Montag, 20. Februar 2012

3 in 1 mit Linda Howard bei Julia Bestseller

(c) Cora-Verlag
Nun bin ich also doch ganz plötzlich wieder in Liebesromanlaune und arbeite an meinem Heftchen-SuB. 
Obwohl die Bestsellerautorin Linda Howard, die einige Reihen und eine Vielzahl von Einzelromanen verfasst hat, bereits im September 2011 mit einem Sammelband an der Reihe war, folgen im aktuellen Band 122 direkt drei weitere Romane von ihr. 
(Die Lektüre von Band 117 hole ich zeitnah nach.)
In allen drei Romanen entführt die Autorin die Leserin auf die Ranch und hält vor allem für Fans raubeiniger Verführercharaktere vergnügliche Lesemomente bereit. 
Allerdings muss man damit leben können, dass sich diese Raubeine auf eine machohafte Weise zunächst rücksichtslos nehmen, was sie wollen, bevor sie von Frauencharakteren gezähmt werden, die nicht ganz so zerbrechlich sind, wie sie auf den ersten Blick scheinen. Reibereien, glühende Funken und nicht nur heiße Küsse sind vorprogrammiert, bevor das ersehnte Happy End herbeigeführt wird. 


Der erste Roman im Bunde, "Am wilden Fluss" (im Original: Angel Creek), ist der zweite Roman in der Western-Ladies-Reihe der Autorin und wurde im Original bereits 1991 veröffentlicht. Als deutsche Erstausgabe erscheint er allerdings erst im August 2012 bei Mira Taschenbuch. 

Im Gegensatz zu den anderen beiden Romanen, die in diesem Sammelband vorliegen, haben wir es hier mit einem Historical zu tun. 

Protagonistin Dee Swann ist im Grunde nicht mehr im üblichen heiratsfähigen Alter, was ihr aber ziemlich schnuppe ist, denn sie hat kein Interesse an Männern und vertreibt jeden Bewerber nicht nur mit einem klaren Nein, sondern auch mit der Flinte. Ihr Lebensinhalt ist ihr kleines Stück Land, der Angel Creek, wo sie nach dem Tod ihrer Eltern seit inzwischen fünf Jahren allein lebt. Sie bewirtschaftet einen kleinen Gemüsegarten, der sie über Wasser hält. Mehr braucht sie nicht zum Leben. Außerdem sehen die Gesetze vor, dass das Land einer Frau bei Eheschließung an den Mann fällt, und genau das möchte Dee um jeden Preis verhindern. Inzwischen ist aber ihr kleines Tal mit dem Fluss das einzige Stück Land, das noch fruchtbar ist und mit ausreichend Wasser versorgt wird, sodass die Betreiber der angrenzenden Ranchen ein Auge darauf geworfen haben. Allen voran Lucas Cochran, der die größte Ranch weit und breit bewirtschaftet und nicht nur dringend Wasser für seine Rinder braucht, sondern auch hochtrabende Expansionspläne hat. Im Hinterkopf hat er dabei auch den Plan, unter Umständen die Bankierstochter Olivia zu ehelichen, selbst wenn sie sich beide nicht mehr als guten Tag und guten Weg wünschen und sonst nichts weiter füreinander empfinden. Ausgesprochen hat er diesen Plan noch nicht, aber die ganze Stadt ahnt bereits die große Verbindung voraus und tuschelt entsprechend. Als Lucas sich nun eines schönen Tages auf sein Pferd schwingt, um zu Dee zu reiten und ihr ein Kaufangebot zu unterbreiten, wirft ihn nicht nur ihre Sturheit um, und ehe er es sich versieht, wird er von ihr unverfänglich zum Essen eingeladen und hilft ihr im Stall. Wenig später stürzt Dee bei der Arbeit schwer und hat das Glück, dass Lucas bockbeinig und von seiner Kaufabsicht nicht abzubringen ist und deshalb wieder vor ihrer Tür steht. Die jungfräuliche Dee, die kaum aufrecht stehen, geschweige denn normal laufen kann, muss nun seine Untersuchungen über sich ergehen lassen. Und nicht nur das: von da an schaut Lucas regelmäßig bei Dee vorbei, greift ihr hier und da unter die Arme und beginnt, sie auf eine Weise zu begehren, die er selbst nicht für möglich gehalten hätte. Während Lucas und Dee ihrer leidenschaftlichen Anziehung nicht länger Herr werden, begegnet Olivia dem Mann ihrer Träume. Nur der ist ganz und gar nicht standesgemäß für eine Bankierstochter und arbeitet zu allem Überfluss für einen Rancher in der Gegend, der bereit ist, Dee kurz und klein zu trampeln, um an ihr Wasser zu kommen ...

Kurzweilige Romanze, die gleich drei Liebesgeschichten zu bieten hat und vor großer Kulisse große Gefühle zwischen Charakteren, die erst auf den zweiten Blick ebenbürtig wirken, und viel ungebändigte Leidenschaft auffährt. 
Leider mit überflüssigem Epilog und gleich zwei ausführlichen Entjungferungsszenen, die das Klischee bedienen und einen gewissen Nervfaktor mitbringen. Schade.





"Gefährlich sexy" (Duncan's Bride) erschien bei Mira Taschenbuch im Cora-Verlag auch unter dem Titel "Mitten in sein Herz", der sogar passender und weniger reißerisch ist. Auch dieser Roman gehört zu einer Serie, die allerdings nur aus zwei Romanen besteht, was Sinn macht, da die Anzahl der Charakter es nicht hergibt, eine ausufernde Reihe daraus zu machen. Zudem ist dieser Roman ebenfalls bereits Anfang der Neunziger erschienen und somit schon einige Zeit ins Land gegangen, sodass der Plot stellenweise Kopfschütteln hervorruft, zumal die Handlung in der Gegenwart angesiedelt ist und heute ein wenig angestaubt wirkt. Und ein Aufreger ist natürlich auch dabei, denn geradeheraus gesagt, erkauft sich hier ein Mann eine gefällige Ehefrau, die den Spaß dann auch noch mitmacht. 

Die New Yorkerin Madelyn ist bereits achtundzwanzig, sehr attraktiv, aber trotzdem unendlich allein, und das hat sie einfach satt. Sie will die Großstadt hinter sich lassen und endlich mit einem Mann ein Leben beginnen. Trotzdem verspricht sie sich nicht allzu viel, als sie, mehr im Spaß und aus Langeweile, auf die Heiratsanzeige des Ranchers Ray Duncan antwortet. Prompt bekommt sie Antwort und fliegt zu ihm. Doch als Ray sie sieht, ist er überzeugt, dass sie sich lediglich für eine heiße Nacht eignet, nicht aber als Rancherfrau. Denn Madelyn erinnert ihn viel zu sehr an seine Ex-Frau, die ihn belogen, betrogen und schlussendlich bei der Scheidung auch noch ausgenommen hat. Er will nicht noch einmal auf eine Großstädterin hereinfallen, und verlieben will er sich erst recht nicht. Deshalb schickt er Madelyn nach dem ersten Treffen direkt wieder nach Hause, ist aber so ehrlich zu ihr und teilt ihr mit, dass er sie sich nicht als Frau auf dem Lande vorstellen kann. Enttäuscht reist Madelyn, die sich von Rays Äußerem sehr angesprochen gefühlt hatte, wieder ab, erhält aber wenig später Rays Anruf, dass sich die anderen Heiratskandidaten auch nicht als passend herausgestellt hatten. Obwohl sie sich wie letzte Wahl vorkommt, willigt sie in seinen telefonischen Heiratsantrag ein und kaum zwei Wochen später ist sie auch schon die Frau des Ranchers, der sich mit jeder Menge Vertragsklauseln schützt. Madelyn ist jedoch mit jeder Faser ihres Herzens entschlossen, diese Ehe durchzuziehen. So lässt sie sich zwar erst einmal entjungfern, aber dann nicht an den Herd abstellen, nein, sie will überall involviert werden und helfen. Langsam erkennt sie, wie viel Arbeit zu tun ist und weshalb sich ihr Mann, dem die Kreditraten über den Kopf wachsen, so unnahbar gibt. Doch trotz all ihrem Einsatz bleibt Ray kalt und weist sie, außer im Ehebett, von sich. Also beschließt sie, ihm eine Lektion zu erteilen ...

Macho-Romanze mit zutiefst gekränktem männlichem Hauptcharakter, den man seitenweise ohrfeigen möchte, und weiblichem Gegenpart, der die perfekte Ehefrau sein möchte, aber dem störrischen Rancher ab und an erfreulich vor die Zähne redet. Trotz kurzweiliger Reibereien und sehr leidenschaftlicher Szenen ist das angestrebte Eheschema aber doch einen Tick zu spießig dargestellt. 






Auch Roman Nr. 3, "Michelle in Gefahr" ("Heartbreaker"), der dritte Roman in der Rescues-Serie, wobei die Rettung hier ganz wörtlich zu verstehen ist, ist nicht mehr brandneu, sondern ein Kind der 1980er Jahre. Deshalb geht es auch hier ein wenig "old-style", aber dennoch recht charmant zu, denn gegen den starken Retter in der Not dürfte kaum etwas einzuwenden sein. Viel Toleranz benötigt allerdings die verzweifelte Unterwürfigkeit der Protagonistin, die nicht einmal ansatzweise nach Lösungen sucht, die ihr den attraktiven Typen und sein fadenscheiniges Angebot vom Hals halten würden. Mit diesem Frauchenschema hatte ich anfangs stark zu kämpfen, hatte dann aber doch Mitleid mit der Protagonistin, die im Grunde ziemlich hilflos ist und über deren persönliche Hintergründe wir leider auch viel zu wenig erfahren.

Michelle hat das Land ihres Vaters geerbt und stellt, als sie dessen Unterlagen durchgeht, fest, dass ihr Vater - und somit nun sie als Erbin - Rancher John Rafferty einen horrenden Geldbetrag schuldet. In den vergangenen Jahren hat sie gut gelebt und bei den Bewohnern ihrer Heimatstadt den Ruf eines Party-Girls erworben. Den wahren Grund für ihre kostspieligen Auslandsreisen kennt allerdings niemand, genauso wenig, wie Michelle weiß, dass ihr Vater diese zum Teil mit bei Rafferty geborgtem Geld finanziert hat. Da sie um jeden Preis das Land ihres Vaters erhalten will, sucht sie nach einer Einigung mit Rafferty, aber der hat schon seine eigenen Pläne gemacht. Seit Jahren hat er auf Michelle ein Auge geworfen und sieht nun seine Chance gekommen, seine leidenschaftlichen Fantasien in die Realität umzusetzen. Michelle soll also die Schulden abarbeiten, indem sie mit ihm ins Bett geht. Zunächst weigert sie sich, aber bald steht sie in ihrem Elternhaus ohne Wasser und Strom da. Weil sich keine Alternative bietet, lässt sie sich auf Johns unmoralisches Angebot ein, und als sie gerade dabei ist, Gefühle zu entwickeln, bekommt sie plötzlich Anrufe aus ihrer Vergangenheit und hat schon bald einen Unfall ...

Aus der Verzweiflung geborene Romanze mit alternativlos scheinender, sich auf Heimat besinnender Protagonistin, die eigentlich viel zu viel Vergangenheitswunden mit sich führt, als dass sie sich auf solch einen Kuhhandel einlassen dürfte, und dominant-charmantem männlichem Held, dem man die großen Gefühle zunächst nicht so ganz abnehmen will, weil er sich mit seinem sexuell erpresserischen Verhalten nicht gerade mit Ruhm bekleckert. 
Gegen Ende machen Spannung und ein Anflug von Action die von Unterbutterung geprägte Liebesgeschichte aber wieder wett und "Michelle in Gefahr" doch zu einer recht annehmbaren Lektüre. 






Wer mich sucht, findet mich in den nächsten Tagen hinter Linda Howards LiRos ....

Kommentare:

Carmen hat gesagt…

Hallo Sinje!

Weshalb ist bei "Michelle in Gefahr" die Protagonistin alternativlos? Sie kann das Land verkaufen und damit die Schulden wohl bezahlen. Oder sie hätte die Erbschaft auch ausschlagen können.

Solche Plots sind eigentlich traurig, weil romantisch verklärt wird, dass sich die Heldin für ein Stück Land (oder damit ein Verwandter nicht ins Gefängnis kommt, etc.) prostituiert.

Ich will nur ein einziges Mal erleben, dass sich in so einem Buch die weibliche Hauptperson für den Verkauf entscheidet oder den Verwandten ins Gefängnis wandern lässt (wo er hingehört) und den Epresser anzeigt. Aber so funktionieren derartige Romane eben nicht.

Wenn die weibliche Hauptperson die arrogante, sture und machthungrige reiche Rancherin wäre und der junge Held müsste bei ihr seine Schulden mittels sexueller Gefälligkeiten abarbeiten, wäre das Entsetzen über ein derartig anmaßendes Buch wahrscheinlich groß ...

Liebe Grüße
Carmen

Sinje hat gesagt…

Liebe Carmen,

tja, so ist das eben, wenn sich die Damen wieder auf die Heimat besinnen. Dann wollen sie die Ranch nimmer hergeben, sich lieber kaputtackern.
In einem umfangreicheren Roman könnte ich mir durchaus vorstellen, den notgeilen Typen in den Allerwertesten zu treten, das Ding zu verkaufen, anderswo richtig Kohle zu machen und das Ding zurückzukaufen, wenn ich denn so auf meiner Heimat bestehe.
Blöderweise wissen wir gar nichts, was die Dame kann oder nicht.
Schade ... aber für den schnellen Aufreg- und dann doch noch Wegschmelz-Leseeffekt liest es sich ganz gut.
Viel gut gemacht hat tatsächlich der "Held-eilt-zur-Rettung"-Strang, denn sonst hätte ich mich über die sexuelle Belästigung, und das ist es nun mal, tierischst aufgelegt und ein gutes Feuer im Kamin gemacht.

Liebe Grüße
Sinje

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