Sonntag, 29. Januar 2012

Schmökern mit Sohnemann #1


Da ich ihn ohnehin immerzu erwähne (bis er einen Schluckauf bekommt), bloggt mein Sohn ab sofort indirekt mit  (bis ihm vom Schluckauf die Ohren klingeln). 
Ich lese sogar mehr mit meinem Sohn, als ich selber eigenen belletristischen Lesestoff schaffe, weshalb ich mir überlegt habe, künftig, ab und an, auch den Lesestoff vorzustellen, dem wir uns in der Regel abends gemeinsam widmen. 
Momentan handelt es sich noch um Lektüre, die ich vornehmlich vorlesen muss, aber das soll der Sache natürlich keinen Abbruch tun. 
Mein Sohn wird im Frühjahr sieben Jahre alt und geht inzwischen mehr oder weniger wissbegierig in die erste Klasse (hier auch besonders liebevoll SEP 1 genannt). 
Da seine Lehrerin vom bislang hier zelebrierten Lesenlernen anhand von Silben Abstand nimmt, dafür das buchstabenweise Erschließen des Wortes bevorzugt, tasten wir uns im Alphabet gemächlich vorwärts und haben, so kurz vor den bevorstehenden Winterferien, knapp über die Hälfte der Buchstaben absolviert. 
Das selbständige Lesen hinkt deshalb noch etwas hinterher. 
Außerdem zeigt mein Sohn überhaupt kein Interesse an - als solche deklarierten - Erstlesebüchern. Diese straft er mit schöner Regelmäßigkeit in unserem Lieblingsspielzeugladen (mit integrierter Leseecke) nämlich stets mit stoischer Missachtung. 
Tja, er hat eben seinen eigenen Kopf und will lesen bzw. lesen lassen, worauf er Lust hat, und nicht, was er aus irgendwelchen pädagogischen Gründen können sollte. 
Wenn es Märchengene gibt, dann haben wir die auf jeden Fall, denn immer wieder erwische ich meinen Sohn vor meinem Märchenbücherregal, in dem vielleicht ein Bruchteil Kinderlesestoff ist. 
Außerdem muss ich nicht selten eine gehörige Portion schauspielerisches Talent in das Vorlesen von Kindersachbüchern legen. 

So war das nächste Züngelchen an der statischen Waage unseres alten Häuschens das gestrige Omageschenk, das dem kleinen Ritterfan an zwei Abenden leuchtende Augen verschuf. Natürlich wieder einmal ein Pop-Up-Buch mit ordentlichem Unterhaltungsfaktor und jeder Menge Informationen, die mich wohl auch noch zum Semiprofi in Sachen Rittern machen werden. 

Die Stadt der Ritter hat, wie bei Pop-up-Büchern üblich, nur wenige - 32 - Seiten, bietet aber viel zum Staunen: beim Aufklappen entfalten sich eine Brücke, die Burg und die Kathedrale, die mit ihren nachgeahmten Buntglasfenstern ganz besonders reizvoll ist. 
Neben den üblichen Sachinformationen über Mittelalter, Ritterausbildung, Landleben, Stadtleben, Geldverdienen, Ritterturnier, Belagerung, Kriegszeiten, Kunst und Unterhaltung, Stadthäuser und die drei in 3D dargestellten Bauten führt der zu Beginn 7-jährige Hugo de la Roche durch das Buch und erzählt von seinem Weg vom Pagen zum Ritter. 
Laut Verlagsangabe ist das Buch für 6- bis 8-Jährige gedacht, da aber mein Sohn derzeit, wie oben erwähnt, nur wenig selbständig lesen kann, wird es uns wohl noch eine Weile länger begleiten, zumal das kindgerecht aufbereitete Wissen auch später noch seinen Reiz haben dürften und die liebevollen Illustrationen zum Immer-Wieder-Anschauen einladen.
Mein Sohn jedenfalls liebt Die Stadt der Ritter: Ein Pop-up-Buch zum Staunen bereits heute heiß und innig und hat ihm direkt einen Sonderplatz im Bücherregal zugewiesen.
Für morgen Abend allerdings hat er sich schon eine Geschichte beseitegelegt und angekündigt, er wolle "gaaaaanz viel" selbst lesen. 
Dann bin ich mal gespannt, ob Franklin der Held morgen Abend immer noch Objekt der Lesebegierde ist. 

Kommentare:

Carmen hat gesagt…

Lesen lernen anhand von Buchstaben finde ich besser, weil Worte durch eine immer neue Kombination von Buchstaben gebildet werden. Und wenn man als Kind alle Buchstaben kennt, dann kann man sich die Worte in der Anfangsphase durch die Aneinandereihung der Buchstaben erschließen. Später, wenn das kindliche Gehirn sich ans Lesen gewöhnt hat, geht das Lesen natürlich schneller. Man erfasst sofort das ganze Wort, ohne noch groß mit Buchstaben puzzeln zu müssen. Mit Silben stelle ich mir das viel, viel schwieriger vor.

Dein Sohn hat beim Lesestoff einen guten Geschmack :-)

Liebe Grüße
Carmen

Sinje hat gesagt…

Liebe Carmen,
ich finde es auch besser, allerdings, weil ich es nicht anders kenne.
Das Lesen nach Silben wurde in der Schule, in die mein Sohn nun geht, bis letztes Jahr praktiziert - mit nur sehr mäßigem Erfolg.
Mit der neuen Lehrerin kam dann auch die Rückkehr zu Altbewährtem, wobei Fibel und Co. gar nicht verwendet werden können, weil diese eben nach dem Silbenprinzip arbeiten.
Mir ist es eben wichtig, dass mein Sohn sich mit Dingen, die ihn interessieren und ihm Spaß machen, ans Lesen gewöhnt und er ohne Zwang Neues entdecken kann.
Wahrscheinlich will mein kleiner Sturkopf deshalb bewusst die Erstlesebücher nicht lesen, denn die Verkäuferin hatte ihn gezielt beiseite genommen und sie ihm als "das genau richtige für dich" angepriesen, und da fand er wohl, das sei genau nichts für ihn :-)

Liebe Grüße
Sinje

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