingsthema der Autorin sind. 

Ihre Protagonistin Cathryn hat sich über Jahre tunlichst fern von der Farm ihres Vaters gehalten. Seit sie aufs College ging, weiß sie die Annehmlichkeiten der Großstadt Chicago zu schätzen und will nur ungern auf sie verzichten, selbst wenn sie sich vor der harten Arbeit an sich überhaupt nicht scheut. Außerdem erwarten sie auf der heimischen Farm lediglich Stiefschwester und Stiefmutter und Ranchaufseher Rule Jackson, der eine sinnliche Erinnerung in ihr weckt, mit der sie abgeschlossen zu haben glaubt. Ihr Vater hinterlässt die Familienranch Bar D ausschließlich ihr, dennoch lässt Cathryn, die inzwischen verheiratet ist, die anderen schalten und walten, weil sie sich nicht der Erinnerung an den Vater und der emotionalen Kälte ihrer Stiefmutter aussetzen will. Dann aber stirbt ihr Mann nach schwerer Krankheit, und weil Rule die eher streunerhafte, fachlich inkompetente Stieffamilie nicht mehr gebändigt bekommt, holt er die junge Witwe kurzerhand zurück aufs Land, damit sie ihre Aufgabe ausübt und endlich der Boss ist. Dort stellt sie überrascht fest, dass Rule aus der einstigen Rinderranch inzwischen eine einträgliche Pferdefarm gemacht hat. Dass der raue, starke Mann sie seit acht Jahren begehrt, weiß Cathryn nicht erst seit dem damaligen Schäferstündchen am Fluss, aber dass er, der noch immer von Vietnam verfolgt wird, wirklich sie und nicht nur das Land, auf dem ihr Vater dem einst jungen Wilden eine Chance gegeben hat, liebt, wagt sie noch nicht zu glauben ...

Romanze zweier Charaktere, die emotional belastet sein sollten, aber überraschend schnell Leidenschaft über Trauer und Trauma siegen lassen. Gleichzeitig ist der Frauencharakter erfrischend selbständig und verfällt nicht ins Jammern, während der Held zwar dominant und bestimmend, aber weniger übergriffig als manch anderer Protagonist in anderen Werken der Autorin daherkommt. Leider nerven die klischeehafte Stiefmuttergeschichte und die zweifach geschiedene, kindisch-zickige Stiefschwester enorm.

  




Zu guter Letzt gesellt sich noch eine paranormale Liebesgeschichte in diesen subgenretechnisch recht abwechslungsreichen Sammelband. "Raintree: Aus dem Feuer geboren" (Raintree: Inferno) ist eine jüngere Arbeit Linda Howards und bildet den Auftakt zu einer Trilogie, deren weitere Bände allerdings aus der Feder anderer Autorinnen stammen. Auch dieser Roman sowie die beiden Nachfolger sind bereits bei Mira Taschenbuch als Einzelausgaben erschienen. 

"Raintree: Aus dem Feuer geboren" ist in Band 117 die kürzeste Geschichte und macht nur knapp über hundert Seiten von den insgesamt 446 Seiten aus. Während der Lektüre konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier gekürzt wurde. Rezensionen zur Mira-Taschenbuch-Ausgabe beklagen hingegen ebenfalls die Kürze, wonach der Trilogie-Auftakt offenbar wirklich nicht durch Länge besticht. Ebenfalls nicht besticht er durch Tiefgang, was ihn in meinen Augen zum schwächsten Beispiel der Romane, die ich bislang von Linda Howard gelesen habe, macht. Unverkennbar will hier auf den paranormalen Trendzug aufgesprungen werden, was zwar anfänglich gelingt, die rasante Fahrt aber nicht übersteht und letzten Endes nichts Ganzes und nichts Halbes ergibt. Seit langer Zeit ist "Raintree: Aus dem Feuer geboren" das erste Buch, das mir rundum überhaupt nicht zusagen wollte.
Dante ist der Anführer der Raintree, und weil ein König eines übersinnlichen Geschlechts nichts anderes zu tun hat, leitet er ein Casino in Reno. Dort gewinnt seit einer Weile eine junge Frau auffällig regelmäßig überschaubare Beträge, die verschmerzbar wären, weckt aber trotzdem Dantes Interesse. So lässt er sie sich eines Tages vorführen, um herauszufinden, wie sie ihn betrügt. Mit seinen empathischen Fähigkeiten kann er nicht nur in ihren Verstand eindringen, sondern ihn auch manipulieren. Bei Lorna stellt er aber verwundert fest, dass sie ebenfalls übersinnlich begabt ist, sodass zunächst all seine Alarmglocken laut schrillen. Er muss herausfinden, ob sie eine Ansara ist, denn die Ansara, ebenfalls ein übersinnlicher Clan mit magischen Kräften, sind der natürliche Feind der "guten" Raintree und auf Betrug und Verderben aus. Nach dem letzten Vernichtungsversuch vor gut zwei Jahrhunderten sind die Raintree selbstverständlich besonders wachsam. Doch bevor Dante Lorna, die präkognitive Fähigkeiten besitzt, die nicht immer so funktionieren, wie es ihr lieb wäre, gebührend untersuchen kann, bricht im Casino ein Feuer aus. Normalerweise ist Feuer für Dante überhaupt kein Problem, denn er kann nicht nur selbst Feuer erschaffen, sondern es auch seinem Willen unterwerfen. Aber hier stimmt etwas ganz und gar nicht, denn dieses Feuer widersteht ihm, und um seine und Lornas Haut zu retten, muss er Lornas eigene Magie anzapfen. Damit entsteht eine seltsame Verbindung zwischen ihnen, wodurch Lorna anschließend nicht einfach ihrer Wege gehen kann und andererseits gleich mit in Gefahr schwebt, denn selbstverständlich war das Feuer kein Zufall ...  

Unfertig erscheinende Romanze, die keine ist und die Protagonisten nach der Holzhammermethode zusammenführt. Schnell und ohne Tiefgang gestrickt, werden Gut und Böse flott nach dem Schwarz-Weiß-Muster getrennt, jahrhundertealte Fehden als Spannungsvorwand herbeikonstruiert und zwischendurch noch die genregebundene Erotik abgearbeitet. Auch wenn die Kooperation dreier Autorinnen an einer Trilogie noch so interessant erscheint, macht dieser Auftaktband keine Lust auf mehr. Schade, denn die Paranormalen sind hier ausnahmsweise mal weder Vampire noch Gestaltwandler, sondern haben vor allem mentale Fähigkeiten, die der Fantasie viel Spielraum lassen und beim Schreiben und Lesen Spaß machen sollten.

 

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